MlMfttntr Zeitung
Kreis-Amtsblatt * Myemeiner mntlicherKareLyevfÜr 8m Svets Ächlücht
4 4 I
Nr. 91 <1. Blatt) Donnerstag, den 30. Juli 1931 83. Iahrg,
Amtliche Bekanntmachungen.
Kreisa » ssKuß.
Befreiung von Veranstaltungen, die aus Knlaß und zu Ehren des Verfassungstages unternommen werden, von der
Vergnügungssteuer-
Runderlaß des Ministeriums des Innern und des Finanzministeriums vom 14. 7. 1931 — IV St. 783 u. II B 1647.
Wir bringen unseren Runderlaß vom 19. 7. 1930 (MinBl iv. Seite 653) in Erinnerung. Da in diesem Jahre voraussichtlich bereits am 9. 8. und 10. 8. Vorfeiern abgehalten werden, erwarten wir, daß die Vergnügungssteuer erhebenden Gemeinden und Gemeindeverbände auch in derartigen Fällen aus BilligKeitsgründen auf die Erhebung der Vergnügungssteuer bei Vorfeiern am 9. und 10. 8. 1931 verzichten.
An die Ober- und Reg.-Präf., Landräte und Gemeindebehörden.
! ' I ■
I.Mr. 3682 K. A. vorstehender Ministerial-Erlaß wird den Herren Bürgermeistern des Kreises zur 'Kenntnisnahme und Beachtung mitgeteilt. Der Ministerial-Erlaß vom 14. Juli 1930 ist im Kreisblatt Nr. 94 vom 7. August 1930 veröffentlicht.
Schlächtern, den 27. Juli 1931.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses.
J. V.: Radke, Kreisdeputierter.
Begegnung im Polargebiet.
Zusammentreffen zwischen „Graf Zeppelin" und „Walygin".
Archangelsk, den 29. Juli.
Räch einem Funksprnch des Eisbrechers „Walygin" trafen das Luftschiff „Graf Zeppelin" und der Eisbrecher „Walygin" um 19.30 vhr in bei Joccekäucht zufa. „ Von Bord der „Walygin" wurde dem Luftschiff die Post übermittelt. Durch Funksprüche zwischen dem Eisbrecher und dem „Graf Zeppelin" fand ein kurzer Weinungsaus tausch statt.
Professor Wiese und Nobile sandten an (Mener und Samoilowitsch Grüße und wünschten ihnen eine gute Fahrt. Ein neues Zusammentreffen zwischen dem Eisbrecher „Ma- lygin" und dem „Graf Zeppelin" ist bisher nicht geplant. Die Wetterverhältnisse werden als nicht besonders günstig bezeichnet. „Graf Zeppelin" nahm weiter Kurs auf das Franz-Josephs-Land. In einem weiteren Funkspruch des Eisbrechers „Malygin" wird mitgeteilt, daß über die Suche nach der Gruppe Alessandri bisher noch nicht entschieden worden sei, da die Witterungsverhästnisse solchen Forschungen nicht günstig seien.
Auf der Fahrt nach Uardland.
WTB. Moskau, 28. 7. Um 1 Uhr verließ das Luftschiff „Graf Zeppelin" das Franz-Ioseph-Land und fchlug die Richtung Uordland ein.
Die Kegegnuitg mit Eisbrecher Wal»,-in.
^.WTM Moskau, 28. 7. Der Korrespondent der Telegraphenagentur der Sowset-Union an Borb des "Eisbrechers „LRalygin" berichtet über die Begegnung des Luftschiffes „Graf Zeppelin" mit dem Eisbrecher: Am 27. Juli um 20.10 Uhr tauchte über den blauen Gletschern bei den Brook-Inseln ein schwarzer Punkt auf. Von Deck des Eisbrechers erscholl der Ruf: „Zeppelin!" Der schwarze Punkt wurde immer größer, und alsbald erblickte man den in der Sonne silbern glänzenden Rumpf des Riesenluftschiffes. Alle Flaggen des „Malygin" grüßten das Luftschiff, von dem eine Fahne zurückgrüßte. Die Begegnung zwischen dem Luftschiff und dein Eisbrecher erfolgte in der Nähe der Polarsiedlung der im Urktisgebiet überwinternden Sowjetexpedition. Der Zeppelin überflog die Bucht und rüstete in der Melenius-Straße zum Niedergehen. Ohne das Gleichgewicht 311 verlieren, näherte der Zeppelin sich im Verlaufe einer Stunde dem Wasserspiegel. Langsam tauchte die Zeppelingondel in das Wasser neben einer treibenden Eisschicht. Die „Malpgin"-Mannschaft tauschte mit der Zeppelin-Mannschaft und den Sowjetgelehrten an Bord des Luftschiffes mündliche Grüße aus. plötzlich stieg das Luftschiff wieder auf, ohne Post vom „Malygin" ausgenommen zu haben. Der Zeppelin ließ darauf ein Boot mit Post und einem Filmoperateur herab. Zehn Minuten später erfolgte der Post au st auf dp hierauf stieg der Zeppelin wieder in die Höhe und verschwand hinter dem Sedow-Kop.
Prof. Wiese zur Arktis-Fahrt
WTB- M 0 s k a u, 28. 7. Prof. Wiese erklärte dem Taß- Korrespondenten, es sei zu "bedauern, da„ Dr. Eckener die außerordentlich günstigen Verhältnisse wegen des kleinen Eises, das die Bucht bedeckte, nicht habe ausnutzen können. „Graf Zeppelin" ging an einer Stelle, nieder,, wo Meeres- ffrämungen trieben. Einzelne Eisschollen drängten sich gegen die Gondel, so daß das Luftschiff vorzeitig aufsteigen mußte.
Nach den Besuchen.
Amerikaner und Engländer. — Berliner Ergebnisse. — Wann kommen die Franzosen?
Berlin, 29. Juli.
Die erste Reihe der Berliner Besuche ist vorüber — der angelsächsische Teil. Man Hai freilich gerade bei diesen Berliner Besuchen Gelegenheit gehabt, festzustellen, daß dieser Begriff angelsächsischer Politik und angelsächsischer Menschen nicht eine einheitliche schematisierende Bedeutung hat.
Welcher Unterschied war zwischen dem amerikanischen Außenminister Stimson und den englischen Gästen?
Stimfon in seiner sehr sachlichen, sehr nüchternen, kurzangebundenen Art ist ganz Geschäftsmann, auch wenn er die große Politik seines Landes vertritt. Er ist nicht der aus dem Parlament hervorgewachsene Politiker, wie man ihn in Europa kennt. Sein undekoratives Auftreten selbst im vorschriftsmäßigen schwarzen Rock bei dem Besuch des Reichspräsidenten umschließt jenen Begriff nüchterner Sachlichkeit, den man mit Nordamerika verbindet.
WacDonald ist das Gegenstück dazu.
Politiker und Redner in jedem Moment feines Berliner Auftretens. Nicht nur nach dem äußeren Eindruck, nicht nur wegen des fesselnden Minenspiels, nicht nur wegen der stets wirkungsvollen Gesten, gleichviel ob er eine Hand auf der Hüfte vor größerem Zuhörerkreis spricht, oder in nachlässiger Pose im Sessel liegt. Auch die Art seiner Argumentation, die Methode, den Satz, den Gedanken erst etwas zögernd beim Sprechen selbst zu formulieren, zeigt jene typischen Züge des Parlamentariers und Politikers. Mac- Donald, Henderson und Stimson werden sich jetzt in London wieder treffen, denn der amerikanische Außenminister ist von Berlin nach London zurückgekehrt, weil seine mit der englischen Regierung geplanten Besprechungen wegen der Londoner Konferenz und wegen der Berliner Besuche noch nicht durchgeführt werden konnten.
—- äicäei^t iuerbcii bie ö«Hv wi zwei enginchfpn chenden Kationen bei diesem Londoner Zusammentreffen
. auch eine Bilanz ihrer Berliner Besprechungen Petzen. Denn sie werden entsprechend den verschiedenartigen Interessen ihrer Völker unter verschiedenartigen Gesichtspunkten an die Berliner Besprechungen herangegangen sein.
Die Berliner Bilanz dieser ersten Serie der politischen Besuche kann feststellen, daß man wieder etwas weitcrge- kommen ist, wenn auch der neue Fortschritt sich nicht so-. fort in tatsächlichen Ergebnissen bemerkbar machen wird. Die Aufgaben des amerikanischen Außenministers unb der englischen Minister waren verschiedenartig.
Mit dem Außenminister der Vereinigten Staaten war in erster Linie die Abrüstungsfrage zu erörtern. Mit den englischen Statsmännern konnte offen weiterhin die Wirtschafts- und Finanzlage besprochen werden, weil dieses europäische Problem den Engländern näher liegt als den Amerikanern. Die Entscheidung aber liegt vor wie nach in Paris, dessen Staatsmänner nach einer Meldung des „Oeuvre" voraussichtlich im August nach Berlin kommen werden. Dieser französische Besuch bedeutet den Beginn der zweiten Reihe, hoffen wir, daß er ohne Bedingungen erfolgt, die uns schaden könnten, und daß er zum Wohle des Landes ausschlägt.
Gtimsons Dank.
Der amerikanische Staatssekretär Stimson hat auf sei ner Rückreise vom Haag aus an den Reichspräsidenten folgendes Telegramm gesandt: „In aufrichtiger Wertschätzung der Ehre, von Euerer Exzellenz einpfangen worden zu sein, bitte ich, meine besten Wünsche für Euerer Exzellenz weiteres Wohlergehen und für die Wohlfahrt des deutschen Volkes entgegennehmen zu wollen."
Auch an den Reichskanzler und Außenminister Curtius hat Stimson Dankadressen gerichtet.
MacDonald und Henderson bei Hindenburg.
Reichspräsident von Hindenburg empfing den englischen Ministerpräsidenten MacDonald und den englischen Außenminister Henderson in Anwesenheit des englischen Botschafters und im Beisein des Staatssekretärs Meißner.
Beim preußischen Ministerpräsidenten.
Der englische Ministerpräsident MacDonald und Au- Kenminister henderson folgten nach dem Empfang der Presse im Kaiserhof einer Einladung des preußischen Ministerpräsidenten Braun 311 einem Essen in den Räumen des Staatsministeriums. Bei dieser privaten Veranstaltung waren keine Amtspersonen, sondern nur Führer der sozialdemokratischen Partei anwesend, unter ihnen die Abgeordneten Wels und Breitscheid, die eigens zur Begrüßung der englischen Minister vom Sozialistenkongreß in Wien auf einen Tag nach Berlin gekommen waren.
Chequers-Gespräch in Berlin.
Amtlich wird mitgeteilt, daß vormittags in der Reichs kanzlei zwischen Reichskanzler Brüning, Relchsaußenwi nister Curtius, Mr. Ramsay MacDonald und Mr. Henderson eine Besprechung stattfand. Die Beratungen, die eine Fortsetzung des Chequers-Gespräches darstellten, dauerten zwei Stunden und wurden nachmittags fortgesetzt.
MacDonald vor der deutschen Presse
Der englische Ministerpräsident MacDonald empfing zusammen mit dem Außenminister henderson im Hotel Kai- ferhof die deutsche Presse, die überaus zahlreich erschienen war. MacDonald sprach sich sehr erfreut über den ihm zuteil gewordenen Empfang und über das Ergebnis feines Besuches in Berlin aus. Er könne im Augenblick nicht viel Einzelheiten mitteilen. Er und Henderson hätten sich mit den deutschen Ministern sehr gut verständigen können und den Kontakt fortgesetzt, der in Chequers ausgenommen worden sei.
Er sei sich darüber klar, daß noch große Schwierigkeiten bestünden und noch zu überwinden seien. Er sei aber überzeugt, daß die Kräfte der deutschen Ration und ihre wirtschaftliche und industrielle Stärke ohne weiteres in der Lage sein werden, die Schwierigkeiten zu überwinden. Er habe die volle Ueberzeugung, daß jeder einzelne Deutsche dazu beifragen würde, der stolzen Ration, der er angehöre, zu helfen und zu dienen.
Dann, wenn die gegenwärtigen Schwierigkeiten überwunden seien, werde man auf dem Wege der Zusammenarbeit in Genf und anderwärts weiter fortschreiten, bis zur endgültigen Beruhigung der internationalen Atmosphäre. Zum Schlüsse sprach sich Macdonald noch sehr erfreut aus über den kürzlichen Empfang, der den englischen Kriegsschiffen in Kiel zuteil geworden sei und der in der englischen Presse besonders anerkennend vermerkt worden sei.
Anschließend äußerte sich Macdonald zu einigen Fragen. Auf die Frage, wie es gegenwärtig mit der Politik der Balance of Power (Gleichgewicht der Mächte) in England stehe, die England seit vielen Jahren betrieben hat, erklärte MacDonald sehr temperamentvoll, daß die von der englischen Regierung geführte Politik der internationalen Verständigung das strikte Gegenteil einer Politik der Balance of Power sei.
Eine Politik des Gleichgewichts der Wächte fei nur durchführbar, indem die nationale Sicherheit große W^WK2Lg».u Eiuc Pc^K in tu iiuubigung a?er ermögliche die internationale Sicherheit durch Zusammenarbeit und Abrüstung.
Eine andere Frage lautete: Der englische Ministerpräsident habe von dem Idealismus der deutschen Jugend gesprochen; ob er, um sich ein Bild über das Wesen dieses Idealismus in der deutschen Jugend zu machen nicht auch mit ihren Führern Fühlung nehmen wolle.
Daraus erklärte WacDonald, er habe nicht von dem Idealismus der deutschen Jugend, sondern von dem Idealismus der gegenwärtigen jungen Generation überhaupt gesprochen und sei allerdings überzeugt, daß es schlimm sei, wenn dieser Idealismus durch Furcht oder Feindseligkeit in falsche Richtung gelenkt werden würde.
... und vor der englisch-amerikanischen presse.
MacDonald und Henderson sprachen auch zu Vertretern der englisch-amerikanischen Presse über die Lage in Deutschland und die internationalen Probleme. MacDonald führte dabei 11 a. aus: Zurzeit beständen zwei Aktionen: Die erste fei, daß die Staatsleute daran arbeiten müßten, die allgemeine Atmosphäre zu verbessern, die zweite sei, daß die Sachverständigen die Einzelheiten der finanziellen und Abrüstungsprobleme ausarbeiten müßten. Diese beiden Aktionen liefen nebeneinander her, und man müsse hoffen, daß sie Erfolg brächten.
Es handele sich nicht darum, eine Rotbrücke zu bauen, oder irgendwie ein Wunder zu erwarten, es müsse dauernde Arbeit geleistet werden, indem man ständig und nachdrücklich und geduldig weiterbaue.
In Beantwortung von Fragen erklärte MacDonald, daß er und seine Kollegen sich gefreut haben würden, wenn sie die Führer der deutschen Nationalisten hätten treffen können, aber die ihnen zur Verfügung stehende Zeit sei zu kurz gewesen.
Sowohl der Ministerpräsident als auch der Außenminister bestätigten, daß eine allgemeine psychologische Veränderung schon sichtbar sei. Diese Entwicklung würde noch klarer zutage treten, wenn wir erst 4 Tage weiter seien.
Henderson sprach von der Verbesserung der englisch- deutschen Beziehungen und fügte hinzu, daß der Besuch der deutschen Winister in Paris eine neue Aera in den Beziehungen eröffnet hätte.
Ein weiterer Aufschub. Erst nächste Woche freier Bankverkehr.
Berlin, 29. Juli
Amtlich wird mitgeteilt: Der Rest dieser Woche ist dadurch gekennzeichnet, ' daß zu den für die regelmäßigen Lohn- und Gehaltszahlungen bereitzustellenden Zahlungs- Mitteln noch die Anforderungen des Monatsendes hinzutreten.
Es erschien daher nicht ratsam, darüber hinaus für die nächsten Tage eine umfangreiche Auflockerung des bisherigen Zahlungsverkehrs vorzunehmen. Die heute erlassene Veroronung der Reichsregierung sieht daher nur unwesentliche Erhöhungen der zahlbaren Beträge vor. Die beteiligten Stellen werden dafür sorgen, daß 00m Beginn der