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Nr. 68
Dienstag den 22. März
1887.
KeiL dem Kaiser!
tzum 22. März.)
Schalle nur, Glockenklang, Brause, du deutscher Sang: Heil, Kaiser, Dir!
Feldherr der Rheineswacht, Mehrer der deutschen Macht, Hast uns ja eins gemacht. Heil, Kaiser, Dir!
Siehe Dein Deutschland heut. Wie es sich mit Dir freut!
Heil, Kaiser, Dir!
Blitzt es aus Ost und West, Gärt es im Drachennest, Deutschland steht zu Dir fest. Hell, Kaiser, Dir!
König und Gottes Knecht, So bist Du, Kaiser, recht.
Heil, Kaiser, Dir!
Grad ist Dein Sinn und echt.
Frieden und Gottes Recht Liebet Dein ganz Geschlecht.
Heil, Kaiser, Dir!
Gott, der stets mit Dir war, Schirm Dich noch manches Jahr! Heil, Kaiser, Dir! Herrscher im Friedettskranz Dir bleibt bei Thrones Glanz Unsere Liebe ganz.
Heil, Kaiser, Dir!
Kurt Auhn.
Mum 90. Keöurtstag Kaiser Wilhelms.
Mit tiefem Dank und aufrichtiger Ehrfurcht blickt heute das deutsche Volk zu seinem Kaiser empor. . Das Gefühl der Treue und Liebe zu diesem von Gott begnadeten Führer eines jugendlich kräftigen, geeinigten und darum starken Volkes braucht nicht nach einem Ausdruck zu ringen, es fei denn, daß es gälte, die vollen und richtigen Worte für das weihevolle und historisch seltene Ereigniß zu finden, daß jemals die Vorsehung und gerade in so wichtiger Zeit einen Herrscher auserkoren, bis in das neunzigste Lebensjahr herein und — so Gott will — lange über dasselbe hinaus, seiner Ration als Leitstern auf ihren Wegen zu dienen. Längst steht Kaiser Wilhelm für uns da als unvergeßliches Vorbild eines treuen Familienoberhauptes, wie es die Geschichte uns nur in den seltenen Beispielen der Patriarchen gezeigt hat, längst ist er allen anderen Monarchen gegenüber das Muster eines milden und gerechten, zugleich rastlos thätigen und segensreich wirkenden Staatsleiters, längst hat er die Palme des Siegers errungen und den Lorbeer so dicht um seine Kaiserkrone geflochten, daß kein Herrscher der Erde sich ihm vergleichen kann. Kein Lebender war gleich ihm der im wechselnden Schicksal ungebeugte, gottergebene Held, feiner gleich ihm sorgsamer bedacht auf das Wohl des Volkes und die' Ehre der Nation, und selbst die Weltgeschichte zeigt kein Beispiel größerer Harmonie von Macht, Ruhm, Glück und Ehre am Abende eines reich gesegneten Lebens. „Der Herr hat Seltenes an uns gethan!" mag darum am heutigen Tage der Ehre mit des Dichters Worten der Jubelruf eines treuen Volkes hinausklingen in alle Welt, ein Ruf, an den sich der Segenswunsch und das innige Gebet anschließen, daß Gott uns unsern Kaiser noch lange gesund erhalten möge!
Unser Kaiser ist oft und genug als Krieger und Friedensfürst, als Soldat und als Monarch, und mit Recht als eine Leuchte in allen Tugenden von seinem Volke gefeiert worden. Der heutige Tag aber ist ein W seltener und gnadenreicher, als daß man Kaiser Wilhelm mit neuen
Lobpreisungen seiner weltgeschichtlichen Thaten voll gerecht zu werden vermöchte. Ein einfacher Rückblick auf des Kaisers Leben predigt, uns mit Flammenworten, daß ein Höherer sichtbar über ihm und seinem Volke die schützende Hand gehalten hat; — die hehre Thatsache, daß Gott bis in das höchste Alter hinein ihm Seherblick und Geisteskraft, Gesundheit und Frische erhält, bezeugt, daß Kaiser Wilhelm zu den Berufenen ersehen war, wie sie nur im Zeitraum von Jahrhunderten von der Vorsehung auserkoren werden. Er ist über wenigen getreu gewesen und Gott hat ihn über vieles gesetzt und ihm die Krone des Lebens gereicht.
Was hat der Kaiser Alles erlebt, was hat er gelitten und gerungen, bis er seine historische Mission zum vollen Abschluß zu bringen vermocht hat! Als Jüngling Zeuge der Demüthigung Deutschlands und der Zertrümmerung des preußischen Staates, hat er in strenger Zucht und unablässiger Arbeit Antheil genommen an dem schweren Werke der nationalen Wiedergeburt; selbst schwach an Körper, aber im Vertrauen zu Gott und in der Erfüllung des Vermächtnisses seiner Mutter, der unvergeßlichen Königin Luise, hat er an den Befreiungskriegen theilgenommen und darnach getrachtet, „ein Held zu werden, wie Prinz Louis Ferdinand!" „Werdet Männer!" hatte Königin Lüise den jungen Hohenzollern zugerufen, „befreit Euer Volk von der Schande und der Erniedrigung, in der es schmachtet!" Wie herrlich und großartig hat sich der Wunsch jener echt deutschen Fürstin erfüllt, daß der Schutzgeist der Nation sich auf ihren Liebling herabsenken möge!
Wahrlich, die Arbeit des Lebens unseres Kaisers war keine leichte; — hat er doch Zeiten erlebt, in denen es ihm nicht beschieden war, so in die Geschicke des Landes einzugreifen, wie er gewünscht hätte, weil seine Stellung keinen Einfluß gewährte. Er hat die Misere der Kleinstaaterei, der Bundestagswirthschaft, der Irrthümer des Volksgeistes so gut durchlebt, wie die unruhigen Jahre und die Blüthezeit des Partiku- larismus, der in Anlehnung an Oesterreich und das Ausland das Ringen