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Nr. 203
Donnerstag den L September
1887.
Amtliches.
Die Herren Minister für Handel und Gewerbe und der öffentlichen Arbeiten haben genehmigt, daß die Beaufsichtigung und Untersuchung der Dampfkessel, welche auf den von der Polizei-Verordnung vom 25sten Januar 1886, betreffend die unterirdische Gewinnung der nicht unter das Berggesetz fallenden Mineralien, betroffenen Gruben und Steinbrüchen betrieben werden, fortan den zuständigen Königlichen Bergrevierbeamten übertragen wird.
Ich bringe dies hiermit zur öffentlichen Kenntniß.
Cassel den 24. August 1887.
________Der Regierungs-Präsident. J. V.: Schwarzenberg.______
Menft-Nüchrichten aus dem Lreise-
Verloren: Ein goldenes Armband mit Granaten. Eine goldene Brille. Ein weißes Taschentuch, E. W. gez.
Gefunden: Ein kathol Gebetbuch. Eine dunkele neue kleine Knabenmütze. Ein weißer Henkelkorb mit Doppeldeckel. Ein farbiges Taschentuch.
Hanau am 1, September 1887.______________________________
NR. Die Vertrauenswürdigkeit der Kanzlerpolitik.
Zu den regelmäßig wiederkehrenden Beschuldigungen gegen die Anhänger der Bismarck'schen Reichs- und Wirthschaftspolitik gehört auch die, daß sie dem Erfolge nachgingen. Man wird anerkennen können, daß es verkehrt wäre, fein Urtheil lediglich und in allen Fällen von dem Erfolge bestimmen zu lassen. Auf der anderen Seite aber läßt sich bei unparteiischer Würdigung nicht verkennen, daß der Erfolg ein für die Beurtheilung keineswegs unwesentliches B oment bildet, welches sehr wohl und namentlich dann entscheidend für oder gegen in die Waagschle fallen kann, wenn die Gründe und Gegengründe im Uebrigen sich das Gleichgewicht halten. Denn der Erfolg ist in der Politik nicht, wie in der Lotterie, das Ergebniß des blinden Zufalls, sondern wird in der Regel bedingt durch die richtige Beurtheilung der thatsächlichen Verhältnisse und die kräftige und energische Durchführung der danach als richtig erkannten Maßregeln. Wie dem Feldherrn, so läßt sich dem Staatsmann im Einzelnen nachweisen, auf welchen Eigenschaften des Geistes und des Charakters Erfolg und Mißerfolg beruht, und einem Staatsmann, welcher in einer bald ein Vierteljahrhundert umfassenden leitenden Stellung eine nahezu ununterbrochene Kette von Erfolgen aufzuweisen vermag, steht die Vermuthung hervorragender Staatskunst so gut zur Seite, wie dem Feldherrn, welcher das vaterländische Heer von Sieg zu Siege führte, der Ruf des berufensten Schlachtenlenkers. Das Vertrauen, welches das Volk dem erfolgreichen Staatsmanne entgegenbringt, beruht sonach nicht auf Verblendung, sondern auf richtiger Würdigung der vorhandenen thatsächlichen Momente. Oder sollte etwa das deutsche Volk auf dem Gebiete der auswärtigen Politik jenen Kritikern des leitenden Staatsmannes das größere Vertrauen entgegenbringen, welche uns 1863 mit Rußland verfeinden und damit der wirksamen Rückendeckung in den Jahren 1866 und 1870 berauben wollten oder welche Angesichts hes französischen Krieges uns einseitige Abrüstung empfahlen? Sollte das deutsche Volk auf wirthschaftlichem Gebiete denjenigen Politikern sein Vertrauen zuwenden, welche in theoretischer Vorliebe für den Freihandel Deutschlands Industrie schutzlos der übermächtigen Konkurrenz Englands, seine Land- wirthschaft derjenigen Nordamerikas, Indiens und Rußlands preiszugeben und so einen großen Theil der deutschen Arbeiter brodlos zu machen drohten? Eine solche Thorheit, wird Niemand denkenden M enschen zutrauen. Der Erfolg mag nicht überall das für die Beurtheilung allein entscheidende Moment sein, der Mißerfolg allein aber berechtigt sicher viel weniger zu dem Anspruch auf Vertrauen, als der Erfolg. Das mag für diejenigen unerwünscht sein, deren Kunst allein in der negativen Kritik und unfruchtbaren Nörgelei besteht, kann aber das deutsche Volk nicht hindern, dem Staatsmanne sein Vertrauen zu erhalten, in dessen erfolgreichem Wirken es mit Recht die Zeichen überlegener Staatskunst erkennt.___________________________
Tagesschau.
Berlin, 31. August. Dem Kaiserlichen Konsul Becker zu Apia rst auf Grund des §. 1 ves Gesetzes vom 4. Mai 1870 in Verbindung |
mit §. 85 des Gesetzes vom 6. Februar 1875 für seinen Amtsbezirk die Ermächtigung ertheilt worden, bürgerlich gültige Eheschließungen von Reichsangehörigen und Schutzgenoffen, einschließlich der unter deutschem Schutz lebenden Schweizer, vorzunehmen und die Geburten, Heirathen und Sterbefälle derselben zu beurkunden.
Berlin, 31. August. Se. Majestät der Kaiser und König nahmen gestern im Schloß Babelsberg den Vortrag des Chefs des Militär- kabinets, Generals v. Albedyll entgegen. Heute Nachmittag 2 Uhr kamen Se. Majestät mittels Extrazuges nach Berlin und hörten hier den Vortrag des Geheimen Ober-RegierungsMaths Anders vom Civilkabinet.
Berlin, 31. August. Der Dampfer „Hohenzollern", mit den abgelösten Besatzungen S. M. S. „Olga" („Bismarck" und „Sophie") ist am 29. August cr. in Port Said eingetroffen und hat am 30. desselben Monats die Heimreise fortgesetzt. — S. M. Kreuzer „Albatroß", Kommandant Korvetten-Kapitän v. Frantzius, ist am 29. August cr. in Rock- Hampton (Queensland, Australien) eingetroffen und beabsichtigt am 2 September cr. wieder in See zu gehen.
Berlin, 31. August. Der „Post" zufolge verlautet, in Regierungskreisen bestehe die Absicht, ein Gesetz über die Besteuerung ausländischer Fonds vorzulegen.
Kiel, 30. August. Der internationale Astronomenkongreß setzte heute die wissenschaftlichen Berathungen fort und wählte alsdann Brüffel für die im Jahre 1889 statifindende Versammlung. — Nach der Sitzung begaben sich die Kongreßtheilnehmer auf dem Postdampfer „Stephan" nach Eckernförde, wo ein Festdiner stattfindet. — 31. August. Die Fahrt des internationalen Astronomen-Kongresses nach Eckernföroe nahm einen prächtigen Verlauf. Bei dem Festdiner brächte der Geheime Regierungsrath Auwers den Toast auf Se. Majestät den Kaiser, „den erhabenen Beschützer des Friedens und der Gesittung, den Vater des Landes und den Förderer der Wissenschaften", aus. Der Kurator der Universität, Konsistorial- Präsivent Dr. Mommsen, und der Rektor Professor Hensen toasteten auf die astronomische Gesellschaft.
Boppard, 31. August. Heute früh 3*/2 Uhr ist auf dem Marktplatz in einem Metzgerladen Feuer ausgebrochen, wodurch 13 Häuser, darunter 4 Doppelhäuser, vollständig eingeäschert worden sind. Die Gefahr ist beseitigt.
Kissingen, 30. August. Heute Abend ist die Fürstin Bismarck hier angekommen; dieselbe wurde von dem Fürsten Reichskanzler am Bahnhof empfangen.
Kissiugen, 31. August. Der Staatsminister v. Bötticher hat heute Nachmittag um 2 Uhr 10 Min. die Rückreise angetreten.
Am 30. August früh ist in Stuttgart (wie wir bereits gestern kurz meldeten. D. Red.) der württembergische Minister des Innern v. Hölder gestorben. Er war ein um die nationale Sache hochverdienter Mann. Lange Jahre hindurch war er der Führer der nationalliberalen Partei in Württemberg und die Seele der Bewegung, welche auf die politische Einigung Deutschlands hinarbeitete. Von 1871 — 1881 hatte Holder dem Reichstag angehört, bis 1879 als Mitglied der nationalliberalen Fraction, dann der Gruppe Schauß-Völk. Seit 1881 war er Minister des Innern. Das Andenken des wackern patriotischen Mannes wird in Ehren gehalten werden. Fast um dieselbe Zeit ist im Norden des Reichs, in Königsberg, ein hervorragendes Mitglied der Fortschrittspartei gestorben, Professor a. D. Julius Möller, geboren 1819, zuerst ins preußische Abgeordnetenhaus gewählt im Jahre 1863. Als Professor der Medicin an der Universität seiner Vaterstadt wurde er in der Confliktszeit wegen politischer Opposition seines Lehramtes enthoben. Seinen Sitz im Reichstag, zu dessen arbeitsamsten Mitgliedern er gehörte, verlor Professor Möller bei den letzten Wahlen, als auch Königsberg sich von dem verknöcherten Doctrinarismus der Fortschrittler ab- wandte und einen nationalliberalen Vertreter wählte. Blätter seiner Richtung preisen ihn, daß er schon 1867 „erkannt habe, daß die Einheit auf Kosten der Freiheit dem Volke recht theuer zu stehen kommen werde." B an sollte glauben, der Mann, dessen Lebenserfahrungen in eine ver schlimmsten Zeiten unserer vaterländischen Geschichte zurückreichten, in welcher weder von wirklicher Einheit und noch weniger von Freiheit die Rede sein konnte, der Mann, der noch 1864, zu einer Zeit, da die deutsche Einheit noch als fernes Ideal vorschwebte, so herb gemaßregelt