MlWemer Zeitung
ß«eis-Kmtsbtatt * Mgemeiner amtlicherKHKeiger für tat Kreis Schtüchtao
Nr. gs Q» Blatt)Gamstag. den 1Z. August 1931 83. Iahrg.
Derfastungsfeier.
Wiederum jährt sich am 11. August der Tag, an dem sich das Deutsche Volk in einer Zeit schwerster nationaler Not seine Verfassung gegeben bat- In den zwölf Jahren härtester Bedrängnis hat die Verfassung von Weimar ihre starke Lebenskraft erwiesen und uns trotz aller Anfein= düngen und Zprengungsversuche von außen und innen als. höchstes vaterländisches Gut die nationale Einheit im Volksstaat erhalten.
Abermals werden in diesen Wochen an die Gpferwilligkeit und die staatspolitische Einsicht unseres Volkes die größten Anforderungen gestellt, denen wir nur unter Anspannung aller Kräfte und im unerschütterlichen Bewußtsein unserer Lchicksalsgemeinschaft gerecht werden können. Die Gemeinsamkeit unserer Not und die feste Entschlossenheit, nun erst recht zu unserem Volksstaat zu stehen und in ihm zu einer ^besseren Zukunft uns durchzuringen, soll uns über alles Trennende hinweg am Sonntag, den 16- A u g uft d- J s. zu einer Feier des Derfaffungstages am Acisbrunnen zusammenführen, die ein Treubekenntnis zum Staate und zur lebendigen Volksgemeinschaft werden soll-
Die Feier wird folgenden Verlauf nehmen:
1045 Uhr- Antreten der Wettkämpfer des Kreises zu den leichtathletischen Wettkämpfen und Vorläufen zu den Stafetten auf dem Sportplatz „Auroiefe" in Schlüchtern.
11 Uhr. Beginn des Dreikampfes in vier Altersklassen (WO Meter Lauf, Weitsprung, Kugelstoßen) Stafetten; lauf (4 mal 100 Meter Pendelstafette, ausgetragen in 2 Altersklassen).
1330 Uhr. Aufstellung des Festzuges am Rathaus und Abmarsch, nach dem Acisbrunnen unter Vorantritt der Kapelle des Musikvereins Schlächtern.
Die vereine und die Schulen Schlüchterns und der Nachbargemeinden werden gebeten, sich vollzählig an dem Festzuge zu beteiligen.
14:i0 Uhr- Faustballspiele, Endläufe der Stafetten, ein Fußballspiel, "Turnerische Schauvorführungen.
16 Uhr. Beginn des Festaktes.
Vortra.gsfolge:
1- Ouvertüre zu „Grvheus in der Unterwelt" (Dffen- bach). Musikverern Schlächtern.
2. Vorspiel für eine Verfassungsfeier. Aufbauschule Schlächtern-
3. Morgenrot von Otto de Nobel. Arbeitergesangver- ein Schlüchtern-Breitenbach, Gemischter Thor.
4- Sprechchor — Die Präambel und einige Artikel aus d. Reichsversassung. Schüler d. Stadtschule.
5. Festrede. Bürgermeister Radke, Bad-Soden.
6- Musikstück. Musikverein Schlächtern.
7. An die Freiheit. Gremmels'scher Männerchor.
8. Festspiel. — Mutter Zukunft —. Soz. Arbeiterjugend Schlächtern.
9- Schülerchor Stimmt an mit hellem hohen Klang — Kinderchor der Stadtschule.
10. Preisverteilung an die Sieger in sportlichen Wettkämpfen
11. Schlußansprache und
12- Deutschlandlied.
Anschließend gemütliches Zusammensein und Tanz. Während der Spiele und Feier finden Kinderbelustigungen statt- Die Wettkämpfe und Spiele werden von folgenden Turn- und Sportbünden gemeinsam ausgeführt
Arbeiter-Turn- und Sportverein,
Deutsche Jugendkraft, Deutsche Turnerschaft, Westdeutscher Spielverband.
Die Einwohnerschaft des Kreises Schüchtern wird zu der Feier herzlich einaeladen und gebeten, durch vollzäh- liges Erscheinen zur Verschönerung des Festes und zum Erfolg der vaterländischen 'Kundgebung beizutragen.
Zu der Feier werden insbesondere auch die ßerren Be= amten und Angestellten der hiesigen Reichs-, Staats- und Kommunalbehörden, die Mitglieder der kommunalen Körperschaften, die Vorstände und Angehörigen der Kirchen- und Schulaemeinden, der Arbeitgeber- und Arbeitnehmer- verbände, der landwirtschaftlichen, Handels- und Gewerbe- vereine,. sowie aller übrigen Vereine, der Innungen, Be= amten- und Angestelltenoraanisationen und derjenigen der freien Berufe hiermit eingeladen.
Die Herren Bürgermeister ersuche ich, in meinem Auf= trage die Mitglieder der städtischen Körperschaften, die Gemeinde Vorstände und Gemeindevertretungen, sowie die in den Städten und Gemeinden bestehenden vereine und Gr- Hamfationcn besonders einzuladen.
Schließlich werden alle Einwohner des Kreises gebeten, durch- Ausschmückung und Beflagguna ihrer Häuser am V. August wie auch am 16. August den Städten und Dörfern ein festliches Gepräge zu geben.
Schlüchtern, den 6- August 1931.
Der Landrat. I. v.: Radke, Kreisdeputierter.
Vottretttche Meldung von Aerzte», Zahnärzten und Tierärzten
RdErl- d. MdI. vom 28. 7.1931 — II D 165 V. u. VI/30.
Ich ersuche die polizeilichen Meldebehörden, von jedem Zu-, Ab- und Umzüge
a) von Aerzten und Zahnärzten dem Kreisarzt
b) von Tierärzten dem Kreistierarzt
Mitteilung zu machen, und zwar unverzüglich nach Eintragung der Anzeige in das Melderegister durch Uebersendung eines etwa verfügbaren Stücks des Meldescheins oder in sonst geeigneter Weise.
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Wird veröffentlicht.
Schlüchtern, den 6- August 1931.
Der Landrat. I. v.: Duwe.
Kreisausschutz.
Freiwillige Tanttätskolounc vom Roten Kreuz Schlüchtern.
Die Kolonne nimmt am Sonntag, den 16- August 19 3 1 bei den sportlichen Veranstaltungen am Acisbrunnen dienstlich teil. Zusammenkunft um 13 Uhr am Kreis= Haus-
Es ist Ehrenpflicht, pünktlich und vollzählig zu erscheinen.
Schlüchtern, den 13- August 1931.
Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz Schlüchtern.
Möller, Kolonnenführer.
Der Vorsitzende des Männer-Vereins vom Roten Kreuz.
Dr. Müller, Landrat.
Stadt Stciuau.
Bekanntmachung.
. Am Samstag. den Ich d^ Mts. vormittags Tks Uhr soll auf dem hiesigen Rathause - Zimmer der Kanzlei - der Schafpferch öffentlich meistbietend verpachtet werden.
Steinau, den 12- August 1931.
Der Magistrat. Dr. Kraft-
Urne kommunistische Drohbriefe. — Weitere Verhaftungen.
TNB. Berlin, 14. 8. (Eigene Meldung.) Der bei den Unruhen am Bülow-Platz verletzte Oberwachtmeister Willig, der sich zur Zeit im Staatskrankenhaus befindet, hat, dem „Lokal-Anzeiger" zufolge, einen Drohbrief erhalten, in dem es heißt: „Es hat sich herausgestellt, daß Kaliber 6,35 für dich nicht genügt. Wenn du herauskommst, rver- den wir dich mit 9 mm empfangen! Eine Probe anbei." Dem Brief war eine 9-mm-Revolverpatrone beigefügt. Der Rewervorsteher des Polizeireviers 62 in der Pappelallee 85, Ijauptmann Schmedes, hat ebenfalls von Kommuni- stsicher Seite Drohbriefe erhalten.
Bei den gestern in Weißensee verhafteten sieben Kommunisten hat man Aufzeichnungen gefunden, die den Plan zur Ermordung des Oberleutnants Bäcker enthüllen- Danach wollte man den Offizier an das Fenster seiner Wohnung locken, indem man losen Sand dagegen warf. Wenn Bäcker dann heraussah, sollte er erschossen werden- tatsächlich hat Oberleutnant Bäcker in mehreren Nächten, die den Ereignissen am Bülow-Platz vorausgingen, verdächtige Geräusche am Fenster gehört- Die Abteilung 1 a hat außerdem mehrere Festnahmen vorgenommen, die mit den kommunistischen Mordtaten am Bülow-Platz im engsten Zusammenhang stehen- Darunter befindet sich auch ein Mann, an- । scheinend ein Russe, der im Verdacht steht, der Organisator j der Feuerüberfälle auf die Polizei zu sein. Dieser Mann t wurde gestern in einer Laubenkolonie des Nordens ermittelt und festgenommen.
— Die finanzpolitischen Beratungen, die gestern in den Vereinigten Reichsratsausschüssen stattfanden, haben das Programm einer finanziellen Sanierung der Reichs-, Länder- und Gemeindefinanzen erheblich gefördert. 3m Laufe des heutigen Tages soll eine Sachverständigenkommission ernannt werden, in die neben Vertretern der Reichsregie- rung auch einzelne Länderbeamte entsendet werden dürften. Dieser Kommission werden die vorliegenden Vorschläge zur Durchprüfung übergeben werden. Nach etwa zweiwöchiger Arbeit der Kommission sind dann weitere Notverordnungen zur Durchführung des wirlichaftspolitischen Programms zu erwarten.
Die Besprechungen des Berliner Bärsenvorstandes am Donnerstag ist der Frage der Wiedereröffnung der Börse endeten ohne positive Beschlüsse- Die Besprechungen dürsten in Bälde fortgesetzt morden..
Der Kanzler vor dem Neichsrai.
Das Herbstprogramm.
Berlin, 14. August.
Die Sitzung der Vereinigten Ausschüsse des Reichsrats, in der der Reichskanzler Dr. Brüning über die politischen und wirtschaftlichen Ereignisse der letzten Wochen vertraulich sprach, hatte nahezu den Charakter einer Länderkonferenz, da eine Anzahl von Ministerpräsidenten der deutschen Länder an den Beratungen teilnahm. Der bayerische Ministerpräsident Held benutzte die Gelegenheit der Aussprache, um ausführlich die Notlage der Länder darzulegen.
Reichskanzler Dr. Brüning ging in feiner Rede ausführlich auf die Geldkrise und ihre Ursachen ein. Er schilderte weiterhin die Stühungsmahnahmen der Reichsregierung. Bei seinen Betrachtungen hob er die Bedeutung der Kredite für den Mittelstand hervor und betonte, daß die Banken nicht immer diese volkswirtschaftliche Notwendigkeit anerkannt hätten. Bei den allgemeinpolitischen Ausführungen über die künftigen Maßnahmen forderte Reichskanzler Brüning äußerste härte gegen uns selbst. Nach diesen mit großer Schärfe und Klarheit vorgebrachten Ausführungen muß mit weiteren Einsparungen in großem Ausmaß gerechnet werden.
Reichsfinanzminister Dietrich ergänzte die Ausführun- gen des Reichskanzlers. Er wies darauf hm, daß das Reich in 14 Tagen 230 Millionen Mark an Steuern eingebüßt habe, und daß dhese Einbuße heute vielleicht eine Milliarde Mark betragen würde, wenn nicht rechtzeitig gehandelt worden sei. Infolge der von der Regierung getroffenen Maßnahmen sei es gelungen, die Zahlungsmitte'krise bis zum 7. August zu beseitigen.
In der anschließenden Aussprache wurde ausgiebig die Finanzkrise der Länder und Gemeinden erörtert. Für die Länder sprach neben dem Vertreter Bayerns auch der Verteter von Mecklenburg. Die kommunale Krisis behandelte Oberbürgermeister Menge-Hannover. Weiter wurde in der Aussprache das Problem der Banken- aufsicht behandelt. Reichskanzler Brüning schloß die Beratungen mit einem Schlußwort ab.
Einzelheiten über das herUsMrogramm wurden in der -iijung der RekchsraKausschüstze noch nicht mitgeteilt.
Es war dies schon aus dem Grunde nicht möglich, weil das Kabinett überhaupt noch nicht endgültig zu den vorliegenden Plänen Stellung genommen hat. Eins der Hauptprobleme ist nach wie vor die Beseitigung der Hauszinssteuer. Die Schwierigkeit besteht aber darin, eine entsprechende Quelle zu erschließen. Eine Erhöhung der Umsatzsteuer bringt deshalb Schwierigkeiten, da der Umsatz nicht so stark belastet werden kann, daß dadurch der Ausfall der Hauszinssteuer in Höhe von 1300 Millionen Mark wett- gemacht wird.
Die Erntebewegungskredite.
Richtlinien über die Verbilligung der Zinsen.
Berlin, 14. August.
Amtlich wird mitgeteilt: Die Deutsche Rentenbank- Kreditanstalt (Landwirtschaftliche Zentralbank) ist durch Bereitstellung von Mitteln seitens des Reiches in die Lage versetzt worden, den getreideverarbeitenden Betrieben, welche Roggen, Weizen oder Gerste inländischer Herkunft diesjähriger Ernte aufnehmen, nach Lieferung der Ware auf Antrag eine Zinsveitbilligung der hierzu in Anspruch genommen Wechselkredite zu gewähren. Die Ueberweisung der Zinsrückvergütung erfolgt nach Einreichung einer von Käufer und Verkäufer unterzeichneten Bestätigung des Geschäftsabschlusses, dem eine von dem finanzierenden Kreditinstitut unterzeichnete Abschrift der entsprechenden Diskont- abrechpung beigefügt ist.
Die Zinsrückvergütung beträgt 6 v. h. I. 3. der Dechselsumme für die Dauer der Lauszeit der Wechsel- abrechnung, soweit sie nicht über sechs Wochen hinausgeht. Wird der derzeitige Re!ä>ibankdiskontsah von 10 v. H. herabgesetzt, erfährt der Rückvergütungssah die gleiche Ermäßigung. Die Verbilligung erfolgt bis auf weiteres w- nächst für Geschäfte, die in der Zeit vom 15. August bis 20. September 1931 abgeschlossen und erfüll' werden.
Die Anträge sind jeweils binnen einer Woche nach Erfüllung der Deutschen Rentenbank-Kreditanstalt, Berlin W 8, einzureichen, die entsprechende Vordrucke zur Verfügung stellt. Die Eitzscheidungen der Deutschen Rentenbank- Kreditanstalt über die Anträge sind endgültig und können im Prozeßwege nicht angefochten werden. Es ist Vorsorge getroffen, daß die im Rahmen der geplanten Bevorschussung auf abgeschlossene Lieferungsoerträge gewährten Kredite gletlhe Zinsrückvergütung erhalten. Ueber die Ziixrück- vergütung der Erntelombardierungskredite ergehen noch besondere' Bestimmungen.
Cramers Leiche gesichtet?
WTV- hau gesund, 14. 8. Ein aus Haugesund stammender Dampfer war am Montag nachmittag gezwungen, einen Hafen der Lhetland-Inseln anzulaufen. Westlich der Insel Foul wurde von dein Deck aus gegen 16 Ar ein im Wasser treibender Körper bemerkt, der in eine Art Fliegeranzug gekleidet war- Man nimmt an, daß vermutlich die Leiche des Fliegers Tramer gewesen ist, der von den Shetland-Inseln um 10 Uhr vormittags gestartet war.