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Ausgabe B

Nr. 36.

Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlichAusgabe^ 90 000 Mt., B100 000 Mk.(freibl-) Redaktionsschluß Montag

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----- Druck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei. -

I llassel, den 9. September 1923. M 33. Jahrg. |

Religiöses Wochenblatt für die katholischen Gemeinden Kassels

Wochenkalender.

Sonntag, 9. Sept. Sechzehnter Sonntag nach Pfingsten. Gorgonius, M.

Monta 1, 10. Sept. Nikolaus von Tolentino, Bek.

Dienstag, 11. Sept. Protus und Hyazinth, Märtyrer.

Mittwoch, 12. Sept. Mariä Namensfest. Guido.

Donnerstag, 13. Sept. Vom Tag. Messe vom Sonntag.

Notburga, Jgfr.

Freitag, 14. Sept. Kreuzerhöhung.

Samstag, 15. Sept. Fest der sieben Schmerzen Mariä.

Nikomedes, M.

Sechzehnter Sonntag nach Pfingsten.

(Evangel. Luk. 14, 112.)

In jener Zeit, als Jesus in das Haus eines Obersten von den Pharisäern am Sabbathe ging, um da zu speisen, beobachteten sie ihn genau. Und siehe, ein wassersüchtiger Mensch war vor ,hm. Und Jesus nahm das Wort und sprach zu den Gesetzgelehrten und Pharisäern: Ist es erlaubt, am Sabbathe zu heilen? Sie aber schwiegen. Da faßte er ihn an, heilte ihn und ließ ibn gehen. Und er redete sie an und sprach zu ihnen: Wer von euch, dessen Eiel oder Ochse in eine Grube gefallen, würde ihn nicht sogleich herausziehen am Tage des Saboaths? Und sie konnten ihm daiauf nicht antwoiten. Er sagte aber zu den Geladenen ein Gleichnis, als er bemerkte, wie sie sich die ersten Plätze auswählten und sprach zu ihnen: Wenn du zu einem Gastmahle geladen wirst, so setze dich nicht auf den ersten Platz, damit, wenn etwa ein Vornehmerer als du von ihm geladen wäre, derjenige, welcher dich und ihn geladen hat, nicht komme und zu dir sage: Mache diesem Platz! und du alsdann mit Schande untenan sitzen müssest. Sondern, wenn du geladen bist, so geh' hin und setze dich auf den letzten Platz, damit, wenn 1 der, welcher dich geladen hat, kommt, er zu dir spreche: Freund, rücke weiter hinaus! Dann wirst du Ehre haben vor denen, die mit zu Tische sitzen. Denn ein Jeoer, der sich selbst erhöhet, wird erniedriget, und wer sich selbst erniedriget, wird erhöhet werden. !

Trübe Quellen.

an spricht von Menschen, die vor lauter Bäumen den Wald nicht sehen. So gibt eS auch Menschen, die Gott nicht sehen, nicht er­kennen, und an ihn nicht glauben, ___obwohl Himmel und Erde voll sind von Beweisen seiner Existenz, seiner Allmacht, Weisheit und Güte. Woher diese betrübliche Er­scheinung? Woher soviel Unglaube?

Trübe Quellen sind es, aus denen er-fließt. Die erste en'springt tm Gehirn des Esels und heißt Be- fchrankihelt oder mit Verlaub gesagt Dumm- Es fehlt die Schärfe des Denkens, es fehlt die Logik, es fehlt die Tauglichkeit, der Sache auf den Grund zu gehen. Wo das Lickt des Verstandes richtig man erkennen, daß nichts von leinst geschieht, daß alles einenzureichenden Grund" bslben muß. Siehst du eine Traube an der Rebe so sagt dir der Verstand, daß sie nicht zufällig und licht von ungefähr am Stöcke hängt; sie stammt

vielmehr aus der Blüte; diese wieder treibt aus dem Rebstock hervor. Woher nun der erste Rebstock? Der erste Baum? Woher das erste Tier, der erste Mensch, das erste Leben, die erste Bewegung, das erste Sein? Es muß das alles eine letzte Ursache haben und die kann nur in einem allmächtigen, per änlichen Gotte liegen. Darum nennt der hl. Paulus die Heiden unentschuldbar, wenn sie Gott verlassen und Götzen verehrt haben. Denndas Unfichtbare an Gott wlrd seit Erschaffung der Welt erlabst und geschaut, auch seine ewige Macht und WeWM, so daß sie unent­schuldbar sind; obwohl sie b^Wteten weise zu sein,

Mit Schrecken

sehe ich dem kommenden Winker entgegen. Wenn gar zum hunger noch der Acofl kommt!"Bei diesen ent­setzlichen ständigen Sorgen kann man weder recht beten noch arbeiten. Gott sei's getagt!"Ich bin am Ende meiner Kräfte. Wann wird Hilfe kommen? Erst, wenn wir körperlich und seelisch zugrunde gerichtet sind ?" So schreiben Diasporageistliche in bitterster Not. Es bricht einem das Herz, wenn man solche vom Weh durchzitterten Briefe liest. Und du hast nichts übrig für diese wahrenMärtyrer der katholischen Sache in Deutschland?" Schnelle Hilfe tut not. Hele, wer helfen kann.

Sende alsbald Deine Gabe (für die Monfignore-Atzert- Stiftung zugunsten der Diasgorapriester) an Postscheck­konto 83 919 (Studienrat Dr. Scheller, Fulda, Mutter­haus) beim Postscheckamt Frankfurt a. M,

sind sie Toren geworden und haben die Herrlichkeit des vergänglichen Goites vertauscht mit dem Bilde des vergänglichen Menschen und der Vögel und der Vierfüßler und der kriechenden Tiere." (Röm. 1,20.) Desgleichen hat der Psalmist dieWeisheit" der Atheisten gebrandmarkt mit cen Worten: Nur der Tor spricht in seinem Herzen:Es ist kein Gott!"

Wie kommt es aber, daß nicht bloß Fabrikar­beiter und Bauern und andere ungebildete Leute ungläubig sind, sondern auch Professoren und Aerzle und Männer von Bildung und Wissenschaft? Da kann es doch am Verstand nicht fehlen! Am Ver- stand nicht, aber am falschen Gebrauch des Ver- llandes. Diese Herrschaften stolzieren als Pfauen elnher und spreizen das Gewand ihrer Wissenschaft wie ein Pfau seinen bunten Schweif. Wisse aber, daß der Hochmut den Verstand nicht erhellt, son. dern verdunkelt. Das sagt schon der Dichter mit öen Worten: Was kein Verstand der Verständigen sieht, das übt in Einfalt ein kindlich Gemüt. Diese Männer glauben nur an ihre eigene Weisheit, die sie mit Eßlöffeln eingenommen haben. Ein Paulus, ein Augustinus, ein Hieronymus, einLhomas, ein

Bellarmin und so viele andere Theologen, Philo« sophen, Naturforscher, Astronomen der allen und neuen Zeit, die all ihren Verstand und Scharfsinn dem Unerforschlichen zu Füßen gelegt, die ihr Knie vor dem unsichtbaren, großen Geist gebeugt haben; soviele Märtyrer, die für ihren Glauben schauerliche Martern und blutigen Tod erduldet haben, müssen in den Augen der Ungläubigen Narren sein, die sich in eine fixe Idee verrannt haben. Nur sie allein, die Ungläubigen sind Helle Köpfe, Sierne erster Größe, vor denen jedes Licht erbleichen muß. Und weil sie Gott nicht beweisen können wie einen mathema- liichen Lehrsatz, nicht sezieren können wie einen Leichnam, nicht auflösen können wie man Wasser in Dampf auflöst, so versteifen sie sich in ihren Un­glauben. Davon schreibt S. Chrysostomus:Einige verlieren ihren Glauben dadurch, daß sie alles mit dem Verstände prüfen wollen; der falsche Gebrauch des Verstandes führt aber zum Unglauben". Vor einer solchen Afterweisheit braucht man wahrlich keinen sonderlichen Respekt ju haben!

Es gibt noch eine dritte Quelle des Unglaubens, und das ist die trübste und schmutzigste von allen: es ist die Unmoral, die Schlechtigkeit. Ein Doktor Branka, Professor der Geologie und Paläontologie in Berlin, schreibt dem Unglauben folgendes Zeugnis ins Stammbuch: Das ganze Geheimnis des grun­zenden Behagens, mit dem die Menge die Lehre des Atheismus aufnimmt, liegt in der Tätigkeit der Mafien in sittlicher Hinsicht begründet. Durch den Atheismus wird den Massen das Leben in sitt- licher Hinsicht so unsagbar bequem gemacht; man braucht da nur hinabzusteigen auf die bequemen Weideplätze, auf denen das Tier sich wälzt!"

Ja, so ist es. Man erkennt Gott nicht, weil man ihn nicht erkennen will; und man will ihn nicht erkennen, weil man ihn fürchtet, weil seine Gebote unbequem sind, weil seine Strafen fürchterlich sind. Darum geht man hin und leugnet Gott und treibt alles, was er verboten hat. Das ist genau die Politik des Vogels Strauß, der seinen Schnabel in den Wüstensand steckt und dann von den Jägern nichts mehr sieht. Viele, viele würden mit Freuden sich Gott zuwenden, viele würde ihr Nachdenken und lhr Verstand zu ihm führen, wenn nicht auf der andern Seite der schlechte Wille, die verdorbene Leidenschaft sie znrückreißen würde. Im Leben des hl. Franz von Sales wird eine diesbezügliche lehr­reiche Geschichte erzählt. Bekanntlich hat dieser ebenso liebenswürdige als hochgelehrte Bischof an die 70 000 Kalviner in den Schoß der kath. Kirche zurückgeführt. Umsonst aber waren seine Bemühungen am Haupte der Kalviner, Theodor Beza. Nicht als ob die Be­weisgründe des Heil. Franz ihn nicht überzeugt hätten. Sein klarer Verstand mußte dem Wissen seines Gegners sich beugen. Beza selbst gestand, daß er besiegt sei und auf die Beweise des hl. Franz nichts zu erwidern habe. Und warum blieb er doch in seinem Irrglauben? Wegen seines unsittlichen Lebens­wandels. Er lebte mit einer Frau zusammen, von der er hät'e lassen müssen, wenn er Ernst machen wollte mit dem kath. Glauben. Das wollte er aber.