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IchlWemer Zeitung

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Nr. 63 Dienstag, den 26. Mai 1931 83. Iahrg.

Amtliche Bekanntmachungen

Land rat samt«

Z.-Nr. 3743. Die Ferien an den Volksschulen in den Landgemeinden des Kreises Schlüchtern werden im Tin- mstandnis mit dem Herrn Schulrat für das Ia^r 1931 wie sogt festgesetzt:

1. Sommerferien:

Schluß des Unterrichts am Mittwoch, dem 15. Juli, Wiederbeginn des Unterrichts am Montag, dem 10. August.

2. Herbstferien:

Schluß des Unterrichts am Sonnabend, dem 26. Sep­tember,

Wiederbeginn des Unterrichts am Montag, dein 19. Oktober.

Der Schluß des Unterrichts hat am letzten Schultage vor den Ferien nach Beendigung der dritten Schulstunde statt- zufinden.

Säilüchtern, den 20. Mai 1931.

Der Landrat. Dr. Müller.

Stadt Schlüchtern.

Ansschrrtbnng.

Die Arbeiten und Lieferungen zur Herstellung des Fest- platzes für die am 13. bis 15. Juni 1931 stattfindende Kreislierschau verbunden mit Ausstellung und Volksfest auf der Buwiese in Schlächtern sollen vergeben werden.

Angebotsformulare liegen von Freitag, den 29. d. Mts. ab auf dem Stadtbauamt zur Empsangnahme bereit.

Die Angebote sind bis spätestens Montag, den 1. Juni 1931, vormittags 10 Uhr dem Stadtbau­amt verschlossen einzureichen, woselbst die Geffnung der- elben in Gegenwart etwa erschienener Bewerber 'erfolgt. Zuschlagserteilung bleibt dem Busstellungsausschuß vor­behalten, ebenso bleibt ihm vorbehalten, die Arbeiten vp. in verschiedene Lose zu teilen.

Lchlüchtern, den 23. Mai 1931.

Der Ausstellungsausschuß. J. A.: Stiebeling,

Aeberfall.

Am 22. Mai 1931 gegen 16 Uhr 15 bis 16 Uhr 25 Min. wurde die Ehefrau Elisabeth Stein geb. Gründet aus Ausfall, Kreis Schlüchtern, auf der Straße Steinau Freiensteinau (Vogelsbergstraße) zwischen Kilometerstein 4,3 und 4,4 von einem Radfahrer Überfällen.

Der Radfahrer hat die Frau von Steinau aus anschei- "end verfolgt, sie mehrmals überholt und ist wieder zurück- tskfahren, um ihr zu begegnen. An der Tatortstelle hat er 1'9 als sie ihr Rad führte gestellt und zu ihr gesagt, ob sie «inen Josef Jobft aus Uerzell kennen würde, den kleinen, in Steinau bei Traudt Schmied lernen würde. Jn dcm- Wben Moment hat er sie die Bögung herunter in den Kalb gestoßen, sie zur Erde geworfen und sie durch zwei chesserstiche in Brust und Oberarm erheblich verletzt. Jn iqrer Todesangst hat sich die ziemlich kräftige Frau zur gesetzt und vom Erdboden erhoben. Lei dem 5u= Wen mit dem Messer muß der Täter auf einen harten Gegenstand gestoßen haben, sodaß sich die Klinge vollftün- umgebogen hat und die Verschalung aus der Vernietung gissen wurde, hierbei hat sich der Täter wahrscheinlich eine Verletzung der Hand zugezogen. Darauf hat er einen ln Boben liegenden Knüppel aufgcrafft und mit diesem

Frau verschiedene Schläge auf den Kopf versetzt. Die afau, die sich inzwischen ausgerafft hatte, hat ebenfalls Knüppel ergriffen und auf den Täter eingeschlagen, '"obej sie laut um Hilfe geschrieen hat. Ein sich unweit des Startes befindlicher alter Landwirt, der diese Hilferufe hat darauf durch Schreien sich bemerkbar gemacht, Worauf der Täter von der Frau abließ unb auf seinem in der Richtung nach Steinau zu davon gefahren ist. er iEäter muß später von der Straße abgebogen und in !.c" IDalb verschwunden sein. Das am Tatort aufgefundene «Ifer ist ein minderwertiges Fabrikat, wie es auf dem .ar^ in Steinau oder Schlüchtern von demWahren ahob" für 50 pfg. abgegeben worden ist. Es besteht aus schwarzlackierten Weißblechschalen, hat eine Klinge, '"«n Glasschneider, einen Büchsenöffner unb eine Ahle einen Anhängering. Am Tatort wurde ebenfalls "Zur Tat benutzte Knüppel gefunden. ' 1 *

1e f <1} r e i b 11 n g des Täters: Bei dem Täter Han- ) rs sich um eine jugendliche Person im ungefähren Alter etwa 18 bis 22' Jahren. Er hat schlanke Gestalt, i? ^"^loses Gesicht, blaue Augen, mittelblondes, etwas l ? ^Ke gehendes und hochstehendes Haar, welches nach amen gekämmt war, auffallend dunkle Augenringe. Die waren nicht verarbeitet. Er war ohne Kopfbe« .'lag, trug graugrünen Sportanzug, von minderwertigem graugrüne minderwertige Sportstrümpfe, mrmutlich Z^ Borde, weißen blau gestreiften Kragen und Selbstbin-

der, dessen Farbe nicht beschrieben werden kann, schwarze hohe Schnürschuhe.

Er war etwa 1,6.8 Meter groß.

Das Fahrrad, welches der Täter bei sich führte, ist ziemlich stark abgefahren, hat schwarzen Rahmenbau und ist höher gebaut als die modernen Fahrräder.

Personen, die sachdienliche Angabe über die Person des Täters bezw. sonstige Mitteilungen machen können, werden gebeten, sich umgehend im Rathaus Steinau oder bei dem Landjägereiamt Steinau einfinden zu wollen. Auf Wunsch werden Mitteilungen vertraulich ohne Namensnennung be­handelt.

Steinau, Kr. Schlächtern, den 25. Mai 1931.

Landeskriminalpolizeistelle Frankfurt a. M.

J. A.: sg:ez. Kugelmann, Krim-Kommiffar.

©etenrwe am Annaverg.

Gruße HindenbArgs und BrüuingS.

Anläßlich der 10jährigen Gedenkfeier der Erstür­mung des Annaberges haben Reichspräsident von Hindenburg und Reichskanzler Dr. Brüning nachstehendes Telegramm an den Oberpräsidenten Dr. Lukaschek in Oppeln gerichtet:

Reichspräsident und Reichskanzler scnsen den auf dem Annaberg versammelten Landesschütze» nnd ehe­maligen Berteidiger» Schlesiens ihren Gruß. Sie ge­denken bewegt der Blntopser und der schweren Leiden, He Dberkchlesien im Kampf um sein Deutschtum ge­bracht hat. Das deutsche Volk wird nie vergessen, mit ; welcher Liebe zur Heimat die tapferen Kämpfer am Annaberg das schlesische Land zu schützen wnßtm. Möge diese Gesinnung auch in der Stunde der lOiährige» Gedenkfeier dieselbe Treue alle Tetilnehnwr gen in dem Willen zur Treue gegen das Naterla:

Explosionen in Waffengeschäften.

Athen, 26. Mai.

Jn Kavala brach in einem Maffengeschäft ein Feuer aus, das die dort lagernde Munition zur Explosion beachte. , Die eine halbe Stunde anhaltenden schweren Explosionen erweckten den Eindruck, als ob die Stadt unter schwerem Geschühseuer lag. Vier Häuser flogen in die Luft, 150 wurden beschädigt. Jm Umkreis von 1000 Metern zer­splitterten sämtliche Fensterscheiben.

Unter den Einwohnern^brach eine Panik aus. Glück­licherweise sind außer zwei Schwer- und zahlreichen Leicht­verletzten keine Menschenverluste zu beklagen.

Jn Drama flog ebenfalls ein Maffengeschäft mit zwei Nachbarhäusern in die Lust.

Auch dort gab es mehrere Schwer- und Leichtverwundete. Es besteht der Verdacht, daß es sich um kommunistische Anschläge handelt, da bereits vor einigen Tagen Waffen- geschüfte in Brand gesteckt wurden.

Eine amerikanische Stimme für die Schnldenreguiierung.

Neu york, 25. 5. Der Finanzsachverständige Thomas Woodlock behandelt in einem Artikel imWall Street Journal" das Kriegsfdpilbenproblem und schreibt dazu u. a.: Deutschlands Zahlungen an die Alliierten bildeten den Kern­punkt der ganzen Frage. Die tatsächliche Last der Deutsch­land auferlegten Zahlungen sei derartig, daß der Lebens­standard bis zum Gefahrenpunkt herabgedrückt sei. Nichts würde mehr dazu beitragen, die Weltwirtschaft anzukur- beln als ein wirklicher Friede zwischen Deutschland und Frankreich sowie Maßnahmen, die deutsche Reparationslaft wenigstens erträglich zu gestalten. Amerika könnte es sich wohl leisten, die Zahlungen im gleichen Verhältnis, wie Deutschlands Lasten modifiziert wurden, ebenfalls zu modi­fizieren. Eine solche Lösung müßte vor der Abrüstungskon­ferenz und den Wahlen in Preußen im nächsten Jahre er­folgen.

Opfer der Kerge

111 ü n ch c n, 26. 5. Während der Pfingsttage ereigneten sich in den Bergen eine Reihe von folgenschweren Abftür= zen. An der Westwand des prcdigtstuhles im Wilden Kai­ser stürzte der Münchner Karl Lrandel ab. Am Pendling bei Hufstein verunglückte der Münchner Joseph Rayr töd­lich. Seine Begleiterin erlitt schwere Verletzungen. An der Fleischbank-Dstwand verunglückten zwei Innsbrucker Ton riften durch Absturz. Einer von ihnen erlitt schu>ere Ver­letzungen und mußte aus der Wand von einer Expedition herausgeholt werden.

Ein tschechischer Alie-er in Bayern n-tgelanb-t.

Tinckenrettth (Bayern), 26. Mai. Am Pfingst sonuabeud landete hier ein tschechischer Militärflieger der Militär-fliegerschule in Eger. Er hat mmebltch die Richtung verloren und daher auf deutschem Boden not landen müssen. Der Flieger wird bis zum Abschluß der- ci»geleiteten Untersuchung interniert bleiben.

Die Derufsfrage.

höhere Schule und Mittlere Reife.

Berlin, 24. Mai.

Die vor einigen Wochen bekanntgegebene Vereinba­rung der Länder über die mittlere Reife und die daran geknüpften Erwartungen fcheinen in den Kreisen der höhe­ren Schule eine mißverständliche Auslegung zu finden. Sonst wäre die Art kaum zu begreifen, in der der deutsche Philologenverband gegen die Veröffentlichung jener Ver­einbarung in einem Rundschreiben Stellung nimmt. Dieses Rundschreiben entbehrt in der Form und in feinem sach­lichen Inhalt durchaus der Eigenschaften, die in dem Be- i griff der Philologie enthalten sein sollten, es ist weder logisch noch ist es freundlich, vielmehr von einer sehr ge- l reizten Polemik und von einer befremdlichen Sprunghaf- 1 tigkeit der Gedanken, die nur daraus erklärt werden kann, . daß man die Absichten jener Vereinbarung mißversteht und 1 in ihrer Propagierung fälschlicherweise einen Vorstoß gegen die höhere Schule suchen zu müssen glaubt.

Es ist deshalb nötig, an die höheren Gesichtspunkte zu erinnern, die für jene Vereinbarung und für die An­erkennung der mittleren Reife zum Eintritt in be­stimmte Berufsgruppen maßgebend waren.

Die Tatsachen beweisen, daß gerade in diesen Jahren einer Verminderung der Zahl der schulentlassenen Jugend die Berufsmöglichkeiten für zur Entlassung kommende Volks­schüler durchaus nicht ungünstig sind, ja, daß man fast von einem Bedürfnis nach Anwärtern für gewerbliche und kauj- männische Lehrlingsstellen sprechen kann. In der tatsäch­lich vorhandenen Gesamtzahl arbeitsloser Schulentlassener ist der Prozentsatz von solchen, die die höhere Schule be­suchen, freilich zum großen Teil vorzeitig verlassen haben, ganz unverhältnismäßig hoch, und es ist also unbestreitbar, daß, wie es seinerzeit in der Begründung der Vereinba­rung über die mittlere Reife hieß, eine Verschwendung von öffentlichem und privatem Erziehungskapital zu beklagen ist, die doch nur darauf zurückzuführen ist, daß die Eltern alauben, durch die höhere Schule in ihren Kindern den frittOKM^^

Hoffnung enttäuscht sehen.

Die Tatsache bleibt unbestreitbar, daß die deutsche Volkswirtschaft höhere Berufe und Unterkunftmöglichkeiten in ihnen einfach nicht in dem Ausmaße aufweist, das den verstärkten Besuch der höheren Schulen entsprechen müßte, so daß ein großer Teil der die höheren Schulen besuchenden Schüler zwangsläufig zu Berufen hingedrängt wird, für die ihre Vorbildung nicht nur nicht erforderlich, sondern vielfach nicht einmal besonders geeignet war, für die also privates und öffentliches Erziehungskapital verschwendet wurde.

Wenn die höhere Schule durch den Weg, den die Ver­einbarung über die mittlere Reife zeigt, entlastet werden soll, so bedeutet das doch ganz gewiß nicht, daß sie in ihrer Wichtigkeit und in ihrer Eigenart falsch oder gering ein­geschätzt wird, sondern es kann doch nur dazu dienen, auch sie für ihre besondere Aufgabe beweglicher und freier zu machen. Es wäre sehr wünschenswert, wenn die Kreise der Philologenschaft, die heute gegen die Vereinbarung über die mittlere Reife aus einer falschen Empfindlichkeit und offenbar auch aus emer mangelnden Vertiefung in das Problem polemisieren, sich in Ruhe mit den tatsäch­lichen und ziffernmäßigen Verhältnissen und auch mit einem Vergleichsweisen Hinblick auf ausländische Zustände besassen und danach ihr Urteil klären wollten.^ Sie sollten erkennen, daß die Ausbildung auf höheren «chulen eine ungeheuerliche Belastung bedeutet, daß viel Mühe und Ar­beit zwecklos vertan wird für Kreise, die für ein weiteres Studium doch nicht in Frage kommen.

Briands Unferrebungen in Paris.

Der Ministerrot auf Mittwoch vertagt.

Paris, 25. Mai.

Priand hat eine mehr als einstündige Unterredung mit dem Ministerpräsidenten Laval gehabt und darauf Loucheur und Danielou sowie Grumbach und andere Freunde am Quai d'Orsay empfangen. Ueber den Inhalt dieser Besprechungen ist vorläufig nichts bekannt geworden, doch handelte es sich selbstverständlich um die Frage des Rücktrittes.

Jn politischen streifen verlautet, in diesem Zusammen­hang, daß von Seiten des Kabinetts alle Anstrengungen gemacht würden, um Briand zur Zurücknahme seiner De­mission zu bewegen oder doch wenigstens seinen Miedercin- tritt in das Kabinett im Juni sicherzustellen. Man spricht sogar von der Möglichkeit, daß Briand bei der Neubildung nach der Uebernahme der Staalspräsidentschaft durch Dou- mer unter Beibehaltung des Außenministerporteseuilles an die Spitze der Regierung treten könnte. Jedenfalls möchte man in Regierungskreisen verhindern, daß Briand an der Snitjc der Opposition in den Machtkampf zieht.

Seinen offiziellen Bericht über die Genfer Verhand­lungen wird der Außenminister erst am nächsten Mittwoch dein Ministerrat norlegcu Es fällt aus, daß der Minister- rat von Dienstag auf Mittwoch vertagt und die Entschei­dung daniit verschoben ivorden ist.