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(1. Blatt)
Samstag, den 16. Januar 1932
84. Aahrg.
Amtliche Bekanntmachungen.
LandratsaMt«
Bekanntmachung.
Es besteht Veranlassung darauf hinzuweisen, daß die Vorschriften über das allgemeine Uniform- und Zhzeichen- verbot in Kapitel 2 des Teiles 8 der 4. Notverordnung vom 8. Dezember 1931 (R. G. Bl. 1 Si. 699) nicht nur als Maßnahme zur Sicherung des Weihnachtsfriedens erlassen worden sind, sondern daß dieses Verbot zeitlich unbeschränkt Geltung hat. ■
Schlächtern, den 13. Januar 1932.
Der Landrat: Dr. Müller.
Kreisausschuß.
Freiwillige SanitätskalonneZSchlüchtern.
Huf Sonntag, d e n 1 7. Januar 1 932, nach - mittags 2 Uhr, werden die Kolonnenmitglieder zu einer Uebung in den Kreistagssitzungssaal eingeladen.
Gleichzeitig werden die neu,angemeldeten Herren hiermit gebeten, sich an dieser Uebung beteiligen zu wollen, pünktliches und vollzähliges Erscheinen ist Ehrenpflicht. Schlüchtern, den 14. Januar 1932.
Wolf Vorsitzender der Sanitätskolonne Schlüchtern. Dr. Müller,
Vorsitzender des Männervereins vom Roten Kreuz
Allg. Ortskrankenkasse Schlüchtern.
Die alsbaldige Einzahlung der noch rückständigen Beiträge aus den Zahltagen für die Monate Oktober, November und Dezember 1931 wird hiermit in Erinnerung gebracht.
Hebetermine finden statt:
1. In Sterbfritz, am Mittwoch, den 20. Januar' 1932, von nachmittags 3 bis 7 Uhr, in der Böhm'schcn Gastwirtschaft daselbst,
2. In Steinau, am Mittwoch, den 27. Januar 1932, von vormittags 10 bis 4 Uhr nachmittags, in der Eckart'schen Gastwirtschaft daselbst,
3. In Salmünster, am Mittwoch, den 3. Februar 1932, von nachmittags 2Vz bis 6 Uhr, im Gasthause „Zum Engel" daselbst,
4. In Soden, am Freitag, den 5 Februar 1932, von nachmittags 23/4 bis 6 Uhr, im Gasthause „Zur Hoffnung" daselbst, und zwar wie seither auch für alle den genannten Orten naheliegenden Gemeinden.
An dem Hebetermintage am 27. 1. 32 bleibt die Kasse in Schlüchtern für E i n- u n d A u s z a h l u n g e n geschlossen, worauf besonders aufmerksam gemacht wird.
Rückstände, die nach diesen Tagen noch verbleiben, müssen alsdann wegen des Jahresabschlusses unverzüglich zur zwangsweisen und kostenpflichtigen Einziehung gelangen.
Die Herrn Bürgermeister bitten wir, dieses im Interesse ihrer Gemeindeangehörigen wie seither auch ortsüblich be- kannt machen zu lassen.
Schlüchtern, am 14. Januar 1932.
—__Der Vorstand der Allg. Ortskrankenkasse.
Stadt Schlüchtern«
Bekanntmachn» g.
Jn der Zeit vom 18. Januar bis 30. Januar 1932 er- folgt die Reinigung der Schornsteine in folgenden Stra« feen der Stadt: klhlersbacher-, Llmerland-, Hospital straffe, Elmweg, Graben-, Kaiser-, Kronprinzen-^ Garten-, Drei- brüder-, Kurfürsten-, Vreitenbacher-, Bahnhofs- Lotichius-, Brückenauer-, Fuldaer-, Weinberg-, Ludovika v. Stumm« und Ultestraße, Umtsberg, Schmieds-, Linsen- und Neugasse. Schlüchtern, den 15. Januar 1932.
Der Bürgermeister als Ortspolizeibehörde: Gacußlen.
— Die Mitarbeit Brianbs dürfte wohl in der Form ■3U suchen sein, daß Brianb den Posten eines ständigen französischen Delegierten beim Völkerbundsrat übernehmen soll, wie ihn schon seinerzeit Leon Bourgeois innehatte.
Wie das Polizeipräsidium in Hagen i. Wests. mit« teilt, wurde Donnerstag nachmittag von Beamten des Polizeipräsidiums in der Sunderlohstraße ein verstecktes Spreng- ftoffB und Waffenlager ausgehoben. Gefunden würben über 1 Zentner Sprengstoff, 770 Sprengkapseln, eine Menge Gewehre und Pistolen sowie Munition. Mehrere Verhaf- turtgen wurden vorgenommen. Die polizeiliche Untersuchung ist noch imgange.
Der Geschäftsführer der deutschnationalen Fraktion im Berliner Rathaus Kirchner hat sich Donnerstag nachmit- tag erschossen. Das Motiv der Tat scheint in zerrütteten wirtschaftlichen Verhältnissen zu liegen.
„Feste Haltung in Lausanne!"
Erklärung des Industrie- und Handelslags.
Berlin, 15. Januar.
Im Hauptausschuß des Deutschen Industrie- und Han- delstags führte Präsident Dr. Grund u. a. aus: Die deutsche Wirtschaftsnot hat ein vorher nicht für möglich gehaltenes Ausmaß erreicht. Ohne endgültige Aufhebung der politischen Verschuldung Deutschlands gibt es keinen Weg aus der vernichtenden Krise, die heute die ganze Welt zugrunde richtet.
Wir wissen dem Reichskanzler Dank dafür, daß er dies mit aller Klarheit und Eindeutigkeit ausgesprochen hat, und vertrauen darauf, daß er in diesem Sinne handeln wird. Der Reichskanzler kann die Ueberzeugung nach Lausanne mit sich nehmen, daß das gesamte deutsche Volk — in dieser Frage einmal einig — jedes weitere Kompromiß, für das es keine reale Möglichkeit mehr gibt, ablehnt.
Der Baseler Sachverständigenbericht richtet den Appell an die Regierungen, ohne Verzug zu Entscheidungen zu kommen. Wir glauben, daß solchen Entscheidungen nicht besser vorgearbeitet werden kann, als wenn der Reichskanzler in Lausanne in voller Klarheit und Festigkeit die von ihm eingenommene Stellung vertritt. Das Vertrauen der von uns vertretenen deutschen Wirtschaft steht jedenfalls geschlossen hinter ihm.
Die Versammlung machte sich diese Erklärung des Präsidenten einstimmig zu eigen.
Reichskommissar Dr. Goerdeler bemerkte sodann nach einem Ueberblick über die Preissenkung:
Es sei zwar nicht zu verkennen, daß der Binnenmarkt die stärkste Stütze der deutschen Wirtschaft darstellt, doch wäre es verfehlt, die Arbeit aufzugeben. die mehrere Generationen geleistet haben, um den deutschen Erzeugnissen auf dem Weltmarkt.die hervorragende Stellung zu erringen, die sie gegenwärtig noch immer innehaben. Voraussetzung für den Erfolg aller Bemühungen sei aber die völlige Streichung der Deutschland auferlegten Tribute.
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^n Teilnahme Fr«mkleichs
an der Lausanner Konferenz.
TNW. London, 15. 1. Der diplomatische Korrespondent Daily glaubt zu wissen, daß der französische Ministerpräsident Laval gewissen ausländischen Botschaftern aus Paris zu verstehen gegeben habe, Frankreich werde an der Lausanner Konferenz nur teilnehmen, wenn es eine nochmalige Verständigung mit Großbritannien sowie Deutschland erreicht habe.
Ein schweres Kergwerkunglück in Gberschlesten.
Hindenburg, 15. 1. Ruf dem Herrmannsschacht der Königin-Luise-Grube ereignete sich heute nacht ein schweres Bergwerkunglück. 2 Bergleute wurden durch giftige Gase getötet, sieben erkrankten so schwer, daß sie in das Knappschaftslazarett eingeliefert werden mußten.
Der Strom wird billiger.
Preissenkung bei der preußischen Elektrizitäks-A.G.
Die Preußische Elektrizitüts-A.-G., Berlin, und die ihr angeschlossenen Stromverteilungsgesellschaften haben dem Reichskommissar für Preisüberwachung die Pläne zur Senkung der Tarife unterbreitet. Von den'Preissenkungen werden in erster Linie die Stromverbraucher im Haushalt. Kleingewerbe und in der Landwirtschaft betroffen.
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Aufhebung der Preisbindung für billige Margarine.
Wie der Reichskommissar für Preisüberwachung mit« teilt, haben die Verhandlungen mit der Margarineindustrie zu einer Aufhebung der Preisbindung für die billigsten Margarinesorten geführt. Für diese Sorten bestand bisher eine Kartellbindung, wonach die Preise nicht unter 33 Rpf. gesenkt werden dürften. Da inzwisciien aber schon . Margarine für 28 und 29 Rpf. verkauft werden konnte, ist die Preisbindung aufgehoben worden. Die übrigen Margarinepreise sind um 10 Prozent gesenkt worden. Die Preisbindungen hierfür bleiben bestehen.
— Jn Duisburg-Hamborn kam es Donnerstag abend während einer Versammlung der HSDflp. mit K. p. D.- Knhänger zu einer schweren Schlägerei, sodaß die Polizei die Versammlung schließen und die Streitenden mit dem Gummiknüppel auseinandertreiben mußten. Bei der Schlägerei wurden zahlreiche Personen verletzt, drei von ihnen so schrver, daß sie einem Krankenhaus zu geführt werben mußten. Aus Sicherheitsgründen nahm die Polizei 60 Sistie- rungen vor, doch wurden die Festgenommenen wieder freigelassen, als Ruhe eingetreten war.
In Beantwortung einer Landtagsanfrage teilt die Regierung von Mecklenburg-Strelitz mit, daß die Neuwahlen zum Landtag für Anfang März vorgesehen sind. Die Wahl- Dauer des jetzigen Landtags läuft am 29. Januar ab. Nach gesetzlichen Bestimmungen muß der neue Landtag spätestens am 60. Tage nach Ablauf der Wabldoner des alten Landtages gewählt sein.
Wiederaufbau der Wirtschaft.
Layton über Deutschlands kritische Lage.
In einer Rede über den wirtschaftlichen Wiederaufbau betonte der englische Wirtschaftler Sir Walter Layton, daß die Schuldenfrage hauptsächlich dafür verantwortlich sei, daß der gegenwärtige Tiefstand des Welthandels das ganze wirtschaftliche System der Welt zu zerstören drohe,
Es sei ganz klar, daß kein Kapitalzustrom wieder her- beigesührt werden könne, solange die Gefahr bestehe, daß die gegenwärtige Lage wiederkehre. Aber trotz der deutschen Erklärung der Zahlungsunfähigkeit sei es klar, daß Deutschland etwas zahlen könne, wenn ein Plan fertiggestellt werden könne, unter dem der zerstörende Einfluß der Tribute während der Depressionszeit aufgehoben werde, und der so aufgebaut werde, daß er keine schlimmen Folgen habe.
Denn bei einer Streichung sämtlicher Kriegsschulden und Tribute käme Deutschland verhältnismäßig am günstigsten weg, weil es mit der geringsten inneren Schuld belastet sei. Deutschland sehe sich dann nur einer inneren Schuld von 500 Millionen Pfund gegenüber, was eine Belastung von 8 Pfund je Kopf der Bevölkerung bedeute, während Frankreich eine solche von 65 Pfund je Kopf und England sogar eine solche von 150 Pfund je Kopf haben werde.
Es sei wichtig, daß eine Vereinbarung getroffen werde, die einen Wiederaufbau ermögliche, da die Welt nicht mehr zwölf Monate lang warten könne. Ein wirtschaftlicher Wiederaufbau ohne eine Vereinbarung zwischen Frankreich und Deutschland sei nicht möglich. Eine solche Vereinbarung könne aber nur zustande kommen, wenn sie mit der Zustimmung und Unterstützung der Hitler-Partei erfolge.
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Die Begründung Sir Walter Laytons, daß Deutschland doch etwas bezahlen könne, da es nach einer Streichung sämtlicher Kriegsschulden und Tribute mit der geringsten inneren Schuld belastet wäre, ist vom Standpunkt des Engländers vielleicht zu verstehen. Er vergißt aber, daß die Inflation uns zwar von den inneren Schulden befreit, daß sie aber gleichzeitig die deutschen Einzelvermögen aufgezehrt n-t i ; W'ster Layton veralt, daß das deunche Volk also heute völlig verarmt ist, während es in England und Frankreich auch heute noch immer sehr beträchtliche Privatver- mögen gibt.
Italien erneut für Schuldenstreichung.
„Popolo d'Jtalia" veröffentlicht einen Artikel: „Vor der vollendeten Tatsache der deutschen Zahlungsunfähigkeit. — Eine Ansprache an Amerika", der wahrscheinlich aus der Feder Mussolinis stammt. Der Artikel geht davon aus, daß Amerika der einzige Staat sei, der niemandem etwas schulde, dafür aber Gläubiger aller sei. Alle seien sich dessen bewußt, daß es früher oder später zur Streichung der deutschen Reparationen kommen müsse.
Die deutsche Regierung habe amtlich durch ihre Bof- schafter mitgeteilt, daß Deutschland nicht mehr zahlen könne, weder heute noch morgen noch je. Das sei die vollendete Tatsache und als solche unwiderruflich, weil man nicht an- nehmen könne, daß Deutschland nicht alle Folgen seines Schrittes vorausbedacht habe.
England teile nun mit, daß es keine radikalen Lösungen wünsche. Frankreich finde in der noch unbestimmten Haltung der Vereinigten Staaten einen Grund zur linnach- giebigkeit. Der Schlüssel liege aber allein in den Händen der Vereinigten Staaten. Was sei zu tun? Solle man Gewaltmaßnahmen ergreifen, um Deutschland zur Zahlung zu zwingen? Die Zeit der Ruhrbesetzung sei vorüber. Eine derartige Maßnahme, an der sich in irgendeiner Form zu beteiligen Italien ablehnen werde, sei undenkbar.
Der einzige Ausweg sei, daß man zwischen den europäischen Staaten mit der Schuldenftreichung beginne und dann Amerika eine gemeinsame Front der euro- päischen Schuldner zeige.
Glaubt Ihr, daß die Vereinigten Staaten den Mut hätten, die weiteren Zahlungen ihrer Kredite von den europäischen Staaten zu fordern, die Deutschland eine solche Konzession gemacht hätten? Glaubt Ihr, daß die Vereinigten Staaien Europa zwingen würden, den verderblichen Kreislauf, den die Lausanner Konferenz jetzt endgültig brechen soll, wieder neuerstehen zu lassen? Gegenüber einem Willensakt ganz Europas, das durch den gegenseitigen Erlaß der Schulden beweisen würde, daß es die Unterscheidung zwischen Siegern und Besiegten überwunden habe,' würden die Vereinigten Staaten nicht den Mut haben, daraus zu bestehen."
Aber der erste Schritt müsse in Europa gefdjefjen. Man könne nicht verlangen, daß die Vereinigten Staaten die Initiative ergriffen; Europa müsse die Vereinigten Staaten vor eine vollendete Tatsache stellen, ebenso wie die europäischen Gläubiger Deutschlands die vollendete Tatsache seiner Zahlungsunfähigkeit annehmen müßten.
In Berlin haben die Ausführungen des ,.Popolo d'Jtalia" größtes Interesse erregt. Es wird daran hingewiesen, daß das bekannte Interview des Reichskanz.'rs de» deutschen Standpunkt zu den italienischen Vorschlägen bereits ausreichend dargelegt habe. Es sei dagegen nicht richtig, im Zusammenhang mit der Veröffentlichung des „Popolo d'Jtalia" von einer europäischen Front gegen Amerika zu sprechen. Das italienische Blatt vertrete den alten amerikanischen Standpunkt, daß erst Europa zu ein-r Einigung gelangen müsse.