ochluchierner Wertung
Krets-Kmtsbtatt * Myemeiner amtlich er Kr^eLtzkr für den Kreis Ochlücht«- <«M«ö »«la-.H.Steiakld Söhne* Sestbüst^- ^ahrchofsteL* §«nA»i»r.i>»»* PappheMtuPsmksvetnM^»«» Nr. 82 (1. Blatt) Donnerstag, den 9. Juli 1931 83. Jahr«.
Amtliche Bekanntmachungen.
: Sprechstunden beim Landratsamt: Dienstags ■ ■ und Freitags, vormittags von 9 bis 12 Uhr:
Landratsamt.
Unter Bezugnahme auf die Verfügung vom 22. Februar 1912 — Nr. 1213 (Kreisamtsblatt Nr. 9) — werden die Herren Bürgermeister ersucht, die Veränderungsnachwei- sungen (3u» und Abgänge) über die noch nicht schulpflichtigen taubstummen und blinden Kinder alsbald hierher einzureichen.
• Zchlüchtern, den 4. Juli 1931.
Der Landrat. 3. v.: Vuwe.
KreisaussKuß.
I.-Nr. 3285 K. 6. Mit Rücksicht darauf, daß sich die Anzeigen über Baumfrevel an den Landwegen des Kreises in den letzten Jahren erheblich vermehrt haben, es aber nur in seltenen Fällen gelungen ist, die Täter festzustellen und der wohlverdienten Bestrafung zuzuführen, hat der Kreisausschuß bereits im Jahre 1927 beschlossen, für die Benennung bezw. Ermittlung eines Baumfrev- lers in jedein Einzelfalle eine Prämie von 20.— RM. aus Kreismitteln auszusetzen.
Die Herren Bürgermeister mache ich hierauf erneut auf- merkfam mit dem Ersuchen, den Beschluß des Kreisaus- schusses wiederholt bekannchtmachen zu lassen.
Schlüchtern, den 3. Juli 1931.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses. Dr. Müller.
Abschluß in Paris.
Das amerikanisch-französische Abkommen.
* Das Abkommen zwischen Amerika und Frankreich Mer ien hooverplan ist spätabends formuliert und abgeschlossen ttorben. Sein wesentlichster Inhalt wird in einer gegen 1.30 Uhr nachts veröffentlichten Verlautbarung folgender- naßen dargestellt:
Bei Wiederaufnahme der Verhandlungen um 10 Uhr laben die amerikanischen Unterhändler den französischen Ministern die Zustimmung ihrer Regierung zu den im Diinisterrat getroffenen Beschlüssen überbracht.
Sie teilten mit, daß Präsident hoover erklärt habe, daß das jetzt abgeschlossene Abkommen im Geiste des amerikanischen Vorschlags geklärt sei und nur noch von der Billigung der anderen interessierten Parteien abhänge,
Der amtliche Wortlaut.
Der genaue Text der zwischen Frankreich und Amerika fetroffenen Vereinbarung („base b’accorb") hat folgenden Bortlaut:
Erster Teil:
Nach dem Meinungsaustausch, der zwischen den beiden .Regierungen stattgefunden hat, hat die französische Regie- sung festgestellt, daß sie mit der amerikanischen Regierung über die hauptsächlichsten Grundsätze des Vorschlages des amerikanischen Staatspräsidenten hoover einig ist, ebenso über die nachstehenden Punkte:
1.
2.
3.
4.
Die Zahlung der Regierungsschulden Ist vom 1. 3uli 1931 bis zum 30. Juni 1932 aufgehoben,
Da» Reich zahlt jedoch den ungeschützten Teil weiter; aber die französische Regierung erklärt sich damit einverstanden, daß diese Zahlungen von der 833- in Bonds angelegt werden, die von der Deutschen Reichsbahngesellschaft garantiert sind.
Sämtliche gestundeten Zahlungen unterliegen einem Zinsfuß der den von der amerikanischen Regierung vorgeschlagenen Bedingungen entspricht, und sind ab 1. 3uli 1933 in zehn Jahreszahlungen rückzahlbar.
Dieselben Bedingungen gelten auch für die. von der Deutschen Reichsbahngesellschaft herausgegebenen Bonds.
Zweiter Teil:
. Zu den drei Punkten, die die amerikanische Regierung nicht direkt betreffen, gibt die französische Regierung folgende Erklärung ab:
: a) Eine gemeinsame Handlung der hauptsächlichsten Zentral- bnnken wird mit Hilfe der A3Z. organisiert werden, um dle- iculgeu europäischen Slaalen zu unterstütze», die durch die vorgeschlagene Zahlungsaufhcbnng besonders in INitlcidcn- ichast gezogen werden.
r, ^) Zwischen Frankreich und der B3Z. muß eine vorherige Verständigung gesunden werden, damit Frankreich den im Falle eines goungmoratoriume vorgesehenen Garanlicsond» nur durch monatliche Zahlungen soweit ergänzt, al» es die Ae- dürsnisse der BZZ. »ach den tatsächlich von Deutschland I transferierten Beträgen notwendig erscheinen lassen.
■ c) ®le Frage der Sachlleserungen unb die verschiedenen tech- nischen Angleichungen, die zur Anwendung der amerikanischen Vorschläge und des vorliegenden Abkommens verhan- dell werden müssen, werden durch einen Sachverständigen- S Ausschuh geprüft werden, der von den interessierten Regie- rnngen bestimmt wird und die gegebenen Notwendigkeiten mit dem Geist de» Vorschlages des Präsidenten hoover in Ueberelnklang bringen muß.
Dritter Teil:
Frankreich behält sich das Recht vor, von der Reichsregierung die unerläßlichen Versicherungen zu verlangen, die sich auf die ausschließlich wirtschaftliche Verwendung der Summen beziehen, von denen der Reichshaushalt nunmehr befreit ist.
Sachverständigen- und Gläubiger-Konferenzen.
In gukunlerrichkelen französischen Kreisen rechnet man mit dem Zusammentritt des Sachverständigenausschusses bereits gegen Ende dieser Woche.
Dieser Ausschuß soll feststellen, wie die Durchführung der Sachlieferungen erreicht werden kann, ohne daß die Reichsregierung irgendwelche finanziellen Lasten zu tragen hat.
Die in Erwägung gezogene Gläubigerkonferenz, an der auch Deutschland teilnehmen wird, wird nach Ansicht französischer Kreise nicht vor Ende dieses Monats stattfinden. Auf alle Fälle soll ihr Zusammentritt nicht vor Beendigung der Arbeiten des Sachverständigenausschusses erfolgen.
Das Abkommen wurde vom Ministerpräsidenten Laval, Außenminister Briand, Finanzminister Flandin, haushalts- minister Pietry für Frankreich und Schatzkanzler Mellon und Botschafter Edge für Amerika unterzeichnet.
Neuer Abrüstungsappell Hoovers.
Die Mitteilung Mellons, daß die Einigungsformel enb= sich gefunden sei, kam selbst der Washingtoner Regierung überraschend, da man noch am frühen Nachnittag den Eindruck hatte, daß die Pariser Verhandlungen in eine Sackgasse geraten seien, hoover, der die Nachricht geradezu freudestrahlend den Pressevertretern weitergab, verlas bei dieser Gelegenheit
eine längere Erklärung.
Die technischen Schwierigkeiten, so führte der Präsident aus, die sich aus den vielen verwickelten internationalen Ab- machungen ergäben, seien auf dem Wege, durch guten Willen und durch die Zusammenarbeit aller Regierungen gelöst zu werden. Die Annahme d-o Moraroriunisvorschlage» h„br den Völkern Amerikas und den alliierten Mächten Opfer abverlangt; sie bedeute aber eine ungeheure Erleichterung der wirtschaftlichen Bürde, die auf Deutschland und Mitteleuropa laste.
Die Furcht vor Unordnung und Regierungssturz weiche neuer Hoffnung und neuem Vertrauen in die Zukunft. Abschließend betonte Hoover erneut, daß eine der Hauptursachen des Niederganges der Weltwirtschaft das allgemeine Wettrüsten sei. Der Rückblick auf die vergangenen Wochen sollte lehren, wie notwendig eine Erleichterung der Rüstungslast sei, die den Betrag der politischen Schulden mehrfach übersteige.
In Wallstreet hat die Nachricht von der Pariser Einigung sichtliche Befriedigung ausgelöft, wenn man auch nicht verhehlt, daß durch die Verschleppung der Verhandlungen ein nicht zu unterschätzender Schaden angerichtet worden ist.
Paris verdreht die Tatsachen.
Die pariser Mittagspresse unterstreicht besonders die politischen Forderungen Frankreichs. Es scheint, daß die französische Regierung geradezu eine Parole ausgegeben hat, aus diesem Punkt mit Nachdruck zu beharren.
hier und da kommt in der Presse nach einer langatmigen Aufzählung der Opfer, die Frankreich gebracht habe, der Wunsch zum Ausdruck, daß der Weltfrieden nun auch wirklich gesichert sei, und in diesem Zusammenhang unterstrei- chen fast sämtliche Blätter den Schluß des Abkommens, in dem sich Frankreich das Recht Vorbehalt, von Deutschland ganz bestimmte Sicherheiten für die Verwendung des frei gewordenen Geldes zu verlangen.
Das „Echo de Paris" und mit ihm ein großer Teil der ultranationalistischen Blätter weist darauf hin, daß die französische Regierung 80 vom Hundert der hooverschen Vorschläge bedingungslos anerkannt habe, wenn auch die französische Zustimmung letzten Endes von den Beschlüssen abhänge, die die Konferenz der Gläubigermächte über den Garantiefonds treffen werde. „ „
Das „Oeuvre verzichtet auf eine Aufzählung der Vor- und Nachteile des neuen Abkommens, und betont lediglich, daß nunmehr niemand in Amerika oder Europa das Recht habe, Frankreich des Mißtrauens zu beschuldigen. Weniger als zwei Monate nach dem Versailler Kongreß habe Frankreich für den Frieden eine Handlung vollbracht, die mehr sage als Kam- merabstimmungen.
Laval über die Einigung.
Nach Abschluß der Montagverhandlungen gab Minister- präfibent Laval folgende Erklärung ab: Dieser Vertrag ist eine wichtige Entscheidung, die ein schweres Opfer für Frankreich bedeutet. Man wird verstehen, daß die Regierung die französisch-amerikanische Solidarität wahren wollte, die mehr denn je eine Bedingung für die internationale Zusammenarbeit und eine Notwendigkeit für den Frieden darstellt. ~ , , . — , ,
Man tvitb verstehen, daß die Regierung das geheiligle Recht Frankreichs auf die Reparationen nicht veräußern wollte. Wenn aus dem nunmehr abgeschlossenen vertrage
neues vertrauen in öet wen erwachst, und wenn man m Deutschland die Tragweite und den Sinn der weitherzigen Haltung Frankreichs versteht, so muß sich eine neue Aera für die beiden Völker eröffnen."
»Zwar etwas, aber noch nicht genug*.
Die Londoner Presse hat die Nachricht von der Einigung zwischen Frankreich und Amerika über den Hoover- plaN-dankbar und ruhig ausgenommen. Sie verkennt nicht die Schwierigkeiten, die die unmittelbare Zukunft bringen wird; denn, so sagt
die „Times", die Notlage ist drohender denn je, und die Krise des Juli 1931 betrifft nicht nur die Bankiers sondern jeden einzelnen. Niemand könne behaupten, daß die Einstellung der Zahlungen für ein Jahr ausreichen werde, um alles ndch Notwendige zu tun. Amerika habe Gelegenheit gehabt, die wahre Lage zu erkennen. Soweit Europa in Frage komme, bestehe kein Zweifel mehr, daß die Kräfte, die die Krise beschleunigt hätten, nicht nur wirtschaftlicher sondern auch vor allem politischer Natur seien. Immerhin müsse man dankbar sein, daß endlich ein Abkommen erzielt worden sei; denn die 17tägigen Verhandlungen hätten Deutschland und Mitteleuropa an den Rand des Abgrundes gebracht. Deutschland müsse jetzt sofort eine Atempause haben. Die Einstellung der Zahlungen sei zwar etwas, aber bei weitem noch nicht genug.
„Daily Herold" betont, daß der ursprüngliche Hooverplan einer weitgehenden Revision unterzogen worden sei.
Hooverplan und Kongreß.
In politischen Kreisen Washingtons, insbesondere beiden Republikanern, wird das Pariser Ergebnis als ein großer diplomatischer Sieg und persönlicher Triumph Hoovers gefeiert. Die Annahme des Hooverplanes im Kongreß gilt als gesichert, da selbst die erbittertsten Gegner des Schulden- nachlasses die Folgen einer deutschen Finanzkatastrophe gebührend einzuschätzen wissen.
Die presse
stellt mit großer Befriedigung fest, daß die Hauptlinie des hooverschen Vorschlages eingehalten worden sei. Einige Stimmen bedauern allerdings, daß noch einige Einzelfragen ungelöst seien.
Ein Aufruf der Reichsregierung.
.Die weitschauende und staatsmännische Initiative des amerikanischen Präsidenten Hoover wurde von Erfolg gekrönt. Die seelische Entlastung und die Hoffnung auf Dirt- schastsdesserung, die dieses Ergebnis mit sich bringt, löst allseits freundschaftliche und freudige Gefühle aus. Der Entschluß zu raschem und durchgreifendem handeln eröffnet weitgehende Möglichkeiten zu einer Wiedergesundung der Welt. Das deutsche Volk ist sich darüber klar, daß die endgültige Durchführung des hooverplans ihm als dem schwersten belasteten Lande die verhältnismäßig stärkste Erleichterung bringen wird.
Die Einigung über das Feierjahr konnte nur durch verständnisvolle Mitwirkung aller Beteiligten erreicht werden, von denen einige Staaten eine Vergrößerung eigener Schwierigkeiten und erhebliche Unbequemlichkeiten im Interesse der Gesamtlösung auf sich nehmen mußten.
Wir erkennen dankbar an, daß in der Stunde schwerster wirtschaftlicher Gefahr Deutschland dieses Verständnis für seine Lage gefunden hat.
„Deutschland ist auch nach Eintritt des Feierjahres keineswegs seiner wirtschaftlichen und finanziellen Nöte überhoben. Es kann die ihm verbleibenden Mittel nicht benutzen, um die Opfe die die Regierung der Bevölkerung hat zumute» müssen, i aller Milderung gewisser härten Herabzusetzen Es dars nicht in seine» äußersten Anstrengungen zu sparen nachlassen. Die gesamten Erleichterungen, die der hooverplan Deutschland bringen wird, werden zur Konsolidierung der öffentlichen Finanzen restlos benötigt und verwendet werden; die hierdurch eintretende Erleichterung des Geld- und Kreditmarktes muß der deutschen Wirtschaft zugute kommen.
„Das hooverjahr soll der Wiederherstellung der deutschen Wirtschaft und darüber hinaus der wirtschaftlichen Erholung der Welt dienen. Soll sich die Hoffnung verwirklichen, daß in der gesetzten Zeit dieses Ziel erreicht wird, so ist eine engere Zusammenarbeit der Völker erforderlich.
Die nächsten Monate werden Gelegenheit zu solcher Zusammenarbeit bieten. Die Heilung der Wunden dieser Krise und die Vorsorge gegen den Wiedereintritt ähnlicher Welt- katastrophen müssen das gemeinsame Ziel sein, von dem sich die Staatsmänner und die Völker bei der Lösung der noch größeren Aufgaben des kommenden Jahres leiten lassen.*
Der Anstoß für den hooverplan.
Auf einer Pressebesprechung in Washington gab Staatssekretär Eastle eine historische Darstellung der Entstehung des hooverplans. Nach dieser Schilderung hatte Präsident Hoover bereits vor einiger Zeit die Empfindung, daß die Lage Deutschlands immer schlechter werde und daß im In- teresse der Behebung der Weltkrise etwas getan werden müsse.