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Nr. 117.

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Samstag den 21. Mai

Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.

Nachstehend wird die Entschließung der am 14. d. Mts. versammelt gewesenen Schmiedemeister des Stadt- und Landkreises Hanau zur allge­meinen Kenntniß gebracht.

Die Herren Bürgermeister wollen die in der Versammlung nicht anwesend gewesenen Schmiedemeister zum Beitritt veranlassen.

Hanau am 17. Mai 1887.

Der Königliche Landrath

V. 2364 Gf. Bismarck.

Wir die unterzeichneten Schmiedemeister des Stadt- und Landkreises Hanau erklären uns bereit, eine Schmiede-Innung für die beiden Kreise zu bilden. Sonstige Schmiedemeister in den Kreisen, welche sich uns an­schließen wollen, wegen ihren Entschluß Herrn Kreisthierarzt Collmann anzeigen. Wir werden uns am 5. Juni d. I , Nachmittags 2 Uhr, im Gasthause zum goldenen Löwen in Hanau vereinigen, um über die Auf­stellung der Jnnungsstatuten zu berathen. Herr Kreisthierarzt Coll­mann hat seine Theilname an dieser Versammlung zugesagt.

Hanau, 14. Mai 1887.

Philipp Krebs, Hochstadt; M. Wilschek, Hanau; Valentin Klees, Hochstavt; Wilhelm Seip, Bischofsheim; Fr. Jak. Ewald, Fechenheim; Georg Ludwig Simon, Bergen; Fr. Boller, Bergen; Ernst Ludw. Saler, Bergen; Johannes Niedenthal, N.-Jssigheim; Aug. Niedenthal, Ravolzbausen; Christian Bensin g, R.-Jssigheim; Fr. Tropp, Niederdorseloen; Ludwig Grüner II., Oberdorfelden; Konrad Rohn, Kilianstädten; Konrad Schießer, Langenselbold; Hein­rich Knobelauch, Langenselbold; Fr. Heinrich Lukas II., Langen­selbold ; Fr. Lukas 1., Langenselbold; Wilhelm Römer, Niederroden- bach; Johannes Becker, Niederrodenbach.

Gefunden: Eine Cigarrenspitze.

Zugelaufen: Ein weißes Huhn.

Hanau am 21. Mai 1887.

Tagesschau

P. Aus dem Reichstage. Berlin, 20. Mai. Der Reichstag erledigte zunächst den Bericht der Reichsschuldenkommission und nahm dann den Nachtragsetal nach kurzer Debatte definitiv an. Auch die dritte Berathung des Militär-Reliktengesetzentwurfs führte nur zu einer kurzen Diskussion. Der von der Kommission neu eingefügte §. 33 (rückwirkende Kraft) erfuhr in seinem dritten Absatz eine Aenderung, außerdem wurde folgende Resolution beschlossen:Die Erwartung auszu- sprechen, daß die verbündeten Regierungen thunlichst im Laufe der nächsten Session dem Reichstage eine Vorlage machen werden, nach welcher die Wittwen - und Waisengeldbeiträge sowohl bezüglich der Reichs­beamten des Zivilstandes, als auch bezüglich der Angehörigen des Reichs­heeres und der kaiserlichen Marine in Wegfall kommen." Den letz­ten Gegenstand der Tagesordnung bildete die zweite Berathung des Ge­setzentwurfs betreffend den Verkehr mit Kunstbutter. Nach län­gerer Debatte wurde mit erheblicher Mehrheit beschlossen, im §. 1 das WortKunstbutter" durchMagarine" zu ersetzen und dem §. 1 folgen­den Zusatz hinzuzufügen:Magarine" im Sinne dieses Gesetzes sind die­jenigen, der Milchbutter ähnlichen Zubereitungen, deren Fettgehalt nicht ausschließlich der Milch entstammt." Darauf wurde die weitere Be­rathung auf morgen vertagt.

Berlin, 20. Mai. Se. Majestät der Kaiser und König be­sichtigten heute auf dem Tempelhofer Felde die kombinirte 4. Garde- Jnfanterie-Brigade, unter dem Kommando des General-Majors v. Kropff, und arbeiteten nach der Rückkehr von der Besichtigung mit dem Kriegs­minister und dem Chef des Militärkabinets. Nachmittags erhielten Se. Ma­jestät den Besuch des Prinzen Wilhelm und en pfingen darauf den Fürsten Bismarck zu längerm Vortrag.

Berlin, 20. Mai. S. M. FahrzeugLoreley", Kommandant Kapitän-Lieutenant Frhr. v. Lyncker, ist am 17. Mai er. in Piräus ein= getroffen und beabsichtigt am 20, deff. Mts. wieder in See zu gehen.

1887

S. M. KreuzerNautilus", Kommandant Kapitän-Lieutenant v. Hoven, ist am 18. Mai cr. in Hongkong eingetroffen und beabsichtigt am 19. deff. Mts. wieder in See zu gehen.

Berlin, 19. Mai. DieK. Z." schreibt: Der gestrige Schwe- rinstag im Reichstage konnte den wohlthätigen Thierschutzvereinen den Beweis liefern, daß ihre gerechtfertigten Bestrebungen auch in der Volksvertretung volle Anerkennung finden. Die betreffenden, auf die Ver­meidung unnöthiger Grausamkeit beim Schlachten gerichteten Gesuche wurden dem Reichskanzler zur Erwägung überwiesen, ob und auf welche Weise, insbesondere durch Aenderungen im Reichsstrafgesetzbuch, den Wün­schen der Gesuchsteller zu entsprechen ist. In der Verhanolung darüber, an welcher sich besonders Dr. Miguel mit großer Wärme und sachkundig betheiligte, wurde zwar hervorgehoben, daß, wenn auch in andern als außerdeutschen Ländern die Gesetzgebung theilweise bessere Vorkehrung trifft, auch in einer Reihe von deutschen Städten, so in Frankfurt und München, entsprechende Ortsvorschriflen gelten, eine reichsgesetzliche Regelung höchst wünschenswerth erscheint. In dieser Auffassung begegneten sich die beiden hannoverschen Landsleute Dr. Windthorst und Dr. Miguel, während dre Herren Brömel und Böckel die Gelegenheit zu einem Redeturnier für und wider die Juden benutzten, dem schließlich der Präsident so energisch ein Ende machen mußte, daß der Klöppel aus der Präsidentenglocke sprang. Den äußern Anlaß zu dieser Abschweifung boten 2000 jüdische Gesuche, welche durch die Befürchtung veranlaßt waren, daß die erbetenen neuen Gesetzesbestimmungen den jüdisch-religiösen Vorschriften über das Schächten entgegentreten könnten. Auch abgesehen davon, daß eine Reihe wissen­schaftlicher Gutachten die Schächtung als das beste und am wenigsten grausame Tödtungsmittel bezeichnen, war man im Hause darin einstimmig, daß die hier mitspielenden religiösen Anschauungen geschont werden müssen und die in den Gesuchen geäußerte Befürchtung unbegründet ist. Dem­entsprechend wurde der Commissionsantrag mit der von Dr. Windthorst und Miguel befürworteten Einschaltung: unter Schonung religiöser Ge­bräuche, angenommen.

Kiel, 20. Mai. Contre-Admiral v. Blanc ist zum Vice-Admiral und Chef der Ostseestation, Capitän v. Kall zum Contre-Admiral, Cor- vettencapitän Barandon zum Capitän z. S. befördert.

Bremen, 19. Mai. Nach einem Telegramm aus New-I)ork ist der Dampfer des Norddeutschen LloydFulda", welcher bei Long-Jsland auf den Grund gerathen war, gestern Nachmittag wieder flott geworden.

Hamburg, 20. Mai Heute früh um 7 Uhr fand in der Pul­verfabrik Rottweil in Düneburg bei Geesthacht eine Explosion der hy- draulichen Presse statt; zwei Arbeiter sind getödtet, einer ist verwundet worden. (RH. K.)

München, 20. Mai. Der Prinzregent hat genehmigt, daß die leichtere neue Ausrüstung der Infanterie auch bei der bairischen Armee eingeführt werde.

Wien, 20. Mai. Prinzregent Luitpold traf heute früh 1/a7 Uhr hier ein. Der Kaiser war früh ^4 Uhr aus Jschl gekommen, begrüßte in der Uniform seines bayerischen Infanterie-Regiments den Prinzregenten, der die Uniform seines österreichischen Feldartillerie-Regiments trug, aufs herzlichste. Der Prinzregent fuhr darauf mit seiner Schwester Adelgunde, der Herzogin von Modena, zu deren Palast in der Beatrixgaffe. Morgen ist beim Kaiser, am Montag bei Erzherzog Ludwig Victor Ehrentafel.

Charleroi, 20. Mai. In Chatelet und Gilly wurde die Arbeit theilweise, in Lambisart vollständig wieder ausgenommen.

Mons, 20. Mai. Einer der Hauptansührer der Strikebewegung wurde verhaftet und gefangen gesetzt. In dem Becken von Mons herrscht Ruhe, jedoch wurde in mehreren Gruben von Cuesmes, Frameries, Flenn und Quaregnon die Arbeit eingestellt.

Mentone, 20. Mai. Heute früh fand hier nach demRH. K " ein heftiger Erdstoß statt, wodurch zahlreiche Häuser erschüttert wurden. Die Einwohner flüchteten ins Freie.

Monte Carlo, 20. Mai. Heute früh gegen 8 Uhr wurde hier ein ziemlich starker Erdstoß verspürt.

Paris, 20. Mai. Von den 275 Deputirten, welche gegen die von Goblet gulgeheißene Tagesordnung stimmten, gehörten 162 der Rechten, 113 den republikanischen Gruppen an; 23 Republikaner und 11 Konser­vative enthielten sich der Abstimmung. Die 257 Deputirten, die für