Ausgabe B
Kassel, den 12. augaft (925.
6t. NWeth-Alltt
Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels.
Erscheint jeden Sonntag und kostet monattich Ausgabe A 2700 Mk., B 5000 Mk. Redaktionsschluß Montag Anzeigen die einsp. Kolonelzeile oder deren Raum 1450 Mk. Reklame-Zeile 4350 Mk. Bei Wiederholung Rabatt Offert- und Auskunft-Anzeigen SSSMk. extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda sein. Größere Anzeigen erbitten wir uns entsprechend früher.
Druck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei
Wschenkalender.
Ls urtag, 12. Aug. Zwölfter Sonntag nach Pfingsten. Klara, Jungfrau.
Montag, 13. Aug. Hippolytus und Kassianus, Mart.
Dienstag, 14. Aug. Kirchweihtag deS Domes zu Fulda.
Vigil von Mariä Himmelfahrt (Bigilfasttag).
Mittwoch, 15. Aug. Mariä Himmelfahrt, Würzweihe.
Donnerstag, 16. Aug. Joachim; Rochus, B.
Freitag, 17. Aug. Karlmann, B,; Hyacinthus, B.
tz-amstaa, 18. Aug. Wigbert, B.; Agapitus, Märtyrer.
Zwölfter Sonntag nach Pfingsten.
(Evangel. Luk. 10, 23—38.)
.In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Selig sind die Augen, welche sehen, was ihr sehet I Denn ich sage euch, daß viele Propheten und Könige sehen wollten, was ihr sehet, und haben es nicht gesehen, und hören, was ihr hört, und haben es nicht gehört. Und siehe, ein Gesetzgelehrter trat auf, ihn zu versuchen, und sprach: Meister, was muß ich tun, um das ewige Leben zu erwerben? Er aber sprach zu ihm: Was steht geschrieben im Gesetze? Wie riesest du? Jener antwortete, und sprach: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von deinem ganzen Herzen, von deiner ganzen Seele, aus allen deinen Kräften, und aus deinem ganzen Gemüte, uyd deinen Wädjften wie dich selbst. Da sprach er zu ihm: Du hast recht geantwortet; tu das, so wirst du leben! Jener aber wollte sich als gerecht zeigen, und sprach zu Jesus: Wer ist denn mein Nächster? Da nahm Jesus das Wort und sprach: Es ging ein Mensch von Jerusalem nach Jericho und fiel unter die Räuber. Diese zogen ihn aus, schlugen ihn wund und gingen hinweg, nachdem sie ihn halb tot liegen gelassen hatten. Da fügte es sich, Latz ein Priester denselben Weg hinabzog: und er sah ihn, und ging vorüber. Desgleichen auch ein Levit: er kam an den Ort, sah ihn, und ging vorüber. Ein reisender Samaritan aber kam zu ihm, sah ihn, und ward von Mitleid gerührt. Er trat zu ihm hin, verband seine Wunden, und goß Oel und Wein darein; dann hob er ihn auf sein Lasttier, führte ihn in die Heruerge, und trug Sorge für ihn. Des anderen Tages zog er zwei Denare heraus, gab sie dem Wirte, und sprach: Trage Sorge für ihn, und was du noch darüber aufwendest, will ich dir bezahlen, wenn ich zurückkomme. Welcher nun von diesen Dreien scheint dir der Nächste von dem gewesen zu sein, der unter die Räuber gefallen war? Jener aber Barmherzigkeit an ihm getan hat. Und Jesus sprach zu ihm: Gey hin, und tu desgleichen!
Das entscheidende „wenn
ie Zuchtrute nimmt Gott nur dann in seine gerechte Hand, um sie über unseren Rücken zu schwingen, wenn wir taub sind gegen jede Besserung. In diesem «wenn" liegt die Entscheidung, und diese Entscheidung ruht in deiner Hand.
hu jW' mit welchen Riesenschritten die ^ Verderben entgegentaumelte? Der Prophet Jonas durchzog die Straßen und Plätze und
ries aus und sprach: „Noch vierzig Tage — und Ninive geht unter". —
Als Jonas mit seiner Predigt zu Ende war, setzte er sich an ein ruhiges Plätzchen auf dem Hügel über der Stadt und freute sich auf das zu erwartende grausige Schauspiel. Entweder würde es Feuer vom Himmel regnen oder ein Erdbeben die Häuser niederknicken und die Bewohner darunter begraben, oder ein Feind in die Stadt einrücken, den roten Hahn aus die Dächer stecken und alles, was Menschenantlitz trägt, niedermachen. Doch wer beschreibt sein Staunen, fein Entsetzen und seinen Aerger, als am 40. Tage alles ruhig blieb und kaum ein Hund bellte und das Strafgericht versagte! War nun Jonas ein falscher Prophet? Oder war Gott seinem Worte un-
^^^^^^^^^SH^I
In einem jammervollen, mit m-'W Vrh gesltzM« Wei
liegt in der „Germania" ein Diasporapfarrer seine
Not, die zum Himmel schreit, und er hat damit ungezählten Priestern, die auf dem dornenvolle«
Felde der Diaspora wirken, aus dem Herzen gesprochen: „Möge bald der Lebensunterhalt für die Aermsten der Armen, die Diasporapriesksr, . . . geschaffen werden! Sonst müssen die Priester der Diaspora einfach verhungern. Jetzt schon sind sie im wahren Sinne des Wortes Märtyrer der kathol. Kirche in Deutschland."
Wer helfen kann, sende seine Gabe (für die Monsignore Atzert - Stiftung) an Postscheckkonto 83919 (Studien- rak Dr. Scheller, Fulda, Mutterhaus) beim Postscheckamt Frankfurt a. M.
treu geworden? Nichts von alledem. Jonas war ein wahrer Prophet, und Gottes Treue blieb unverrückt. Wie erklären wir aber das Rätsel, daß Gott der Stadt den Untergang androhte und doch nicht vollzog? Lies nochmal die Ueberschrift und du hast den Schlüssel der Erklärung. Das „wenn" hat die Entscheidung gegeben, die Entscheidung zum Guten. Zwar hat Jonas nicht ausdrücklich gesagt: wenn ihr euch nicht bekehret, kommt die Zerstörung. Aber dieses „wenn" war doch im Sinne Gottes, dieses „wenn" war selbstverständliche Voraussetzung. Wenn Gott die Stadt im Ernst zerstören wollte, wozu dann die Androhung des Untergangs? Gerade diese Drohung beweist augenscheinlich, daß er Gnade und Schonung gewähren wollte für den Fall, daß sie sich bekehrten.
Die Niniviten haben das gewußt. Obwohl ein Heidenvolk, haben sie einen wahren Begriff von der göttlichen Barmherzigkest gehabt. Ä „Wer weiß".
sprachen sie zu einander, „ob nicht Gott seine Drohung zurücknimmt; wir wollen dem Laster und der Genußsucht ein Ende machen und ein gottgefälliges Leben führen in Frömmigkeit, Nüchternheit, Verzeihung und Nächstenliebe." — Vom König bis zum letzten Bettler verlegten sich nun alle einmütig auf das Fasten. Selbst die Hunde, die Kühe, die Pferde, die Kamele und sämtliche Haustiere mußten mitfasten. Sie bekamen kein Futter und wurden nicht zur Tränke geführt. Die Gewänder von Seide und Byssus, die Armspangen und Ohrgehänge und allen Tand und Schmuck legten Männer und Frauen ab und warfen einen Vußsack um die Schultern. Und wie man bei einer Beerdigung den Pferden, die den Leichenwagen ziehen, zum Zeichen der Trauer ein schwarzes Tuch umhängt, so wurden damals selbst dir Haustiere mit Vußgewündern bekleidet. Die Theater, die Spielhöllen, die Schenken, die schlechten Häuser standen leer, und nur die Tempel und Gotteshäuser waren gefüllt mit Büßern, die weinten und zum Himmel um Erbarmen schrieen. Dazu das klägliche Geheul und Gebrüll der Hunde, Kühe und der hungernden Tiere, daß es einen -Stein hätte erbarmen können! Und Gott, der seine Allmacht nicht so sehr im Strafen als vielmehr im Schonen und Verzeihen offenbart, nahm seine Drohung zurück, ließ die Zuchtrute ungebraucht und gewährte großmütig Vergebung.
Der Heiland selbst hat die Stadt Ninive alr Muster aufgestellt. Wehmütig und ergreifend klingen seine Worte an seine Zeitgenossen: „Die Bewohner von Ninive werden aufstehen am Gerichtstag mit diesem ungläubigen Geschlecht und es verdammen: denn auf die Predigt des Jonas haben sie Buße getan — und siehe, hier ist mehr als Jonas!, und doch keine Buße! —
Ja, Freunde, das entscheidende, das erlösende „wenn" ist der Nagel, mit dem wir die Zuchtrute befestigen, der Strick, mit dem wir Gott die Hände binden, der Schlüssel, mit dem wir Schonung und Heil erschließen. Wiederholt hat der Heiland auf dieses Gnadenmittel der Bekehrung und Buße hingewiesen. Einst erzählte man ihm von den Galiläern, die Hero- des hatte hinrichten lassen, als sie gerade ein Opfer darbrachten. „Meint ihr denn", fragte der Heiland, „daß diese Galiläer ärgere Sünder waren als die übrigen? Nein, sage ich euch; vielmehr, wenn ihr nicht Buße tut, so werdet ihr alle auf gleiche Weise zugrunde gehen". Und er fügte noch ein anderes Beispiel hinzu: „Meint ihr, daß die 18 Männer, auf die der Turm von Silos fiel und die er begrub, schlimmer gewesen sind, als die übrigen Bewohner von Jerusalem? Nein, sage ich euch; vielmehr, wenn ihr nicht Buße tut, so werdet ihr alle auf gleiche Weise umkommen" (Luc. 13).
Ergreifen wir dieses rettende „wenn". Sehen nicht die Wolken aus, als wollte sich ein Strafgericht zufammsnballen über unser armes Deutschland und über ganz Europa, wie seit der Sündflut keines mehr gewesen ist? Als wollte ein Wetter hereinbrechen, gegen welches das Trommelfeuer des Weltkrieges nur ein armseliges FMchegMken neroefen ift r K^â