Schlüchtemer Zeitung
Nr. 60 st. Blatt) Dienstag, den 19. Mai 1931 83. Jahr».
Amtliche Bekanntmachungen
Otadt SHlüchtern.
Geffentliche Mahnung.
6n alle Zahlungspflichtigen, die ihre im Monat Mai 1931 bezw. für Vormonate zu entrichtenden Ztaatssteu- ern ^Grundvermögens- und Hauszinssteuern), städtische Steuern und sonstigen Abgaben an die Stadtkasse nicht bc= zahlt haben, ergeht hierdurch öffentliche Mahnung.
Bei Meldung kostenpflichtiger Einziehung sind sofort zu zahlen:
Staatliche Grundvermögenssteuer mit Zuschlag,
Staatliche Hauszinssteuer,
Städtische Grundvermögenssteuer-Zuschläge,
Gewerbeertragsteuern für 1930, Gewerbekapitalsteuern 1930, Holzgelder, Schulgelder, Wassergelder, Mieten, Po- lizeistrafen, Hundesteuer, Pachtgelder, Kanal- und Aner« Kennungsgebühren sowie alle. anderen angeforderten Ab« gaben.
Jn letzter Zeit mehren sich die Fälle, in denen Auf« Stellungen über die zu leistenden Zahlungen verlangt werden. Es wird daher wiederholt darauf hingewiesen, daß die Steuer- und Kbgabenzettel zur Vermeidung einer zeitraubenden Abfertigung unbedingt bei der Zahlung vor- zulegen sind.
Nahnungen erfolgen nur öffentlich, nicht durch Be« Händigung von Mahnzetteln. i
Schlüchtern, den 15. Mai 1931.
Der Magistrat: Gaenßlen.
Bekanntmachung.
Er wird darauf hingewiesen, daß stach einer Entscheidung der Herrn Regierungs=Präfibenten zu Kassel für den Heu« bau von Schornst einen nur bet^Uormaljie« 9eIfte i n 12 25 E tm. verwendet werden darf. Schorn- Heine, die imWWWMsfigem Material erbaut bei der Abnahme beanstandet.
Schlächtern, den 12. Mai 1931.
Die Polizeiverwaltung: Gaenßlen-
Die Badezeiten im städtischen Schwimmbad werden mit Wirkung vom 18. Mai 1931 bis auf weiteres festgesetzt, wie folgt:
Familienbad
getrennt für
männl Personen
welbl. Personen
Montag
8—12 Uhr norm. 19—21 Uhr abends
12-161/2 U.nachm.
16‘/2-19 U.nachm.
Dienstag
8—10 Uhr vorm.
14 U. n. bis 21 U. abds.
—
10-14 U.
Mittwoch
8 Uhr bis 12 Uhr 19—21 Uhr abends
16^-19 Uhr n.
12-161/, U.nachm.
Donnerstag
8—12 Uhr vorm.
14 U. n. bis 21 U. abds.
—
12-1411.
Freitag
8—10 Uhr vorm7
14 U. n. bis 21 U. abbs.
10 11. V.-
14 11.11.
—
Samstag
8—10 Uhr vorm. 14—21 Uhr abends
12-14 U.
10-12 U.
Sonntag
8 Uhr vormittags bis 21 Uhr abends
—
—
Aenderungen jederzeit vorbehalten. Schlüchtern, den 15. Mai 1931.
Der Magistrat: Gaenßlen.
Ausschretbuus
'^ur Ausführung einer Einfriedigung entlang dem August n Grundstück in der Kronprinjcnftrafjc sollen ^chstehende Leistungen vergeben werden:
• Erd- und Maurerarbeiten,
£ dchlosserarbeitcn einschl. Maschendrahtlieferung.
."ngebotsformulare, Bcbingunqcn pp. liegen auf dem ^Mbauamt während der Vormittagsstunden zur Einsicht
"nd Können daselbst in Empfang genommen werden.
m ^n9e6ote sind bis spätestens Mittwoch, den ‘’';ii(ai 193! Dormittaqs 10 Uhr, dem Stadtbau- """"erschlossen einzureichen. "
». ^cffnung der Angebote geschieht daselbst zu der n * ehend festgesetzten Zeit in Gegenwart etwa erschie- ^^hOewerbcr. Zuschlagserteilung bleibt dem Magistrat schlüchtern, den 13. Mai 1931.
Der Magistrat: Gaenßlen.
Bekanntmachung.
Für die Benutzung der Einrichtungen der städtischen 5chwimmbadeansta.lt werden für die Badejahreszeit 1931
folgende Entgelte festgesetzt:
I. Eintritt:
1) Einzelkarte:
a) für Erwachsene 0,30 X#
b) für Jugendliche unter 18 Jahren 0,20 X#
2) Dauerkarten:
a) für Erwachsene 8,00
b) für Jugendliche unter 18 Jahren 4,00 X# unter 14 Jahren 2,00 XM
11. klnkleidezellen u. Kleideraufbewahrung:
1) Einzelkarte:
a) Einzelzelle (Benutzungsdauer 2 Stun
den) je Person | 0,25 XV
b) Wechselzelle je Person 0,10 XV
c) Kleideraufbewahrung bei Benutzung
der Gemeinschaftszellen je Person 0,05 XX
2) Dauerkarten:
a) Einzelzelle wie oben 5,00 XV
b) Wechselzelle wie oben 2,00 XV
c) Kleideraufbewahrung wie oben 1,00 XV
Schlächtern, den 15. Mai 1931.
Der Magistrat: Gaenßlen.
Stadt Steinau.
Bekanntmachung
Die Stelle des Ziegenhirts ist neu zu besetzen.
Meldungen werden bis zum Dienstag, den 19. b. Bits. in der Kanzlei entgegen genommen. (
Steinau, den 15. Mai 1931.
Der Magistrat. Dr. Kraft.
Bekanntmachung
*b^nnMm^^^bejnarhun^^ Wederzell-Steinau aus, die Wasserschau an der Kinzig, die am Dienstag, den 19. bs. Bits, vormittags 8 Uhr von der Bahnhofsstraße aus nach Af)I zu, fortgesetzt wird.
Diejenigen Eigentümer, deren Grundstücke an dem zu schauenden Wasserlauf liegen, werden hiermit von der Wasserschau in Kenntnis gesetzt und ihnen anheimgestellt evtl. an der Besichtigung teilzunehmen.
Steinau, den 13.-Mai 1931.
Der Bürgermeister: Dr. Kraft.
Die Landtagswahlen in Oldenburg
Oldenburg, 17. Mai.
Der Wahlsonntag in Oldenburg ist ruhig verlaufen. Die Wahlbeteiligung betrüg in Oldenburg- Stadt etwa 80 Prozent. Im Vergleich zu den letzten Landtagswahlen ist ein Anwachsen der Nationalsozialisten festzustellen. Da die Nationalsozialisten aber bei den Stadtratswahlen im November v. I. ihre Reichstagswahlziffer um 15 Prozent vermehrt hatten, ist gegenüber diesem Semiiin nach den bisher vorliegenden Ergebnissen überall ein Verlust eingetreten, während die Bürgerlichen der Mitte und die Sozialdemokraten einen Teil ihrer damaligen Verluste gegenüber den Reichstagswahleu aufgeholt haben. Die Kommunisten gewannen gegenüber den letzten Wahlen, die Wirtschaftspartei verliert.
Die Wahlbeteiligung schwankte zwischen 65 und 85 "o. von den 48 Mandaten erhielten die Deutsche Dolkspartei 1, die Sozialdemokraten 11, die Staatspartei 1, die Nationalsozialisten 19, die Kommunisten 3, das Landvolk I, bas Zentrum 9, die Deutschnationalen 2 und die Liste Weyand 1 Mandat.
Das erste Katapultflugzeug des Wiedeveröffneten Luftpostdienstes startete Sonntag vormittag 10 Uhr 700 Kilometer von der Küste entfernt von Bord der „Europa" und landete um 8 Uhr nachmittags in New York, während die „Europa" selbst erst morgen früh in New Pork ein«
In Liebenau bei Schwiebus in der Mark zettelten Kommunisten, big*in der Nacht mit Autos in das friedliche Städtchen cinfubrcn, eine wüste Schlägerei mit einem Gesangverein an. Sie ruhten nicht eher, bis 8 Mann zum Teil schwer verletzt bewußtlos den Fußboden des Kampf« lokales zierten. Die Staatsanwaltschaft hat eine Unter« suckung eingeleitet, Verhaftungen stehen unmittelbar bevor.
'Die Kunstfliegerin Lola NÄer-Gorescou hat am Sonntag beim Großflugtag in Leipzig-Mockau einen Fall- fd'irmabjprung aus einer Höhe von 4400 Metern riskiert und kam glücklich auf der Erde an. Sie legte dabei in der Luft eine Strecke von 20 Kilometer zurück. Sie hat da- mit ihre eigene Höchstleistung, die 2600 Metern betrug, erheblich verbessert.
Sie Verteidigung der Zollunion.
Curtius vor dem Europa-Ausschuß.
Genf, 17. Mai.
Die große wirtschaftspolitische Aussprache wurde im Europa-Ausschuß durch einige kurze Begrüßungsworte eröffnet, die Briand an die zum ersten Male an der Sitzung teilnehmenden sowjetrussischen, türkischen und Danziger Abordnungen richtete. Er erteilte sodann als ersten Redner
Außenminister Dr. Euriius
das Wort, der u. a. ausführte:
Ueber Schwere und Tiefe der Krise brauche ich nicht viel zu sagen. Die Krise steckt uns in den Gliedern. Die Not unserer Völker spornt uns zu höchster Krastanstren- gung an. Wir sind durchdrungen von der Verantwortung, neben den eigenen Hilfsmaßnahmen am großen Werke für Europa mit stärkster Hingabe zusammenzuwirken. Als Deutscher habe ich besonderen Anlaß, so zu sprechen.
Die Krise trifft einen Volkskörper, welcher durch die Erschütterungen des Krieges und Amputationen des Friedens, durch Revolution und schwerste soziale Störungen, durch ungeheure Vermögensverluste und dauernde Ka- pitalsenlziehung ohne Gegenleistungen empfindlicher und schwächer als irgendein anderer ist.
Wir sind daher auf das Höchste an allem interessiert, was uns eine Besserung unserer Lage verspricht. Wir stehen gleichzeitig in der vordersten Reihe derjenigen, die in zusammenfassender Arbeit aller europäischen Nationen die Behebung der europäischen Krise sich zur solidarischen Aufgabe gestellt haben.
Die Ursachen der Weltkrise.
Dr. Curtius ging sodann auf die Ursachen der Krise ein, die mannigfach feien wie ihre Erscheinungen. Er verwies dabei auf die bedeutsamen Verhandlungen der Internationalen Handelskammer in Washington, die erfreulicher- -^ J,j wHftM UMMM
ten Zahlungen auf den Welthandel eingehend erörtert und in ihre Entschließungen ausgenommen habe. Es kommt mir in diesem Augenblick nicht darauf an, über den unter Ziffer III der Tagesordnung erwähnten deutsch-österreichischen Plan einer Zollunion zwischen diesen beiden Ländern speziell zu sprechen. Ich möchte Betrachtungen darüber anregen, ob und in welchem Maße der Gedanke von Zollunionen zwischen einzelnen Ländern oder Gruppen von einzelnen Ländern geeignet ist, den unhaltbaren wirtschaftlichen Verhältnissen Europas abzuhelseu. Zur Charakterisierung der europäischen Situation führe ich noch einmal oft gehörte Zahlen an: 20 000 Kilometer neue Zollgrenzen, 13 neue Währungen, 9 neue Wirtschaftsgebiete und Zolltarife. In dieser wirtschaftlichen Zersplitterung Europas, im wesentlichen Mittel- und Osteuropas, liegt die größte Gefahr der Zukunft. Die wirtschaftlichen Folgen daraus zeichnen sich vor unseren Augen immer klarer ab.
Fortschreitende Proletarisierung.
Die erste Folge ist unrationelle und zu teure Güterproduktion und Verteilung und der dadurch bedingte Rückgang -er Wettbewerbsfähigkeit. Die nächste Folge ist der Rückgang der Kapitalkraft und des Wohlstandes, Unter- konsum, Arb.itslosigkcit, Proletarisierung des Mittelitan« des und Verelendung der Arbeiterschaft. Das alles führt die Gefahren sozialer Kämpfe herbei und festigt die Ueberzeugung, daß die europäische Wirtschaft sich nicht ausrecht erhalten lassen könne, wenn sie so bleibt, wie sie ist Aus dieser Lage führt nur ein weg heraus, die fortschreitende Vergrößerung der Wirtschaftsgebiete. Jedes staatliche Wirtschaftsgebiet hat die Tendenz, und zwar um so stärker, je kleiner es ist, sich zu einer wirtschaftlichen Autarkie zu entwickeln.
Wege des Erfolgs.
Die herbe Kritik, die der Vorsitzende der Wirtschasis konferenz, Colijn, auf der letzten Januartagung geübt hat, ist noch in unser aller Erinnerung. Natürlich wäre es falsch, aus bisherigen negative» Erfahrungen den Schluß ziehen zu wollen, daß sich bei neuen Bemühungen nicht doch auch auf den bisher vorgeschlagenen Wegen Erfolge erzielen ließen.
Es müssen zwei Arbeitsmethoden nebeneinanderlaufen. Die erste Methode, die unmittelbar die Regelung der Gesamtinteressen der europäischen Staaten in Angriff nimmt, ist die der multilateralen Vereinbarung. Bei der hier vorauszusctzcudcn Gleichheit der Interesien kann damit gerechnet werden, daß diese anderen Staaten im Laufe der Zeit von selbst folgen. Ich darf dabei an den Werdegang des Welttelegraphenvertrages erinnern. Die zweite Methode, die ich als ein Fortschreiten vom Einzelnen zum Ganzen bezeichnen möchte, muß mit Vereinbarungen zwischen zwei Staaten oder wenigstens im ganz kleinen Kreise beginnen, um so 311 einem ersten Erfolg zu führen. Auch solche Vereinbarungen müssen natürlich von vornherein die Tendenz zur Verallgemeinerung in sich tragen. Zum mindesten wird an Stelle der jetzigen Vielheit von Wirtschaftsgebieten zunächst einmal eine kleinere Zahl von größeren wirtschaftlichen Gruppen treten. Dieser Plan bilateraler oder regionaler Vereinbarungen zur Abhilfe der vorhan-