Schluchtemer Zutuns
Nr. in (L Blatt) Dienstag, den 15, September 1931
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83. Jahrs.
Amtliche Bekanntmachungen.
Landratsamk.
Sammlungen ;n mahltättgen Zwecken.
Es besteht Veranlassung, auf die Bekanntmachung über Wohlfahrtspflege vom 15. 2. 1917 — R. G. BL S. 143 — hinzuweisen, wonach öffentliche Sammlungen zu vaterländischen, gemeinnützigen oder mildtätigen Zwecken (Wohlfah rtszwe cke n) behördlicher Erlaubnis bedürfen.
Schlüchtern, den 7. September 1931.
Der Landrat: Dr. Müller.
Mtr. 5906. Der Herr Rreismedjzinalrat wird am Dienstag, den 15. d. Mts. von 2 Uhr ab im hiesigen Rreis- Hause Sprechstunde halten.
Schlüchtern, den 11. September 1931.
Der Landrat: Dr. Müller.
3 .=Rr. 5893. Bnfangs Oktober d. 3s. findet die Gesellen- pfüfung für Schlosser und Schmiede statt.
Lehrlinge, d ie bis dahin ihre Lehrzeit beendet haben und die Gesellenprüfung ablegen wollen, müssen sich bis zum 20. September d. 3s. bei dem Schmiedeobermeister Stang in Sterbsritz oder bei dem Schlossermeister Bmend in Stei- mu. anmelden. Lehrvertrag, Fortbildungsschulzeugnis, Lehrzeugnis und Lebenslauf sind der Bnmeldung beizufü- gen.
Schlüchtern, den 11. September 1931.
Der Landrat: Dr. Müller.
Kreisausschuß.
Ketr.: Zinsrnfchüffe für Mohuungsbauten.
I .-Rr. 2673 B. Nach Ziffer 10 der Richtlinien über die Verwendung des für die Reubautätigkeit bestimmten Anteils am Hauszinssteuerau'fkommen können für solche Hypothe- Ken', die als Ersatz für Hau-zinssteuerhypotheken auf u privaten Geldmärkte ausgenommen werden, Zinszuschüsse zunächst auf die pauer von 5 Jahren gewährt werden, sofern die dem Kreise zur Verfügung stehenden Hauszins- steuerbeträge zur Gewährung von Hauszinssteuerhypothe- Ken, die nach dem Wohnungsbedarf notwendig sind, nicht ausreichen.
Ferner hat sich der Herr Minister für Volkswohlfahrt bereit erklärt, an Bausvarer öffentlicher Bausparkassen zur Verbilligung einer 2. Hypothek, welche von der öffentlichen Bausparkasse im Anleihemeg beschafft und als Vorgriff auf die später ordnungsmäßige Zuteilung der Sparvertrags- summe dem Bausparer bewilligt wird, einen Zinszuschuß von jährlich 4% längstens auf die Dauer von 5 Jahren zu bewilligen.
Weitere Auskunft über alle einschlägigen Fragen wird vom Kreisbauamt (Zimmer 5 und 6 des Kreislaufes) erteilt.
Schlüchtern, den 8. September 1931.
Der Vorsitzende des Rreisausschusses: Dr. Müller.
I .-Rr. 4453 K. A. Die äußerst schwierige Finanzlage des Kreises erfordert es gebieterisch, daß die ausstehenden Steuern, Abgaben und sonstigen Forderungen des Kreises unverzüglich an die Rreiskommunalkasse eingezahlt werden. An alle Kreiseingefeffenen, die irgendwelche fälligen Beträge st B. Rrankenhauskosten, Grunderwerbsteuer, Jagdsteuer, ilonzessionssteuer, Pacht- und Raufgelder, Anerkennungs= und Verwaltung-gebühren usw.) an die Kreiskommunak krasse in Schlüchtern schulden, ergeht hiermit die Aufforderung, die rückständigen Beträge unverzüglich, spätestens aber bis zum 1. G k t ob e r d. 3 s., einzuzahlen. Des Weiteren werden die Gemeinden des Kreises ersucht, die fälligen Kreisumlagen (Kreisfteuern) und sonstigen Abgaben PP. ebenfalls bis spätestens zum 1. Oktober d. 3 s. an die Rreiskommunalkasse einzuzahlen.
Für sämtliche fälligen Steuern und Abgaben, die bis zum 1. Oktober d. 3s. nicht zur Einzahlung kommen und für die bisher noch keine oder niedrigere Zinsen erhoben wurden, Verben künftig vom Fälligkeitstage ab die nachstehenden Zinsen erhoben werden:
a) für Rrankenhauskosten und für alle sonstigen auf privatrechtlicher Grundlage beruhenden Abgaben: bis auf Weiteres: 12%' jährlich,
b) für Grunderwerbsteuer, Jagdsteuer und Ronzessions- fteuer:
1. sofern die Zahlung nicht gestundet ist: Verzugszinsen : 2%' monatlich,
2. sofern die Zahlung gest anbei ist: Stundungszin- sen: 10%' jährlich, die bis zu 12% jährlich erhöht werden können,
c) für direkte Kreisfteuern (Kreisumlagen): Erstattungs- zinsen: 10% jährlich.
Die bis zum 1. Oktober d. 3s. gestellte Zahlungsfrist gilt als Schonfrist. Für alle bis zu diesem Zeitpunkt nicht eingezahlten Steuern und Abgaben gelangen die vorstehend aufgeführten Zinsen zur Erhebung.
Hinsichtlich der gestundeten Grunderwerbsteuern werden die bisher festgesetzten Stundungszinsen von 5 % durch diese Verfügung allgemein auf 10% jährlich mit Wirkung vom 1. Oktober 1931 ab erhöht. Eine besondere Benachrichtigung der einzelnen Steuerpflichtigen über die Erhöhung der Stundungszinsen findet nicht statt.
Schlüchtern, den 10. September 1931.
Der Vorsitzende des Rreisausschusses: Dr. Müller.
Finanzamt.
Bekanntmachung«
Bis auf weiteres bleibt die Finanzkasse am 5., 10., 15. und 20. jeden Monats bis Stunde vor Schluß der Dienststunden geöffnet. Einzahlungen bei der Finanzkasse können daher, sofern der betreffende Tag auf einen Montag, Dienstag, Donnerstag oder Freitag fällt, bis 17 Uhr, sofern der betreffende Tag auf einen Mittwoch oder Sonnabend fällt, bis 14 Uhr geleistet werden.
Schlüchtern, den 11. September 1931.
Finanzamt.
Stadt Schlüchtern.
Oeffentliche Aufforderung.
I. Räch der Bestimmung im Ersten Bbschnitt der Notverordnung des Herrn Reichspräsidenten vom 20. Juli 1931 (R. G. Bl. I. $. 385) sind für die nicht rechtzeitig am Fälligkeitstag entrichteten staatlichen Grundsteuern und Hauszinssteuern sowie die städtische Grundvermögenssteuer und die Gewerbesteuern Verzugszuschläge zu zahlen, die für jeden angefangenen halben Monat 5 vom hundert betragen.
Am 15. September 1931 werden fällig und ?mb an diesem Tage zu- Vermeidung -der vorbezeichnejM. Verzugszuschläge zu entrichten:
Staatliche Grundvermögenssteuer,
Staatliche Hauszinssteuer,
Städtische Grundvermögenssteuer,
Städtische Gewerbeertrags- und Gewerbekapitalsteuer.
II. Der zweite Bbschnitt der Rotverordnung schreibt vor, daß von allen übrigen am Fälligkeitstage nicht entrichteten Steuern des Staates und der Gemeinden Verzugszinsen in Höhe von 2 vom hundert monatlich zu zahlen sind.
hierunter fallen insbesondere auch die am 1. September d. 3s. fällig gewesenen $ um besteuern, die nach der für die Stadt und den Kreis erlassenen Ordnung für das ganze Jahr in einer Summe zu entrichten sind. Für Hunde, die im ersten Halbjahr abgeschafft werden, wird die für das zweite Halbjahr gezahlte Steuer zurück- vergütet.
IlL Für alle übrigen Leistungen, Gebühren und Abgaben sind Verzugszinsen, die im Einzelfalle auf 5—12% jährlich festgesetzt werden können, zu entrichten. Darunter fallen die fälligen Schulgelder für Lateinschule und Buf- bauschule, Wasseraelder, Pachtgelder, Ranal- unb sonstige Anerkennungsgebü^ren sowie die sonstigen Abgaben alter Art. Für Holzgelder sind gemäß den Derkaufsbebingungen Verzugszinsen in Höhe der von der Stadtsparkasse jeweils berechneten Ronto-Rorrent-Sckuldzinsen zu zahlen.
IV. Mahnungen erfolgen nur durch öffentliche Bekanntmachung.
V. Anträge und Eingaben heben die Zahlungsvervflick- tung nicht auf, solange Stundungs- oder Fristbescheide nicht ergangen sind.
Schlüchtern, den 10. September 1931.
Der Magistrat: Gaenßlen.
Bekanntmaiffun <z.
In der Zeit vom 18. bis einschl. 30. September 1931 erfolat die Reiniguna der Schornsteine in folgenden Straßen der Stadt Schlüchtern:
Bhlersbackerstraße, Elmerlanditraße, Hochitalstraße <Hm= wea, Grabenstraße. Rronvrinzenstraße, Gartenstraße, Drei- brüderstraße, Rurfürstenstraße. Bahnhofstraße, Lotichius- straße, Breitenbacherstraße, Brückenauerstraße, Fuldaer- straße, Weinberastraße. alte Straße, Ludov. v. Stumm- straße, Ljnsenaasse, Schmiedsaasse und Reugnsse.
Schlüchtern, den 11. September 1931.
Die Polizeiverwaltung: Gaenßlen.
Auf einem unbewachten Uebergang der eingleisigen Bahnstrecke Bodenheim-Blzey wurde ein Gesellschaftsauto einer Mainzer Firma von einem Personenzuge erfaßt unb gegen eine Telegraphenstangc geschleudert. Von den 3n= fassen wurden drei schwer und neun leicht verletzt.
D-Zug bei Judapest abgestürzk. Höllenmaschine aus dem Bahnkörper. — 22 Tote, 21 Verletzte.
Budapest, 14. September.
In der Rachl zum 13. September ist der Schnellzug Budapest-Wien-Passau-Köln auf dem vor der Station Tor- bagy befindlichen Viadukt entgleist. Die Lokomotive, ein Gepäckwagen, zwei Schlafwagen und drei Personenwagen sielen in die Tiefe. Räch den bisherigen Meldungen sind 22 Fahrgäste getötet worden, 14 schweben in Lebensgefahr.
Kurz nach dem Unfall erschienen an dem Unfallorte die Rettungsmannschaften, die die Verwundeten nach Buda- pester Krankenhäusern brachten. Der Unfall wurde gemäß Feststellungen an Ort und Stelle durch Attentat verursacht.
Von dem Zug stürzten insgesamt sechs Wagen mit den Trümmern des gesprengten Viadukts 30 Meter tief. Da es sehr schwer ist, an die Trümmer heranzukommen, ließen sich Eisenbahner an Seilen herab und konnten mehrere Verletzte bergen.
Außer der Zündschnur fand man einen Brief, in dem stand: „Da die kapitalistische Gesellschaftsordnung uns keii Arbeit zu verschaffen vermag, so oerfdiofien wir uns selbst welche!"
Sprengstoff im Koffer.
Räch den Feststellungen des Kommandanten der Pionierabteilung bestand die tzöllenmas. ine aus einem kleinen Vulkanfiberkoffer, der mit ein bis zwei Kilogramm Rilro- glyzerin oder Dynamit gefüllt und an dem eine kurze Zündschnur angebracht war, die durch zwei gewöhnliche Kupferdrähte mit einem elektrischen Taschenlampenelement in Verbindung stand.
Die Drähte waren so angebracht, daß sie durch den über sie hinwegfahrenden Zug in Kontakt gebracht wurden, wodurch Kurzschluß, entstand, der die Zündschnur in Brand setzte, so daß.drr Zündstoff zur Explosion gebracht wurde.
Die Explosion
säst neben Kilometer entfernt liegenden Ge neinde Tor- bagy fortgeschleudert wurde.
Während der Bergungsarbeiten wurde ein Arbeiter festgenommen, der nach dem Attentat an den Schienen entlang in Richtung nach Budapest lief. Er und ein ebenfalls verdächtiger Fabrikarbeiter wurden einem Verhör unterzogen. Die Azegeder Polizei verhaftete den aus Budapest eingetroffenen Univerfitatshörer Peter Buchholz, der die Eisenbahnbrücke photographierte und sich verdächtig gemacht hatte.
Das Gisendahnattentat bei Kudapeff.
WT6. Budapest, 15. 9. Nach Feststellungen der Polizei ist da- Eisenbahnattenlat bolschewistischen Ursprungs. (Es ist wahrscheinlich von mehreren Tätern verübt worden, die vermutlich mehrere Kilogramm Bsche mit Ekrajit an Ort und Stelle brachten.
Ausschreitungen in Berlin W.
Ralionalsozialistcn gegen jüdische Passanten.
In der Nähe der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche und am Kurfürstendamm zogen in den Abendstunden etwa 1000 Nationalsozialisten unter antisemitischen Schmährufen durch die Straßen und pöbelten alle jüdisch aussehenden Passanten an. Ueberfallkommandos drängten die Demonstranten mit Hilfe des Gummiknüppels in die Nebenstraßen ab und nahmen zahlreiche Verhaftungen vor.
Ein Trupp der Demonstranten übersiel ein Cafe, zertrümmerte die Scheiben und verwüstete den Vorgarten. Eine Anzahl jüdischaussehender Gäste wurde verprügelt. Polizei trieb die Demonstranten auseinander und verhaftete zwölf Personen.
Außerdem wurden im Verlauf der polizeilichen Aktion auf dem Kurfürstendamm noch weitere 30 Zwangsgestellungen vorgenommen.
Zusammenstöße mit Kommunisten.
3m Zusammenhang mit der heutigen Rundgebung des Reichsbanners kam es in Hamburg wiederholt zu Zusammenstößen mit Kommunisten. l6 ^Personen erlitten Verletzungen. Die Polizei mußte wiederholt von der Schußwaffe Gebrauch machen. In Lurscheid bei Düsseldorf wurde die Polizei bei dem versuch, einen Kommunistischen Demon- strationszug aufzulösen beschossen. Sie erwiderte das Feuer, wobei ein 34 jähriger Arbeiter so jckwer verletzt wurde, daß er bald darauf starb. Am Sonntagnachmittag wurden von der Polizei in einem Versammlungslokal in Hagen- Mthringhausen ganz überraschend 74 Funktionäre einer illegalen Rampforganisation der Kommunisten festgenommen. Alte Festgenommenen werden dein Untersuchungsrichter zugeführt.
Der Sozialist Paul-Boncour ist im Departement Loire-et-Ther im dritten Wahlgang zum Senator gewählt worden.