Erste« Dia«.
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Die kgespaltene Petitzeile oder deren Raum 20 Pfg. im ReklameteU die Zeile 50 Pfg.
Rotationsdruck und Verlag der Vuchdruckerei des
General-Anzeiger
Amtliches Organ für §tM- und Landkreis Sanaa.
verein, ev. Waisenhauses in Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Bezugspreis:
Vierteljährlich 1.80 Mk., monatlich 60 Pfg., für Postbezug vierteljährlich 2.10 Mk., monatlich 70 PfK Die einzelne Nummer kostet 5 Pfg.
Verantwort!. Redakteur: E. Schrecker in Hanau.
Nr. 74 kf-rnspr-chankchlub Nr. 230. Mittwoch den 27. März KernsprechanschluK Nr. 230. 1912
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14 Seite«.
Amtllchrs.
Um die Kenntnis der zur Errettung Ertrinkender und zur Wiederbelebung anscheinend Ertrunkener geeigneten Maßregeln in Ncöglichst weiten Kreisen zu verbreiten, läßt der Deutsche Samariterverein in Kiel Vlechtafeln mit entsprechenden Anweisungen herstellen.
An Königliche Behörden werden die Tafeln kostenlos unter der Voraussetzung abgegeben, daß mitgeteilt wird, für welche Orte oder Stellen sie bestimmt sind und daß nur die unbedingt nötige Anzahl von Tafeln bestellt wird. An Private werden die Tafeln gegen Erstattung des Selbstkostenpreises geliefert.
Anträge auf unentgeltliche Ueberweisung solcher Tafeln, die sich auf die Fälle eines wirklichen Bedürfnisses zu beschränken haben, sind an den Königlichen Polizeipräsidenten hier, die Königlichen Polizeidirektoren in Hanau und Fulda und an die Landräte des Bezirks zu richten. (A II 1859).
Cassel am 7 März 1912. V 1748
Der Regierungspräsident.
I. V.: v. Wussow. ■ v
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Stadtkreis Ranau.
Bekanntmachung.
Die Firma Kreis & Cie., Gewürzfabrik, Hanau, beabsichtigt auf ihrem Grundstück Karte F Parzelle 146/56 Nordstraße 84, Veränderungen an ihrem am Mühlgraben, Karte F Parzelle 52, belegenen Triebwerke vorzunehmen.
Sie beantragt die Erteilung der Genehmigung zum Einbau eines neuen Wasserrades anstelle eines abgängigen Rades.
Es ergeht hiermit an die Berechtigten die Aufforderung, etwaige Einwendungen binnen 14 Tagen bei der unterzeichneten Behörde schriftlich in zwei Exemplaren oder zu Protokoll anzubringen.
Nach Ablauf der Frist können Einwendungen in dem Verfahren nicht mehr angebracht werden.
Die Beschreibungen, Zeichnungen und Pläne liegen zur Einsicht auf dem Rathause, Zimmer 14, offen.
Termin zur mündlichen Erörterung der rechtzeitig erhobenen Einwendungen vor dem Kommissar des Stadt- ausschusses Herrn Bürgermeister Hild wird auf
Wanken über SB« Willes Vertrag „Die Menschheit als Leganismus".
Don Dr. C. August Emge, Hanau.
Die Grundgedanken von Wille waren folgende:
1. Von dem Weltall, der Welt, der Menschheit herab bis zu der kleinsten Zelle und ihren Plastidulen finden wir überall Organismen vor, die aus Individuen bestehen.
2. Insbesondere bildet das Geistesleben der Menschheit einen solchen Organismus, in dem die Leistungen aller Menschen enthalten sind.
3. Der Organismus der Menschheit ist in Entwicklung nach oben, nach einem höheren Ziele mit beßerer und vollkommenerer Form begriffen.
4. Nur die Erkenntnis der Einheit, das indische Tat tvam äsi ist die geeignete Grundlage aller Religionen und Ethiken und führt zur Ueberwindung des Egoismus.
Wille vereinigt in obigem vier verschiedene wichtige Weltanschauungen, die wir in folgendem näher untersuchen wollen.
1. Wille hätte zunächst einiges über den Begriff des Organismus sagen müßen. Wir besitzen noch keine endgültige philosophische Formulierung dieses Begriffs. (Wundt und Ostwald haben sie zuletzt versucht, ohne viel über die des Aristoteles und Kant hinausgekommen zu sein.) Jedoch herrscht Einheitlichkeit der Ansichten darin, daß man unter einem Organismus ein Naturganzes versteht, in dem sämtliche Teile sich wechselseitig zueinander wie Mittel und Zweck verhalten, also innerlich zusammenhängend sind und einen einheitlichen Prozeß vermitteln. Der Organismus stellt ein System von Kräften dar, das durch die in der Zelle angelegte Form spontan (d. h. von innen heraus) und zweckvoll ausgestaltet wird, um das gesteckte Ziel zu erreichen. Der Organismus hat also die Bedingungen seines Wesens in sich; feine Form, seine Grenze wird durch die angeborenen Formkräfte sowohl räumlich als zeitlich bestimmt. Die Organismen bilden kine Stufenfolge von der Pflanze niedrigster Art bis zum Men
Donnerstag den 11. April 1912, vormittags 10 Uhr, im unteren Sitzungssaals des Rathauses anberaumt.
Im Falle des Ausbleibens des Unternehmers oder der Widersprechenden wird gleichwohl mit der Erörterung der Einwendungen vorgegangen.
Hanau den 26. März 1912. 8003
Der Vorsitzende des Stadtausschuffes.
Dr. Gebe schus.
Gefundene und verlorene Gegenstände re.
Eefundep: 1 Portemonnaie mit 18 Pfg^ 1 Damenportemonnaie mit 1,03 Mk., 1 runder Mülleimer.
Stehen geblieben bei A. Rieß, Nürnbergerstraße 37: 1 Damenschirm. Empfangnahme daselbst.
Verloren: 1 goldene Damenuhr mit Kette, 1 schwarze Sammettasche mit Hausschlüssel, 1 silbernes Kollier mit Anhänger mit Photographie.
Hanau den 27. März 1912.
Jugendpflege in Preußen.
Dem preußischen Abgeordnetenhause ist vom Kultusminister eine Denkschrift über die Jugendpflege in Preußen übersandt worden, die eine umfaßende Uebersicht über die vom Minister gegebenen Anregungen und die in den einzelnen Regierungsbezirken geschaffenen Einrichtungen gibt. Aufgabe der Jugendpflege ist, so wird in der Denkschrift ausgeführt, die Mitarbeit an der Heranbildung einer frohen, körperlich leistungsfähigen, sittlich tüchtigen, von Gemeinsinn m»d Gottesfurcht, Heimat- und Vaterlandsliebe erfüllten Jugend. Sie will die Erziehungstätigkeit der Eltern, der Schule und Kirche, der Dienst- und Lehrherren unterstützen, ergänzen und weiterführen. Diese Faßung des Zieles sowie die im Ministerialerlaß vom 18. Januar 1911 und seiner Anlage enthaltenen Grundsätze, Vorschläge und Fingerzeige zur Erreichung des Zieles, sind auch in sachverständigen Kreisen mit Zustimmung unb Anerkennung ausgenommen worden. Der Ruf zur Sammlung der bisher nebeneinander oder gar gegeneinander arbeitenden Jugendvereine hat in vielen Stadt- und Landgemeinden lebhaften Widerhall gefunden.
Durch das Zusammenwirken von staatlichen und Gemeinde- behörden, von Geistlichen und kirchlichen Behörden, von vaterländisch gesinnten Vereinen aller Art und von Privatpersonen der verschiedensten Stände sind in den einzelnen Regierungsbezirken zahlreiche Jugendpflegeorganisationen in Form von Kreis- und Ortsausschüßen entstanden. Die Ausschüsse haben in der kurzen Zeit ihres Bestehens zumeist schon eine erfreuliche Tätigkeit begonnen. Vor allen Dingen sind die neuen Jugendpflegeausschüsse zusammen mit den Organen der staatlichen Behörden
schen, die der Lebewesen zum Unterschied von der toten, unorgw nischen Natur. — Wenn wir den Begriff Organismus auf die Welt und das Weltall erstrecken, also auch die ganze unorganische Natur mit einbeziehen wollen, so kann dies nur geschehen durch eine Vergewaltigung des Begriffs, der seine Hauptbedeutung ja im Gegensatz zu dem Anorganischen besitzt. Was nun seine Anwendung auf die Gesamtheit der Menschheit anbetrifft, so würde dies wie bei einer Anwendung auf die Gesamtheit der Flora und Fauna voraussetzen, daß unsere Erfahrung zum Abschluß gekommen wäre. Wir müßten, wie gegenüber den gewöhnlichen Organismen, so auch hier einen Standpunkt haben, der es uns ermöglichte, die Totalentwicklung eines solchen Organismus bis zu seinem Ende zu beobachten. Da dies uns als seinen Teilen unmöglich ist, ist die Anwendung des Begriffes Organismus auf die Menschheit abzulehnen. Aber selbst mit der Zusttmmung zu Willes Anwendung des Begriffs Organismus wäre diesem noch nicht genügt, er verlangt mehr-, Wille sieht die Menschheit, die Welt, das Weltall als Organismen an, die ein leitendes Bewußtsein besitzen. Er zieht den uralten Analogieschluß von sich auf die Welt (den sämtliche Religionen in ihrer mythologischen Zeit gezogen haben), indem er den Kräften und Erscheinungen der Natur in ihrer Gesamtheit die individuelle und konkret gestaltete Persönlichkeit des eigenen Ich zuschreibt. Er vollzieht eine Personifikation der Naturerscheinungen in ihrer Gesamtheit, vielleicht in der philosophischen Form des Materio-Spiritualismus oder des Spiritualismus auf realistischer Grundlage. Wille befindet sich hierbei bereits weit über den Grenzen der menschlichen Erfahrung, mitten in der religiösen und philosophischen Spekulation. Einen Beweis oder Gegenbeweis für diese Behauptungen zu verlangen, hat keinen Sinn; sie gehören dem Gebiete des Glaubens an.
2. Mit obiger Anschauung verquickt Wille nun eine andere, die das menschliche Geistesleben als geschloßen und einheitlich ansieht und dem Einzelmenschen seinen Anteil an ihm zuschreibt. Wie wir sahen, durfte die Menschheit nicht als Organismus auf- gefaßt werden. Ein anderer, uns geläufiger Begriff aber ge
bestrebt gewesen, weitere Kreise mit den in dem erwähnten Ministerialerlaß ausgesprochenen Grundsätzen und Ratschlägen be- kannt zu machen, etwaiges Mißtrauen gegen die vorgeschlagenen Maßnahmen zu beseitigen, in der Bevölkerung Verständnis und Teilnahme für das Werk der Jugendpflege zu mehren und ein« aus idealen Beweggründen hervorgehende, umfassendere praktische Betätigung auf diesem Gebiete einzuleiten.
Das Ergebnis der bisherigen Arbett für die Jugendpflege faßt die Denkschrift in folgenden Ausführungen zusammen: Sehr großer Wert wird von allen Sachverständigen mit Recht aus die Errichtung von Jugendheimen, Jugendlesehallen und Turnhallen gelegt, da diese Räume die Jugendpflege vom Gasthaus und von der Witterung unabhängig machen und eine große Anziehungskraft auf die Jugendlichen ausüben. Auch in dieser Beziehung sind im vergangenen Jahre Fortschritte zu verzeichnen. Es wird beabsichtigt, diese Gründungen in Zukunft nach Möglichkett auch durch Zuwendungen staatlicher Mtttel in erhöhtem Maße zu unterstützen.
Die segensreichen Wirkungen der vom Staat geförderten Maßnahmen können bei der Eigenart der Aufgabe naturgemäß erst nach Jahren geduldiger, unermüdlicher Arbett voll in Erscheinung treten. Aber auch schon jetzt hat das vereinte Vorgehen von staatlichen, kommunalen und ttrchlichen Behörden, von Vereinen aller Art und von Privatpersonen einen merklichen Fortgang in der Entwicklung der Jugendpflegearbett zur Folge gehabt. Viele von den vorhandenen vaterländischen Jugendvereinigungen der verschiedenen Richtungen haben durch die ihnen gewährte Unterstützung sich weiter ausbauen, ihre Mittel zur erziehlichen Beeinflußung der Jugend verbessern und vermehren, ihren Wttkungskreis erweitern können. Wo ein Bedürfnis dazu vorlag, sind auch neue Vereine entstanden, die einen Teil der bisher noch nicht versorgten Jünglinge heranzuziehen suchten. Auf diese Werse ist in der kurzen Zeit vom 1. April bis 1. Dezember 1911, also in 8 Monaten, auch bezüglich der Zahl der von der Jugendpflege erfaßten jungen Männer ein Fortschritt erreicht. In 27 Regierungsbezirken, über die das Ergebnis bis Mitte Februar festgestellt werden konnte, waren am 31. März 1911 zusammen 469 937 aus der Schule entlassene männliche Jugendliche in Pflege. Diese Zahl ist in den betreffenden 27 Bezirken in der angegebenen Zeit auf 560 489 Personen, also um 90 552, d. h. um etwas über 19 Proz. gestiegen.
Diese erfreulichen Anfänge sind an sich durchaus beachtenswert. Sie berechtigen aber nur dann zu der Hoffnung auf ein stetes, gedeihliches Fortschreiten des der Wohlfahtt unserer Jugend gewidmeten Werkes, wenn ihm die Opferwilligkett, die selbstlose Hingabe und Treue aller beteiligten Personen und Körperschaften auch weiterhin erhalten bleibt, und wenn auch bisher noch fernstehende Kreise ihm mehr und mehr ihre ein- mütige, förderliche Teilnahme zuwenden.
stattet uns, das Geistesleben einheitlich aufzufaßen; es ist der der Kultur. Der menschliche Geist erzeugt unzählige Gebilde, die eine gewiße Selbständigkeit gewinnen, einmal gegenüber dem erzeugenden Geist, dann auch gegenüber jedem anderen, der mit ihnen in Berührung kommt, sie aufnimmt oder ablehnt. Wir kennen diese selbständige Geistesgebilde, nennen sie z. B. Kunst, Recht, Religion, Wißenschaft, Sitte. Man hat diese Gebilde den Objett gewordenen Geist genannt. Sie find es, die unbeweglich und zeitlos, gleichsam triftanifiert dem lebendigen Geist entgegentreten, nicht etwa harmonisch miteinander verbunden, so daß das Individuum ihnen nur seine Seele zu öffnen brauchte, sondern vielmehr jnit dem Widerstreit des gesamten Denkens der Menschheit behaftet. Diesen Gebilden tritt nun der Einzelne gegenüber, dem als Organismus — nach unserer obigen Definition — auch die spätere geistige Form mit innerlicher Notwendigkett vorgeschrieben ist. Diese spätere Form erreicht der individuelle Geist nur durch ein Aufnehmen des objektiven Geistes. So bildet die Synthese der subjektiven Seelenentwicklung und der objektiven geistigen Gebilde das, was wir mit Kultur bezeichnen. Wir werden Wille Recht geben, wenn er dem Jndividualgeist eine Wirkung auf das Eesamtgeistesleben zugesteht, kommen jedoch zu einer wichtigen Einschränkung. Das objeüive, fettige Geistesleben hat seine eigene Logik und Gesetze, die unbekümmert um die Forderungen des Individuums ihre Anerkennung verlangen. Da es außerdem in einer Massenhaftigkeit auftritt, die das Individuum nicht bewältigen kann, so ergibt sich eine tragische Situation, deren Lösung außerordentlich schwierig ist. Nur insofern letzteres lingt und die Jndividualseele durch die entfaltete Vielheit u Massigkeit des objektiven Geisteslebens zu ihrer selbst gela'igr. wird es für die Einzelseele möglich sein, ihrerseits o 1 geistige Gebilde zu schaffen, die ihrem Urheber dann eine Ewigkeit sichern.
„So löst sich jene große Frage Nach unsrem zweiten Vaterland, Denn das beständige der ird'schen Tage, PerbiirLlt uns ewigen Bestand! (Goethes