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Achlüchtemer Zeitung

ßreis-Amwbtatt ^Allgemeiner amtlichesAnzeitzer für Sen Kreis Schlüchrao

Nr. 126

(1. Matt)

Dienstas. den 20. Oktober 1931

83. Jahrs.

Amtliche Bekanntmachungen

Kreis au sschutz.

trieft sät GrWcrbalose auf Habertshof bei Elm vom 10. November 8. Dezember 1931.

Die Veranstaltung vom 10. 11. 8. 12. 1931 will jun- m Erwerbslosen, die unter dem Zustand dauernder Er­werbslosigkeit leiden, Gelegenheit geben, sich einem gemein­nützigen Werk zu widmen und gleichzeitig das geistige ilickfeld zu erweitern. Es handelt sich vor allem um die lusbesserung der Zufahrtsstraße von »6er Gemeinde Elm um habertshof, eine Arbeit, die sonst aus Mangel an Kitteln trotz ihrer Dringlichkeit ungetan bleibt. Die gei­zige Ausbildung1 soll einen ebenso breiten Raum wie der Irbeitsdienst einnehmen. Täglich 4 Stunden werden vormit- ags für die Arbeit verwandt. Am Nachmittag findet er Unterricht statt und die Bbende werden mit Singen, Mu­tieren, Theaterspielen und ähnlichem verbracht. Eine An« ahl von Bbenden bleibt frei.

3m Unterricht gelangen in erster Linie Fragen zur iesprechung, die sich aus der gegenwärtigen Wirtschafts- ri[e ergeben, wie Ursache der Krise / politische Lage )cutschlands / Erwerbslosigkeit / Rot des Bauerntums u. [ m. Daneben sollen persönliche Lebensfragen zur Sprache kommen, im übrigen wird in rveitgehendem Maße bei der ilefswahl den wünschen der Teilnehmer Rechnung getra- en. Zeitungen aller politischen Bichtungen und eine Bib- Hchek stehen zur Verfügung. Der Unterricht vollzieht sich i $orm von Verträgen, Bussprachen und gemeinsamer

I Die Kosten für Unterkunft, Verpflegung und Unterricht tragen für die 4 Wochen 70. UM. hieran haben die Uwerbslosen als per sänlichen Beitrag ihre nterstützung abzuführen. Ein Taschengeld von cchentlich 2. - UM. wird ihnen belassen, entl. Reisekosten ertcz^vrrgütel. Du ,8h..uyi um Beur^ubung zur Tc.l >hme am Kurs sind an das zuständige Arbeitsamt bezw. s Urciswohlfahrtsamt zu richten.

ülitzubringen sind: 1 Schlafdecke oder 1 Federbett je Schule stellt ihrerseits jedem Teilnehmer 2 Schlafdecken lr Verfügung), Bettwäsche, Handtücher, 1 Brbeitsanzug, Paar kräftige Stiefel, Hausschuhe. Diejenigen, die musi- wn, sind gebeten, Instrumente mitzubringen. Die Eisen- M gewährt für direkte her- und Hinfahrt 500 n Fahr- eirermäßigung. Die zur Reife benutzte Fahrkarte ist rter Hinweis auf diesen Umstand nicht an der Bahnhofs- ftre, sondern bei uns abzugeben, weil die Herfahrt zu- ihlt voll bezahlt und die Erstattung der Ermäßigung durch r heim bewirkt werden inuß. Für die Rückfahrt ist Lichtbildausweis erforderlich. Ausgenommen werden pe Männer im Alter von 1827 Jahren. Der B n - hltmng, die an die Leitung des volkshvchfchulhsims pbertshof zu richten ist, hat beizuliegen ein Gesundheits- ^ws, aus dem hervorgeht, daß der Bewerber arbeits- hig und von ansteckenden Urankheiten frei ist.

bhlüchtern, den 15. Oktober ^ ^reisjugendamt Schlächtern

Dr. Müller

^ie Bezirksjugendpflegerin

^" tH. Rohrbach

1931.

Der Bezirksjugendpfleger - Maurer

Der Rreisjugendpfleger' P- h-'x

Die Leitung des Volkshochschulheims habertshof E. Blum.

U'^r. 5009 K. A. Ich habe Veranlassung, die Herren Wägermeister der Landgemeinden des Kreises auf die ge= Beachtung der Bestimmungen der §§ 69 und 70 des Mmunalabgabengcsetzes vom 14. Juli 1893 Preuß. "^llsammlung von 1893 Seite 152 hinzuweisen. hier- p steht jedem Bbgabcpflichtiqcn gegen die Heranziehung ^anlagung) zu Gebühren, Beiträgen, Steuern und Ua= wldiensten der Einspruch zu. Der Einspruch ist binnen rr Stift von 4 Wochen beim Gemeindevorstand anzu- |"1gen. Der Lauf der Tinspruchssrilt beginnt

soweit die Bekanntmachung durch Auslegung der hebe­lten erfolgt ist, mit dem ersten Tage n a ch Ablauf L °e r A u $ f c g u n g s f r i ft,

I soweit eine besondere Mitteilung vorqeschricben ist, wit dem ersten Tage nach erfolgtet Mitteilung,

'o allen übrigen Fällen mit dem 1. Tage nach der nufforderung zur Zahlung bezw. Leistung.

l ^ daher erforderlich, daß alle Hebelisten über Steuern, \^'cn, Beiträge usw., sofern die Bbgabepflichtigen nicht Eich von der Veranlagung benachrichtigt werden, zur "Mitnahme der Abgabepflichtigen öffentlich ausgelegt ,l'n- Die Auslegung der Hebelisten ist ortsüblich bekannt lachen. 3n j)cr Bekanntmachung ist u. a. anzugeben, und wie lange die Hebelisten öffentlich ausliegen.

eocv die Einsprüche gegen die Heranziehung zu Gebüh­

ren, Beiträgen, Steuern und Naturaldiensten hat der Ge­meindevorstand (nicht die Gemeindevertretung) zu be­schließen. Gegen dessen Beschluß steht dem Bhgabepflichtigen (Einsprechenden) binnen einer mit dem 1. Tage nach er- folgter Zustellung beginnenden Frist von 2 Wochen die Klage im Verwaltungsstreitverfahren offen. Der Beschluß des Gemeindevorstandes ist daher in jedem Falle dem Einsprechenden mit Rechtsmiltelbelehrung in schriftlicher Form mitzuteilen.

Die Herren Bürgermeister der Landgemeinden ersuche ich, diese Bestimmungen künftig genau zu beachten.

Schlächtern, den 17. Oktober 1931.

Der Vorsitzende des Rreisausschusses: Dr. Müller.

I.-Nr. 5008 K. A. Die Herren Standesbeamten der Land­gemeinden mache ich auf den am Freitag, den 2 3. Oktober d. 3 s. 9,30 Uhr in Schlächtern (Gasthaus Zum hessischen Hof") stattfindenden standesamtlichen Fort- bildungskursus aufmerksam und ersuche, an demselben teil- zunehmen. Die Tagesordnung ist auf dem den Herren Standesbeamten bereits zugegangenen Plan abgedruckt. So­fern einer der Herren Standesbeamten an der Teilnahme verhindert sein sollte, ist der Stellvertreter zu entsenden.

Das amtliche Handbuch ist mitzubringen.

Schlächtern, den 16. Oktober 1931.

Der Vorsitzende des Rreisausschusses: Dr. Müller.

Betrifft: Unfruchtbarkeit bei dem Rindvieh.

I.-Nr. 4929 K. A. In Berichtigung meiner Kreisblatt«« Verfügung vom 14. d. Mts. I.-Rr. 4929 K. A. gebe ich bekannt, daß nach der Bekanntmachung der Land­wirtschaftskammer zu Kassel vom 28. August d. 3s. Tgb.-Nr. 9531 (Amtsblatt der^ Landwirtschaftskammer Nr. 361931) außer dem Herrn Tierarzt Dr. Bergien in Sterbfritz auch die Herren Tierärzte Dr. Taemmerer in in der Bekämpfung der Unfruchtbarkeit der Rinder haben.

Schlächtern, den 19. Oktober 1931.

Der Vorsitzende des Rreisausschusses: Dr. Müller.

KristverLängsrung für Gisueramnestie

Bis zum 26. Oktober.

Wie vom Reichsfinanzminifterium mitgeteilt wird, ha­ben sich in den letzten Tagen die Zeichnungen auf steuer­freie Reichsbahnanleihe bei den Zeichnungsstellen in so außerordentlichem Maße gehäuft, daß sie nicht bewältigt werden konnten. Weiter haben zahlreiche Steuerpflichtige geltend gemacht, daß sie sich die erforderlichen Unterlagen für die Berechnung des von ihnen zu erwerbenden Betrages an Reichsbahnanleihe nicht fristgemäß haben beschaffen können.

Aus diesen Gründen ist durch Notverordnung des Reichspräsidenten die Amnestiefrist sowie die Frist für die Abgabe der Vermögenserklärung 1931 (und ebenso die Frist für die Anzeige von ausländischen Familienstiftungen sowie die Frist für die Anzeige von ausländischen Beteiligungen bis zum Ablauf des 26. Oktober 1931 verlängert worden.

Schon heute kann gesagt werden, daß sowohl die Am­nestie als auch die Zeichnung der Anleihe den erwar­teten Erfolg gehabt haben.

Die Vorteile der steuerfreien Reichsbahnanleihe.

Noch bis um 3i December 1931 kann jeder freiwil­lig steuerfreie Reichsbahn-Anleihe zeichnen. Die Vorzüge der steuerfreien Reichsbahn-Anleihe kommen dem freiwilli­gen Zeichner ganz besonders zugute, da er ja nicht, wie der amnestiebedürftige Zeichner daran gebunden ist. die Anleihe fünf Jahre lang in seinem Besitz zu haltem 3^1 kommt besonders zugute, daß er sich sofort im Rahmen der gezeichneten Summe von der Schenkungssteuer befreien kann.

Grubenunglück.

Zahlreiche Tote und Verletzte.

herne, 19. 10. Auf der Zeche Mont Zenis bei Herne hat sich heute früh ein Grubenunglück ereignet, dessen Aus« Wirkungen nicht abgesehen werden können. Die Belegschaft zweier Reviere ist noch eingeschlossen. Bisher wurden 3 Tote und 8 Verletzte von Rettungsmannschaften geborgen. Die Zechenverwaltung hat alle Berzte der Umgebung und sämtliche Rettungskolonnen des Ruhrbergbaues angefordert.

Der bekannte Berliner Maler fester Um »t Sonntag in seiner Berliner Btelierwohnung auf dem Rollendorfplatz gestorben.

In Pfungstadt bei Darmftabt kam es Sonntag abend zwischen Rationalsozialisten und Reichsbannerleuten ju einer schweren Schlägerei, bei der es auf beiden Seiten mehrere verwundete gab. Ein Reichsbannermann erhielt einen ge­fährlichen Messerstich in die linke Bauchseite.

Gegen Fnflationspolttil.

Der Kampf der Regierung Brüning ist zum großen Teil zu einem Abwehrkampf gegen Inflationswünsche geworden. Man hat festgestellt, daß in einer gewissen Periode der deutschen Inflation Ausfuhrerleichterungen großen Stils vorlagen Es gehört zu der begrifflichen Unsicherheit unseres wirtschaftspolitischen Denkens, daß man in der öffentlichen Erörterung fast ohne Widerspruch diese Erfahrungen ver­allgemeinern darf. Man vergißt, daß die künstliche Der- Mehrung des Zahlungsmittelumlaufs in Deutschland, das Ergebnis der Kriegsfinanzierung, zunächst zu einer recht erheblichen Erschwerung der Ausfuhr geführt hat. Wenn bei gleichbleibendem Warenangebot die Umlaufsmittel Der« mehrt werden, steigen die Warenpreise. Wenn die Waren­preise steigen, verkauft sich die Ware bekanntlich nicht leichter, andern schwerer. Die ausländischen Wechselkurse müssen sich deshalb nach einer gewissen Zeit der Preisbewegung auf dem inneren Markte anpassen. Wenn beispielsweise infolge der Vermehrung des Zahlungsmittelumlaufs das allgemeine Preisniveau in Deutschland um 10 Prozent gesteigert wird, wird die Ausfuhr entsprechend sinken, die Einfuhr ent­sprechend steigen, und durch diese Verschiebung von Angebot und Nachfrage auf dem Devisenmarkt wird die deutsche Valuta so weit heruntergedrückt, daß die Kaufkraftparität wiederhergeftelll wird.

Das ist im günstigen Falle der Verlauf einer Inflation, wie sie jetzt vielfach vorgeschlagen wird. Das, was die v.mflationsfreunde sich hinsichtlich des Exports versprechen, beruht auf den Erfahrungen der letzten Periode der deutschen Inflationszeit. In dieser letzten Periode sank nämlich der äußere Kurs der Mark schneller als die innere Kaufkraft, b. h. die Kaufkraftparität wurde nach der anderen Seite hin gestört, als eingangs geschildert wurde. Die Mark war bil« liger im Ausland zu haben, als ihrer inneren Entwertung entsprach, und deshalb war es für den Ausländer ein gutes Geschäft, Markbeträge billig zu kaufen, um sie in Deutsch­land zum Einkauf von Waren, Effekten, Grundstücken zu benutzen, deren Preise noch nicht so gestiegen waren. w;e es ork. ..uße.er». Kuns oer Starr "entsprochen haben müßte. Dieser Ausverkauf Deutschlands, der sich um noch einmal daran zu erinnern keineswegs nur auf Exportartikel, sondern auch auf Effekten, Grundbesitz usw. erstreckte, war die Folge eines Valutadumpings, d. h. des Vorauseilens der äußeren Entwertung der Mark vor der inneren. Wie kam dieses Vorauseilen zustande? In der ersten Periode der deutschen Inflation ging die innere Entwertung der Mark schneller als die äußere, in der zweiten die äußere schneller als die innere. In dieser zweiten Periode waren wir nämlich auf Grund unserer Reparalionsoerpflichtungep gezwungep, dauernd deutsche Mark im Ausland anzubieten. denn wir zahlten damals nicht in Mark, sondern in fremder Währung. Wir waren mithin gezwungen, die Mark ge­wissermaßen zu verschleudern, und drückten deshalb den äußeren Kurs so stark, daß ein Valutadumping dabei ent» stand.

Ein Vorteil der Inflation, über den man allerdings in Interessentenkreisen nicht gern spricht, ist die allmähliche Entwertung von Schuldverpflichtungen. Wir glauben, daß es genügt, auf die Erschütterung des Vertrauens hinzuwei­sen, die ein einmaliges Experiment in Deutschland, aber auch außerhalb Deutschlands bewirkt hat. Die Wiederholung dieses Experiments wäre geeignet, das Vertrauen zum Kre­ditwesen endgültig zu zerschlagen und daniit den Wieder­aufbau der Wirtschaft völlig unmöglich zu machen.

Es ist verständlich, daß in einer Deflationsperiode die Nachteile der Deflation so stark in die Erscheinung treten, daß manche Kreise sich nach dem Gegenteil lehnen Gewiß ist die Deflation nicht minder gefährlich als die Inflation. Inflation bedeutet allmähliche Enteignung aller Mark­gläubiger zu Gunsten der Produkrionssphäre. Deflation be­deutet Schrumpfung der Produktionssphäre, damit Arbeits­losigkeit, Schrumpfung der Staatseinnahmen usw. Die Wirkungen der Deflation zeigen sich jetzt so mächtig, daß man allen Grund hat, davor zu warnen, aus einer Defla> tionspsychose heraus das Gegenteil, nämlich die Inflation, zu fordern. Diese Deflation, die wir fegt erleben, wäre nämlich ohne die Inflation, die wir früher erlebt haben, nickst in dem Maße gekommen. Die Inflation hat das Ver­trauen in die Sicherheit des Gläubigers schwer erschüttert, und diese Erschütterung ist einer der wichtigsten Gründe da­für, daß das Kreditvolumen , kleiner ist, als es unseren Be­dürfnissen entspricht. Würde man jetzt das Experiment der l Inflation wiederholen, dann würde man in absehbarer Zeit mit einem noch kleineren Kreditoolumen auszukommen ge­zwungen sein und einen vorübergehenden vermeintlichen Vorteil in der Produktionssphäre, einen Vorteil auf kurze Sicht, mit einem unerhört schweren Nachteil auf lange Sicht, nämlich mit der endgültigen Zerstörung des Personal- und Realkredits erkaufen.

Die Landung des LuftschiffesGraf Zeppelin" in Pernambuco wird am Dienstag früh 1 Uhr erwartet.

In Braunschweig fand ein nationalsozialistisches Treffen statt. Es nahmen daran ca. 100 000 National­sozialisten teil. Hitler hielt eine Bnsprache an die Blassen. Bei dieser Rundgebung kam es auch verschiedentlich zu Reibereien zwischen politisch Bndersdenkenden. «Ein Arbeiter ist dabei erstochen worden.