Achluchtemer Leitung
ßreis-Kmtsttatt * MyemeLner amtlicherKuzeißee für 6m Kreis Schlüchtero
Kr. 128 (1. Blatt)
Samstag. den 24. Oktober 1931
83. Iahra.
Amiliche Bekanntmachungen.
Landratsamt.
Z.-Nr. 6376. Unter Hinweis auf den im MBliV. S. I005 veröffentlichten Runderlaß vom 24. September d. Js., bitt. Erleichterungen für Wander- und Vercinolichtspiele, mache ich den Ortspolizeibehörden die genaue Beachtung dieser Bestimmungen zur besonderen Pflicht.
' Schlächtern, den 20. Oktober 1931.
Der Landrat: Dr. Müller.
Kreisausschutz.
Landwirtschaftsschule Schlächtern.
I Der diesjährige Unterricht an der Landw. Schule beginnt Dienstag, den 1 0. N 0 vember, an «r Mädchenklasse Montag, den 9. November. klnmeldungen sind bis zum 5. November unter Beibringung des Leu- MWÜszeugnisses und des lebten Schulzeugnisses an den | Unterzeichneten zu richten, der zu jeder gewünschten klus- ikunft bereit ist.
Det Direktor: Müller, Landwirtschaftsrat.
I I-Rr. 5143 K. 5l. Vorstehende Bekanntmachung wird hiermit veröffentlicht. Ich ersuche die Herren Bürgermeister, dieselbe zweimal ortsüblich bekannt zu geben und »ich persönlich für den Besuch der Schule zu werben.
f 5chlüchtern, den 23. Oktober 1931.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses.
| Dr. Müller, Landrat. ______
Stobt Schlächtern.
Betr Kaubverkauf
3ur Deckung des dringendsten Bedarfs an Streumaterial »H das Laub von den Wegen und Schneisen des Stadt- aldes am Montag, den 26. Oktober 1931 ver- ruft werden. * M
Zusammenkunft: vorm. 8 Uhr au^ der Nöthe beim Nn- >esen Ueckert,' nachmittags 2 Uhr bei der Eisenbahnüber- ibrung an der Kltestraße.
4 Der Verkauf findet gegen Barzahlung att.
■ Schlächtern, den 21. Oktober 1931.
Der Magistrat. Gaenßlen.
Bekanntmachung.
I befunden: 1 Herrenfahrrad.
I 5chlüchtern, den 22. Oktober 1931.
Der Bürgermeister als Ortspolizeibehörde: Gaentzlen»
>tadt Steinau.
Bekanntmachung.
Betr. Lauboerkauf.
^m Montag, den 26. ds. Mts. Treffpunkt vormittags Uhr am Sand und
/ am Dienstag, den 27. ds. Mts. Treffpunkt vormittags' ! ^r an der Sarröder Straße im Bienenhaus wird das aub der Wege und Schneisen gegen Barzahlung verkauft. Steinau, den 22. Oktober 1931.
Der Magistrat. Dr. Kraft
r Don aus Amerika kommenden Dampfern sind am f-^nerstag zwei neue Goldladungen in Therbourg aus- Kt worden, und war 381 Goldbarren von 'dem er „Deutschland" und 210 Barren von dem Dampfer I^!ident Noosevelt". Das Gold stellt einen Wert von W Millionen Franken dar.
5n Herne fand Donnerstag die Beisetzung der 15 k^Weropfer des letzten Bergwerksunglückes auf der Mont Lenis statt. Ein unübersehbarer Zug von Widtragenden gab den Verunglückten das letzte Geleit. Präsident des Landesarbeitsamtes. Grdermann legte s Vertreter des Reichspräsidenten einen Kranz nieder.
3n Lasdorf bei Wandlitz wurde Mittwoch abend die Whrige Ehefrau eines Pensionärs ermordet au^gefunden. ■' Dar mit einer Ast der Schädel gespalten worden.
Ministerpräsident Braun ist aus Ascona, wo er sich finem Sanatorium aufhielt, zurückgekehrt, wird aber noch nicht die Regierungsgeschäfte übernehmen, da m Gesundheitszustand noch zu wünschen übrig läßt.
Bei einem Zusammenstoß zweier Autos in Wien wir der Adrerbauminifter Dr. Dolfuß, der Präsident üekonstruktionsausfchusses der Kreditanstalt Minister a. . Gürtler und der gewesene Staatssekretär Bbgcord- Zr Stödtser mehr oder weniger fd)UKr verletzt. Dr. Dol= J Und Abgeordneter Stöckler mußten nach einem Hos- ^ geschafft werden. Der Chauffeur des anderen Autos ^°e schwer und eine mitfahrende Dame lebensgefächr-
Laval in Amerika.
Gegensätzliche Programme — Reparationen. Stätten, Abrüstung.
Der französische Ministerpräsident ist nach stürmischer Ueberfahrt in Neuyork gelandet. Die eifrigen Vorbereitungen für feine Washingtoner Besprechungen haben in bei Stunden unmittelbar vor seiner Ankunft ihren Niederschla? in Verlautbarungen gefunden, in denen die Hoffnungen und Wünsche einerseits der Amerikaner, andererseits der Franzosen ihren Ausdruck finden. Es ist durchaus angemessen, hier einerseits-andererseits zu sagen, denn diese Programme, die so knapp vor der Aufnahme der Verhandlungen verkündet werden, zeigen einen außerordentlichen Abstand der von beiden Seiten erstrebten Ziele. Die 1 Entwicklung in den wenigen Wochen, die seit der Einladung Hoovers an den französischen Kabinettschef verstrichen sind, haben genügt, die Voraussetzungen für diese Zusammenkunft völlig zu verschieben.
Sie haben jede der beiden Regierungen, die damals eine gemeinsame Aktion in den Vordergrund ihrer Unterhaltungen zu stellen beabsichtigten, genötigt, ihr vordringliches Interesse den eigenen Angelegenheiten und Schwierigkeiten zuzuwenden, und so trifft man sich in Washington nicht auf der Plattform eines gemeinsamen Programms sondern mit zwei Wunschzetteln, die von sehr verschiedenartigen Bedürfnissen und Erkenntnissen diktiert find.
Laval hat, wie er schon im voraus aukündigte, den französischen Gesichtspunkt sofort bei den Empfangsfeierlichkeiten in Neuyork programmatisch kundgegeben, und die amerikanischen Interessen und Wünsche kommen in den Washingtoner Formulierungen nicht minder bestimmt zum Ausdruck.
Das Ziel Lavals ist die wirtschaftlichen Zugeständnisse, mit deren Notwendigkeit er für Frankreich rechnet, auazu- gleichen durch eine Ausweitung des Kelloggpakles in dem Sinne einer besonderen internationalen, vornehmlich einer amerikanischen Garantie für das, was man in Frankreich noch immer als gefährdete HicherhrU MrSkM, w», aber fn Wirklichkeit nichts anderes fein soll als die Garavtterung der französischen Uebermacht und ihrer wirkuog»»Sß1ich- keiten. Die Amerikaner auf der anderen Seile haben in ihrem Programm ganz klare und weitgehende Vorschläge über die Abrüstung und andere Vorschläge über die Regelung der Reparations- und der Kriegsschuldenfrage, und sie haben zum ersten Maie diese beiden Probleme in einen engen Zusammenhang miteinander gebracht.
Diese beiden Programme so aneinander heranzuführen, daß die Washingtoner Zusammenkunft den von den beiden Verhandlungspartnern erstrebten und von der ganzen Welt erhofften, alsbald greifbare Früchte tragenden Erfolg bringt, wird eine nicht ganz einfache Aufgabe sein, da sich eigentlich trotz des eifrigen Telegrammwechsels zwischen dem Dampfer Lavals und dem Weißen Hause die Formulierungen über das, was in Washington geschehen soll, eher voneinander entfernt als einander genähert haben. Man spürt die Widersprüche auf beiden Seiten sehr deutlich, zum mindesten kommen sie in den Pressekommentaren der beiden Länder in sehr drastischer Form zum Ausdruck. Der Wunsch Lavals, aus Washington etwas Positives mit nach Hause zu bringen, und das große Ziel Hoovers, durch eine amerikanische Initiative die Weltkrise zu überwinden, werden hoffentlich stark genug sein, die nicht nur formalen sondern zum Teil auch noch immer grundsätzlichen Hindernisse zu überwinden
Oie Ankunft in Neuyork.
Als Ministerpräsident Laval das Schiff verließ, hatten sich in den Straßen Tausende und aber Tausende aufgestellt, die Zeuge der Ankunft der Franzosen sein wollten: auch die Fenstetz der Hochhäuser waren sämtlich von Schaulustigen besetzt. Aus dem Broadway gab es ein prächtiges militärisches Schauspiel. Abteilungen des Heeres und der 1 Marine waren mit klingendem Spiel aufmarschiert, um Laval militärische Ehren zu erweisen! Am Landungssteg hatte Staatssekretär Stimson zur Begrüßung Aufstellung genommen. Als das Boot, das den Ministerpräsidenten Frankreichs an Land brächte, sich näherte, feuerte eine Batterie elf Salutschüsse ab.
Nach der Landung am Batlory IMace wurde Lav unter begeisterten Zurufen der tausendköpfigen Wenge nr der Eily-Hall geleitet, wo er von Bürgermeister Walker u. Namen der Stabt Neuyork feierlichst bewillkommnet wurde. Laval führte in französischer Antivortrede aus, er komme von einem Lande, das entschlossen sei, mit Amerika zur Wiederherstellung der Prosperität zusamni.nzuarbeiten. Eine schwere Krise sei herelngebrochen, welche die En-.vick- lung Amerikas und der anderen Länder unterbrochen habe. In einer vom Zweifel -errisienen Well müßten die beiden großen Demokratien zusammen Methoden suchen und an- wenden, d-e die Ruhe und das Gleichgewicht wieder herstellen werden.
Staatsbesuch in Berlin.
Die Reise des italienischen Außenministers.
Berlin. 23. Oktober.
Der italienische Außenminister Grandi, der am Sonntag in Berlin einlrifsl, um zugleich im Auftrage Mussolinis den Besuch der deutschen Staatsmänner in Rom zu erwidern, steht erst im 36. Lebensjahre.
Grandi hat an der Universität Bologna zum Doktor der Rechtswissenschaften promoviert. Er war lange Zeit Mitarbeiter einer alten, angesehenen Bologneser Zeitung. Nach dem Kriege hat er in Bologna in der Organisation der Gegenwehr gegen den Kommunismus mitgearbeitet. Schon im Alter von 26 Jahren wurde er 1921 zum Abgeordneten gewählt. Er hat in der Folge verschiedene Posten bekleidet. Er war Sekretär der faschistischen Fraktion in der Abgeordnetenkammer, Vizegeneralkommissar für das Auswande- rungswesen, Präsident des nationalen Unfallversicherungs- amtes, Unterftaatsjekretür im Ministerium des Innern und schließlich Unterstaatssekretär im Außenministerium. Minister des Aeußern ist er seit dem 12. September 1929. Schon als Unterstaatssekretär des Aeußern ist er der internationalen Oeffentlichkeit bekannt geworden, weil er eine Reihe von Staatsbesuchen in Tirana, Athen, Budapest und später als Außenminister in Warschau abstattete. Deutschland kennt ihn namentlich in seiner Eigenschaft als italienischer Vertreter beim Völkerbund. Seinen großen außenpolitischen Ruf verdankt er vor allem auch der Art, in der er die Abrüstung in Genf vertreten hat.
3m Rahmen seines Berliner Besuchs wird Grandi voraussichtlich auch vom Reichspräsidenten empfangen werden. Am Sonntagnachmittag wird er die italienische Kolonie bei sich sehen.
Grandi über die Notwendigkeit internationaler Zusammenarbeit.
»TNB. Rom, 22. Gkt. In einer (Erklärung vor amerikanischen Pressevertretern gab Außenminister Grandi dem großen Interesse und der Sympathie Ausbruck, womit Italien d.en Besuch des fo^ULfon llTigi^^ Lava! in Washington verfolge. Für den (Erfolg dieser Reise habe ganz Italien, das die Bedeutung dieser Begegnung voll würdige, die größten Wünsche. Die Grundlage der italienischen Politik sei die Erreichung einer ersprießlichen Zusammenarbeit aller Staaten, und die französisch-amerikanische Begegnung könne einen entscheidenden Schritt auf dem Wege dieser Politik bilden. Er, Grandi, würde sich sehr freuen, wenn er bei feiner Ankunft in Amerika deren glückliches Ergebnis feststellen könne.
Der italienische Außenminister, der sich am 7. November in Neapel nach Amerika einschiffen wird, erklärte ferner zu seiner Berliner Reise, die Berliner Begegnung fei, wie die vorhergehenden ähnlichen Zusammenkünfte von Staatsmännern, zur Entwicklung der internationalen Zusammenarbeit bestimmt, die für die Ueberwindung der Weltkrise notwendig sei. Bei meiner Zusammenkunft mit dem hervorragenden Staatsmann Reichskanzler Dr. Brü- ning werden, so schloß Grandi, die allgemeinen Probleme der Stunde behandelt werden, in der Hoffnung, daß die italienisch-deutsche Begegnung eine neue nützliche Etappe auf dem Wege der friedlichen internationalen Zusammenarbeit bringen möge.
Verschlechterung am Arbeitsmarkt.
Die Erwerbslosenzahl aus 4,48 Millionen gestiegen.
Berlin, 23. Oktober.
Nach dem Bericht der Reichsanstalt für die Zeit vom 1. bis 15. Oktober 1931 betrug die Zahl der Arbeitslosen am 15. Oktober rund 4 484 000. Sie hat seit dem letzten Stichtage um rund 129 000 zugenommen gegenüber rund : 113 000 in der gleichen Zeit des Borjahres.
Die Zahl der hauptnnterstühungsempfänger in d« Är- beitslosenversicherung hat infolge der Kürzung der Unter- stützungszeit um rund 200 000 auf 1 143 000 am 15. Oktober abgenommen. In der Krisenfürsorge wurde mit einer Zunahme um rund 150 000 eine Belastung von rund 1 290 000 hauptunlerstühungsempfängern erreicht.
Die allgemeine Entwickelung am Arbeitsmarkt zeigt keine wesentlichen Kennzeichen, bestätigt vielmehr das aus den letzten Berichten gewonnene Bild: In der Landwirtschaft und in einzelnen Verbi auchsgäterindustrien die übliche Herbstbeschäsiigung, wenn auch meist in etwas verringertem Ausmaße, in den meisten Produktionsgüterindustrien weitere Abschwächung des Beschäftigungsgrades.
klufgiund der finanziellen Verhandlungen in Paris hat sich die Bank von Frankreich bereit erklärt, der Gesterreichischen Nationalbank auf dem Wege über die B. I. 3. einen Kredit von rund 60 Millionen Schilling in Devisen zur Verfügung zu stellen.
Reichskanzler Dr. Brüning, der am Sonnabend von seinem kurzen Erholungsurlaub nach Berlin zurückkehrt. hat auch während dieses kurzen Urlaubs verschiedene Besprechungen gehabt, und zwar mit dem Oberpräsidenten der Rheinprovinz Dr. Fuchs, dem westdeutschen Industriellen Springorum und dem Amfterbamer Finanzmann Dr. Broel.
Die Mannichast des gestrandeten Dampfers geborgen. Bei dem auf S ch a r h 0 e r n gestrandeten Schiff handelt es sich um den dänischen, in Svenbborg beheimateten Dampfer „Peter Most". Die 14föpfige Besatzung des Schiffes ist durch das Dorn unter Rettungsboot an Land gefetzt worden. Kapitän und Steuermann befinden sich noch an Bord. Die Lage des Schiffes hat sich verschlechtert, da es bedeutend inchr Schlagseite bekoniinen hat.