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(1. Blatt)
Samstag, den 9. Juli 1932
84. Aahrg.
Amtliche Bekanntmachungen.
Landrat samt.
Sammlungen zu wohltätigen Zwecken.
Es besteht Veranlassung, auf die Bekanntmachung über Wohlfahrtspflege vom 15. Februar 1917 R. G. B1. S. 143 — hinzuweisen, wonach öffentliche Sammlungen zu vaterländischen, gemeinnützigen oder mild • tätigen Zwecken (Wohlfahr tszwecken) behörd- licher Erlaubnis bedürfen.
Schlächtern, den 4. Juli 1932.
Der Landrat-' Dr. Müller.
Der Heinrich Rläh zu Reinhards ist als Schiedsmann für den Schiedsmannbezirk Reinhards gewählt und verpflichtet worden.
Schlächtern, den 4. Juli 1932.
Der Landrat. 3. V.: Vuwe.
Kreisausf U u tz.
Ratkreurtag.
Die Sammlung am diesjährigen Rotkreuztag erbrachte eine Gesamteinnahme von 637,69 RM. (gegen 892,93 RM. ■ im Vorjahr). Ruf die einzelnen Gemeinden verteilt sich die. fer Betrag wie folgt:
a) Städte: Schlächtern 155,24 RM., Steinau 79,87 k RM., Salmünster 65,22 RM., einschl. Bahnschranken 30,84 RM, Bad Soden 29,85 RM.
b) Landgemeinden: Rhl 4,50 RM., Rhlersbach 2 RM-, Rltengronau 6,75 RM., Bellings 5,45 RM., Brei« tjenbach 5,98 RM., Breunings 4,83 RM., Eckardwth 2,22 • RM.. Glm 24,90 RM., Gundhelm 7,05 RM., Herolz 19,02 HeuLack 17.15 RM.. hiMersteinan 6,12 RM., Rohen« Well 3 RW, Hütten NiDs, Iosfa 4,47 RM., Rerbersdorf R,93Röt:, Rlosterhöfe 2,45 RM., Rressenbach 1,85 RM., JÄftWh 1^8 Rill., Marjotz 13,30 RM., Mottgers 2,10 MM., Reuengronau 3"80 RM., Renstall 0,24 RM., Nieder- Well 4,85 RM., Oberkalbach. 7,35 RM., Gberzell 13,78 ^RM, Reinhards 0,60 RM., Romsthal und Wahlert 5,55 kRM, Sannerz nichts, Sarrod mit Rabenstein und Rebsdors - nichts, Schwarzenfels 5 RM., Seidenroth 5,80 RM., Sterb- Ufritz 28,10 RM., Uerzell mit Rlesberg 4,10 RM., Ulmbach 1,30 RM., Uttrichshausen 21,29 RM., vollmerz mit Ram« Holz und Hinkelhos 31,52 RM., wallroth 2,95 RM., Wei- chersbach' 9 RM., Weiperz nichts, Ziintersbach 23,35 RM.
Gebern, Sammlern und Sammlerinnen sei hiermit Hörz- lichst gedankt.
Schlächtern,, den 29. 3uni 1932.
Der Vorsitzende des Männervereins vom Roten Rreuz: Dr. Müller.
J.Mr. 2814 K. R. Nach § 5 des Regulativs zur Ordnung des Geschäftsganges und des Verfahrens bei den Mreisausschässen vom 28. Februar 1884 beginnen die Ferien des Rreisausschusses hierselbst mit dem 21. Juli ds. Js. und endigen mit dem 1. September ds. 3s. Während der Ferien dürfen Termine zur mündlichen Verhandlung der Regel nach nur in schleunigen Sachen abgehalten werden. Ruf den Lauf der gesetzlichen Fristen bleiben die Fe- rien ohne Einfluß.
Schlächtern, den 7. Juli 1932.
f Der Vorsitzende des Rreisausschusses: Dr. Müller.
Stadt Schlüchtern.
Betrifft: Abgabe von verbilligtem Rogsenmehl an notleidende Handwirte.
Durch den Herrn Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft sind dem Kreise Schlächtern 2000 Zentner verbilligter Roggen zur Verfügung gestellt worden. Der Roggen wird durch die Rn« und verkanfsgenchsenschaft „Hes- senland" in Gestalt von Mehl an Landwirte, die Bedarf an Brotgetreide haben, abgegeben. Rbgabe des verbilligten Mehles e rf olg t ge gen B arz ahlu n g in erster Linie an wirklich bedürftige Landwirte mit kleinem und mittet« großem Besitz. Der Bezugspreis für das Mehl wird sich voraussichtlich auf 11 RM. pro Zentner stellen. Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, daß dieser preis sich um einen geringen Betrag erhöht oder ermäßigt.
Die Hierna ch in Be tra cht kommenden Land- wirte wollen ihren bis zur neuen Ernte notwendigen Bedarf an Roggenmehl bis zum i t. d. Mts., mittags 12 Uhr, im Rathaus — Zimmer Nr. 4 anmelden. Spätere Rnmel« b u n g e n bleiben u nber äck f ichtigt.
Schlüchtern, den 8. Juli 1932.
Der Magistrat, ©nennten.
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Stadt Steinau. I
Bekanntmachung.
Die Mahlliste für die am Sonntag, den 31. Juli 1932 stattfindende Reichstagswahl liegt in der Zeit vom 10. Bis j einschl. 1 7. Juli 1 932 im Rathause — Ranzleizim- mer — und zwar von vormittags 9—12 Uhr und nachmittags von 4—6 Uhr zur Einsichtnahme öffentlich- aus.
Rm Sonntag, den 10. und 17. Juli wird die Ruslegungs- frist auf vormittags 101/2—12V2 Uhr beschränkt.
Jeder Wahlberechtigte, der die Mahlliste für unrichtig oder unvollständig hält, Kann dies bis zum Rblaüf der Ruslegungsfrist beim Magistrat schriftlich anzeigen oder zur Niederschrift geben. 1
Steinau, den 7. Juli 1932. i
Der Magistrat. Dr. Kraft. •
Bekanntmachung. i
Der Entwurf des Haushaltsplanes der Stadt Steinau für das Rechnungsjahr 1932 liegt vom Donnerstag, den 7. ds. Mts. ab 8 Wage lang im Zimmer des Ztadtsekretärs gemäß § 76 der Städteordnung zur Einsicht der Gemeinde- angehörigen offen.
Steinau, den 6. Juli 1932.
Der Magistrat. Dr. Kraft.
Rm Samstag, den 9. ds. Mts. vormittags 8 Uhr soll auf dem Rathause Zimmer der Kanjlei der Schafpferch öffent« lich meistbietend verpachtet werden. Interessenten wollen sich einfinden.
Steinau, den 6. Juli 1932.
Der Magistrat: Dr. Kraft.
Arbeiismarkilage gering gebessert
Erwerbslosenzahl im Reich um 93 009 gesunken.
Berlin, 8. Juli.
Nach dem Bericht der Reichsanstakt für die Zeit vom 16.—30. Juni zeigte die zahlenmäßige Entwicklung des Arbeitsmarktes seit Mitte Juni ein günstigeres Bild als in der ersten Hälfte des Monats. Die Besorgnis, daß die sommerliche Entlastung bereits zum Stillstand gekommen sei, hat sich nicht bestätigt.
Räch einem Rückgang um rund 93 000 betrug die Zahl der bei den Arbeitsämtern gemeldeten Arbeitslosen am 30. Juni rund 5 476 000. An dieser Abnahme waren die Saisonaußenberufe und die überwiegend von der Konjunktur abhängigen Berufsgruppen in ungefähr gleichem Maße beteiligt. Die Abnahme der ffrbeitslosenzahl seit dem Höchststand im Winter (Mitte März) beläuft sich jetzt auf ' rund 653 000.
Die Nachtbesprechungen in Laufanne. Herriot sagt: „(Es geht gut".
MTV. £ Susanne, 8. 7. ((Eigene Meldung). Ueber die nächtlichen Zusammenkünfte, die zuerst zwischen bem deutschen Reichskanzler, dem deutschen Rußenminister und der englischen Delegation, dann zwischen dem englischen Rußen- minister Simon, Schatzkanzler Ghamberlain und Herriot ftattgefunben haben und erst um 3 Uhr morgens ihren Rb» schluß fanden, verlautet von englischer Seite, die Lage habe sich zwar allgemein gebessert, obwohl es verfrüht wäre, von einem Uebereinkommen Zu sprechen. Im übrigen charak- tserisieren Herriots Worte: „Es geht gut", die er bei verlassen der englischen Delegierten den anwesenden Journalisten sagen, die Lage am besten. Die Besprechungen gehen jedoch heute früh weiter. Es verlautet ferner, daß sich! die Besprechungen auf die politische Formel des eventuell abzu- schließenden Lausanner Vertrages konzentriert haben, und daß zwischen der deutschen und der französischen Delegation hierüber noch erhebliche Meinungsverschiedenheiten bestehen.
U-Koot mit 66 Man« gesunken.
— Ruf der Reede von Cherbourg ist ein französisches U« Boot mit 66 Maün Besatzung gesunken. Nur sieben Personen wurden gerettet. Db die Besatzung vor dem Untergang des Bootes die Schotten schließen konnte, so daß hoff« nung auf ihre Rettung besteht, steht noch nicht fest. Das Meer ist an der Unfallstelle 50 Meter tief. Rite Rettungs* Mittel sind sofort eingesetzt worden.
— Der Gesamtvorstand der Deutschen Staatspartei hat j beschlossen, im ganzen Reich selbständig und ohne Listen- verbindung in den Wahlkampf zu gehen.
— In bem hannoverschen Vorort Seelze geriet der Gutsbesitzer Schomburg mit seinem 32jährigen Sohn infolge von Meinungsverschiedenheiten über die Einbringung der Hellernte in Streit, in dessen Verlauf er seine Flinte holte und den eigenen Sohn kurzerhand über den Haufen schoß. Der junge Schomburg wurde in die Schläfe getroffen, so daß er verblutete, ehe ärztliche Hilfe zur Stelle war.
Die „politische" Krise
„Der Urwald der Texte". — Frankreich hat es nicht eilig". —
Lavsanne, 8. Juli.
Die großen Gegenspieler in Lausanne haben sich so sest- gefahren, daß man im Verlaufe des Donnerstag keine Lösung zu finden vermochte und die Franzosen schließlich aus den bequemen Ausweg verfielen, die Vertagung der Verhandlungen zu empfehlen, ein Ausweg, für den allerdings weder die Engländer als die Urheber dieser Konferenz noch die Mehrzahl der maßgebend beteiligten Staaten fich begeistern dürften.
Der französische Ministerpräsident, der unter dem Druck feiner innerpolitischen Schwierigkeiten in der entscheidenden Phase der Lausanner Verhandlungen eine Starrheit an den Tag legt, die lähmend auf die ganze Konferenz drückt, hat die volle Wucht seines Widerstandes jetzt gegen die po« litischen Bedingungen gerichtet, unter denen der Abschluß der Verhandlungen zustandekommen soll. Auf der anderen Seite ist der deutsche Reichskanzler durch die Haltung seines französischen Gegenspielers ebenfalls an einen Punkt ge« fährt worden, wo die Möglichkeiten einer Wendung für ihn sehr schwierig sind, und die Aktionsfähigkeit der beiden maßgebend Beteiligten ist so völlig lahmgelegt, daß damit die Arbeit der Konferenz einfach unterbunden wurde.
Der französische Ministerpräsident macht sich die Sache etwas leicht, wenn er sagt, Frankreich habe es nicht eilig, und wenn er für die Durcharbeitung der von den Juristen der Delegationen ferttggestellten Entwürfe eine nicht näher befristete Zeit beansprucht.
Er weiß sehr genau, daß die Tage dieser Konferenz gezählt sind, daß ihr Präsident MacDonaLi seinen Aufenthalt in Lausanne aus Gründen der englischen Politik wie im Hinblick auf die Reichskonferenz in Ottawa nicht beliebig verlängern kann und wahrscheinlich auch keine Lust yaben wird, den Mitarbeitern Herriots unbeschränkte Zeit für die Durchackerung des „Urwaldes der Texte" zu geben. Es handelt sich ja schließlich nicht um Probleme, die den französischen Sachbearbeitern so vollkommen neu wären, daß sie sich erst orientieren müßten, und niemand kann be« .zweifeln, daß bei einigem guten Willen die französche Delegation durchaus in der Lage wäre, ihre letzten Entschlüsse in wenigen Stunden zu treffen und bekannt zu geben.
Alle Ungeschicklichkeiten und Fehler, die etwa von anderer Seite gemacht worden sind und zeitweise die Verhandlungen erschwerten, wiegen gering gegenüber der entscheidenden Hemmung, die einzig und allein von Frankreich ausgeht.
Der Versuch, unter dem Vorwand, daß die politischen Fragen einer längeren Erörterung bedürften, die Lausanner Verhandlungen jetzt ohne Ergebnis abzubrechen, dieser letzte Ausweg, den die französische Politik zur Vermeidung einer klaren Entscheidung gehen zu können glaubt, sollte durch den Widerstand aller derer vereitelt werden, die die Notwendigkeit eines Abschlusses erkannt haben. Lausanne muß zu einem Ja oder zu einem Nein geführt werden, und Herriot darf es nicht erspart werden, dieses Ja oder dieses Nein auszusprechen.
von Papen und Herriot
Reichskanzler von Papen begab sich bereits in den frühen Morgenstunden in Begleitung des Staatssekretärs von Bülow und Ministerialdirektors Gaus in das Palace- Hotel zu Herriot. Diese direkte deutsch-französische Unter- redung, die jetzt seit längerer Unterbrechung wieder zum ersten Male stattfindet, wird allgemein auf den direkten Wunsch MacDonalds zurückgeführt.
Sie dauerte von 10 bis kurz vor 12 Uhr. Herriot begleitete den Kanzler, Staatssekretär von Bülow und Mni- sterialdirektor Gaus bis zu ihrem Wagen. Es wird nur mitgeteilt, daß die Verhandlungen fort-geführt würden.
Herriot erklärte der Presse, man sei jetzt im Stadium der Prüfung der Dokumente. Es sei schwer, durch den Wald von Dokumenten durchzufinden. Man fei jetzt dabei, gewisse Wege in dem Urwald der Dokumente zu bahnen und gewisse Formeln auszuarbeiten, auf denen dann weiter verhandelt werden könnte.
Es besteht der Eindruck, daß von allen Seiten die groß» iLN Anstrengungen gemacht werden, um eine gemeinsame Verhandlungsgrundlage und damit die Grundlage für eine allgemeine Verständigung zu finden.
Deutscher Pessimismus...
J/i der Besprechung wurde nach deutschen Mitteilungen festoestellt, daß die gesamten politischen Fragen kaum mehr restlos infolge der Kürze der Zeit auf dieser Konferenz gelöst werden können. Welche Rückwirkungen diese Feststellung auf den weiteren Gang der Konferenz haben wird, ist zur Zeit noch nicht zu übersehen. In der Besprechung hat sich weiter ergeben,