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Nr. 143
(1. Matt)
Dienstag, den 29. November 1932
84. Aahra.
Amtliche Bekanntmachungen
Landratsamt.
Mit Ermächtigung des Herrn Regierungspräsidenten in Rassel wird für den Kreis Schlächtern an den drei letzten Sonntagen vor Weihnachten und zwar am 4. Dezember für die Zeit von 13—18 Uhr und am 11. und 18. Dezember bis zu je 8 Stunden — jedoch nicht über 18 Uhr (6 Uhr) hinaus — der Gewerbebetrieb in offenen Verkaufsstellen freigegeben, jedoch unter Ausschluß der Zeit des Hauptgottesdienstes. Die Beschäftigung von Gehilfen, Lehrlingen und Arbeitern wird für die gleiche Zeit zuge- lassen.
Schlächtern, den 25. November 1932.
Der Landrat: Dr. Müller.
Am 1. Dezember ds. 3s. findet auf Anordnung des Herrn Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft in Verbindung mit der Viehzählung eine Vbstbaumzählung statt, die sich auf Apfel-, Birn-, Pflaumen-, Zwetschen-, Mirabellen-, Reineclauden-, Süßkirsch-, Sauerkirsch», Aprikosen-, Pfirsich- und Walnutzbäume erstreckt.
Diese Zahlung soll mit einer späteren Gbstertragsermit- telung einen Einblick in die Erzeugung, den verbrauch und den Absatz der Erzeugnisse des Obstbaues ermöglichen und so der Förderung des deutschen Obstbaues und Gbstabsatzes nutzbar gemacht werden. Die gewonnenen Ergebnisse dürfen unter keinen Umständen zu irgendwelchen steuerlichen Maßnahmen benutzt werden.
' Es empfiehlt sich, daß die Dbstbaumbesitzer pp. vor dem 1. Dezember 1932 ihren Gbstbaumbestand besichtigen und ihn in der vorgeschriebenen Einteilung für den Zähler notieren, da nicht vorausgesetzt werden kann, daß jeder Besitzer ohne weiteres in der Lage ist, die Fragen des Zählers richtig zu beantworten.
SWjMxxn, den 28. November 1932. . .
Der Landrat. 3. v.: Vuwe.
Kreis - usfH « tz.
Kultenverstetgerung.
I.-Nr. 5054 K. A. Die nächsten Bullenversteigerungen des Verbandes Rurhessischer Fleckviehzüchter finden a m Mittwoch, den 30. Nov. d. 3$. in julba (Viehmarkt) und am Donnerstag, den 1. Dez. d. 3s. in Rirch - Hain (Stadt. Halle) jeweilig 11 Uhr vormittags statt. Ab 9 Uhr Körung und Prämiierung.
Schlächtern, den 26. Nov. 1932.
Der Vorsitzende des Rreisausschusses: Dr. Müller.
Brachliegendes Arbeitsgebiet
Hausbesitz upd Handwerk an die Reichsregierung.
Berlin, 27. November.
Der Ienlralverband Deutscher Haus- und Grundbesitzer- vereine und der Reichsverband des Deutschen Handwerks haben in einer gemeinsamen Eingabe an die Reichsregierung darauf hingewiesen, daß sich die hinsichtlich der Wieder- instandsehungsaktion des Hausbesitzes gehegten Erwartungen restlos erfüllt hätten.
Die von der Reichsregierung bereitgestellten 50 Millionen RM seien bereits aufgebraucht. Dies bedeute, daß innerhalb weniger Wochen für rund eine Viertelmilliarde Reichsmark Aufträge an das Handwerk gegeben werden konnten.
Die Erfahrung von nur zwei Monaten habe gezeigt, daß beim deutschen Hausbesitz ein nahezu unerschöpfliches Arbeitsgebiet brach liegt, das bisher wegen der steuerlichen Reberlaftung nicht erschlossen werden konnte.
In der Eingabe wird beantragt, sofort einen weiteren Betrag von 200 Millionen RM für die Gewährung von Reichszuschüssen bei Instandsetzungen unter grundsätzlicher Beibehaltung der bisherigen Bedingungen bereitzustellen. Falls es jedoch angesichts der schwierigen Finanzlage des Reiches nicht möglich sein sollte, den ganzen Betrag von 200 Millionen RM in bar zur Verfügung zu stellen, soll die Zuschußgewährung zum Teil auch unter Einbeziehung der f)aus= zinssteuer in das Steuergutscheinverfahren erfolgen. Grund- ätzlich vertritt aber der Hausbesitz nach wie vor die Auf- afsung, daß die Hauszinssteuer beschleunigt beseitigt werden muß.
Zwölf Obdachlose verbrannt
Prag, 27. November.
An der Grenze Groß-Prags brannte ein riesiger Strohschober nieder. Bei den Aufräümungsarbeiten wurden in der Asche verschiedene menschliche Knochen gefunden. Es scheint sich um Leichenreste von Landstreichern oder Arbeitslosen Zu handeln, die hier genächtigt und den Tod in den Flammen gefunden haben. Personen aus der Umgebung sagen aus, daß am Tage der Katastrophe wohl zwölf Menschen in dem Schober geschlafen haben.
Arbeitsbeschaffung ist Volkssache Dr. Gereke vor den pommerschen Landgemeinden.
Stettin, 28. November.
Der Präsident des Verbandes der preußischen Landgemeinden, Landrat a. D. Dr. Gereke-Pressel, beschäftigte sich anläßlich einer Tagung des pommerschen Prooinzialverban- des in Stettin mit den aktuellen Fragen des deutschen Lebens. Das Schicksal der Reichsregierung gleichgültig wie sie sich zusammensetze, hänge ab von der Ueberwindung der größten Gefahr, die Volk und Staat bedrohten, nämlich von der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit.
Dr. Gereke erinnerte dann an die von den Landgemeinden aufgestellten Leitsätze zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und fuhr fort: „Wir hatten im September und Oktober einen Stillstand, sogar einen gewissen Rückgang der Arbeitslosigkeit. In der ersten Hälfte des November haben wir aber einen sehr empfindlichen Rückschlag erlitten, denn die Zahl der Arbeitslosen, die" von der Reichsanstalt für Arbeitslosenversicherung erfaßt wird, ist von 5 109 000 auf 5 265 000 gestiegen. Zusammen mit der vom Institut für Konjunkturforschung festgestellten in der Statistik nicht sichtbaren Erwerbslosigkeit von rund 2 Millionen haben wir also gegenwärtig eine Arbeitslosigkeit von 7^ Millionen.
Es besteht begründete Aussicht zu der Annahme, daß die entscheidenden Regierungsinstanzen, ganz gleich, wie sie aussehen mögen, aus dieser Entwicklung des Arbeits- marktes den Schluß ziehen müssen, daß ein öffentliches Arbeitsbeschaffungsprogramm zur Ergänzung des bisherigen Wirtschaftsprogramms durchgeführt werden muß. ;
Wie die Dinge sich entwickelt haben, kommt es nicht allein darauf an, der Wirtschaft und der öffentlichen Hand Kredite zur Verfügung zu stellen, sondern entscheidend ist, unter welchen Bedingungen diese Kredite gewährt werden. Wenn in der amtlichen Verlautbarung vom September erklärt wurde, auf Grund des 700-Millionen-Fonds für Be- schäftigungsprämien würden in absehbarer Zeit 1% Millionen Arbeitslose wieder beschäftigt werden, dann war das eine unmögliche Forderung an die Privatinitiative. Der Privatwirtschaft entstehen die größten Gefahren dadurch, daß man chr Aufgaben zuweist, die sie nach Lage der Dinge nicht meistern kann.
Denn man setzt nach unseren Grundsätzen ein umfassendes öffentliches Arbeitsbeschaffungsprogramm durchführen wollte, so muß man sich darüber klar sein, daß es erst im Frühjahr voll zum Anlauf kommen kann. Es würde aber, i grundsätzlich beschlossen und verkündet, zweifellos von Anfang an eine sehr starke psychologische Wirkung haben. Wenn die jetzt kommenden Wochen und Monate genutzt werden könnten, um in einem umfassenden Plan genau festzulegen, welche Arbeiten im Frühjahr begonnen würden, dann faßten gerade unsere Gemeindevorsteher und Gemeindeverlre- ker und weile Teile der Wirtschaft und der Arbeitslosen wieder neuen Mut. Außerdem würde eine gewisse materielle Entlastung auch schon einkreten können, weil aus Grund beschlossener und genehmigter Arbeitsvorhaben Teile der Schlüsselindustrie, die nicht auf Außenarbeit angewiesen sind, schon mit den Vorbereitungen beginnen könnten.
Der Arbeitsdienst im Winter Reue Richtlinien.
Berlin, 27. November.
In einem ausführlichen Erlaß an die Bezirkskommis- fare beschäftigt sich der Reichskommillar für den freiwilligen Arbeitsdienst mit der Durchführung des Arbeitsdienstes "im Winter.
In erster Linie sollen die geschlossenen Arbeitslager aufrechterhalten bleiben, da erfahrungsgemäß bei diesen Lagern der Gemeinschaftsgedanke des Arbeitsdienstes besser verwirklicht werde als bei den sogenannten offenen Lagern Bei den offenen Lagern wird die Einstellung dann empfohlen, wenn eine Unterbrechung der Arbeiten durch Frost oder Regenwetter eintreten muß.
Es folgen verschiedene Hinweise, wie den im Winter ausscheidenden Arbeitsdienstwilliaen geholfen werden könne. z>u tonte oe; alvenvngen Lugeno. |ni) m gememichasuicher Selbsthilfe über den Wuner hinwegzuheisen, müsse nach Kräften gefördert werden. Als Form einer derartigen Selbsthilfe werden genannt: gemeinsame Zusammenkunft von Arbeitsdienstwilligen, gemeinsame Veranstaltungen, gemeinsame Tagesgestaltung unter Benutzung von Heimen, Herrichtung und Ausstattung von zur Verfügung gestellten leeren Räumen mit einfachsten Mitteln unter Benutzung von ebenfalls zur Verfügung gestelltem Material.
Aufstandsführer wird Generalgouverneur
London, 28. November.
Der englische König hat Donald B u ck l e y zum Gene- ralgouoerneur für Irland ernannt. Die Zustimmung des englischen Königs erregt größtes Aufsehen, hat doch der neue Generalgouverneur 1916 eine Truppe von irischen Freiwilligen in dem Aufstand gegen England angeführt. Er wurde damals verhaftet und deportiert. Nach seiner Freilassung infolge der allgemeinen Amnestie wurde er in das irische Parlament gewählt, wo er gegen den Vertrag mit England stimmte. Auch in Dublin rief der Beschluß große j Uebermschuna bervor. i
Ein Kabinett Schleicher?
Ost Reichswehrminister v. Schleicher hat am Samstag unl Sonntag vertrauliche Besprechungen mit verschiedenen pac teisührern gehabt, um sestzustellen, ob ein umgebildeter Kabinett Papen auf eine Tolerierung im Reichstag rechnei könne. Da dies aller Voraussicht nach nicht der Fall sen wird, so sieht man in Berliner politischen Kreisen ein Ka binett Schleicher als den letzten Ausweg an, das dam wahrscheinlich auf Hie Unterstützung der bürgerlichen Mit telparteien, der Deutschnationalen und des Zentrums rech nen könnte. 3n einem solchen Kabinett sollen die christ lichen Gewerkschaften den Arbeitsminister stellen. Die Le sprechungen Schleichers werden am heutigen Montag fort gesetzt.
Vertagte Errischei-ung
Die ©ermutigen beim Reichspräsidenten.
Berlin 27 November.
Beim Reichspräsidenten sind die Beratungen über dir Ernennung des neuen Präsidialkanchrs noch nicht abgeschlossen In'der Presse wird diese Sitzung als eine Art Kronrat bezeichnet, ein Ausdruck, der natürlich unzutreffend ist, aber immerhin zeigt welche Bedeutung man diesen Beratungen beimißt.
Beteiligt sind daran außer dem Reichspräsidenten Staatssekretär Weißner Reichskanzle. von Papen und Reichswehrminister von Schleicher
In einem Berliner MorgenbiaL wird auch von der Zuziehung einiger anderer Persönlichkeiten gesprochen, die dem Reichspräsidenten nahestehen Darüber sind schon Gerüchte laut geworden, nach denen es sich um die drei Persönlichkeiten handeln ioll, deren Namen mce.cs dieser Tage in der DAZ genannt wurden Kammerher, von Oldenburg- Ianuschau, Herr von Berg und 6»rr >on <^t Osten.
Von zuständiger Stelle werden diese Gerüchte aus das v energischste bementier»
Es wird hinzugefügt, daß es doch wahr!- tug nicht die Art des Reicksmästdenten ist, sich von P^'^alp.^ innen in feine Entscheid tagen hineinreden zu lassen J^k der Entschluß des Reichspräsidenten ausfallen wird darüber herrscht in politischen Kreisen vollkommene Ungemtß .n Man muß sogar den E ndruck jener Verwirrung gewinnen, die wichtigen Entscheidungen häufig vornnszugehen pflegt. Alle möglichen G zückte und Versionen und :m Umlauf.
So wird z. B. vermutet, daß noch erneut ein Homo regius beai9*ragt werden könnte, das Problem der Wehrheiksb' i<- noch einmal durchzuprüfen. Dan nennt hier? auch schon den Oberbürgermeister Goerdeler ferner Herrn von Schleicher
Das alles aber sind Gerüchte und Kombinationen, die mir nur deshalb verzeichnen, weil sie für die Stimmung in Berliner politischen Kreisen charakteristisch sind. Man wird abwarten müssen wie und wann sich Hindenburg entscheidet. Mit einer Bekanntgabe wird in unterrichteten Kreisen nicht vor Montag bezw DrÄstag gerechnet
3n Erwartung der Entscheidung Politischer Waffenstillstand für die Dauer der Winter- monate.
Berlin, 28. November.
Auch heute noch ist die Entscheidung, die Reichspräsident von Hindenburg in der Frage der Neubildung der Reichsregierung zu treffen hat, völlig ungewiß. In politischen Kreisen wird nach wie vor die Möglichkeit einer parlamentarischen Untermauerung des neuen Reichskabinetts erörtert. Die Initiative zu der dazu notwendigen Fühlungnahme geht aber nicht vom Reichspräsidenten aus, vielmehr soll, wie es heißt, aus den Kreisen der Schwerindustrie auf die bedenklichen Folgen hingewiesen worden sein, die ein Fortbestehen der politischen Unsicherheit für die Wirtschaft haben müßte.
In Uebereinstimmung damit soll von der Wirtschaft her der Abschluß eines politischen Waffenstillstandes mindestens für die Zeit vorgeschlagen worden sein, die zur Durchsetzung einer Konjunkturbelebung notwendig ist Die wichtigsten Punkte des politischen Waffenstillstandes würden die sein, daß weitgehende Pläne für eine Verfassungsreform zurückgestellt und alle Kräfte für die Arbeitsbeschaffung konzentriert würden.
Für einen Waffenstillstarck dieser Art rechnet man auf die Unterstützung des Zentrums, der Bayerischen Volkspar- tei, der Deutschnationalen, der Deutschen Volkspartei und der Splittergruppen. Diese würden also die „Not- und Arbeitsgemeinschaft" bilden, von der in dem Communique über die Bemühungen des Prälaten Kaas die Rede war.
Ueber eine Mehrheit verfügen diese Parteien im Reichstag nicht. Man muß darum von vornherein mit der Möglichkeit rechnen, daß das neue Kabinett, gleichgültig, wie es zufanunengefetzt fein wird. vom Reichstag ein Mißtrauensvotum bekommt.
— Gegen den früheren Bankier Hintze, der das Revol» verattentat auf feine Frau, die Sängerin Gertrud Bindernagel, verübt hat und zur Zeit im Gefängnis in Moabit sitzt, werden jetzt neue Anklagen erhoben.