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Nr. 233

Donnerstag den 6. Oktober

1887.

Dienst-Nachrichten m dem Kreise.

Gefunden: Ein Messer. Ein Stück hellblaues Band. Ein weißes und ein rothes Taschentuch. Ein Deckel von einer Milchkanne. Ein Notizbuch mit der Aufschrift: Maria Bauer. Ein Rosenkranz. Eine Cigarrenspitze von Meerschaum und Bernstein.

Hanau am 6. Oktober 1887.

Tagesschau.

Berlin, 5. Oktbr. Se. Majestät der Kaiser und König nahmen, wie derR. u. St.-A." aus Baden-Baden meldet, gestern Vormittag militärische Meldungen entgegen und machten alsdann einen Spaziergang auf der Promenade. Nach dem Dejeuner unternahmen Se. Majestät eine Spazierfahrt. Nachmittags 4 Uhr trafen Se. Königliche Hoheit der Prinz Luvwig von Bayern mit seinem Sohne, dem Prinzen Rupprecht, sowie Se. Hoheit der Prinz Hermann von Sachsen-Weimar hier ein und wur­den von Sr. Königlichen Hoheit dem Großherzog am Bahnhof empfangen. Ee. Majestät der Kaiser statteten den bayerischen Prinzen, welche im Englischen Hof" abgestiegen waren, sofort nach deren Ankunft einen Be­such ab und empfingen später ihren Gegenbesuch. Zum Diner bei Ihren Majestäten dem Kaiser und der Kaiserin hatten die Prinzen Ludwig und Rupprecht sowie der Prinz von Sachsen - Weimar und mehrere hervorra­gende Persönlichkeiten Einladungen erhalten.

Berlin, 5. Oktbr. Ihre Majestät die Kaiserin und Königin em­pfing gestern in Baden-Baden den Besuch Ihrer Königlichen Hoheiten der Prinzen Ludwig und Rupprecht von Bayern.

Berlin, 4. Okt. Dem Bundesrathe ist ein Schreiben des Fürsten Bismarck in Betreff der internationalen Ausstellung in Melbourne zuge­gangen, worin der Bundesrath ersucht wird, Beschluß darüber zu fassen, ob sich das Deutsche Reich offiziell an der Ausstellung betheiligen soll, event, ob ein Reichskommissar ernannt werden soll, welche zweckmäßige Organisation der deutschen Betheiligung zu geben sei und wie die Rechte der Aussteller wirksam vertreten werden sollen; auch soll die Frage ent­schieden werden, ob das Reich den Ausstellern eine materielle Unterstützung durch theilweise Uebernahme der Kosten des Transportes und der Ein- richtungs- und Beaufsichligungskosten gewähren solle.

Berlin, 4. Okt. Nachdem gestern Botschaftsrath Raindre dem Grafen Herbert Bismarck die Abschrift der französischen Akten in Sachen des deutsch-französischen Grenzvorfalls übergeben hat, liegt nunmehr end­lich sowohl die deutsche wie die französische amtliche Darstellung des Sach- verhalts der Reichsregierung vor; da aber inzwischen nach allseitiger Annahme durch das Entgegenkommen des deutschen Reichskanzlers der Zwischenfall auf diplomatischem Gebiete seine Erledigung gefunden hat, so bleibt nun Die volle Berücksichtigung des ganzen Materials, auch des französischen, ausschließlich dem deutschen Militärgericht überlassen, das die Frage zu entscheiden haben wird, in wie weit dem Jäger Kaufmallu eine strafbare Schuld zur Last fällt. Auffallend ist, daß sowohl die deutschen wie die französischen Zeugen übereinstimmend bekundet zu haben scheinen, die französischen Jagdgäste hätten nur, einen einzigen Pfad betreten und es gäbe in der Gegend nur diesen einen Pfad, daß aber gleichwohl in starrem Widerspruch zueinander die deutschen Zeugen diesen. Pfad als auf deutschem, die französischen aber ihn als auf französischem Gebiete liegend bezeichnen. Das deutsche Militärgericht wird versuchen müssen, diesen Widerspruch zwischen den beiderseitigen Aussagen aufzu- klären; denn es ist klar, daß die irrige Voraussetzung des Jägers Kauf­mann, er habe es mit einer Bande Wilddiebe zu thun, eine ganz andere Beurtheilung erfahren muß, je nachdem feststeht, daß die französischen Jäger durch Betreten deutschen Jagdgrundes dazu beigetragen haben, diesen Irrthum hervorzurufen, oder daß sie ausschließlich auf französischem Gebiete geblieben sind. Auf den Ausfall dieser Untersuchung kann aber selbstverständlich die deutsche Regierung bei der unantastbaren Unabhängig­keit unserer Gerichte keinen andern Einfluß ausüben, als daß sie alles ihr von französischer Seite zugehende Beweismaterial dem Militärgericht unterbreitet. (K. Z.)

Berlin, 5. Okt. DerNordd. Allg. Ztg." zufolge ist die Auf­hebung des von der Regierung in Schleswig ergangenen Verbotes der Elm-Hörner Zeitung" auf Grund telegraphischer Anordnung des Ministers des Innern erfolgt.

Berlin, 5. Okt. Die Strafkammer des Landgerichts verurtheilte

den Stationsassistenten Arnold wegen Gefährdung eines Eisenbahntrans­portes durch Unterlassung der pflichtmäßigen Sorgfalt, wodurch am 19. Juni die bekannte Katastrophe bei Wannsee herbeigeführt wurde, nach den Fr. N." zu einjährigem Gefängniß.

Breslau, 5. Okt. DieBreslauer Zeitung" meldet aus Zabrze: Heute Nacht erfolgte ein Durchbruch schwimmender Gebirge auf der Grube Guido". Im sogenannten kurzen Werke wurden zwanzig Leute ver­schüttet. Bisher ist ein Schweroexwundeter herausgezogen worden.

Kiel, 4. Okt. S. M. KanonenbootHyäne", Commandant Capi- tänlieutenant Galster, ist nach Danzig in See gegangen, um dort außer Dienst gestellt zu werden. (K. Z.)

Hamburg, 5. Okt. Der weltbekannte Thierhändler Karl Hagen- beck ist gestern, 78 Jahre alt, hier gestorben.

Leipzig, 5. Okt. In dem Prozeß gegen Neve sind bis zum Ende des zweiten Verhandlungstages schon zehn Zeugen entlassen worden.

München, 5. Okt. Der Abgeordnete Mittler schreibt der Donau­zeitung, Rampolla habe ihn zu der Erklärung ermächtigt, daß der Moni- teur de Rome weder offiziell noch offiziös sei. (K. 3 )

Augsburg, 5. Okt. Der Abendzeitung zufolge soll der Kriegs­minister von Heinleth beabsichtigen, seinen Posten mit einer rein mili­tärischen Commandostellung, und zwar dem Generalcommando über das 2. Armeecorps in Würzburg zu vertauschen.

Pest, 5. Okt. Die Regierung besitzt die Vollmacht der gesetz­gebenden Körperschaften, noch 45 Millionen in diesem Jahre zu beschaffen. Die Regierung wird jedoch nur etwa 20 Millionen in Anspruch nehmen und etwaige Anleihen später verschieben.

Brüssel, 5. Okt. Der Kaiser und die Kaiserin von Brasilien sind heute Mittag hier angekommen. Mit demselben Sonderzuge traf auch der König der Belgier, von Baden-Baden zurückkehrend, hier ein. Die Königin empfing die hohen Herrschaften am Nordbahnhof.

Der französische Kriegsminister beabsichtigt, nach einer Meldung der Köln. Ztg." den Kammern kurz nach ihrem Zusammentritt einen Entwurf über die Errichtung von Alpentruppen vorzulegen, da man mit den vorhandenen Truppen die Sicherung der Alpenpässe nicht hinlänglich durchführen zu können glaubt. Die letzte Reise des Kriegsministers nach dem Departement der Alpen scheint hiermit im Zusammenhang zu stehen, anderseits wünscht man in den Alpentruppen ein Gegengewicht gegen die 72 Compagnien Alpenjäger zu haben, welche das italienische Heer besitzt. Dem entsprechend sollen beim französischen Heere 12 Bataillone Alpen­jäger, jedes zu 6 Compagnien, errichtet werden. Die Compagnien sollen etwa zu 160 Mann gebildet werden und das Bataillon mit Einschluß der Offiziere 1000 Mann stark sein; diese Friedensstärke wird deßhalb so hoch gefordert, damit bei ausbrechendem Kriege diese Compagnien noch vor dem Eintreffen der Ergänzungswannschaften marschiren können. Ihren Ersatz soll diese neue Truppe vornehmlich aus den Gebirgsbewohnern erhalten.

Paris. Nach einer Meldung des Rcuter'scheu Bureau ausTama- tave vom 21. September sind zwischen der Regierung von Madagaskar und dem dortigen französischen Ministerresidenten sehr gespannte Be, ziehungen eingetreten; der französische Ministerresident habe seine Flagge eingezogen und Antananarivo verlassen, der bisherige madagessische Mi­nister des Auswärtigen sei verbannt worden.

Paris, 5. Okt. Sehr unangenehm berührt hier die Nachricht von dem Abbruch der Beziehungen mit der madagassischen Regierung, da die­selbe die Möglichkeit eines neuen Colonialkrieges eröffnet, der jetzt miß­liebiger sein würde als je. Die Nachricht kommt so plötzlich, daß es fast den Anschein hat, als ob der französische Resident auf eigene Faust ge­handelt habe. Dem Ministerium kann der Vorfall nur schaden, da man die Zeit der Colonialwirren als abgeschlossen betrachtete. (K. 3)

London, 4. Okt. Das DampfschiffAlice" von Middlesbrough ist auf der Fahrt von Riga nach London mit Mann und Maus unter­gegangen. Die Besatzung des Schiffes zählte 19 Köpfe.

Athen, 5. Okt. Die Erderschütterungen dauern fort. Die Be­schädigungen sollen namentlich in der Provinz Korinth erhebliche sein.

Petersburg, 5. Okt. Der Besuch, den Crispi in Friedrichsruh abgestattet hat, erregt hier unverkennbar eine gewisse Besorgniß. Nament- lich befürchtet man einen abermaligen engeren Anschluß Italiens an Deutschland; eine Sorge, der man sich nach dem Rücktritt Robilants