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Nr. 232,

Mittwoch den 5. Oktober

1887.

Dienst-Nachrichten aus dem freist.

Die Ehefrau des Polizeidieners Friedrich Holz, Amalie, geb. Kreidewolf, zu Langenselbold ist als Sachverständige zur mikrosko- pischen Untersuchung des Schweinefleisches auf Trichinen für die Gemeinde Langenselbold bestellt und vereidigt worden.

Die Vertreter der gemeinsamen Ortskrankenkaffe des Landkreises Hanau werden hierdurch zu einer Generalversammlung auf Montag den 12. Oktober «., Nachmittags 3V- Uhr, in den Saal der Centralhalle hier ergebenst eingeladen.

Tagesordnung:

1) Beschlußfassung über die Heranziehung der land- und sorstwirth- schaftlichen Arbeiter zur Kasie.

2) Abänderung des §. 29 der Statuten.

3) Abnahme der'Rechnung pro 1886.

4) Beschlußfaffung über die Abrechnung der ausscheidenden Gemeinden.

5) Wahl des Ausschusses für die Prüfung der Rechnung des laufenden Jahres.

6) Neuwahlen des Vorstandes.

7) Anträge aus der Versammlung.

Die Herren Bürgermeister werden ersucht, die vorstehende Einladung den im Hanauer Anzeiger vom 16. Juli 1885 benannten Personen ge­fälligst noch besonders bekannt geben zu lassen.

Hanau am 30. September 1887.

Der Vorstand der gemeins. Ortskrankenkaffe des Landkr. Hanau:

Dr. L. Gans.

t Postsparkassen und Lokalsparkassen. in.

In dem vorhergehenden Artikel haben wir gesehen, daß die Zahl der Sparstellen bei höchst ungleichmäßiger Vertheilung bei weitem nicht ausreicht, daß eine allgemeine Freizügigkeit der Sparbücher durch das ganze Reich nicht hergestellt ist und bei der Verschiedenheit der Kassenein- richtungen so bald nicht hergestellt werden wird, daß mithin und bei der Neigung mancher Sparkaffen, sich zu Bankgeschäften fortzuentwickeln, wesentliche Vorbedingungen für die möglichst ausgedehnte Hereinziehung kleiner, unbemittelter, dem Ortswechsel besonders häufig unterworfener Leute in den Kreis der Sparer nicht erfüllt sind und also die Ueber» flüssigkeit von allerwärts leicht zugänglichen Postsparkassen keineswegs mit Recht behauptet werden kann. Wir haben zum Schluß den anderen, wichtigeren Einwand zu untersuchen, daß nämlich Postsparkassen den an­deren Sparkassen eine gefahrdrohende Concurrenz bereiten würden.

Unzweifelhaft verdienen die deutschen Sparkassen, welche mit wich­tigen Interessen der Gemeindeverwaltung und des Credits, insbesondere des Grund-Credits aufs engste verknüpft sind, die gewissenhafteste Berück­sichtigung. Der vorwiegend auf die Ansammlung kleiner und kleinster Ersparnisse gerichtete Zweck der Postsparkassen weist jedoch diesen ein zum Theil anderes Arbeitsfeld zu, als dasjenige der Gemeindesparkassen ist, wodurch von vornherein die Gefahr der Concurrenz abgestumpft wird. Ihr weit verzweigtes, überallhin mit gleicher Sicherheit reichendes Netz von Spargelegenheiten würde neue Sparer heranziehen, welche bisher nicht erreichbar waren. Da sie vor Allem dem Unbemittelten die Ansammlung kleiner Capitalien zu erleichtern bestimmt sind, kann das Einlegemaximum hinter dem der meisten bestehenden Sparkassen erheblich zurückbleiben. Wenn ferner noch die Postsparkassen, was nicht allein aus Rücksicht auf die älteren Sparkassen nothwendig erscheint, den Zinsfuß niedriger festsetzen, so kann die Befürchtung nicht als begründet erachtet werden, daß die Gemeindesparkassen von den Postsparkassen eine gefahr­volle Concurrenz zu erwarten hätten. Ihr wichtigstes, dem Mittel­stände angehöriges Publikum wird den ersteren immer verbleiben.

Thatsächlich ist denn auch in den Postsparkassenländern beobachtet worden, daß beide Arten von Sparkassen neben einander bestehen und daß insbesondere den Gemeindesparkassen das Dasein nicht erschwert worden ist. Man hat zwar geltend gemacht, daß in England seit dem Bestehen der Postsparkassen eine Anzahl Lokalsparkassen eingegangen sind; jedoch darf hierbei einmal der sehr mangelhafte Zustand der englischen privaten Kassen nicht vergessen, dann aber auch nicht außer Acht gelassen werden,

daß die engische Gesetzgebung die Verminderung der sog. Trustee Savings Banks besonders begünstigt hat. Trotzdem ist das Guthaben bei allen Lokalsparkassen von 18601880 von 41 Millionen auf 44 Millionen Pfund gestiegen. Hat die Mehrzahl der englischen Kassen neben den Postkassen gut bestehen können, so würden die deutschen kommunalen Sparkassen mit ihrem fest begründeten Ansehen erst recht weiter zu gedeihen vermögen. Schlagender ist das Beispiel Italiens. Die Ueberweisung der aus frommen Stiftungen entstandenen oder von Gemeinden und Actien- gesellschaften gegründeten Sparkaffen durch das Handelsministerium ist überaus milde; sie sind frei in der Verwendung ih er Fonds, ohne diese Freiheit mißbraucht zu haben. Im Jahre 1870 waren 249, 10 Jahre später also 5 Jahre nach Einführung der Postsparkaffen 357, 1885 388 Kassen eröffnet. Die Guthaben stiegen in dieser Zeit von 346 Millionen auf 9541 2 Millionen Lire. Bei den Postsparkaffen war das Guthaben von 18761885 von 21/a Million auf 176,19 Millionen Lire gestiegen. Mit voller Wahrheit konnte daher der Abgeordnete Sella behaupten, daß die Postkaffen sich an die anderen anschließen, ohne sie zu unterdrücken, oder besser, sich zwischen sie einschieben, ohne sie zu ersticken. Die Kundschaft der Postkassen ist meistens von der der gewöhnlichen Sparkaffen, der Volksbanken und der anderen Creditinstitute sehr ver­schieden.

Nach alledem erscheint es fraglich, ob es nicht manchem Gegner der Postsparkassen bei näherem Studium gehen würde, wie dem Generalagenten der großen Pariser Privatsparkasse, Prevost, welcher nach England zur Untersuchung der Postkaffeneinrichtungen entsandt, die Erfahrung machte, daß nichts brutaler ist, als eine lebendige Thatsache, und der vollständig bekehrt und erfüllt von demgroßartigen Gedanken" der Postsparkaffen nach Paris zurückkam.

NR. Die Politik des Friedens.

Der Familie des bei dem Zusammentreffen mit einem zum Jagd­schutz kommandirten deutschen Jäger getödteten Franzosen ist deutscherseits eine Pension gewährt, ohne das Resultat der Untersuchung abzuwarten und ohne Rücksicht darauf, ob aus derselben sich ein Verschulden des deutschen Soldaten ergibt oder nicht. Der junge Schnäbele ist begnadigt worden. Diese Thatsachen bezeugen deutlicher als es die beredtesten Worte vermöchten, die überaus friedfertige Gesinnung, die ernsteste Absicht Deutschlands, auch mit dem revanchelustigen Nachbarn in Frieden zu bleiben.

Dem Besuche des österreichisch-ungarischen Ministers der auswärtigen Angelegenheiten in Friedrichsruhe ist derjenige des italienischen Minister- präsiventen und Minister der auswärtigen Angelegenheiten Crispi gefolgt. In diesen Besuchen findet die Thatsache eines festen und entschlossenen Zusammengehens der drei mitteleuropäischen Großmächte ihren prägnanten Ausdruck. Sie rufen Europa und insbesondere auch unsern Nachbarn im Osten und Westen die Verbindung dieser drei Mächte zu Schutz und Trutz ins Gedächtniß. Diese Verbindung bezweckt in erster Linie nichts anderes, als die auf Erhaltung des europäischen Friedens gerichtete auswärtige Politik Deutschlands zu stützen. Schon ihr Bestehen allein wirkt nach­drücklich in diesem Sinne.

Was bei den Besprechungen des österreichischen und italienischen Staatsmannes mit dem Fürsten Bismarck sich ergeben, entzieht sich selbst­verständlich der Kenntniß. Selbst die Gegenstände der Verhandlung lassen sich nur vermuthen. Soviel aber darf als sicher angesehen werden, daß, was immer verhandelt würde, die Beseitigung der noch immer den Frieden Europas bedrohenden Momente vor Allem in Betracht gezogen ist. Man darf an die Friedrichsruher Besprechungen daher die Hoffnung nicht nur der weiteren Befestigung der guten Beziehungen der europäischen Central- mächte, sondern auch einer neuen und Erfolg versprechenden Phase ge­meinsamer Thätigkeit zur Beseitigung friedengefährdender Zustände knüpfen.

Wenn endlich die Herbstmanöver des Heeres und der Flotte den Beweis liefern, daß die deutsche Armee- und Flottenverwaltung unaus­gesetzt und mit Erfolg bemüht ist, die kriegerische Kraft Deutschlands zu stärken, wenn sie das Bild unausgesetzter treuer Arbeit von dem Aller­höchsten Kriegsherrn bis zu den einfachen Soldaten zeigen, so hat man darin wiederum nur die eine Seite der auf die Erhaltung des Friedens gerichtete Gesammtpolitik vor Augen. . . . ,,Si vis pacem para bellum,