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Religiöses Wochenblatt für die katholischen Gemeinden Kassels.
Erscheint jeden Sonntag u. kostet vlerteljährl. Ausg. A 5.50 Mk., 3 S.— Mk. Redaktionsschluß Montag. Anzeigen die einspaltige Kolonelzeile oder deren Raum 80 Pfg. Bei Wiederholung entsprechenderâbatt. Für Offert- und Auskunft-Anzeigen 30 Pfg. extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda sein. Größere Anzeigen erbitten wir uns entsprechend früher.
. . I I Druck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei. ■- —
wochenkKlender.
^nrtag, 7. Mai. 3. Sonntag nach Ostern. Ged. d. hl. Stanislaus u.d. Oktav d. hl. Joseph. Schl. d. österl.Zeit, iontag, 8. Mai. Erscheinung d. HI. Erzengels Michael. Gedächtnis dec Oktav des hl. Joseph.
ânstag, 9. Mai. Hl. Gregor von Nazianz, Bisch, u. Kchl Gedächtnis des hl. Joseph.
Hittwoch, 10. Mai. Oktavtag d. hl. Joseph. Ged. d. hl Antonin, Bisch. u.Bek. u. d. hll. Gordian u. Epimachus,M
Donnerstag, 11. Mai. Vom Tage. (Gangolphus.) Messe üom Sonntag.
rcitag, 12. Mai. Hll. Nereus, Achilleus, Domitilla u. Pankratius, M.
-amstag, 13. Mai. Von der Mutter Gottes. (Servatius.B.)
Dritter Sonntag nach Wern.
lEv. Joh. 16, 16—22.)
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: wch eine kleine Meile, so werdet ihr mich nicht mehr chen: und wieder eine kleine Weile, so werdet ihr «ich wieder sehen; denn ich gehe zum Vater. Da irachen einige von seinen Jüngern unter einander: las ist das, daß er zu uns sagt: Noch eine kleine eile, so werdet ihr mich nicht mehr sehen: und wieder ne kleine Weile, so werdet ihr mich wieder sehen, nd: Denn ich gehe zum Vater? Sie sprachen also: las ist das, daß er spricht: Noch eine Heine Weile? ir wissen nicht, was er redet. Jesus aber wußte, daß e ihn fragen wollten, und sprach zu ihnen: Ihr frage! nter euch darüber, daß ich gesagt habe: Noch eine eine Weile, so werdet ihr mich nicht mehr sehen: unb ueber eine kleine Weile, so werdet ihr mich wieder hen. Wahrlich, wahrlich, sag' ich euch, ihr werdet einen und weheklagen: aber die Welt wird sich freuen, hr werdet traurig sein: aber eure Traurigkeit wird i Freude verwandelt werden. Das Weib, wenn es wärt, ist traurig, weil ihre Stunde gekommen ist: enn sie aber das Kind geboren hat, so denkt sie nicht «hr an die Angst wegen der Freude, daß ein Mensch rr Welt geboren worden ist. Auch ihr habet jetzt zwar rauer, aber ich werde euch wieder sehen, und eure reude wird niemand von euch nehmen.
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^” Die Sonne für alle. -^
Sturm hat einmal mit der Sonne kine Wette eingegangen. Wer einen Wanderer dazu bringen würde, fernen Mantel abzulegen, sollte t&Nj^ gewonnen haben. Zuerst versuchte der Sturm seine Kraft. Aus Leibes- aften blies ec auf den Waüdersnrann los. Doch ehe, je ärger er tobte, desto enger zog der Wanderer 'N ichuyenden Mantel um sich. Nun kam die Sonne i die Reihe. Sie ließ ihre betreffen Strahlen um 's Gesicht und den Körper des Wanderers 'ipielen. nd siehe, mehr und mehr lockerte dieser seinen èantel, bis er ihn schließlich ganz auszo n — —
Merkst du die Lehre, die unter dem Buchstaben ejer Erzäistung verborgen ist? Der Wandersmann ist du selbst und ich und wir alle, die ivir den
Mantel unserer Sünden, Verirrungen und Fehler mit uns Herumschleppen. Der Wind, der auf uns einbläst, ist die göttliche Gerechtigkeit, die uns droht mit entsetzlichen Strafen. Die Sonne aber ist die göttliche Barmherzigkeit, die auf ein edles Gemüt einen größeren Eindruck macht als die bittere Wahrheit von* Gottes unerbittlicher Gerechtigkeit. In diese Sonne wollen wir heute schauen. —
Sie ist eine Sonne für alle. Du erinnerst dich an das Wort des göttlichen Heilandes von seinem himmlischen Vater, der seine Sonn? aufgehen läßt über Gute und Böse. Diese Sonne ist nicht blos die natürliche Sonne, die ihr Licht und ihre Wärme unterschiedlos Christen und Heiden, Keuschen und Lüstlingen, Nüchternen und Zechern, Ehrlichen und Betrügern, Freigebigen und Geizhälsen spendet. Unter dieser Sonne verstehe ich auch die göttliche Güte und Barmherzigkeit, die unterschiedlos aus alle sich erstreckt. „Herr", so betet der PsulmiN (Ps. 35,7) „bis zum Himmel reicht deine Bannher- zigkeit; Menschen und Tieren bist du gewogen; denn groß ist deine Barmherzigkeit, o Gott". Erstreckt sich also die göttliche Barmherzigkeit auch auf die Tiere? Ja, aber auf solche, die'ihrer Gestalt nach Menschen sind, ihrem Treiben nach aber Tiere, Menschen, die dem Psalmisten die Klage entlocken: „Der Mensch, als er in Ehren war, hat es nicht bedacht: Den unvernünftigen Tieren hat er sich gleichgestellt und ist ihnen ähnlich geworden". —
Zu einem solchen Tier war der König David herabgesunken, als er seinen Leidenschaften die Zügel schießen ließ. All seine Gottesfurcht, all feine Frömmigkeit, all sein Pflichtbewußtsein hat er plötzlich vergessen und sich au der Frau eines andern vergriffen, und mit Behtsabee einen schändlichen Ehebruch begangen. Und nicht bloß über die Ehre e ner Frau, sondern auch über did Leiche ihres Mannes ist David kalten Fußes weggeschritten: „Stellt den Urias an den Ort wo die tapfersten Feinde stehen und verlasset ihn, damit er umkomme", so lautet der Blutbefehl, den der unglückli he. Urias in seiner eigenen Tasche dem Feldherrn überbrachte. Der Befehl wurde ausgeführt, und David hatte zum Ehebruch einen Mord auf seine Seele geladen.
Hatte nicht ein Mann von solchem Rang und solchem Stande, nachdem er so entsetzlich tief gefallen und dem Volk ein so schlechtes Beispiel gegeben hatte, allen Anspruch.auf Verzeihung verwirkt? Siehe, da war es nun die Sonne der göttlichen Barmher- zigkrtt,die ihre Strahlen spielen ließ, die mit ihrem Lichte den königlichen Sünder zum Verstände und mit ihrer Wärme zur Reue brachte.
Mit mütterlicher Zärtlichkeit und Schonung ist Gott dabei zu Werke gegangen. Er bediente sich des Propheten Nathan, dem er folgende Worte in den Mund legte: „Es waren zwei Männer in einer Stadt; der eine war reich, der andere arm Der Reiche hatte Schafe und Rinder im Ucberfluß, der Arme aber nur ein einziges Schäfchen, das er
gekauft und erzogen, das bei ihm auswuchs, von seinem Brote aß und aus seinem Becher trank. Als nun ein Wanderer zum Reichen kam, trug dieser Bedenken, auch nur ein einziges ^Schäfchen von seiner Herde zu nehmen, um dem Fremdling ein Mahl zu bereiten, sondern er raubte dem Armen sein einziges Schaf, schlachtete es und ließ es zubereiten für seinen Besuch."
Dieses Gleichnis trug Nathan mit Freimut dem Könige vor. Da ergrimmte dessen Zorn über den reichen Räuber, und er sprach: „So wahr der Herr lebt, der Mann, der solches getan, ist ein Kind des Todes, und das Schaf soll er vierfach e ■ ." Jetzt war der Augenblick gekommen, de,. chudenden Schlag zu führen, um des Königs Herz mit dem Hammer der Buße zu zermalmen: „Der Mann bist du", sprach Nathan; Den Urias hast du erschlagen und seine Frau dir zum Weibe genommen". — Dieses Wort des Propheten drang wie ein Schwert in des Königs Seele, und in tiefster Beschämung rief er ans: „Ich habe gesündigt wider den Herrn". Da verkündigte ihm Nathan die frohe Botschaft der göttlichen Barmherzigkeit: „Der Herr hat deine Sünde von dir genommen". —
David bat auch zum Dank für diese Gnade der göttlichen Barmherzegkeit ein Denkmal gesetzt, das in die Jahrtansende Hineinraat wie eine goldene Säule: es ist der Psalm 50, der schon manches Sünderherz zu Tränen gerührt ha^. —
Aber vielleicht wirst du sagen: ich weiß mich frei von solchen Verbrechen, die David auf sich geladen. Ehebrnch und Mord sind mir unbekannt; anch habe ich weder gestohlen noch betrogen; was habe also ich der göttlichen Barmherzigkeit zu verdanken?--- O Mensch, das ist die Sprache des Hochmutes, dies Sprach; der Verblendung. Bist btt besser als der Apostel Paulus, der da schreibt: Gott ist in die Welt gekommen, um die Sünder selig zu machen, bereit ärgster ich bin? Bist du besser als der hl. Ordensstifter Franziskus, der gesagt hat, daß er bc' größte unter allen Sündern wäre? Gefragt wif das möglich sei, gab Franziskus zur Antwort - „Wenn die Gnade Gottes nicht gewesen wäre, st hätte ich größere Verbrechen auf mich geladen, als alle Sünder zusammen". .....
Ja, auch die Gerechten brauchen die göttlich« Barmherzigkeit. Einmal ist keiner so heilig, das: er Gott nicht beleidigt hatte, daß ihm Golt^nichtt zu verzeihen hätte. Zum zweiten Haft du es Got zu verdanken, wenn du von groben Berirrunger frei geblieben bist. Gottes Barmherzigkeit ist du nicht nachgefolgt, sondern sogar vorausgegangen Ist es nicht ein größeres Glück, gesund zu bleiben, als erst nach langer, schmerzlicher Krautheit nnu^ii geheilt zu werden? Ja, wir haben allen Grundy der Barmherzigkeit Gottes zu bansen und in bh Worte des Psalmisten einzustimmen: „Danket dem Herrn, denn er ist gut, und seine Barmherzigkeit, währet ewig.^ - _ ^ Der Bttrapsarrer.^ U