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Religiöses Wochenblatt für die katholischen Gemeinden Kassels

wochenkaknder.

Sonntag, 15. Jan. 2. nach Epiphanie. Paulus, Eins., Maurus, Abt.

Montag, 16. Jan. Marcllinus, P. u. M.

Dienstag, 17. Jan. Antonius, Abt.

Mittwoch, 18. Jan. Petri Stuhlfeier zu Rom, PriSca» Jun^fr u. M.

Donnerstag, 19. Jan. Kanut, Kg. u. M , Marius und Martha, Eheleute u. M.

Freitag, 20. Jan. Fabian und Sebastian, M.

Samstag, 21. Jan, Agnes, Jgfr, u. M.

Letter Sonntag nach Epiphanie.

(Evangel. Joh. 2, 1-12.)

In jener Zeit ward eine Hochzeit gehalten zu Cana in Galiläa: und die Mutter Jesu war dabei. Auch Jesus und seine Jünger waren zur Hochzeit geladen, lind als cs an Weine gebrach, sagte die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein. Jesus aber sprach zu ihr: Weib, was habe ich mit dir zu schaffen? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Da sagte seine Mutter zu den Dienern: Was er euch sagt, das tuet. Es standen aber daselbst sechs steinerne Wasserkrüge zu den bei den Juden üblichen Reinigungen, wovon ein jeder zwei bis drei Man hielt. Jesus sprach zu ihnen: Füllet die Krüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis oben Und Jesus sprach zu ihnen: Schöpfet nun, und bringet cs de n Speisemeister! Und sie brachten'» ihm. Als aber der Speisemeister das Wasser kostete, welches zu Wein geworden war, und nicht wußte, woher das wäre (die Diener, welche das Wasser geschöpft hatten, wußten cs\ rief der Speisemeister den Bräutigam und sprach zu ihm: Jedermann setzt zuerst den guten Wein auf, und dann, wenn sie genug getrunken haben, den gerindeten: du aber hast den guten Wein bis jetzt auf- bewahrt. Diesen Anfang der Wunder machte Jesuszu Cana in Galiläa: und er offenbarte seine Herrlichkeit, und seine Jünger glaubten an ihn.

Der Wem von Rana.

ine umständliche Sache ist die Be­reitung und Behandluug des Weines. Davon wissen die Bauern, die Win­zer und die Wirte zu erzählen. Zu­erst muß der Weinstock g-Pflunzt. w pflegt und herangezogen werden. Mancher Wagen voll Dünger mug hinausgefühn und mancher Korb voll Mist mühsam auf dem Rücken den steilen Hang hinaufgetragen werden. Es muß der Boden umgestochen und gejätet werden. Die 2 'ueige müssen beschnitten und angebunden, die uberflusstgcn Ranken ausgebrochen werden. Endlich wird Die reife Frucht geerntet und der köstliche Saft in Fässer getan.

Ganz anders ist es mit dem Wein von Kana- Mit spielender Leichtigkeit wurde er gewonnen. Da orauchte es kein Pflanzen, kein Düngen, kein Vressen.

Ein Wort aus dem Munde des Heilandes, eine Be­wegung seiner Hände, ein Akt seines Willens war alles. Und mit welcher Schnelligkeit wurde dieser Wein hervorgezaubert. Er brauchte nicht die Ent- Wicklung vieler Tage und Monate. Im Augenblick, im Handumdrehen stand dieses köstliche Naß trink- fertig da. Und was für ein Wein, der an Güte seines Gleichen suchte. Selbst der verwöhnte Gaumen des Speisemeisters mußte ihm ein Lob spenden.

Siehst du nun die Wunder der göttlichen A8- macht? Siehst du den siarkm Arm des Meisters? Siehst du die Beweise feiner Gottheil ? Siehst du die Offenbarung seiner Herrlichkeit?" Und dies war die schönste Frucht und die oberste Absicht dieses Wunders: der Glaube an Jesus Christus, seine göttliche Würde und Sendung.

Es ist etwas Großes und Staunenswertes um dieses Wunder. So still und geräuschlos es sich zu­getragen hat, so laut und gewaltig redet seine Sprache: pures Wasser wird vorzüglicher Wein: da ist der Geschmack des Weines, der Geruch des Weines, die Wirkung des Weines und dabei das Aussehen des Wassers. Das Wasser ist zu Wein geworden, hat seine Wesenheit völlig verändert, seine Gestalt aber, seine vorige Farbe erhalten und bewahrt, so daß der Wein sich äußerlich vom Wasser in nichts unterschied. Das Wesen des Wassers ist aufgehoben und in das Wesen des Weines verwandelt worden, wie wenn gewöhnliches Messing in Pures Gold, ge­wöhnliches Glas in echte Perlen verwandelt würde.

An vielen Stellen entrollt uns die hl. Schrift Bilder der göttlichen Allmacht. Als das leere Nichts hineinstarrte in den Abgrund, da sprach Gott sein mächtiges rfi a t es werde und aus seinen gewaltigen Händen rollten die feurigen Riesenkugeln hinaus in die Räume: die Sonne, die Sterne, die Planeten durchmessen die Bahnen, die der Schöpfer ihnen gesteckt; die Berge reckten ihre mächtigen Schultern, und durch die Täler schossen muntere Bäche; in ungeheuren Gründen wogte das gefesselte Meer; die Erde kleidete sich in frisches Grün, und es wuchsen Kräuter und Bäume ohne Zahl. In der Luft tummelten sich die Vögel mit munterem Sang, und auf den Pfaden des Meeres wandelten stumm die Fische. Elephanten und Pferde, Löwen und Tiger, Schafe und Rinder, Schlangen und Würmer, wilde und zahme, kleine und große Tiere bevölkerten die Erde, und als König und Priester der Schöpfung schritt dec Mensch durch die Hallen des Paradieses

Herr, unser Gott, wie wunderbar ist dein Name ringsum auf der ganzen Erde, und deine Herrlich­keit reicht hinauf bis an den Himmel". (Ps. 8.)

Mehr wie ein anderes Land hat Aegypten die Allmacht Gottes zu spüren bekommen. Um den König Pharao mürbe zu machen, daß er das Volk Israel fortziehen lasse aus der entsetzlichen Sklaverei, ließ der Herr zehn Plagen über das verstockte Land kommen. Alles Wasser der Flüsse verwandelte sich in Blut; Frösche verheerten Felder und Wiesen; eine

ungeheure Anzahl beißenden und stechenden Unge­ziefers belästigte Menschen und Vieh; entsetzliche Donner und Hagelschauer brausten dahm; eine all­gemeine Viehseuche leerte die Ställe; schmerzliche Geschwüre plagten Menschen und Tèere; ganze Wolken von Heuschrecken verdunkelten die Sonne; eine ungeheure Finsternis erschreckte das ganze Land ; und als des Königs HalsstarngkeÄ immer noch nicht gebrochen war, tötete ein Würgengel alle Erst­geburt der Aegypier. Endlich ließ Pharao das Volk ziehen. Bald aber reute ihn die Nachgiebigkeit und er jagte mit einem großen Heer den Israeliten nach. Moses streckte die Hand aus und die Juden gingen trockenen Fußes durch das Note Meer; als auch die Aegypter ihnen nachfolgten, schlugen die Wogen zusammen und breiteten über sie das nasse Leichentuch.

In dichterischem Schwung preist Job die gött­liche Allmacht mit den Worten:Wer widersetzt sich dem Allmächtigen und bewahrt dennoch Frieden in seiner Seele? Er versetzt die Berge und vernichtet in seinem Grimme die Gottlosen; Ec rüttelte die Erde von ihrem Orte, und ihre Säulen erbeben. Er gebeut der Sonne, und sie geht nicht auf, und er schließt unter Siegel die Sterne. Er breitet den Himmel allein aus und schreitet dahin über die Wellen des Meeres. Er macht denWagen", den Orion", dasSiebengestirn" und die verborgenen Sterne des Südens. Er tut Großes und Unbe­greifliches und Wunderbares ohne Zahl." (Job 9, 4.)

Als das jüdische Volk in großer Gefahr schwebte und sein Untergang schon eine ausgemachte Sache war, da nahm der fromme Mardochäus seine Zu­flucht zur göttlichen Allmacht und betete' also: Herr, allmächtiger König! In deine Gewalt ist alles gelegt und es ist niemand, der deinem Willen widerstehen kann, wenn du Israel zu erlösen be­schlossen hast. Du hast Himmel und Erde gemacht und was in des Himmels Umkreis enthalten ist. Du bist der Herr von allem, und es ist keiner, der deiner Herrlichkeit widersteht. Und nun, Herr, König, Gott Israels, erbarme dich deines Volkes; weil unsere Feinde uns verderben und dein Erbs vertilgen wollen. Verstoße nicht dein Erbteil, das du dir errettet hast aus' Aegypten. Erhöre mein Gebet und sei gnädig deinem Volke und wandle unsre Traurigkeit in Freude, daß wir jun Leben bleiben und deinen Namen preisen*. So hat der Wein von Kana uns die göttliche Allmacht gelehrt. Nimm öfters einen Schluck dieses Weines, überdenke die göttliche Allmacht, nimm vertrauen.voll in jeder Not zu ihr int Gebete die Zuflucht und diene bereit­willig uud freiwillig dem allmächtigen Gott. Wenn du ihm dienst, sagt der hl. Bernhard, wnd er dich retten, wenn du ihm aber widerstehst, wird er dich verdamm".

Der-Burgpfarrer.