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Vchluchtemer Zeitung

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Nr. 113

(1. Blatt)

Gamstas, den 19. September 1031

83. Jahr«.

Amtliche Bekanntmachungen.

Land rat samt.

3>Hr. 5988. 3m Einvernehmen mit dem Herrn Spultet ermächtige ich die Lchulvorstände, mit Rücksicht auf die Lrntearbeiten die Herbstferien der Volksschulen dergestalt ju verlegen, daß der Unterricht am Lonnabend, den 191, L Mts. nach der 3. Unterrichtsstunde geschlossen und am Montag, den 12. Oktober d. 3s. wieder ausgenommen wird. Zchulvorstände, die von dieser Ermächtigung Gebrauch machen, haben dies dem Herrn Schulrat und mir sofort anzuzeigen.

5chlüchtern, den 17. September 1931.

Der Landrat: Dr. Müller.

Die Grtspolizeibehörden werden schon jetzt auf pünkt­liche Einsendung der Ratasterblätter über die gewerblichen Anlagen zum 1. Oktober d. 3s. hingewiesen. (Verfügung Dom 18. Juli 1929 Nr. 6119 Schlüchterner Zeitung Nr. 87).

Fechla nzeige ist erforderlich.

Schlüchtern, den 15. September 1931.

Der Landrat: Dr. Müller.

Nach § 37 der Polizeiverordnung betr. Feld- und Forst- schutz vom 23. Juli 1928 haben Eigentümer, Nutznießer, Pächter von Grundstücken oder deren Stellvertreter dafür zu sorgen, daß

a) alle vor dem 1. April abwelkenden Gbstbäume oder Reste sofort entfernt werden und daß deren Holz so­gleich verbrannt wird,

b) alle nach dem 1. April absterbenden Bäume und Reste im herbst beseitigt werden und daß deren Holz im Laufe des Winters verbrannt wird.

Zuwiderhandlungen werden nach § 43 der Verordnung mit Geldstrafe bis zu 150 Rmk. bezw. mit haft bestraft. Daneben haben die verpflichteten zu gewärtigen, daß die erforderlichen Maßnahmen behördlicherseits auf mit' Kosten durchgeführt werden.

Schlüchtern, den 15. September 1931.

Der Landrat. Dr. Müller.

K r e i s a n s s ch u &

I.-Nr. 4535 K. A. Wie ich bereits in meiner Rreisblatt- Kekanntmachung vom 10. September d. 3s. 3.=Hr. 4453 K. A. (Schlüchterner Zeitung Nr. 111 vom 15. September d. 3s.) zum Rusdruck gebracht habe, er­fordert es die äußerst schwierige Finanzlage des Kreises, daß die ausstehenden Steuern, Abgaben und sonstigen Sorberungen des Kreises unverzüglich an die Rreiskom- munalkasse hierselbst eingezahlt werden müssen. Demzu­folge können für die Zukunft Anträge auf Gewährung von Stundungen nur noch in ganz besonders dringenden Fäl­len gegen entsprechende Verzinsung bewilligt werden. Stun- dungsanträge, bei denen die Dringlichkeit nicht einwand­frei nachgewiesen ist, können daher in Zukunft nicht mehr berücksichtigt werden.

Schlüchtern, den 17. September 1931.

Der Vorsitzende des Rreisausschusses: Dr. Müller.

Stadt Schlüchtern.

B e k a n n t m a ch n n a

3n den nächsten Tagen voraussichtlich ab Montag, den 21. d. Mts. wird in der Stadt Schlüchtern eine Nach­prüfung der Ouittungskarten stattfinden.

Die Arbeitgeber haben die Ouittungskarten der Arbeit« nehmer und eine Rufzeichnung über den Tag des Dienstan­tritts, den Varlahn und die sonstigen Sachbezüge zur (Ein« ficht bereitzuhalten.

Wer dieser Rufforderung nicht nachkommt, hat Strafe 3U gewärtigen.

Schlüchtern, den 16. September 1931.

Die Polizeiverwaltung: Gaenßlen.

»Graf Zeppelin" wieder nach Südamerika aestartel.

Fr ied r i ch s h a fe n, 18. 9. Das LuftschiffGraf Zep­pelin" ist bei dunstigem Wetter, aber Windstille, um 1,15 Uhr früh zur Südamerika,Fahrt aufgestiegen.

Als Nachfolger des verstorbenen naticmalsozialisti- schen Reichstagsabgeordneten Gemeinder tritt Schriftleiter Theo Habicht-Wiesbaden in den Reichstag ein.

Stahremberg, der Führer der oberösterreichischen Heimwehr, und General Puchmaqr, die nach dem Sonn- ^gsputsch verhaftet worden waren, sind heute abend wie- ^r freigWssen worden.

Die 19 Todesopfer der Eisenbahnkatastrophe in Ungarn wurden heute in Ludnvest unter Beteiligung einer schiere zehntausend Köpfe zählenden Menge feierlich bei« besetzt.

Die Arbeiten der Regierung.

Ausgabe steuerfreier Eisenbahnobligationen?

Wie zu der vom Kabinett vorbereiteten neuen Notver­ordnung noch verlautet, wird diese Verordnung auf sozial­politischem Gebiet auch Aenderungen der Juniverordnung bringen, die gewisse härten beseitigen. Die Projekte, die zur Erschließung neuer Geldquellen, entworfen sind, haben vorläufig nur theoretische Bedeutung, da sich die Kassenlage des Reiches und die Auswirkung der sehr vielen letzten Finanzmaßnahmen noch nicht vollkommen übersehen lassen. Ob die Amnestieverordnung über Steuer- und Kapitalflucht, die bis zum 15. Oktober verlängert wurde, die Einnahmen günstig beeinflussen wird, muh abgewartet werden.

Es scheint aber bereit die Absicht zu bestehen, über diese Verordnung hinaus, den Rückfluß deutschen Kapitals an- zuregen. Vorgeschlagen wird dazu u. a. die Ausgabe von Eisenbahnobligationen, die steuerfrei sind. Ueber die Her­kunft der Mittel, mit denen sie getauft werden, soll keine Rechenschaft gefordert werden.

Die Winterhilfe-Maßnahmen, die der Arbeitsbeschaf­fung gelten und ihren Ausgangspunkt in kreditpolitischen Beschlüssen haben dürften, werden vom Kabinett noch erwo­gen. Bis Anfang nächsten Monats wird die Regierung ihr Programm jedenfalls beendet haben müssen, denn am 13 Oktober beginnt der Reichstag.

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Die Beratungen im Reichskabinett.

Die Beratungen über die bevorstehenden Maßnahmen der Reichsregierung sind in der Besprechung mit dem Neunerausschuß der Sachverständigen, sowie in Ressortbe­sprechungen fortgesetzt worden. Auf Grund der Aussprache in der letzten Nachtsitzung des Reichskabinctts werden die Ministerien nun ihre endgültigen Entwürfe vorlegen, so daß das Kabinett sich weiter damit befassen kann. In un­terrichteten Kreisen rechnet man mit der Möglichkeit, daß die Notverordnung über die Bankenaufsicht und die Teil­reform des Aktienrechts bereits Ende der Woche erscheinen kann.

tstnrup yciitUa

Basel, 18. Septbr.

Die BJZ. gibt bekannt, das sogenannte Skillhalte-Ab- kommen zwischen den deutschen Banken und zwischen Bank- gruppen in elf Ländern, das einen sechsmonatigen Aufschub von Forderungen gegen Deutschland vorsieht, ist von samt lichen Parteien unterzeichnet worden, wovon die Zenkral- notenbanken der in Frage kommenden Länder verständigt worden sind. Das Abkommen ist somit in Kraft getreten.

Die Not der Junglehrer.

Minister Grimme verhandelt mit den Lehrern.

Berlin, 18. September.

Der preußische Unterrichtsminister Grimme verhandelte mit den Vertretern der Volksschullehrerschaft, dann mit den Philologen über die Hilfsmaßnahmen für den vom Abbau bedrohten Lehrernachwuchs. Im Mittelpunkt der Erörte­rung stand die Fürsorge für diejenigen, die durch die Eiii- schränkungsmaßnahmen der Notverordnung ihre Beschäfti­gung verlieren.

Es handelt sich schätzungsweise um 6000 Junglehrer und um 1600 Studienassessoren. Für die Junglehrer läßt sich aus staatlichen Mitteln eine minimale Existenzsicherung schaffen. Von den Philologen erhalten rund 1100 als Anwärler vier Fünftel ihrer Bezüge weiter.

Die Vertreter der Verbände erklärten sich trotz aller Verärgerung über die von ihnen als ungerecht empfundenen Besoldungsänderungen der Notverordnung bereit, die von Minister Grimme geplanten Maßnahme» der Arbeitsbe­schaffung zu unterstützen. Sie werden sich bemühen, durch eine Hilfsaktion in ihren eigenen Reihen zur Milderung der Notlage betautragen.

Zusammenarbeit zwischen Industrie und Handel.

Berlin, 18. Septbr. Zwischen dem Reichsverband but Deutschen Industrie, dem Reichsverband des Deutschen Groß- und Ueberseehandels und dem Verband Deutscher Waren- und Kaufhäuser fanden gemeinsame Verhandlungen statt über grundlegende Fragen des gegenseitigen Geschäfts­verkehrs mit dem Ziele, eine vertrauensvolle Zusamenarbeit in allen wirtschaftlichen Fragen herbeizuführen. Die allge­meinen Verhandlungen konnten soweit gefördert werden, daß in allernächster Zeit Kommissionsverhandlungen über die konkrete Gestaltuna stattfinden werden.

3n dem Vorort Röln-Gremberg zogen etwa 300 Erwerbslose mit Gartengeräten auf ein Kartoffelfeld und begannen die Kartoffeln auszuroden und einzusaMMelns Beim Erscheinen der Polizei stob die OTenge auseinander^ Etwa 30 Personen wurden verhaftet.

3n Schweden stürzte heute ein deutsches Flugzeug der Bayerischen Flugzeugwerke ab. Seine vier Insassen fanden den Tod.

Auf der Reede von Reval kenterte ein Segelboot, in dem sich sechs Jugendliche befanden. Sünf Insassen t ertranken. .

Die letzte Woche. 4

Die mit großer Spannung erwarteten Reden in Genf haben nichts Neues und vor allem nichts Umwälzendes ge­bracht. Es zeigt sich immer mehr, daß dieses Forum der Völker zwar geeignet ist, führende Staatsmänner als große Leuchte der Mitwelt zu zeigen, daß aber positive Arbeit nur in den Verhandlungen von Staat zu Staat zu erwarten sind. Mit um so größerer Hoffnung sieht man daher der Begegnung der französischen Minister mit den deutschen Führern in Berlin entgegen, wobei allerdings gesagt wer­den muß, daß man die Erwartung nicht allzu hoch schrauben möge, da wir von einer politischen Verständigung noch reich­lich weit entfernt sind und mit einem befriedigenden Ab­schluß bei den Besuchstagen nicht rechnen dürfen. Es wird kaum mehr als die Grundlage zur Anbahnung wirtschaft­licher Verflechtungen kommen können, ein Ziel, das, wenn es von Dauerwirkung fein könnte, uns befriedigen muh, denn von ihm aus wäre der Weg zur politischen Verstän­digung nicht mehr allzu weit und mit nicht allzu großen Schwierigkeiten verknüpft.

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Die Oesterreicher haben eine Revolution gehabt, ein Revolutiönchen, einen Putsch, ein Pütschelchen. Eine Ope­rette. Das Stück ist aber schon bei der Generalprobe durch­gefallen. Der Heimwehrführer Dr. Walter Pfriemer hat über Nacht sich zumStaatsbürger" in Oesterreich prokla­miert und ließ seine Leute marschieren. Fast gleichzeitig mit den Putschisten brach Polizei, Gendarmerie und Militär auf, nicht gleich mit Kanonen, aber immerhin mit scharf gelade­nen Gewehren. Der Befehl war gegeben, notfalls rücksichts­los vorzugehen. Aber es war keine Rücksichtlosigkeit mehr notwendig, denn Pfriemer hatte am gleichen Tage den Sturm wieder abgeblasen und sich über die jugoslawische Grenze in Sicherheit gebracht. Einzelne Führer der wieder zu friedlicher Arbeit heimgekehrten Heimwehrleute wurden verhaftet, darunter der frühere Innenminister Fürst von Starhemberg, und es ist nun an der Regierung, diese Theateraufführungen zu liquidieren. Die Entwaffnung der heimwehren ist gefordert, es erscheint uns aber Füglich, ob sie durchgeführt wird, wenn wir auch auf dem Standpunkt sieben. daß alle Verbände zu entwaffnen sind, die nicht

-^i-.stnmi -zur smyrung der «liesse-auwrifien in* Ui.> scharfes Durchgreifen der Staatsgewalt, die außen- und in« nenpolitisch schwer gelitten hat, ist dringendes Gebot, wenn auch nicht verkannt werden soll, daß Verzweiflung mit der Lage des Landes, das immer mehr in Abhängigkeit von seinen Geldgebern gerät und so eine Position nach der an­deren seiner Selbständigkeit aufzugeben gezwungen ist. Der Putsch war ein sinnloses Werk, aber er zeigt, daß die Völker sich gegen die Ungerechtigkeiten aufbäumen, die ihnen die unseligen Verträge von St. Germain, Trianon und Ver­sailles aufgezwungen haben.

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Der Reichspräsident hat den scheidenden französischen Botschafter de Margerie in Abschiedsaudienz empfangen. Damit ist die Berliner Tätigkeit dieses französischen Diplo­maten abgeschlossen, bt£ mehr als zwölf Jahre lang einen so überaus schwierigen und verantwortungsvollen Posten innegehabt und die ihm in einer Zeit der schärfsten Span­nungen zwischen seinem Vaterland und Deutschland über­tragene Aufgabe mit außerordentlichem Geschick in Angriff genommen, mit großem Takt und Verständnis weitergeführt unb zu sichtbaren Erfolgen gestaltet hat. Botschafter de Mar­gerie, der aus einer alten Diplomatenfamilie stammt, war freilich für diesen schwierigen Posten durch seine voran­gehende Laufbahn aufs beste geschult, aber er stand doch vor der einzigartigen Slufgabe, die durch den Krieg unter­brochenen Beziehungen Frankreichs zu Deutschland wieder anknüpfen und festigen zu helfen, und schon die Tatsache, daß die französische Regierung ihn für diese Aufgabe aus« wählte, zeigt, wie hoch seine diplomatischen und persönlichen Fähigkeiten und Eigenschaften in seiner Heimat geschätzt wurden. Der scheidende Botschafter hat es verstanden, sich diese Wertschätzung und Anerkennung auch bei den Staats­männern und Politikern des Landes, in das er entsandt worden ist, zu erwerben, und er hat darüber lünaus auch in den Kreisen des Berliner geistigen Lebens Fuß gefaßt und freundschaftliche Verbindungen geknüpft. Sein Nach­folger sieht eine andere Aufgabe vor sich, zu der wiederum auch ihn seine Herkunft besonders geeignet erscheinen läßt, denn die Entwicklung der deutsch-französischen Beziehungen ist jetzt in ein Stadium getreten, in dem die wirtschaftlichen Probleme von ausschlaggebender Bedeutung werden, und wiederum hat die französische Regierung für diese Aufgabe einen Mann auserwählt, der aus praktischer Erfahrung die Notwendigkeiten und Möglichkeiten seiner Aufgabe zu er» keimen und wahrzunehmen versteht. Der scheidende Bot­schafter de Margerie hat den Boden für seinen Nachfolger so gut vorbereitet, daß dieser feine durch den bevorstehenden Besuch der französischen Minister in Berlin sofort in den Mittelpunkt der internationalen Anteilnahme gerückte Tätig­keit unter günstigen Vorzeichen aufnehmen kann. _

Zum ersten Male bat Gandhi in die Debatte am Run­den Tisch eingegriffen. Zunächst noch in der Ausschußschung. Aber schon diese Rede hat ein klares Bild von dem gegeben, ivas man von der Teilnahme Gandhis an dieser Konferenz erwarten darf. Der Mahatma zielt osfeiilichtlich auf ein irgendwie positiv gestaltete.' Ergebnis ab. Mit unverbullter Offenheit hat er an die Spitze all dessen, was er auf dieser Konferenz sagen will, die These gestellt, er werde nur so­lange mitarbeiten, solange diese Mitarbeit einen Sinn habe;