MWetntr Zeitung
K«ts-Kmtsttatt * MyemeLner amtlicher KrHeigerjÄr 8m AreLs Schlüchtem
Nr. 37 (L Blatt) Donnerstag, den 26. Mär; 1931 83. Jahrs.
Amtliche Bekanntmachungen
Krei s au ssUu ß.
FreilviUige Santtatskolanne Sterbsritz.
I.-Nr. 447 R. K. Ruf Freitag, den 27. März b. 3 s., abends 7 Uhr werden die Rolonnenmitglieder zu einer Uebung in die Schule zu Sterbfritz (1. Rlasse- Schulsaal) hiermit freundlichst eingeladen. Interessenten sind willkommen.
5terbfritz, den 23. März 1931.
Schneider, Vorsitzender.
Schlüchtern, den 23. März 1931.
Dr. Müller,
Vorsitzender des Männervereins vom Roten Ureuz.
J.-Nr. 1408 K. A. Die Ernennung des Schneidermeisters Georg Roll in Schwarzenfels zum Gemeinderechner der Gemeinde Schwarzenfels habe ich gemäß § 55 Abf. 1 und § i90 Abf. 1 der Landgemeindeordnung für die Provinz Hessen-Nassau vom 4. August 1897 bestätigt.
5chlüchtern, den 24. März 1931.
Der Landrat: Dr. Müller.
Stadt Schlüchtern.
betrifft: Befreiung vam Dienst bei der Vstichtsenerwetzr
für das Rechnungsjahr^ 19Zl fl. April 1931 — 31. März 1932) durch Zahlung des Loskaufgeldes.
Räch dem zu der Ordnung, betr. das Feuerlöschwesen in tat Stadt Schlüchtern vom 8. 1. 1907 ergangenen Nachtrag vom 4. 4. 1928 können auf Antrag Feuerwehrdienstpflich- tige. jeweils für die Dauer eines Rechnungsjahres (1. April — 31. März) gegen Zahlung eines jährlichen Los- tafgelbes von 3.— Rist vom Dienst bei der Pflichtfeuerwehr befreit werden. Anträge für das Rechnungsjahr '31 sind bis spätestens i 0. April 1931 an den ^agistrat einzureichen.
Schlüchtern, den 19. März 1931.
Die Polizeiverwaltung: Gaenßlen.
Stadt Steina«.
Bekanntmachung
Die unbefugte Entnahme von Schwemmsand und Kies aus dem Flußbette der Rinzig ist verboten. Unberechtigte Entnahme wird geahndet. Steinau, den 16. März 1931.
Die Polizeiverwaltung: Dr. Kraft.
Betr. Rattenvertilgung.
Um 8. April erfolgt die letzte unentgeltliche Auslegung von Rattin.
Diejenigen Grundstücksbesitzer, die der Rattenplage noch Asgesetzt sind, wollen sich wegen der letzten Auslegung während den Vormittagsstunden im Nanzleizimmer des Rat- Mfs bis zum 1. 4. 31 melden.
Diejenigen Grundstücksbesitzer, deren Grundstücke überhaupt flücht mit Rattin belegt sein sollen, werden gleichfalls gebeten, dies bis zum 1. 4. 31 anzumelden.
Steinau, den 20. März 1931.
Die Polizeiverwaltung. Dr. Kraft.
Um Deutsch-Ostafrika.
IDtB. London, 24. 3. Der Gouverneur von Tangan- *üa, Sir Donald dameron, wurde heute vor dem gemein- ^len Parlamentsausschuß, der die Frage einer engeren Verbindung der ostafrikanischen Besitzungen und des Man- Halsgebietes zu prüfen hat, gutachtlich gehört. Eameron Mach sich durchaus gegen den Plan einer solchen engeren Verbindung aus und erklärte, daß er in einer solchen chbindung nicht den geringsten Vorteil erblicken könne. ^Ilte die Regierung, so schloß Eameron, eine Veränderung jus äußeren Gründen für notwendig leiten, so müßte Qs britische Schatzamt auch die Kosten übernehmen, nicht ^r das Mandatsgebiet.
h Nachdem die viel besprochenen Steueranträge im Mstag nun ihre Erledigung gefunden haben, ist es Dienstag gelungen, auch in den beiden noch ausstehen- Restfragen die Zollermächtigung und die Reichs- ^vertagung zu einer Klärung zu gelangen. Man ^net in parlamentarischen Kreisen jetzt bestimmt dainit, H der Reichstag bis zum Freitagabend seine Aufgaben '^digt hat und auscinandcrgehen kann.
. Die Strafkammer des Landgerichts Stuttgart hat ? Haftbeschwerde von Dr. IDoff und Frau Dr. Kienle« ^kubowitz verworfen, ba die Strafkammer der Ansicht X daß bei den beiden Beschuldigten Fluchtverdacht vor- ^i und daß daher auch die Kaution von Dr. Wolf nicht gegeben werden kann.
Neichsregierung wird ermachiigi.
Sparkompromiß gesunden. — Um die Steuern und Zölle.
Berlin, 24. März.
3m Unterausschuß des Haushaltsausschusses kam es über die von der Deutschen Volkspartei beantragte Spar- ermächtigung für die Regierung im Haushaltsgesetz zu einer Einigung. Es gelang, eine Formulierung zu finden, die auch die Zustimmung der Sozialdemokraten fand. Danach wird nicht die Reichsregierung allgemein, wie es die DVP. verlangt hatte, sondern nur die gegenwärtige Regierung Brüning ermächtigt, falls sich gegenüber dem hanshaltsvor- fchlag im Laufe des Ltalsjahres Mehrausgaben oder Mindereinnahmen ergeben, entsprechende Einsparungen auf der Ausgabenseite vorzunehmen. Die Aenderung gegenüber dem ursprünglichen Antrag besteht also in der Beschränkung der Ermächtigung auf die jetzige Reichsregierung. Damit ist die Annahme des Gesamketats im Reichstag mit einer großen Mehrheit, zu der u. a. sowohl Sozialdemokraten wie Deutsche Volkspartei gehören, gesichert.
Der Kanzler führte weiterhin lange Verhandlungen mit den Fraktionsführern, um die noch strittigen Fragen zu klären Namentlich wurde die Frage erörtert, was geschehen soll, nachdem im Reichstag die Steueranträge der Sozialdemokraten angenommen worden sind. Ein'parlamentarischer Ausweg zeigte sich nicht, infolgedessen ist damit zu rechnen, daß der Kampf um die Steuererhöhungen nunmehr in den Reichsrat verlegt wird.
3n parlamentarischen Kreisen nimmt man an, daß die Reichsregierung sich bemühen wird, den Reichsrat zur Ein- legung des Einspruchs gegen die Sker erbeschlüsse des Reichstags zu bewegen.
Daetrag Dp. Schachts über die Weltwirtschaft» Krise.
WEB. Bern, 25. 3. Auf Einladung der volkswirtschaftlichen Gesellschaft des Kantons Bern sprach am Dienstagabend der frühere Reichsbankpräsident Dr. Schacht in .eine;. Mirefch besuchten-Lex'^ über ba^ dfeuüÄ „Ursache und Heilung der Weltwirtschaftskrise". AIs Zeichen der bevorstehenden strukturellen Weltwirtschaftskrise erwähnte der Vortragende die große Arbeitslofennot, das Fallen der Rohstoffpreise und die völlige Unordnung auf dem Kapitalmarkt. In Deutschland habe man versucht, durch eine künstliche Belebung der Konjunktur der Krise beizukommen. Die Mittel zu dieser Maßnahme habe sich der Staat teils durch, wie Dr. Schacht sich ausdrückte, übertriebene Besteuerung, teils durch ausländische Anleihen, die den Staat außerordentlich schwer belasteten, beschafft. Das einzige, was die deutsche Wirtschaft nicht brauche, das sei ausländisches Kapital. Kein Industriestaat dürfe ausländische Schulden haben. Das richtige Mittel zur Behebung der Krise liege in der Auswertung der Absatzmöglichkeiten und der Rohstoffbeschaffung. Die Wegnahme der deutschen Kolonien bezeichnete Dr. Schacht als einen wirtschaftlichen Fehler, der wieder gut gemacht werden müsse, wenn die Weltwirtschaftskrise Erleichterung finden solle. Eine Exportsteigerung sei für Deutschland eine Notwendigkeit, wenn es seine ausländische Anleihen verzinsen unb amortisieren und seinen Reparationsverpftich- tungen nachkommen Jolle. Allgemein gesprochen gebe es nur einen Ausweg aus der Krise, die Organisierung der Märkte. Die B. I. 3. sei.für diesen Zweck ins Leben gerufen worden. Sie habe aber bisher in dieser Richtung nichts getan. Nicht Deutschland brauche Geld, sondern die Länder, die Rohstoffe erzeugen und die für den industriellen Absatz erschlossen werden müßten. Dem Vortrag wohnten u. a. die Bundesräte Musn und Pilet sowie der deutsche Geschäftsträger Dr. Ullrich bei.
Italien prüft das deutsch-österreichische Abkommen.
Rom, 25. März. Die „Agenzia Stefani" teilt mit: ES trifft zu, daß die italienische Regierung an die österreichische Regierung das Ersuchen um Aufklärung gerichtet hat, tyit die genaue Tragweite dieses Abkommens kennenzulernen. Im Besitz der verlangten Unterlagen über das Abkommen und die Nebenfragen beauftragte die italienische Regierung die zuständigen Stellen mit der Prüfung, auf Grund deren sie sich die spätere Bekanntgabe ihrer Auffassung Vorbehalt.
Der Thüringer Landtag auf 1. April cinbrrufc».
Weimar, 25. März. Der Aeltestenrat des Thüringer Landtages hat mit Zustimmung der Deutschen Volkspartei beschlossen, für den 1. April eine Vollsitzung anzuberaumen und die sozialdemokratistheu Miß- traucnsanträge gegen die nationalsozialistischen Kabinettsmitglieder Dr. Frick und Marschier auf die Tagesordnung zu setzen.
Dar Urteil im Madrider Kriegsgerichlsprozeß. 3n dem Prozeß gegen das revolutionäre Komitee vor dem Kriegsgericht in Madrid wurde dar Urteil gefällt. Sämtliche Angeklagten wurden zu je sechs Monaten und einem Tag Gefängnis verurteilt.
18 800 indische politische Gefangene freigelaffen. Aus Grund be- Gandhi -Irwin Abkommens sind, wie aus Neu-Delhi beriäüet wird, seit Dem 5 März 18 800 politische Gefangene in Freiheit gesetzt worden.
Wer heuchelt?
Frankreich mißt mit zweierlei Matz. I
Berlin, 25. März. <
Der Pariser „Temps" hat es als eine Heuchelei bezeichnet, wenn in Deutschland erklärt werde, daß die Zollunion zwischen Deutschland und Oesterreich sich durchaus im Rahmen von Paneuropa halte. Obwohl man in politischen Kreisen Berlins nicht geneigt ist, sich mit Anwürfen dieser Art auseinanderzusetzen, glaubt man doch hier einmal festhalten zu müssen, wie sehr das genannte französische Blatt mit zweierlei Maß mißt. Wenn Rumänien und Südslawien im Rahmen von Paneuropa Zollabmachungen treffen oder wenn beispielsweise in Skandinavien eine Konferenz statt- iindet, die im Grunde genommen die gleichen Ziele hat, dann ist nach französischer Auffassung natürlich alles in Ordnung.
Sobald sich aber von deutscher Seite ähnliche Bestrebungen geltend machen, glaubt ein Teil der französischen Presse in althergebrachter Weise, darin eine «Bedrohung" Frankreichs sehen zu müssen.
Im Auslande ist weiterhin darüber Klage geführt worden, daß Deutschland und Oesterreich die Nachbarländer gewissermaßen vor eine vollendete Tatsache gestellt hätten. Demgegenüber wird von zuständiger Stelle in Berlin erneut betont, daß man mit Absicht erst einen Borvertrag geschlossen habe, um die Nachbarstaaten rechtzeitig ins Bild setzen zu können.
3m übrigen ist Deutschland ebensowenig offiziell z. B. von dem Zusammentreffen der Flottenkonferenz benachrichtigt worden, ganz abgesehen davon, daß man es auch nicht für nötig gehalten hat, nach Abschluß der Konferenz Deutschland deren Ergebnis mitzuteilen. An der Hauptrichtlinie der deutschen Politik, so betont man in maßgebenden Kreisen der deutschen Regierung, nämlich der Verständigung mit Frankreich, haste sich auch durch das Abkommen mit Oesterreich nichts geändert, wenn man hingegen franzöfischerseit» immer nur Schwierigkeiten machen will, dann müßte man sich in Berlin überlegen, ob ein solches Verh olen aus der frm Mischen Seite nicht zu einem ernsthaften ylndernis zar Erreichung dieses Verständigungszieles wird.
Französische presse fordert Gegenmaßnahmen.
Paris, 25. März.
Abgesehen vom sozialistischen „Populaire", der sich zum Verteidiger des deutsch-österreichischen Abkommens macht, setzt die gesamte französische Presse ihren Kampf fort und fordert die französische Regierung auf, energisch durchzu- greifen, ehe es zu spät sei. Selbst alle linksgerichteten Blätter wie das „Oeuvre" solidarisieren sich vollkommen mit Der chauvinistischen Hetzpresse.
Die größte Torheit von 1919.
London, 25. März.
Der den Regierungskreisen nahestehende „Daily Herold" sagt in einem Leitartikel, daß die österreichische und die deutsche Regierung mit der Ankündigung der beabsichtigten Zollvereinigung eine Bombe in das diplomatische Europa geworfen hätten.
Man verstehe den Wunsch nach einem inneren Zusammenschluß zwischen den vielen Deutschen, die in Oesterreich leben, und der großen Masse im Deutschen Reiche selbst und habe in England volle Sympathie dafür. Die Klausel in dem Vertrage von Saint Germain, die den politischen Anschluß, verbiete, sei eine der größten TorheiHn derjenigen, die den Frieden im Iahrc 1919 gemacht hätten.
Die nervösen Besorgnisse Frankreichs seien phantastisch. Dr. Curtius und Dr. Schober würden aber angesichts der entstandenen Unruhe gut beraten sein, wenn sie noch ein wenig warteten.
Hermann Müllers Aufbahrung.
im iozialdemvkratischen ParteihauS
Die Leiche des ehemaligen Reichskanzlers Hermann Müller wurde im Parteihaus der deutschen Iozial- demokratie in der Lindenstraße aufgebahri.
Nachdem die nächsten Angehörigen des Verstorbenen Abschied genommen hatten, wurde der schwarz ausgeschlagene Ehrenraum, der mit reichem Blattgrün geschmückt 'ist, der Allgemeinheit zugänglich gemacht. Besonders in den Nachmittagsstunden nach dem Betriebsschluß der Fabriken setzte ein starker Zustrom der Parteigänger ein, um am offenen Sarge von ihrem Parteiführer Abschied zu nehmen.
Sechs Mitglieder des Reichsbanners Hallen am Sarge die Ehrenwache. Zu Häupten des Verstorbenen steht das Banner der Deutschen Sozialdemokratischen Partei. Die Vaterstadt des Verstorbenen, Mannheim, hat einen großen Lorbeerkranz mit der Stadtschleife in den Farben Blau Weitz^Rot niederlegen lassen. Außerdem fallen neben den vielen Kränzen der Par- tei-OrtsqrnPPen die der österreichischen Republik, der Stadt Äien und der österreichischen Gesandtschaft auf.
— Nach dem Bericht der Reichsanstalt ist in der ersten Märzhälfte »auf dem Arbeitsmarkt eine gewisse Stagnation eingetreten. Iedoch ist nicht zu verkennen daß Anzeichen einer Belebung der wirtschaftlichen Tätigkeit jauch weiter bemerkbar sind.