SchluchtmM Zeitung
krets-KmtsbtatL * UllHemeiner WnULcherKnzelyevfür 8m Svets Schlüchtan
Nr. 84 (L Blatt) Dienstag, den 14. Juli 1931
83. Sahra.
Amtliche Bekanntmachungen.
L a n d r a t s a m t.
Volksbegehren „Landtagsauflösung".
NdErl. d. MdI. vom 4. 7. 1931 - 1 c 2284.
Nachdem der Landeswahlausschuß die Zahl der für das Volksbegehren „Landtagsauflösung" erfolgten gültigen Ein- ; tragungen festgestellt hat, ersuche ist, umgehend dafür r 3 u sorgen, daß aus den beim Volksbegehren benutzten ; amtlichen Verzeichnissen der Stimmberechtigten nicht mehr ersehen werden kann, ob ein Stimmberechtigter am Tintra- s gungsverfahren teilgenommen hat oder nicht. Zu diesem ' Zweck ist in den Stimmkarteien das für den vermerk der erfolgten Eintragung angewandte Nennzeichen bei allen Stimmberechtigten in der im Eintragungsverfahren benutz- £ ten Spalte nachzutragen. Das gleiche gilt für Stimmlisten, die beim Volksbegehren benutzt sind und bei späteren Rb- ■ stimmungen wieder verwendet werden sollen.
Die Herren Bürgermeister ersuche ich, das hiernach Erforderliche sofort zu veranlassen.
Schlüchtern, den 10. Juli 1931.
Der Landrat. 3. V.: Vuwe.
Ausschreibung.
Die Weißbinder-, Anstreicher- und Malerarbeiten zur Instandsetzung der evangelischen Kirche in Schlüchtern sollen vergeben werden.
Rngebotsformulare können bei Herrn Stadtbaumeister Stiebeling eingesehen und gegen Entrichtung der ^chreib- gebühren in Empfang genommen werden.
Die Angebote sind bis spätestens Dienstag, den 2 1- Juli 1931, vormittags 10 Uhr, beim Pfarramt 1, Rirchstraße verschlossen einzureichen, woselbst die Geffnung derselben in Gegenwart etwa erschienener Bewerber erfolgt.
Der Nirchenvorstand.
Vottsenischeid in Preußen.
Verordnung über den Volksentscheid „Landtagsauslösung'',
Berlin. 12. Juli.
In der Verordnung über das Volksbegehren und zur Durchführung des Volksentscheids über die Auflösung des preußischen Landtages, der nunmehr vorliegt, und aus vier Paragraphen besteht, wird darauf hingewiesen, daß der zur Entscheidung der Frage über die Auflösung des Landtages nach der Verfassung eingesetzte Ausschuß, der bekanntlich aus dem preußischen Ministerpräsidenten, dem Präsidenten des Landtages und dem Präsidenten des Staatsrates besteht, es abgelehnt hat, den Landtag aufzulösen. Ferner wird darauf verwiesen, daß der Landtag selbst in seiner Sitzung vom 9. Juli 1931 die Auflösung abgelehnt hat, Da demnach dem unter Führung des Stahlhelm gemäß der Feststellung des Staatsministeriums vom 30. Juni 1931 rechts- wirksam zustande gekommenen Volksbegehren auf Auflösung des Landtags nicht entsprochen worden sei, werde die Frage, ob der Landtag aufgelöst werden soll, nunmehr zum Volksentscheid gestellt.
Professor Gundolf f.
Heidelberg, 13. Juli. An Sonnabend starb im Heidelberger Akademischen Krankenhaus der bekannte Literaturhistoriker Professor Friedrich Gundolf im Alter von 51 Jahren. Professor Gundolf war längere Zeit leidend.
Mädchenmörder Papke im Polizeigewahrsam.
Berlin, 13. Juli. Der Stiefvater der im Grunewald ermordeten Gerda Kalstch, der Kohlenträger Otto Papke, der dringend verdächtig ist, den Mord begangen zu haben, ist verhaftet worden. Papke gab der Polizei eine Darstellung von der Tat, die höchst merkwürdig ist; will er das Mädchen doch „in der Notwehr" erdrosselt haben.
— Der in München erscheinende „völkische Beobachter" von der Polizeidirektion in München auf drei Wochen verboten worden, und zwar wegen Beschimpfung und Verächtlichmachung des baperisäfen und des preußischen Innen- bünifters sowie der Mitglieder der Reichsregierung.
~ Die Beratungen des Reichskabinetts, die um 16,30 ”9r begannen, dauerten nachts 2,15 Uhr noch an. wie erfahren, ist einmal eine Verordnung zu erwarten, die der Regierung die Ermächtigung gibt, bei Banken, deren flmMaftsIage einer 'StÜbung bedarf, eine Garantie zu übernehmen. Ferner wird eine Verfügung herauskommen, sich mit der Regelung des Devisenverkehrs befaßt.
Ein Reichswehroffizier, der in Magdeburg spät vvends auf dein Heimwege von mehreren Rowdies über- mllen, zu Boden geschlagen und mißhandelt worden war, suchte in höchster Hot von der Schußwaffe Gebrauch und otete einen seiner Angreifer, worauf die anderen flüchteten.
Krisen-Konferenz in Berlin.
Dauersitzungen der Reichsregierung. — Auch das Reichs- bankdireklorium versammelt. — Diplomatische Schritte zur
Aufklärung des Auslandes.
Berlin, 13. Juli
Angesichts der neuen Devisenanforderungen, der Erschwerung der Verhandlungen über einen internationalen Kredit durch politische Forderungen Frankreichs und der dadurch hervorgerusenen Beunruhigung der Wirtschaft. sahen ich die Reichsregierung und die Reichsbank erneut einer ehr ernsten Situation gegenüber. Der ganze Sonntag hin- >urch war deshalb mit Verhandlungen angefüllt, und Reichs- mntpräfidenl Dr. Luther sah sich sogar veranlaßt, aus die ofortige Weiterreise nach Basel zu verzichten. An Stelle >es Reichsbankpräsidenten begab sich dann Geheimrat Bocke mit einem Sonderflugzeug nach Basel.
Den Anfang der Besprechungen bildete eine Sitzung der Reichsminister, in der Dr. Luther über seine Verhandlungen in Paris und London Bericht erstattete. An dieser SitzüNg nahmen ferner führende Bankiers teil, so z. B. die Direktoren Wassermann und Solmsen von der Deutschen Bank, Sobernheim von der Commerz- und Privatbank. Goldschmidt von der Darmstädter und Nationalbank und Ritscher von der Reichskreditanstalt.
IBie verlautet, sind im Verlaufe dieser Sitzung, die übrigens erst Sonntag gegen 2 Uhr früh beendet wurde, die fremden Regierungen aus diplomatischem Wege noch einmal auf den Ernst der Lage Deutschlands aufmerksam gemacht worden. 3m Mittelpunkt der Beratungen stand insbesondere die Frage der inneren Maßnahmen, die ergriffen und sofort in Kraft gesetzt werden müssen, um endlich den Geldmarkt wieder zu festigen und jeden weiteren Devisen- verlust abzustoppen.
In den Vormittagsstunden des Sonntags, etwa gegen 11 Uhr, trat dann der sogenannte Reparationsausschuß der Reichsregierung erneut zu Verhandlungen zusammen. Auch dieser Sitzung wohnte wiederum Reichsbankpräsident Dr. Luther bei, wie übrigens gegen 1 Uhr abermals Vertreter der Großbanken hinzugezogen wurden. In den Nachmittagsstunden wurde die Sitzung des Reparationsausschusses durch eine Sitzung des Reichsbankdirektoriums abgelöst, und kurze Zeit später trat dann das Reichskabinett nochmals zu einer Sitzung zusammen.
Der Botschafter der Vereinigten Staaten, Sackett, hat die Nacht zum Sonntag mit seinem gesamten Stab fast nahezu im Boschaftsgebaude verbracht. '
Keine Hüfe Amerikas.
Washington, 12. Juli.
Nach einer Konferenz mit Präsident hoover in Rapidan ließ Unterstaatssekretär Castle durch das Weiße Haus eine Mitteilung veröffentlichen. in der festgestellt wird, daß Präsident hoover weder ein Ersuchen Deutschlands im Zusammenhang mit seinen gegenwärtigen finanziellen Schwierigkeiten erhalten habe noch gebeten worden sei, sich beim Fe- deral Reserve Board zu verwenden, auf den bekanntlich die Exekutive der Vereinigten Staaten keinen Einfluß habe und auch nicht zu nehmen gedenke.
Die Mitteilung betonte, daß Präsident hoover keinerlei Botschaften mit Deutschland gewechselt und auch von Botschafter Sackett keinen Bericht erhalten habe.
Pressevertretern gegenüber gab Castle seiner Zuversicht Ausdruck, daß die finanzielle Anspannung in Deutschland überwunden werde.
Im Gegensatz zu obiger Mitteilung gibt Associated Preß Gerüchte, wonach die
Mobilisierung der amerikanischen Finanzmacht zugunsten der Erleichterung der deutschen Finanzkreise den Gegenstand von Besprechungen hoher Regierungsstellen bildet. Drei Wege seien möglich: ■
1. Unbeschränkte Kredite seitens der- Bundesreservebanken an die Reichsbank entweder in Form direkter Kredite oder durch Diskontierung von Wechseln. 2. Line große Kreditkonzentrierung in Deutschland seitens der Privatbanken. 3. Indirekte Kredite an Deutschland durch die Bank von England.
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Die Erörterung der deutschen Krise in Amerika.
WTL. New Pork, 12. Juli. höhere Regierungskreise betonen — wie die Associated preß aus Washington meldet, nach wie vor die Tatsache, daß die Refervebe- Hürde eine unabhängige Institution ist, die sich lediglich von wissenschaftlichen Gesichtspunkten leiten läßt. Doch werde darauf hingewiesen, daß die Reservebehörde in akuten Situationen in den 11. S. A. oder im Zustande auf die Beurteilung der Sachlage seitens der Regierung Rücksicht nehme, ferner wird erneut bemerkt, daß zwar Grund zur Annahme bestehe, Hoover werde einen Weg suchen, um eine deutsche Zahlungseinstellung ju verhindern, man wisse jedoch nicht, welche Maßnahmen hoover in Rapidan mit Tastle erörtere.
Die Danatbant in Schwierigkeiten.
WTB. Berlin, 13. 3uli. Die Darmstädter- und Nationalbank hat mitgeteilt, daß sie genötigt sei, ihre Schalter am Montag geschlossen zu halten. Die Reichsregierung hat die Varmstädter- und Nationalbank zu folgender Erklärung ermächtigt:
Die Reichsregierung wird aufgrund einer im Lau/e der heutigen Tages ergehenden Notverordnung des Herrn Reichspräsidenten durch volle Garantieleistung für alle Einlagen für eine ruhige Abwicklung der Geschäfte der Danat- bank Sorge tragen.
Mit Rücksicht auf die Bedeutung der eingetretenen Zah- lungsstockung ist den Banken die Anregung gegeben worden, den Verkehr mit Effekten und Devisen am Montag und Dienstag einzustellen.
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Gackelt berichtet Hoover über die deutsche Finanzlage.
WTB. washinton, 12. 3uli. (Reuter). Das Staatsdepartement wurde durch den amerikanischen Botschafter in Berlin Sackett über die ernste deutsche Finanzlage un- terrichtetf der Inhalt feines Berichtes ist jedoch nicht veröffentlicht worden.
Volitische Ausschreitungen in Celle.
Vier Schwer- und 8 Leichtverletzte.
Telle, 13. 3ult. Am Sonntag nachmittag überfiel eine Gruppe von 200 Kommunisten den Festzug des Stahlhelms anläßlich seines Sautages. Die Kommunisten hatten am Rande der Straßen, durch die der Zug ziehen mußte, Steinhaufen angesammelt und^bewarfen eine Gruppe von Nationalsozialisten, hie dem Zuge voranging, mit einem Steinhagel. Dabei wurden Nationalsozialisten und Kommunisten mit einander handgemein. Der tandesverbands- führer des Stahlhelms, General a. D. v. Henning, geriet zusammen mit seinem Stab mitten unter die Kommunisten. Mineral o- Henning wurde durch Steinwürfe am Kopf verletzt. Ruch andere Stahlhelmes und Nationalsozialisten trugen Verletzungen davon. Eine nachrückende Stahlhelmgruppe schlug einen Kommunisten, der zu schießen versuchte, mit dem Schanzzeug zu Boden. Er wurde schwerverletzt von seinen Parteifreunden in Sicherheit gebracht ehe Polizei zur Stelle war. Nach Eingreifen der Polizei wurde die Ruhe wieder hergestellt. Insgesamt wurden vier Personen schwer und acht leicht verletzt.
Befriedigung der englischen Marine.
Abschied der Kriegsschiffe von Kiel.
kiel, 12. Juli
Die beiden englischen Kreuzer „Dorsetshire" und „Norfolk" haben den Kieler Hafen wieder verlassen.
Beim Auslaufen ging aus dem Flottenflaggschiff, Linienschiff „Schleswig-Holstein", das Signal hoch: „An den Kreuzer „Dorsetshire". Waren sehr erfreut über den Besuch, wünschen Ihnen angenehme Reise. Deutscher Flottenchef." Die Marinesignalstation Düsternbrock hißte das Signal: „Wünschen gute Reise". Darauf antwortete der englische Admiral durch Morsefpruch: An Admiral, Herzlichen Dank, ich scheide mit Bedauern".
Holländischer Kriegsschiffbesuch in Travemünde.
Aus Anlaß des Ostseejahres traf im Hafen von Travemünde ein holländisches Kriegsschiffgeschwader ein, das aus dem Panzerschiff „Jacob van Heemskerck" sowie zwei Torpedobooten und zwei Unterseebooten besteht.
Der Führer des Geschwaders ist der Kommandant des Panzerschiffes Kapitän z. S. Scalogne. Am Sonnabend fand auf Einladung des Lübecker Senats zu Ehren der Gäste ein Frühstück im Ratskeller statt, an dem auch der holländische Gesandte in Berlin, Graf Limbourg-Stirum, der holländische Generalkonsul in Hamburg sowie der Lübecker Konsul teilnahmen. Die Kriegsschiffe werden bis zum 16. Juli in Travemünde bleiben.
Arbeitszeitverkürzung bei der Reichspost. Die 'teichspost hat auf Grund der Bestimmungen der zweiten Notveroidnung die wöchentliche Arbeitszeit des Personals im Betriebs- und Verwaltungsdienst vom 12. Juli ab auf höchstens 51 Stunden festgesetzt.
Zusammentritt des Internationalen Gerichtshofes im Haag Der ständige Internationale Gerichtshof im Haag, der am 20. Juli zur Behandlung der Frage des deutsch-österreichischen Zollabkommens Zusammentritt, wird am 16. Juli eine geschlossene Sitzung abhalten.
— Das Luftschiff Graf Zeppelin, das erst heute früh H Uhr zurückerwartet wurde, erschien bereits kurz vor Mitternacht über dem Heimathafen und konnte um 0,20 Uhr glatt landen.
— Wie wir erfahren, bleiben auf eine Verordnung der preußischen Handelsministers am Montag und Dienstag die preußischen Börsen geschlossen. Es ist anzunehmen, daß die gleiche Maßnahme auch von den übrigen Ländern getroffen werden wird.