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Nr. 209 Donnerstag den
8. September 1887.
Tagesschau.
Berlin, 7. Septbr. Se. Majestät der Kaiser und König em- fingen Heuce auf Schloß Babelsberg den Chef des Civilkabinets, Wirklichen Geheimen Rath v. Wilmowski, zum Vortrage.
Berlin, 7. Sept. (K. Z.) Siaatsminister v. Puttkamer ist soeben nach Königsberg abgereist.
Berlin, 6. Sept. Ueber das Projekt einer Besteuerung der ausländischen Werthe schreibt die „Post": „Es handelt sich nicht sowohl darum, den Verkehr derselben mit einer erhöhten Stempelsteuer zu belasten, als um eine Erhebung einer Einkommensteuer von demjenigen Einkommen welches aus Anlagen in auslänvischen Papieren bezogen wird. Daß eine solche Maßregel außer ihren finanziellen Erträgen zugleich die nützliche Wirkung hat, der Neigung des Publikums zu Kapitalanlagen in hochverzinslichen uns unsicheren Papieren entgegenzuwirken, ist ein Vorzug, der sich zur Annahme empfiehlt. Aber auch aus finanziellen Gesichtspunkten ist der Ertrag, den eine höhere Belastung fremder Werthe liefern könnte, durchaus nicht zu verachten. Allerdings wird sich das finanzielle Ergebniß erst genau beurtheilen lassen, nachdem die Höhe der Steuer festgesetzt ist."
Der Bundesrath hat seine Arbeiten wieder ausgenommen, und zwar zunächst mit einer Sitzung des Justizausschusses. Eine Plenarsitzung soll alsbald folgen. Indessen werden die Bundesrathsarbeiten wohl erst nach der Rückkehr des Staatssekretärs v. Bötticher aus Karlsbad zu Anfang Oktober recht in Fluß kommen. Der Beginn der Reichstagssitzungen wird etwas frühzeitiger, als sonst üblich, Anfang November erwartet.
Die Kreuzzeitung meldet: Der Reichskanzler Fürst v. Bismarck wird mit feiner Gemahlin am Freitag aus Kissingen in Berlin erwartet.
Der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, Wirklicher Geheimer Legationsrath Graf Herbert v. Bismarck, wird dem Vernehmen nach gegen Mitte dieses Monats aus England in Berlin eintreffen. Nach seiner Rückkehr wird, wie schon gemeldet, der Unter-Staatssekretär Graf v. Berchem einen mehrwöchentlichen Erholungsurlaub antreten. Graf v. Berchem gedenkt den Urlaub, wie es heißt, in Berchtesgaden zu verbringen.
Die Grundzüge für die Alters- und Jnvali-enversorgung waren, wie seiner Zeit gemeldet, den Bundesregierungen zur Aeußerung zugesandt worden. Die Aeußerungen der letzteren sind nunmehr sämmtlich eingegangen und werden gegenwärtig im Reichsamte des Innern einer eingehenden Durchsicht und Würdigung der erhobenen Bedenken unterzogen: Es wird darüber geschrieben: „Von dem Ergebnisse dieser Arbeiten wird es abhängen, in wie weit die gemachten Abänderungsvorschläge Berücksichtigung finden und dem zu Folge eine Abänderung der Grundzüge ein- tritt. Man nimmt an, daß dieser Abschnitt der Vorbereitung in dem laufenden Monat zum Abschluß gebracht werden wird. Die event, theil- weise umgearbeiteten Grundzüge sollen sodann, abgesehen von der Begutachtung durch einzelne besondere Sachverständige und Vertreter der hauptsächlich betheiligten Erwerbszweige und Korporationen, dem Volkswirth- schaflsrathe zur gutachtlichen Aeußerung vorgelegt werden. Erst wenn die Grundzüge auch die Probe der Prüfung durch mitten im praktischen Erwerbsleben stehende sachverständige Elemente bestanden haben, wird die Allerhöchste Genehmigung zur Ausarbeitung eines förmlichen Gesetzent- M-rfs erbeten werden. Dieser Entwurf wiederum wird erst Gegenstand der Beschlußfassung zunächst des Bundesraths und demnächst des Reichstags sein."
Königsberg, 7. Sept. In seinem Toaste beim heutigen Diner sagte Prinz Albrecht: So bedauerlich es sei, daß der Kaiser sich nicht selbst überzeugen konnte, wie Königsberg zu seinem Empfange gerüstet, so möge man sich doch mit dem Bewußtsein trösten, daß das Befinden des Kaisers fortdauernd in der Besserung begriffen sei. — Heute Nuch- mitkag stürzle die Decke des Anatomiegebäudes, wo eine Etage aufgesetzt wurde, ein. Nach den bisherigen Ermitterlungen sind sieben Personen verletzt, wovon drei bereits todt sein sollen. (Fr. N.)
München, 6. Sept. Ihre Kaiserlichen und Königlichen Hoheiten der Kronprinz und die Kronprinzessin sind mit den Prinzessinnen Töchtern heute Abenv 9 Uhr hier ein getroffen und von Ihren Königlichen Hoheiten dem Prinzen und der Prinzessin Ludwig Ferdinand sowie den Mitgliedern der preußischen Gesandtschaft am Bahnhof empfangen worden. Von dem daselbst zahlreich versammelten Publikum wurden die Kronprinzlichen
Herrschaften mit lebhaftem Enthusiasmus begrüßt. Höchstdieselben übernachten in dem Hotel „Zu den vier Jahreszeiten" und reifen morgen Vormittag 103/i Uhr nach Toblach weiter. — 7. Sept. Heute Vormittag 10 % Uhr sind die Kronprinzlichen Herrschaften mit den Prinzessinnen Töchtern nach Toblach weitergereist.
München, 7. Sept. Im Staatshaushalt für das nächste Jahr ist eine Gehaltsverbesserung der Geistlichen, Lehrer und sämmtlicher Subal- ternbeamten vorgesehen.
Bad Kisstngen, 7. Sept. Der Statthalter von Elsaß-Lothringen Fürst Hohenlohe ist Nachmittags 3 Uhr hier eingetroffen und hat sich alsbald zum Reichskanzler Fürsten v. Bismarck begeben.
In Erlangen hat am vorigen Freitag zum ersten Mal, seitdem der Sedantag dort gefeiert wird, der katholische Stadtpfarrer, Herr Achtmann, bei der Schulfeier die Ansprache an die Schulkinder gehalten.
Stuttgart, 6. Sept. Der kommandirende General des 13. Armeekorps, v. Aloensleben, hat sich mit der Freiin Gabriele von Ber- lichingen, Tochter des gleichnamigen früheren österreichischen Rittmeisters und dessen Gemahlin, geb. Reichsgräfin von Dürkheim-Montmartin, verlobt.
In Kopenhagen ist folgende Nachricht von der Insel Kotka (Gottska Sandö) vom 4. ds. eingetroffen: „Der Dampfer Konstantin, welcher gestern von Petersburg nach Kopenhagen mit 40 Passagieren, darunter die Mitglieder der Patriotenliga, Döroultzde und Goupil abging, stieß außerhalb der Insel Ratko auf eine Klippe und war vier Stunden in gefährlicher Lage. Das eingedrungene Wasser hatte schon die Feuer im Maschinenraum ausgelöscht und stand in den Kajüten, als einige Boote von der Insel Kotka zu Hülfe kamen und die Passagiere dorthin brachten."
In Dänemark hat anläßlich der jüngsten Erörterungen über die angeblich gegen Deutschland gerichteten Befestigungsarbeiten am 28. August eine Volksversammlung stattgefunden, welche einen Protest gegen diese Befestigungsarbeiten beschloß. Die betreffende Resolution erklärt die Be- sestigungspolitik der Regierung unter Hinweis auf die neuesten Vorgänge als politisch gefahrdrohend und unter Berücksichtigung des Kostenpunktes als ökonomisch schädlich. Alle Redner verlangten unter lebhafter Zustimmung eine unbedingt deutschfreundliche Politik. Aehnliche Versammlungen werden auch in anderen Städten uns Wahlkreisen abgehalten werden, so daß dem Reichstage voraussichtlich eine von mehreren Hunderttausenden unterschriebene Protestkundgebung gegen jede Nachgiebigkeit in der Befestigungsfrage vorliegen wird. Man darf hierbei nicht vergessen, daß es die demokratische Opposition ist, welche in dieser Beziehung gegen die Regierung Stellung nimmt.
Die letzten in Kopenhagen eingetroffenen Postnachrichtett aus Island melden die für diese Jahreszeit höchst bemerkenswertste Thatsache, daß die ganze Nordküste der Insel noch vom Polareise blockirt ist. Der Postdampfer Laura traf auf der letzten Reise nach der Nordküste am 14. August im Seydisfjord ein, konnte aber des Eises wegen nicht weiter kommen; er kehrte um, ging südwärts um die Insel und erreichte am 17. August die Skagestrandsbucht, aber auch hier hinderte das Eis die Weiterfahrt. Nachdem die für die nördlichen Orte bestimmten Güter an der Westküste ausgeladen worden, ging der Dampfer nach Reykjavik, wo er am 22. August eintraf.
General Ferron wird am 11. September um zwei Uhr Nachmittags die Mitglieder der fremden Militärmissionen, welche den Manövern des 9. Armeekorps beiwohnen werden, empfangen. Der Kriegsminister hat im Cercle militaire Gemächer für die fremden Offiziere zurückhalten lassen. Die Konzentrirungsperiode der Manöver des 9. Corps begann gestern, 5. September; die 17. Division ist in Chartellerault, die 18. in Richelieu versammelt. Die Manöver des ganzen Corps beginnen am 12. und dauern bis zum 21. September.
London, 7. Sept. Im Oberhaus wurden die Vorlagen, betreffend den Betrieb von Kohlen- und anderen Bergwerken und den Erwerb kleiner Pachtgüter durch Bauern, in zweiter Lesung angenommen.
Polnischen Blättern wird aus Petersburg berichtet, daß in Rußland ebenfalls eine Art Probe-Mobilisirung bevorsleht. Es haben nämlich am 7. und 8. ds. alle Stellungspflichtigen vom Jahre 1876 uns 1879 in den vorgeschriebenen Distrikten einzurücken. Diese Maßregel wurde in allen Militärbezirken Rußlands und in einigen auch eine probe-