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MIMtetner Zeitung

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Nr. SS 0. Blatt) Donnerstag, den 7. Mai 1931 83. Jahr«.

Amtliche Bekanntmachungen.

LandratSaMt.

Jagdverordnung.

3m Regierungsbezirk Kassel wird die Schonzeit für Reh­becke auf Grund des Z 40' der Pr. 3agborbnung vom 15. Juli 1907 (G. S. S. 207) bis zum 29. Mai 1931 ein­schließlich verlängert.

' Rassel, den 24. April 1931.

Der Bezirksausschuß.

Kreisauss ch u tz.

Ukterstützung von Uolksbiicherete«

I.-Nr. 2248 K. A. Eine Unterstützung von 50 000 Bänden (Volks- und Iugendschriften) stellt die Gesellschaft für Volksbildung, Berlin IUD. 40, Lüneburger Str. 21, aus der von ihr verwalteten Rickert-Stiftung unbemit­telten Volksbüchereien, die Mitglieder der Gesellschaft sind, zur Verfügung. Von den gebundenen Büchern ist in der Regel der Einband zu entschädigen, einige Bücher werden auch völlig unentgeltlich abgegeben. Die Stiftung besteht seit 1903 und hat bis Ende des letzten Geschäftsjahres 10 610 Büchereien mit 229 082 Büchern unterstützt. 3m letzten Geschäftsjahr allein wurden Bücher im Werte von 76 238.-- RM. an 782 Büchereien abgegeben. Die Bücher können von den Antragstellern nach einem besonderen Verzeichnis selbst ausgewählt werden, das die oben ge­nannte Gesellschaft kostenlos abgibt.

Bchlüchtern, den 2. Mai 1931.

Der Vorsitzende des Rreisausschusses: Dr. Müller.

3.4Tr, 2287 K. A. Die Herren Standesbeamten des Kreises mache ich auf die am t

Sonnabend, den 9. Ma i d. 3 s. nachm. 4 Uhr im Saale des Hotels3ur Krone" in Kaff au an der ^ohn flatlfmö»aöein-11. ZahresverlamnrUtng der äi-a-ude-s- beomten der Provinz Hessen-Nassau aufmerksam. Die Ge­meinden des Kreises ersuche ich ihre Standesbeamten zu dieser fachwissenschaftlichen Zusammenkunft zu entsenden und die entstehenden Reisekosten als sächliche Kosten des Stanbesamtes auf die Gemeindekassen zu übernehmen. _ Die Tagesordnung für die Versammlung ist in der Zeitschrift für Standesamtswesen Hr. 8 vom 24. April 1931 veröffentlicht.

Schlüchtern, den 4. Mai 1931.

Der Vorsitzende des Rreisausschusses: Dr. Müller.

Saarktnder.

3=Hr. 7787 $. Aus Kreisen der unter Rriegs- und Nach- briegsfolgen schwer leidenden Bevölkerung des Saargebietes ist man auch in diesem Jahre an mich mit der Anfrage herangetreten, ob Kamillen im Kreise Schlüchtern bereif wären, Rinder aus dem Saarland während ihrer Kericn für 46 Wochen unentgeltlich bei sich aufzunehmen. Durch eine solche Kerienunterbringung der Rinder soll neben deren Erholung zugleich engere Kühlung und Verbindung. der freien deutschen Bevölkerung mit der des Saargebietes spielt werden. Ich begrüße diesen Vorschlag und bin davon überzeugt, daß auch unser Kreis nicht zurückstehen wird, ^e innere Verbundenheit des Mutterlandes mit dem aüge­krauten Saargebiet, dessen Bewohner nun feit Jahren unter den harten Auswirkungen des versailler Vertrages leiben, zu fördern und zu festigen, inbem wir den bercch- bgten Wünschen unserer saarländischen Volksgenossen wci- KÜtgehend entgegenkommen. Alle diejenigen Kamst en, die M Aufnahme eines oder mehrerer Rinder bereit und in cr Sage sind, werden gebeten, mir dieses unter Angabe «r genauen Anschrift d ü r ch Vermittlung der B ü r= 9 c r m e i ft c r c i bis zum 1.' Juni 1931 mit zuteilen, Be- lonbere Wünsche betreffs Alter und Geschlecht der aufzu- "rhmenden Rinder sind bei der Meldung zum Ausbrmiu r11 bringen. Wünschenswert wäre es, wenn mehrere Rinder w einem Ort oder gar in einer Kamilie untergebracht wer- könnten, weil ihnen dadurch bas Einleben wesentlich leichtert würde.

Schlüchtern, den 20. April 1931.

Rreiswohlfahrtsamt: Dr. Müller.

» Räch dem nunmehr vorgelegten Geschäftsbericht der Lutschen Reichsbahn für 1930 führte der Rückgang des und Rraftverkehrs zu einer Verminderung der Ein nQWn um 783,5 Mill. RM. oder 14,63 Prozent.

m . Durch Verordnung der Regierung wird der Zoll für pHen unb Such jur Herstellung von Mehl oder Schrot h,1'er gewissen Dorausfekungen) auf 20 RM. je Doppel« »r ermäßigt. Die Rlühlen müssen den Vorteil dieser '^"Vergütung den Verbrauchern zugute kommen lassen, oam!l eine entsprechende Senkung des Mehlpreises erfolgt.

Der soziale Gesamtaufwand.

7,5 Milliarden RM im Jahre 1930.

Berlin, 6, Mai.

Aus einer Aufstellung über den Aufwand der Sozial­versicherung ergibt sich, daß aus den Beiträgen für die Krankenversicherung aufgebracht wurden 2,1 Milliar­den RM, für die Unfallversicherung 430 Millionen, für die Invalidenversicherung 985 Millionen, für die Angestellten- versicherung 382 Millionen und für die Knappschaftsversiche- rung 147 Millionen RM. Dazu kommen noch 18 Millionen Reichszuschüsse für die Krankenversicherung, 445 Millionen für die Invalidenversicherung und 30 Millionen RM für die Knappschaftsversicherung.

Der Gesamtaufwand hat also im Jahre 1930 betragen 4 937 000 000 RM gegenüber 1 371 200 000 RM im Jahre 1913. Dazu kommen noch rund 3 Milliarden RM Arbeits­losenversicherung. Der gesamte Sozialversicherungsauswand hat demnach im letzten Jahre 7,5 Milliarden RM betragen.

Gegen die Crwerbslosennoi.

Die Vorbereitung des freiwilligen Arbeitsdienstes.

Berlin, 6. Mai.

In der Reichskanzlei fand eine ausführliche Aussprache zwischen den interessierten Verbänden über den freiwilligen Arbeitsdienst statt. Den Vorsitz führte Reichsminister Tre- viranus, der die Verhandlungen mit längeren Darlegungen darüber eröffnete, wie sich auf Grund der vorbereitenden Besprechungen zwischen den Reichsressorts und innerhalb der Brauns-Kommission nach seiner Ansicht ein freiwilliger Arbeitsdienst mit Unterstützung des Reiches entwickeln lasse. Es bestehe die Hoffnung, von der Reichsanstalt für Arbeits­vermittlung und Arbeitslosenversicherung einen Kopfbeitrag von etwa 2 RM für eine bestimmte Frist zu erhalten.

In der Aussprache pflichteten alle beteiligten Organifa- j^nen mit ae^m in Eim. Mnnei, und. ^ weit es sich um politisch orientierte Verbände handelt, unter gewissen Vorbehalten in bezug aus Organisation, arbeits- rechtlichen Aufbau usw. dem Grundgedanken des freiwilli­gen Arbeitsdienstes bei. Die von dem Minister aufgeworfene Frage, ob eine ausreichende Zahl von Freiwilligen sich unter den in Aussicht genommenen Bedingungen melden wurde, wurde allerseits bejaht. Auch die weitere Frage, ob aus­reichende Arbeiten vorhanden seien, wurde bejaht.

Die Besprechungen über die Vorbereitung des freiwilli­gen Arbeitsdienstes werden nach dieser vorbereitenden Aus­sprache in der allernächsten Zeit fortgesetzt werden. Die nächste Sitzung wird unter dem Vorsitz des Reichsarbeits- minifters Dr. Stegerwald stattfinden, sobald die Brauns- Kommission ihr Gutachten über den freiwilligen Arbeits­dienst erstattet hat.

Mutter und Kind fofgefaxter.

Auto rast zwischen Spaziergänger.

Auf der Fahrt zur 'Beerdigung des Grafen Arnim in Muska» fuhr Baron von Teichmann aus Ober-Ge-- belzig, Kreis Rotheuburg (Lausitz), in eine Gruppe Spaziergänger. Eine Witwe mit ihrem elfjährigen Sohn wurde sofort getötet, zwei weitere Personen schwer und eine Person leichter verletzt.

Im Urbanprozeß Todesstrafe beantragt.

Berlin, 6. Mai. In dem Mordprozeß gegen den Artisten Urban beantragte die Staatsanwaltschaft die Todesstrafe. Das Urteil wird noch im Verlaufe des Mittwochs verkündet.

Schwere politische A«snmme«stötzc

in Duioburg-Hambor».

WTB. v u i s b u r g - h a mb o r n, 6. 5. Zwischen einem Trupp Nationalsozialisten und einem Trupp Kommunisten kam es gestern abend in der Goebenstraße in Bamborn zu schweren politischen Auseinandersetzungen. Die Kommunisten griffen die in der Minderzahl befindlichen Nationalsozialisten an. Beim Eintreffen der Schnellhilfe hatten sich die An­greifer zum großen Teil zurückgezogen. Aber eine Stunde später kam es zu neuen Zusammenstößen, wobei auch mehrere Schüsse fielen. Ein Nationalsozialist wurde durch einen Beckenschuß lebensgefährlich verletzt. Leichter verletzt wurden sieben Nationalsozialisten und drei Kommunisten. Acht der Verletzten fanden Aufnahme im Krankenhaus. Don welcher Seite die Schüsse abgegeben wurden, konnte noch nicht festgestellt werden.

Der Schäfer 3ahobi, der am Neuiahrsmorgen den Baron v. Maltzähn, seinen Dienstherr»/ in Güstrow im Verlauf eines Streites erstochen hatte, wurde vom Schwur­gericht zu 15 Jahren zwei Wochen Zuchthaus verurteilt.

In Südafrika ist der englische Millionär und Sports« iu(11m Kibfton mit seinem Geschäftspartner Gladstone bei einem Klug über einem Gebirge abgestürzt. Beide waren sofort tot.' Kibfton hatte erst kürzlich einen neuen Klug- dauer-Rekord für die Strecke London-Rapstadt ausgestellt.

Zollunion und Kleine Entente.

Die deutschen Handelsvertragsverhandlungen mit Bukarest.

Die rumänische Regierung steht unter einem starken Druck. Frankreich und die Tschechoslowakei wirken zusam­men, um in Bukarest gegen den deutsch-österreichischen Plan Stimmung zu machen, und man hat leider den Eindruck, daß diese Agitation ihre Wirkung tut.

Die begeisterte Darstellung, die das offiziöse tschechische Pressebüro über den bisherigen Verlauf der in Bukarest tagenden Konferenz der Kleinen Entente veröffentlicht, über- treibt zwar sicherlich das Maß des Einvernehmens, das zwischen der Tschechoslowakei, Ir.goslawien und Rumänien bei dieser Gelegenheit erzielt worden ist, und wenn man die Tischreden der drei Außenminister bei dem offiziellen Festbankett der Konferenz zum Vergleich heranzieht. so kann man feststellen, daß diese verantwortlichen Leiter der Außen­politik der drei Staaten sich bei allem Wunsch, das Gefühl der Verbundenheit herauszustellen, doch bedeutend zurück­haltender geäußert haben. Sie haben zwar die Gemeinsam­keit der vor ihnen liegenden Aufgaben betont, aber von einer Bindung über die gemeinsame Lösung war doch wohl nicht in der Art die Rede, daß die Präger Darstellung eines vollen Einvernehmens über die weiteren Maßnahmen" ge­rechtfertigt wäre.

Daß gerade von Prag aus diese Darstellung verbreitet wird, ist nur ein neues Zeugnis für den besonderen Eifer, mit dem der tschechoslowakische Außenminister Benesch am Werk ist, gegen den deutsch-österreichischen Zollplan zu arbeiten und, wie es ihm immer mehr gelingt, gestützt von Frankreich Stimmung gegen einen Anschluß Rumäniens an die geplante Zollunion zn machen.

Ein besonders fühlbares Zeichen für diese Entwicklung ist die Art, wie die rumänische Regierung die Wiederauf­nahme der Handelsvertragsverhandlungen mit Deutschland fallen gelassen hat. Die deutsche Delegation war bereits unterwegs, als von Bukarest der Wunsch geäußert wurde die Verhandlungen zu verschieben kurz begründet mit dem rm>..-:_ 1Z?Ez^'ft'''-^L ^'M tewae uiw au, die eben erst vollzogene Umbildung der rumänischen Regierung

Deutschland hat, um die Handelsvertragsverhandlungen wieder in Gang zu bringen, so viel guten Willen be­wiesen, daß es eine andere Haltung der rumänischen Regierung erwarten konnte und daß es mit Recht hinter diesem Vorgehen Einflüsse aus dem gegnerischen Lager vermutet.

Die deutsche Delegation ist umgekehrt, und man hat die Bukarester Regierung wissen lassen, daß Berlin nun auf eine weitere Initiative verzichte und es der rumänischen Regierung überlassen müsse, darüber zu entscheiden, wann und wie sie die Verhandlungen mit Deutschland wieder in Gang zu bringen gedenke. Diese Haltung der Reichsregie- rung wird ebenso der vollsten Zustimmung aller politischen und wirtschaftlichen Kreise in Deutschland gewiß sein dürfen, mie man das Vorgehen Rumäniens mit starkem Befremden zur Kenntnis genommen hat.

Bauernnot Volksnot.

Die Forderungen der rheinischen Landwirtschaft.

Köln, 6. Mai.

Der Vorstand der Vereinigung des rheinischen Bauern- oereins und rheinische» Landbundes faßte eine Entschlie­ßung, in der es u. a. heißt, daß er mit Bestürzung und tie­fer Enttäuschung von den agrarpolitischen Beschlüssen de, Reichskabinetts Kenntnis genommen habe. Die bisherige und derzeitige deutsche Wirtschafts-, Handels und Finanz­politik führe gradlinig zum Untergang des Bauernstandes, aber auch zum Zusammenbruch der übrigen bodenständigen Produktivwirtschast und als unausbleibliche Folge zum bol­schewistischen Ehaos.

Als letzte Ursache dieser immer mehr deutlich sichtbaren Entwicklung erkennt der Banernstand neben der Drosselung der Landnmtjchaft die ungerechten und unerträglichen Tributlasten, die unverantwortliche Aufblähung der öffent­lichen Verwaltung sowie das Fortbestehen vieler überhöhter Arbeiterlöhne, Beamtengehälter und Handwerkerpreise über die allgemeine Teuerung hinaus, Es werden sodann zum Schluß folgende Forderungen aufgestellt:

1, Zusammenfassung aller Kräfte der Ration, um die unerträglichen Tributlasten abzuschütteln. Sofortige Auf- rollung der Kriegsschuldfrage als Grundlage der Tribut­verträge;

2. rigorose Einschränkung der öffentlichen Verwal- tungs- und Ausgaben-Wirtschast;

3. wesentliche Senkung des Zinsfußes und der Zwischen­handelsgewinne sowie Anpassung aller überholten Stun- denlöhne, Gehälter und Handwerkerpreise an die dem Le- benshaltungsindex entsprechenden Sähe;

4. beschleunigte Angleichung des Agrarindex an bk sonstigen Indizes, insbesondere auch durch Senkung der Produktionskosten, Industriepreise, Löhne und Steuern.