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Nr. 95

U. Blatt)

GamStag, den 8. August 1931

83. Iahrg.

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An Preußens Wähler und 5

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ählerinnen!

Rechtsparteien, Stahlhelm and Kommunisten nnoersöhnliche Todfeinde in unnatür­licher Paarung vereint rufen zum Volksentscheid für Auflösung des Preußischen Landtags auf. Parteien, deren fanatische Anhänger sich täglich in Ueberfällen und blutigen Kämpfen gegenüber- stehen, finden sich urplötzlich zusammen. Mit derselben Waffe desJa"-Zettels zum Volksentscheid wollen beide Teile das denkbar Entgegengesetzte erreichen: Die Einen ein bolschewistisches, russischen Methoden nachgeahmtes Sowjetpreußen, die Anderen das alte volksfeindliche Preußen des Drei- klassen-Wahl-Unrechts oder eines faschistischen Gewaltregiments.

Und doch: Eines ist in der Tat den Rechts- und Linksradikalen, die hier zum Sturm auf den Preußischen Landtag einsetzen, gemeinsam, klaffen auch ihre weiteren Ziele unvereinbar auseinander: Nationalsozialisten und Kommunisten wollen das Chaos, wollen den Sturz des Bestehenden. Jeder denkt aber, an die Stelle des Gestürzten seine Herrschaft setzen und die Anderen eben noch willkommene Bundesgenossen beim Volksentscheid unter seine Füße treten zu können.

Der Preußische Landtag würde der Verfassung gemäß ohnehin spätestens im Mai 1932 neu gewühlt werden. Selbst beim Gelingen des Volksentscheids würde frühestens Anfang De­zember gewählt werden können. Wegen der kurzen unterschiedlichen Frist von vier Monaten werden nunmehr schon seit dem Februar des Jahres die politischen Leidenschaften aufs Schärfste aufge­stachelt. Ein für das Volkswohl ungemein schädliches Beginnen in einer Zeit schwerster wirtschaft­licher Not, in der alles darauf ankommt, die öffentliche Ordnung und Sicherheit als unentbehrliche Vorbedingung für jede Möglichkeit eines Wiederaufstiegs Deutschlands zu schützen.

Geht es wirklich nur darum zu erreichen, daß der Preußische Landtag um einige Monate früher gewählt werden soll? Nein! Vereint wollen die Links- und Rechtsradikalen, wollen Na­tionalsozialisten und Kommunisten das letzte große Bollwerk, die Zitadelle der Demokratie und Republik in Deutschland: VnußLN^'Mm Mil dem ßklüiaxu de^oltMntscheid-r wollen sie weithin sichtbar das Flammenzeichen geben, daß das Ende der Demokratie, des Volks­staates, in Deutschland gekommen sei. Der Weg soll nunmehr frei sein zur Verwirklichung der Pläne auf Vernichtung all der Dolksrechte, die nach dem Zusammenbruch von 1918 dem gesamten deutschen Volk erst die Kraft und den Mut gegeben haben, aus den Trümmern des alten Deutschen Reiches ein neues zu errichten und die Deutschen so vor der sonst sicheren Vernichtung als Staatsvolk zu bewahren.

Die Betreiber des Volksentscheids sind gewissenlos genug, der Preuß. Staatsregierung die Schuld an dem schweren wirtschaftlichen Unheil aufzuladen, das jetzt über das deutsche Volk hereingebrochen ist. In Wirklichkeit sind es die Folgen des verlorenen Krieges und der uns aufer­legten Kriegslasten, die Folgen der Ruhrbesetzung und der Inflation und volkswirtschaftlich verfehlter Maßnahmen, nicht zuletzt aber auch das uiweiantwortlidje Gebaren unserer radikalen Parteien, ihre Bürgerkriegsspielerei und großsprecherische Revanchepolitik, die sich nunmehr zu unser aller Unglück auswirken. Nichts wäre unheilvoller, als den Urhebern des Volksentscheids oder ihren kommu­nistischen Bundesgenossen auch noch das Staatsruder in Preußen in die Hand zu geben.

Gelingen des Volksentscheids bedeutet: Sieg zweier für den Augenblick vereinter gegnerischer radikaler Flügel, die dann in einen erbitterten Kampf miteinander um die Endherrschaft eintreten und Staat und Wirtschaft in diesen Vernichtungskampf mit hineinreißen würden.

Ein Scheitern des Volksentscheids ermöglicht eine Wetterführung der ruhigen und stetigen Regierungspolitik in Preußen zur Aufrechterhaltung der Ordnung und als wertvollste Stütze des Reiches bei allen Verhandlungen mit dem Ausland, die der Festigung des Vertrauens M Deutschland und dem Wiederaufbau seiner Wirtschaft dienen.

Wer aus blindem haß gegen die Errungenschaften der Demokratie den Sturz der Regierung der Wei­marer Koalition in Preußen will,

wer an die Stelle von Ordnung und Sicherheit die gegenseitige Zerfleischung der dann um die Herrschaft kämpfenden radikalen Parteien, also den Bruderkrieg im eigenen Laub, setzen will,

wer die mühsam wieder angeknüpften, von der deutschen Wirtschaft zur europäischen Umwelt führenden Fäden wieder zerreißen will,

wer ein Sowjet-Preußen oder ein faschistisches Preußen will, der gehe zum Volksentscheid und stimme mitja".

Wer dagegen für den sozialen und demokratischen Ausbau der deutschen Republik und des Freistaates Preußen ist, K .

wer der Preuß GtaatSregieruug mithelfen will, uns aus dem furchtbaren Elend der Wirt­schaftskrise und der ArbeitSlostgkeil in hartem und zähem Kampf wieder aufwärts zur Gesundung zu führen, , , t ,

wer Vernunft, Besonnenheit und tiefe, glühende Liebe zu Volt und Vaterland gerade in schwerster Zeit beweisen will,

der folge der Parole: Haltet Euch fern vom Volksentscheid!

Aeteili^EuMuchtamDe^

Das Preußische Staatsministerium:

Dr. h. c. Hirtsiefer minister für Volkswohlfahrt.

Dr Schreiber

Otinifter für Handel u. Gewerbe.

Dr. h. c. Braun Dr. Fug e. h. Geverlug

Ministerpräsident. Minister des Innern. ___

Dr. h. c. Steiger Dr. Höpter Aschoff

minister für Landwirtschaft, Domänen u. Forsten. Finanzminister.

Dr Schmidt Grimme

Iustizminister. Minister für Wissenschaft, Kunst u. Volksbildung.

Dersassunssfeier.

Wiederum jährt sich am 11. August der Tag, an dem sich das Deutsche Volk in einer Zeit schwerster nationaler 'Not feine Verfassung gegeben F>af. In den zwölf Iahren härtester Bedrängnis hat die Verfassung von Weimar ihre starke Lebenskraft erwiesen und uns trotz aller Anfein» düngen und Sprengungsversuche von außen und innen als höchstes vaterländisches Gut die nationale Einheit im Volks­staat erhalten.

Abermals werden in diesen Wochen an die Gpferwilligkeit und die staatspolitische Einsicht unseres Volkes die größten Anforderungen gestellt, denen wir nur unter Anspannung aller Kräfte und im unerschütterlichen Bewußtsein unserer Schicksalsgemeinschast gerecht werden können. Die Gemein­samkeit unserer Hot und die feste Entschlossenheit, nun erst recht zu unserem Volksstaat zu stehen und in ihm zu einer besseren Zukunft uns durchzuringen, soll uns über alles Trennende hinweg am Sonntag, den 1 6- R u g uft d. I s. zu einer Feier des Verfassungstages am Acisbrunnen zusammenführen, die ein Treubekenntnis zum Staate und zur lebendigen Volksgemeinschaft werden soll.

Die Feier wird folgenden Verlauf nehmen:

1015 Uhr. Antreten der Wettkämpfer des Kreises zu den leichtathletischen Wettkämpfen und Vorläufen zu den Stafetten auf dem SportplatzAuwiefe" in Schlüchtern.

11 Uhr. Beginn des Dreikampfes in vier Altersklassen (100 Meter Lauf, Weitsprung, Kugelstoßen) Stafetten- lauf (4 mal 100 Meter pendelftafette, ausgetragen in 2 Altersklassen).

1330 Uhr. Aufstellung des Festzuges am Rathaus und Abmarsch nach dem Acisbrunnen unter Vorantritt der Kapelle des Musikvereins Schlüchtern.

Die Vereine und die Schulen Schlüchterns und der Uachbargemeinden werden gebeten, sich vollzählig an dem Festzuge zu beteiligen.

1430 Uhr- Faustballspiele, Endläufe der Stafetten, ein rpkathpiel, Turnerische Schauvorführungcn-

16 Uhr. Beginn des Festaktes.

Vortragsfolge:

1. Ouvertüre zuOrpheus in der Unterwelt" (Dffen- bach). Musikverein Schlüchtern.

2. Vorspiel für eine Verfassungsfeier. llusbauschule Schlüchtern-

3. Morgenrot von Otto de Hobel. Brbcitergesangver- ein Schlüchtern-Breitenbach, Gemischter Thor-

4. Sprechchor Die Präambel und einige Artikel aus d- Reichsverfassung. Schüler d. Stadtschule.

5. Festrede. Bürgermeister Radke, Bad-Soden.

6- Musikstück. Musikverein Schlüchtern.

7- An die Freiheit. Gremmels'scher Männerchor.

8- Festspiel. Mutter Zukunft. Sey. Arbeiterjugend Schlüchtern-

9. Schülerchor Stimmt an mit Hellem hohen Klang Kinderchen der Stadtschule.

10. Preisverteilung an die Sieger in sportlichen Wett­kämpfen

11. Schlußansprache und

12. Deutschlandlied.

anschließend gemütliches Zusammensein und Tanz- Wäh­rend der Spiele und Feier finden Kinderbelustigungen statt- Die Wettkämpfe und Spiele werden von folgenden Turn- und Sportbünden gemeinsam ausgeführt

Brbeiter-Turn- und' Sportverein,

Deutsche Iugendkraft, Deutsche Turnerschaft, Westdeutscher Spielverband.

Die Einwohnerschaft des Kreises Schlüchtern wird zu der Feier herzlich «ungeladen und gebetem durch vollzäh­liges Erscheinen zur Verschönerung des Festes und zum Erfolg der vaterländischen Kundgebung beizutragen.

Zu der Feier rverden insbesondere auch die Herren Be= amten und Angestellten der hiesigen Reichs-, Staats- und KommunalbeHorden, die Mitglieder der kommunalen Kör­perschaften, die Vorstände und Angehörigen der Kirchen- und Schulgcmeiudcn, der Arbeitgeber» und Arbeitnehmer» verbände, der landwirtschaftlichen, Handels- und Gewerbe- vereine, sowie aller übrigen Vereine, der Innungen, Bc» amten- und AngefteHtenorganifationen und derjenigen der freien Berufe hiermit eingeladen.

Die Herren Bürgermeister ersuche ich, in meinem Auf» trage die Mitglieder der städtischen Körperschaften, die Gemeinde Vorstände und Gemeindevertretungen, sowie die in den Städten und Gemeinden bestehenden vereine und Or­ganisationen besonders einzuladen.

'Schließlich werden alle Einwohner des Kreises gebeten, durch Ausschmückung und Beflaggung ihrer Häuser am 11. August wie auch am 16. August den Städten und Dörfern ein festliches Gepräge zu geben.

Schlüchtern, den 6- August 1931.

Der Landrat. I. v.: Radke, KreisdepuUcrter.