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Samstag den 27. August
Nr. 199.
Bekanntmachungen Königl. LanorathSamts.
Polizeiverordnung»
Auf Grund des §. 5 der Verordnung über die Polizeiverwaltung in den neu erworbenen Landestheilen vom 20. September 1867 (G. S. S. 1529) sowie des §. 143 des Gesetzes über die allgemeine Landesver- waltung vom 30. Juli 1883 (G. S. S. 195) und der Bestimmungen des Hessischen Ministerial-Ausschreibens vom 6. Mai 1824, die Obliegenheiten und Gebühren der Wasenmeister betreffend, werden mit Zustimmung des Stadtraths die an den Wasenmeister der Stadt Hanau für Wegschaffen und Verscharren des im Stadt- und Gemarkungsbezirk an einer ansteckenden oder nicht ansteckenden Krankheit gefallenen Viehes zu entrichtenden Gebühren wie folgt festgesetzt:
1) für das Wegschaffen und Verscharren eines größeren Stück Viehes auf den Anger als: eines Pferdes, Maulesels, Ochsen, einer Kuh, sofern das Thier ein Jahr oder darüber alt war, 10 Mark oder die Haut und dazu in jedem Fall noch die Knochen, das Fett rc.;
2) desgleichen für ein solches Stück Vieh, welches in dem Alter unter einem Jahre gestanden, sowie für einen Esel, welcher ein Jahr und darüber alt war, 7 Mark oder die Haut und dazu in jedem Fall noch die Knochen, das Fett rc.;
3) für ein jedes andere kleinere Stück Vieh und für einen noch nicht einjährigen Esel 2 Mark;
4) für die demselben aus dem Schlachthaus zur Verscharrung übergeben werdenden Kadaver angeborener Thiere von allem Schlachtvieh, sowie für die als unbrauchbar von einem Stück Schlachtvieh ausgeschiedenen Fleischtheile und Eingeweide je 2 Mark.
Diese Verordnung tritt mit dem Tage ihrer Veröffentlichung in Kraft. Hanau am 5. August 1887.
Der Königliche Landrath.
P. 5197 Gf. Bismarck.
Die dem Metzger Simon Baum zu Großkrotzenburg unterm 29. Dezember v. Js. für das Jahr 1887 unter Nr. 3 ertheilte Legitimationskarte zum Aufkauf von Schlachtvieh für seine Metzgerei ist angeblich verloren gegangen.
Behufs Ausstellung einer Duplicat-Karte wird das Original hiermit für ungültig erklärt.
Hanau am 25. August 1887.
Der Königliche Landrath
8t. 1562________________Gf. Bismarck. __________________
Nenft-Nachrichten aus dem Kreise.
Gesunden: Ein grauer Schirm. Ein kleines Portemonnaie mit Geld.
Verloren: Ein weißes Taschentuch, E. W. gez.
Hanau am 27. August 1887.
Ueber das rusfich-französsiche Bündnitz.
Die „Neue Freie Presse" schreibt den Herren, welche gegenwärtig mit vielem Geschrei ein russisch-französisches Bündniß zuiammenzubrauen suchen, folgende treffende Worte ins Stammbuch: „Auf allen Gebieten menschlicher Thätigkeit gibt es krankhafte Ideen, die um so schwerer zu beseitigen sinv, als sie sich an irgend eine Leidenschaft oder Schwäche klammern und durch diese Verbreitung finden. Zu diesen krankhaften Ideen, die gar keine innere Berechtigung haben, rechnen wir die russischfranzösische Allianz. Sobald das Wort ausgesprochen wird, fühlt man einen Widersinn an sein Ohr schlagen. Man hat das Gefühl, als würde eine Verbindung zwischen zwei sich widerstrebenden Elementen empfohlen, ein Unding, das allen physikalischen Gesetzen zuwiderläuft. Im Westen der Kamps für die Freiheit, im Osten der starrste Absolutismus; von Frankreich her die Verbreitung liberaler Anschauungen, von Rußland her ein ewiges Bemühen, die freie Strömung der Geister zurückzudämmen, zu unterdrücken. Traurig genug, daß hier Kuppelei betrieben wird. Aber man muß sich die Leute, welche sie zum Geschäft erwählt haben, genau ansehen und nach ihren Beweggründen forschen. Es sind mitunter Russen, meistens Franzosen. Weder die einen noch die andern gehören
1887.
zu dem Blute ihrer Nation; alle haben etwas Charlatanartiges an sich und jeder dieser politischen Marktschreier wird von den eigenen Landsleuten mit mißtrauischen Blicken betrachtet. Man bleibt allenfalls aus Neu- gierde vor ihrer Bude stillstehen und hört zu, wie sie ihre Wundertinktur anpreisen; aber man kauft nichts, weil man den Schwindel merkt. Nicht die Liebe zum Vaterland leitet sie, wenn sie die russich-französische Allianz als die Panacee rühmen, die Europas Verjüngung herbeiführen würde, sondern Haß und Neid. Glühender Haß gegen Deutschland auf beiden Seiten, fressender Neid wegen der höheren deutschen Cultur bei den Russen, ebenso giftiger Neid wegen der deutschen Siege bei den Franzosen. Die einen können die geistige Ueberlegenheit der Deutschen nicht ertragen, die andern die eigenen Niederlagen nicht vergessen. Der französische Radi- calismus ist eifriger in seiner Bewerbung um die russische Freundschaft als die Russen in ihren Bemühungen um die französische. Die Russen kommen nicht nach Paris, um dort der Republik Verbeugungen zu machen, sondern die Franzosen pilgern nach Moskau und schmeicheln dort dem Slaventhum. Rußland läßt sich umwerben, es gefällt sich in der Rolle einer umbuhlten Schönheit, deren Gunst mehrere Freier zu erringen suchen, aber es bleibt innerlich für alle kalt, nur auf sich und seinen Vortheil bedacht. In Petersbnrg fühlt man es deutlicher als in Paris, daß die phrygische Mütze und die Zarenkrone nicht für einander passen." Uebrigens beginnen auch die anständigen Franzosen sich jener politischen Hochstapler zu schämen, welche mit dem Patriotismus wie mit alten Hosen hausiren gehen. Am Schluß einer ebenso verständigen als anziehenden Würdigung der Vorzüge und Schwächen Katkows erwähnt das „Journal des Debüts" mit ironischen Augenzwinkern, daß aus den winzigsten französischen Nestern die französischen „Patrioten" den Angehörigen Katkows ihre Thränen telegraphisch übermittelt hätten, und macht zu diesen Kindereien folgende Bemerkung: „Die Russen konnten sich, getäuscht ! durch Worte, die Frage vorlegen: gibt es denn zwei Klassen von Fran- I zosen, Patrioten und andere? Nein, kann man ihnen erwiedern, aber in Paris wie in Moskau gibt es zwei widersprechende Anschauungen über das, was dem Schmerz und der Würde eines großen Landes an- steht. Die einen trösten sich mit Geschrei, mit Drohungen, mit Gefühlsausbrüchen, welche das Land blosstellen, und seiner Regierung Ungelegen- heiten machen. Die andern halten alle diese Treibereien für nichts als Dampf, der mit großem Lärm vollständig zwecklos außerhalb der Maschine mit ihrem Kesselwerk verpufft, und zwar verpufft im Angesicht einer bester gebauten Maschine, deren technischer Leiter das gesammte Räderwerk sicher beherrscht, ruhig den Hebel hält, der jedem leisen Drucke seiner Hand gehorcht, wacht, horcht, und schweigend die bewegende Kraft vermehrt." Wir haben diesen Bemerkungen nichts hinzuzufügen; sie entsprechen durchaus jener ruhigene selbstgewissen Stimmung, mit der wir auf die lärmenden russisch-französischen Verbrüderungsfeste herabsehen.
Tagesschau.
Berlin, 26. August. Die Genesung Sr. Majestät des Kaisers und Königs schreitet in erfreulicher Weise fort. In den letzten Tagen haben tägliche Ausfahrten stattgefunden; die Kräfte nehmen zu; die Geschäfte werden ungestört erledigt.
Berlin, 26. August. Se. Majestät der Kaiser und König nahmen gestern aus Schloß Babelsberg militärische Meldungen, sowie demnächst die Verträge des Kriegsministers und des Chefs des Militärkabi- nets entgegen. Heute Vormittag von 9l/z bis 11 Uhr wohnten Se. Majestät der Kaiser, wie der „R. u. St A." meldet, dem Exerzieren der Garde Kavallerie Division auf dem Bornstedter Felde bei.
Berlin, 26. August. Der Kaiserlich russische Botschafter am hiesigen Allerhöchsten Hose, Graf Schuwalow, hat einen ihm von seiner Regierung bewilligten Urlaub angetreten. Während der Abwesenheit desiel- ben von Berlin fungirt der Bolschastsrath Graf Murawiew als interimistischer Geschäftsträger.
Die der wissenschaftlichen Expedition und Station in der Reichskolonie Kamnun zugetheilten Mitglieder, Lieutenant Tappenbeck, der Zoolog Dr. Weißenborn und der Botaniker Braun werden sich Donnerstag, den 25. d. M., von Berlin nach Hamburg begeben und mit dem nächsten, am Mittwoch, 31. d. M., abgehenden Dampfer der Woermann-Linie nach