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Nr. 101
0. Blatt)
Gamstag, den 22. August 1931
83. Jahrs.
Amtliche Bekanntmachungen.
: Sprechstunden Beim Landratsamt: Dienstags : : und Freitags, vormittags von 9 bis 12 Uhr :
Landratsamt.
3.=Rr 54412. stuf Anordnung der Reichsregierung findet am L Sept. d. 3s. eine Lchweine-Zivischenzählung statt. Die Zahlung dient allgemeinen, volkswirtschaftlichen und statistischen Zwecken.
Die näheren Anweisungen für die Durchführung der Zahlung enthalten die den Herren Bürgermeistern zugehenden Formulare zu den Zählbezirkslisten T und den Gemeindelisten E. Mit dem Inhalt dieser Anweisungen und der Formulare wollen die Herren Bürgermeister sich alsbald vertraut machen und wegen der Ausführung der Zahlung das Weitere veranlassen. Etwaiger Mehrbadarf an Formularen ist alsbald hier anzumelden.
Die sorgfältig aufgestellten Zählbezirks- und Gemeindelisten sind vollzählig sobald wie möglich, sp ä teste ns jedoch bis zum 5. Sept. i). 3., nach Benehmen mit den zuständigen Landjägereibeamten hierher einzureichen und zwar die Zählbezirkslisten in doppelter und die Gemeindelisten in einfacher Ausfertigung. Der für die Einsendung der Listen festgesetzte Termin darf nicht überschritten werden, da zu deren Zusammenstellung und Nachprüfung hier nur wenige Tage zur Verfügung stehen. Ausfällige Abweichungen gegenüber derBchweinezwi- schenzählung am l. I u n i d. Is. sind in besonderem Berichte zu begründen.
Da bei früheren Zählungen in einigen Fällen Tiere verheimlicht worden sind, ersuche ich die Herren Bürgermeister, die Viehbesitzer darauf hinzuweisen, daß neben der Strafe (Gefängnis bis zu 6 Monaten oder Geldstrafe bis zu 10 000 Rm.) die Beschlagnahme der verheimlichten Tiere angeordnet werden kann.
Ich mache ferner darauf aufmerksam, daß die in den Zählbezirkslisten aufgenommenen Angaben über den Viehbesitz der einzelnen Haushaltungen nicht für Zwecke der Steuerveranlagung verwendet werden dürfen. Ueber diese Angaben ist das Amtsgeheimnis zu wahren.
Ich ersuche die Herren Bürgermeister für geeignete Bekanntgabe zu sorgen, auch die Zähler anzuweisen, die Einwohner ihrer Zählbezirke auf diese Bestimmungen besonders aufmerksam zu machen.
Die zweite Ausfertigung der Zählerlisten ersuche ich den zuständigen Landjägereibeamten auf Verlangen zwecks Nachprüfung auszuhändigen und sie dabei auf zweifelhafte Angaben aufmerksam zu machen. Die Listen dürfen nicht hierher eingesandt werden, bevor die Landjägereibeamten sie eingesehen haben.
Schlüchtern.,'den 17. August 1931.
Der Landrat. Dr. Müller.
Kreisausschuß.
Betrifft: Trockengerüste für Getreide.
Unter Bezugnahme aus das an die Herren Bürgermeister ergangene Rundschreiben folgt nachstehend die genauere Beschreibung der Trockengerüste.
Die Gerüststangen sind aus Stargen von etwa 10 Ttm. Querschnitt und 2V2 Mt. lang zu nehmen. Die unterste Ouerstange wird 80 Ttm. vom Boden an die äußere Seite der Gerüststangen angenagelt, 2 weitere im Abstand von ie 40 Ttm., die oberste welche gleichzeitig zur Verbindung der Gerüstgitter oben im Giebel dient, im Abstand von etwa 75 Ttm. über der obersten (Querlatte und auf der inneren Seite der Gerültstangen. Diese oberste dient dazu die beiden gegeneinander liegenden Gerüstgitter zu halten. hier werden die beiden Hälften des Trockengerüstes zweckmäßig zufam= mengenagelt oder festgebunden. Unten stehen die Gerüststangen etwa 2,20 Mt-, oben im Giebel etwa 1,80 Mt. bis 2 Mt. auseinander.
Die (Querftangen sind 6 8 Ttm. im (Querschnitt zu nehmen bei einer Länge von 2—2>A Mt Bei kürzeren Sfan= gen genügt eine geringere Stärke. 3c böher die Gerüste gebaut werden sollen, um so stärker müssen die Gerüst- stangen sein, umsomehr (Qucrftangen lassen sich darauf onbringen. Der Vorteil größerer Gerüste besteht darin, daß mehr Luft an die in ihnen hängenden Kehren kommt.
von den oben beschriebenen Gerüsten braucht man etwa 4 auf 1 Morgen- vor allen Dingen sind die Gerüste für die selber zu empfehlen, auf denen noch Getreide auf dem Halm steht, das nun etwas abgelüftet und eingebunden sofort darauf zu bringen ist und vor jedem Auswuchs ge= fiebert werden kann. Bei bereits keimendem Getreide läßt sich durch etwas weitere Entfernung der (Qucrftangen (etwa 50 Ttmh eine so luftige Lagerung erreichen, daß bei nicht zu nassen Garben das Weiterwachsen verhindert wird-
Da nach den vorliegenden Wettervoraussagen mit einer Besserung der Gesamtlage immer noch nicht gu rechnen ist, machen wir noch einmal dringend auf diese Möglichkeit zum Smutje der Ernte aufmerksam.
Landwirtschaftsschule und Wirtschaftsberatungsstelle Schlächtern.
I.-Nr. 4121 K. A. vorstehende Beschreibung wird hiermit veröffentlicht. Die Herren Bürgermeister des Kreises ersuche ich, die Landwirte auf die vorstehende Beschreibung besonders aufmerksam zu machen. Es muß im Hinblick auf die ohnehin höchst gefährdete Wirtschaftslage alles darangesetzt werden, um Einbußen durch Ernteschäden nach Möglichkeit zu verhüten.
Schlüchtern, den 21. August 1931.
Der Vorsitzende des Rreisausschusses. Dr. Müller.
I.-Nr. 4103 K. A. Mit Rücksicht darauf, daß sich die Anzeigen über Gbstdiebstähle an den Landwegen des Krei= ses in den letzten Iahren erheblich vermehrt haben, es aber in seltenen Fällen gelungen ist, die Diebe festzustellen und der Bestrafung zuzuführen, hat der Rreisausschuß bereits im Iahre 1929 die Aussetzung von Prämien für die Namhast- machung von Gbstdieben beschlossen. Auf Grund dieses Beschlusses wird für die Bennenung bezw. Ermittlung von Gbstdieben, deren Straftat sich auf Gbstbäumen des Rreis- Kommunalverbandes Schlüchtern erstreckt, in jedem Einzelfalle eine Prämie bis zu 20.— RM. aus Kreismitteln ausgesetzt. Die Herren Bürgermeister und die Herren Landjägereibeamten des Kreises mache ich hierauf besonders aufmerksam und ersuche die Herren Bürgermeister, diese Bekanntmachung wiederholt in ihren Gemeinden veröffentlichen zu lassen.
Schlüchtern, den 19. August 1931.
Der Vorsitzende des Rreisausschusses: Dr. Müller.
Das Kar» Lirdkarcht-Haus «ueber frei.
TNL- Berlin, 21. 8. (Eigene Meldung.) Das Karl- Liebknecht-Haus wurde heute kurz nach Mitternacht wie angekündigt von der Polizei freigegeben. Sofort fanden sich eine Anzahl Angestellter der „Roten Fahne" sowie mehrere kommunistische Abgeordnete ein und nahmen von dem Rarl-Liebknecht-Haus wieder Besitz. Das Haus, das bis 24 Uhr völlig in Kunkel lag, wurde sofort überall erleuchtet, und es scheint, als ob intensive Arbeit noch in der Nacht geleistet werden soll. Bis Mitternacht war der Bülow-Platz scharf abgesperrt. Polizeischeinwerser beleuchteten die im Dunkeln gegenüberliegenden Häuser und auch die Dächer, und die Bütgersteige um das Rarl-Liebknecht- Haus durften nicht betreten werden.
Der „kleine Belagerungszustand", der um das Rarl- Liebknecht-Haus und auf dem Bülow-Platz besteht, wird weiter aufrecht erhalten. Trupps von Kommunisten, die sofort nach der Räumung des Hauses sich auf dem Bülow- Platz einfanden, wurden von Polizeiautostreisen auseinam dergejagt.
Admiral von Truppel s.
Berlin, 21. August. Einer der verdienstreichsten deutschen Kolonialführer, Admiral Oskar von Truppel, der frühere Gouverneur von Kiautschau, ist im Alter von 78 Jahren gestorben. Truppe! gehörte von 1871 bis 1911 der Marine an und wurde 1899 Befehlshaber. 1901 Gouverneur des deutschen Schutzgebietes Kiautfchou in China, das er mit außerordentlicher Umsicht zehn Jahre lang verwaltete.
Bolschasker poncet ernannt.
Baris, 21. August. Präsident Doumer hat auf Vorschlag des Ministerpräsidenten Laval die Ernennungsurkunde über die Neubesetzung des französischen Botschafter in Berlin unterzeichnet. Damit ist Unterstaatssekretär Francois Poncet offiziell zum Botschafter in Berlin ernannt. Vor seinem Amtsantritt vertritt er noch Frankreich in der Europakommission in Gens.
300 000 Mark erschwindelk.
Karlsruhe i. B., 21. August. Auf Veranlassung der hiesigen Kriminalpolizei wurde der 42 Jahre alte Landwirt Johann E s ch b a ch aus Karlsruhe in Zürich verhaftet. Er hat im Laufe der letzten Zeit eine ganze Reihe von Personen um rund 300 OÖO Mark betrogen, in der Hauptsache kleine Geschäftsleute, die er um ihre Ersparnisse gebracht hat. Eschbach hat hier ein Treuhandbüro, das ihm als Deckmantel für seine umfangreichen Betrügereien diente.
— Im Mürztal (Oesterreich) richtete ein verheerendes Unwetter schwere 5chäden auf den Feldern, in den Waldungen und an den Häusern an. Bei der ohnehin sehr schlechten Wirtschaftslage in diesem Gebiet bedeutet das Unwetter eine Katastrophe-
— Etwa hundert Lchuljungens im Alter von 10—14 Iahren lieferten sich im Berliner Norden eine Straßenschlacht mit Latten, Eisenstangen und anderen Geräten, die so wüste Formen annahm, daß eine Polizeistreife eingreifen mußte.
Reichsreform durch Aoivsrordnung.
Höpker-Aschoffs Vorschläge.
Berlin, 21. August
Der preußische Finanzminister Dr. Höpker-Aschoff, veröffentlicht im neuesten Heft des „Deutschen Volkswirt" den Entwurf zur Reichsreform, der nach den Beschlüssen der Länderkonferenz von einigen ihrer Mitarbeiter, wohl in gemeinsamer Arbeit mit den Referenten des Reichsinnenministeriums, in ein Gesetz umgegossen ist. Dieser Entwurf befindet sich in den Händen des Reichsinnenministeriums. Im Anschluß daran macht Höpker-Aschoff seine Vorschläge, die das Verhältnis Preußen—Reich unmittelbar zur Lösung bringen sollen. Der preußische Finanzminister schreibt: „Die Frage unserer Tage ist, ob durch eine kühne Handlung die träge Masse in Bewegung gesetzt werden kann, so daß sie durch die lebendige Kraft der Bewegung ' dem Ziel entgegengeführt wird. Diese kühne Handlung ist kaum anders denkbar als so, daß die Mächtegruppen, welche heute die Reichsgewalt und die preußische Staatsgewalt verkörpern, sich zusammenfinden und eine gemeinsame Führung und eine Verwaltungsgemeinschaft auf den wichtigsten Gebieten herstellen. Es braucht nicht viel darüber gesagt zu werden, daß auch sonst die Not der Zeit diese Zusammenballung erheischt, und daß eine starke Führung, die ihre Selbständigkeit der Volksvertretung gegenüber behaupten will, ohne die parlamentarische Grundlage zu verlassen, schon sehr bald nur noch durch solche Zusammenballung gewährleistet wird. Wenn sie erfolgt, kann der entscheidende Anstoß zur Reichsreform durch folgende Maßnahmen gegeben werden.
1. Der preußische Innenminister wird gleichzeitig Reichsinnenminister.
Das Reich übernimmt die Polizeiverwaltung und die Gemeindeaufsicht in Preußen. Dies kann durch Notverordnung verfügt werden, weil der Artikel 48 in Notzeiten dem Reichspräsidenten das Recht gibt, nicht nur die Befugnisse des Reichsgesetzgebers und des Landesgesetzgebers auszu- üben, sondern auch die Landesoerivaltung an sich zu nehmen. Da das verfassungsändernde Gesetz Monate erfor- be<n würde, und ein sofortiges Handeln geboten ist, sind die Voraussetzungen des Artikels 48 für eine vorläufige Regelung bis zur Verabschiedung des verfassungsändernden -Reichsgesetzes gegeben.
2. Der Reichsjustizminister übernimmt die Betreuung der preußischen Justizverwaltung.
Auch dies kann durch eine Notverordnung verfügt werden in der Form, daß die Reichsregierung die Leitung der Justizverwaltung für das Land Preußen ausübt.
3. Die preußische Steuerverwaltung geht auf das Reich über.
; Dieser Uebergang kann auf ®rimb der Reichsabgabenord- nung durch einen preußischen Antrag ohne weiteres her- beigeführt werden.
Der Reichsinuenminister und der Reichsjustizminister ' würden alsdann gleichzeitig Mitglieder des preußischen Kabinetts sein, und der preußische Ministerpräsident mühte als Vizekanzler in das Reichskabinett eintreten. Diese wechselseitigen Bestellungen können ohne Gesetzesänderung vor sich gehen.
Das sind die entscheidenden Maßnahmen. Man kann die Dinge noch weiter treiben: Das Reichsarbeitsministerium könnte die Aufgaben des preußischen Wohlfahrtsministe- riums (ohne Medizinaloerwaltung und Baupolizei), das Wirtschaftsministerium die Aufgaben des preußischen Handelsministeriums (ohne Berufsschulwesen, Bergverwaltung und Betreung der preußischen Gesellschaften), das Reichs- ernährungsminifterium die Aufgaben des preußischen Land- wirtschaftsministeriums (ohne Berufsschulwesen und Verwaltung der Domänen und Forsten) übernehmen
Wie würde ein solches Vorgehen der Reichsregierung und der preußischen Regierung sich bei den kleineren norddeutschen Ländern auswirken?
Sie sind mehr oder weniger bereit, ihre Selbständigkeit als Länder zu opfern, aber sie wollen nicht „Preußen", sondern „Deutsche" werden. Es könnten sofort die Verhandlungen darüber eingeleitet werden, wie die kleineren Länder mit den preußischen Provinzen zu Ländern neuer Art zu- sammenzufassen wären, wie mit den Grenzen dieser Länder die Verwaltungssprengel der großen Reichsverwaltun- gen abzustimmen wären, wie das vorhandene Staatsvermögen, vor allem Forsten und Domänen, aufzuteilen wären.
Die Verhandlungen, die von Preußen mit Waldeck, Pyrmont, Schaumburg-Lippe und anderen Ländern geführt sind, könnten hierbei als Muster dienen. Aber das Ziel wäre nicht — das ist das Entscheidende — die Verbindung mit Preußen durch einen Staatsvertrag, sondern die Bildung der neuen Länder und die unmittelbare Verbindung mit dem Reich durch ein verfassungsänderndes Reichsgesetz, das die Ergebnisse der Verhandlungen verwirklichen würde,"
Auf die Kürzlich gemeldete Anfrage der chinesischen Regierung hat sich das amerikanische Landwirtzschoftsamt bereit erklärt, 15 Millionen Bushels Getreide nach China zu liefern; über die Zahlungsmodalitäten wurde jedoch 1 noch nicht verhandelt-