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Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 270000 Mk., 3 300 000 Mk. (freibs.) Redaktionsschluß Montag. Anzeigen: Grundpreis für die einspaltige Kolonelzeile 50 Mk. Reklame-Zeile 150 Mk. Schlüsselzahl LV OSO. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft-Anzeigen 100 tOO Mk. extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda sein. Größere Anzeigen erbitten wir uns entsprechend früher. Druck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei-
Wochenkalender.
Sonntag, 30. Sept. Neunzehnter Sonntag nach Pfingsten. Hieronymus, Bekenner u. Kirchenlehrer.
Montag, 1. Okt. Remigius, Bisch, u. Bek.
Dienstag, 2. Okt. Fest d. hl. Schutzengel, Leodegar, Bisch.
Mittwoch, 3. Okt. Vom Tag. Messe ».Sonntag. Candidus.
Donnerstag, 4. Okt. Franz von Assisi, Bek.
Freitag, 5. Okt. Placidus, M.
mstag, 6. Okt. Bruno, Bek.
Kennst du nun das würdigste, edelste und heiligste Gastmahl, das es gibt unter der Sonne? Es ist die heil. Messe. Nicht Menschen, sondern Gott wird es dargebracht. Nicht irdische Speisen gibt es da zu kosten, sondern „das Brot der Engel, welches alle Süßigkeit in sich begreift". Und ausgerechnet bei diesem Gastmahl sollte es am Platze sein, mit leeren Händen zu erscheinen?!
Weißt du, auf was eine solche leere Hand schließen läßt? Sei nicht bös, wenn ich es dir deutsch heraussage: auf ein leeres Gehirn, einen leeren Kopf, einen leeren Verstand. Nur die Gedankenlosigkeit moderner Namenchristen regt sich darüber auf, wenn ihnen für den Gottesdienst und für den Unterhalt der Geistlichkeit ein Opfer zugemutet wird. Es ist Darum nicht überflüssig, diese Pflicht immer wieder den Gläubigen ans Herz zu legen. Da berufe ich mich zunächst auf die uralte kirchliche Vorschrift der römischen Synode vom Jahre 1078: „Jeder Christ soll dafür sorgen, zur Feier der heil. Messe irgend etwas Golt zu opfern und sich zu Gemüt führen, was Gott durch Moses gesprochen hat: du sollst vor meinem Angesicht nicht teer erscheinen!"
Ich berufe mich auch auf das Zeugnis der Geschichte. Von Anfang an haben die Christen die Opfergaben, die für die hl. Messe bestimmt waren, zum Gottesdienst mitgebracht und im Gotteshaus auf einem Tisch niedergelegt. Es waren Laibe von Weißbrot von größerem oder geringerem Umfang. Soviel davon nötig war, wurde zur Konsekration ausgeschieden und bei der hl. Kommunion .vom Priester und von den Gläubigen genossen. Du weißt ja, daß in jenen ersten Zeiten fast alle Gläubigen täglich zum Tische des Herrn gegangen sind. Der Rest wurde an die Geistlichkeit und die Armen verteilt.
Später haben diese Naturallieferungen mehr ober weniger aufgehört und wurden durch Geldspenden erseht. Sache der Kirche und der Geistlichkeit war es nun, für Brot und Wein und die übrigen gottesdienstlichen Bedürfnisse zu sorgen. Das Opferbrot muß nach kirchlichen Bestimmungen aus ungesäuertem Weißmehl, der Opferwein aus reinem Traubenwsin bestehen. Im Laufs der Zeit wurden für den Gottesdienst die kleinen, runden, schneeweißen Brote üblich, die unter dem Namen der „Hostien" bekannt sind. Die Herstellung derselben geschah früher unter großem religiösen Zeremoniell. Es ist uns noch ein altes Buch erhalten, worin die Bereifung der Hostien im schwäbischen Kloster Hirsau geschildert wird. Von eigens dazu bestimmten Klosterbrüdern wurde der Weizen Korn für Korn ausgelesen, damit auch nicht ein einziges minder- wertiges Korn sich einschleiche in das heilige Brot. Diese ausgelesenen Körner wurden gewaschen und an der Sonne getrocknet. Einer der gewissenhaftesten Brüder von ehrwürdigem Alter wurde dazu erkoren, diesen Weizen in die Mühle zu bringen und zwar in einem Sack mit bestem Linnen. In der Mühle zog der Bruder Albe und Numerale an und mahlte in dieser geistlichen Gewandung den Weizen und siebte das gewonnene Mehl in einem
Neunzehnter Sonntag nach Pfingsten.
(Evangel. Matth. 22, 1—15.)
In jener Zeit trug Jesus den Hohenpriestern und Pharisäern folgende Gleichnisrede vo,.: Das Himmelreich ist einem Könige gleich, der seinem Sohne Hochzeit W'i. Er sandte seine Knechte aus, um die Geladenen ^ar Hochzeit zu berufen, und sie wollten nicht kommen. Abermal sandte er andere Knechte aus, und sprach: Saget den Geladenen: Siehe, mein Mahl habe ich bereitet, meine Ochsen und das Mastvieh sind geschlachtet, und alles ist bereit: kommet zur Mahlzeit. Sie aber achteten es nicht, und gingen ihrer Wege; einer auf seinen Meierhof, der andere zu seinem Gewerbe. Die übrigen aber ergriffen seine Knechte, taten ihnen Schmach an, und ermordeten sie. Als dies der König hörte, ward er zornig, sandte seine Kriegsvölker aus, und ließ jene Mörder umbringen, und ihre Stadt in Brand stecken. Dann sprach er zu seinen Knechten: Das Hochzeitsmahl ist zwar bereitet, allein die Geladenen waren dessen nicht wert. Gehet also auf die offenen Straßen, und ladet zur Hochzeit, wen ihr immer findet. Und seine Knechte gingen auf die Straßen, und brachten alle zusammen, die sie fanden, Gute und Böse: und die Hochzeit ward mit Gästen ganz besetzt. Der König aber ging hinein, um die Gäste zu beschauen, und er sah daselbst einen Menschen, der kein hochzeitliches Kleid anhatte. Und er sprach zu ihm: Freund! wie bist du da hereingekommen, da du kein hochzeitliches Kleid anhast? Er aber verstummte. Da spiach der König zu den Dienern: Bindet ihm Hände und Füße, und werfet ihn hinaus in die äußerste Finsternis: da wird Heulen und Zähneknirschen sein. Denn viele sind berufen, wenige aber auserwählt.
Mit leeren Händen?
Mn königliches Gastmahl ist uns vorgesetzt im heutigen Evangelium. Schier möchte uns der Mund wässerig werden, wenn wir da von den Ochsen und dem Mastvieh und K all den Zurüstungen vernehmen. " Weißt du aber auch, daß man zu den Gastmählern der Könige und Großen nicht mit leeren Händen erscheinen darf? Jeder der Gäste brachte irgend ein Geschenk mit, das den Aufwand für die Verpflegung einigermaßen auswog. Ist es nicht in unsern modernen Verhältnissen ähirlich? Wer zu einer Hochzeit eingeladen wird, bringt dem Hochzeitspaar irgend ein Geschenk oder eine Gabe. Niemand findet darin eine Ungehörigkeit; im Ge-
«fr halten es für eine Pflicht des Dankes und des Anstandes, zumal in den heutigen „goldenen Zeiten" mit den fliegenden Papiermillionen.
eigens dazu bestimmten Siebe. Vier Brüder warben ausersehen, aus dem Mehl die Hostien zu bereiten. Zuerst beteten sie gemeinsam die Tagzeitz n, wuschen dann nochmals Gesicht und Hände urd kleideten sich in Albe und Schultertuch. Einer di n ihnen besprengte das Mehl mit Wasser und knete 'e alsdann den Teig, während zwei andere benfelbi t in Hostien formten und einer das Hostieneisen hiel, Während der ganzen Verrichtung bewahrten di . Mönche das Stillschweigen und beflissen sich de Sammlung. In unserm Zeiten ist die Herstellun der Hostien meist den Händen frommer Kloster fronen anoertraut. Der Meßwein wird von ge wifsenhaften Winzern oder Weinhändlern bezogen denen der Bischof einen Eid abnimmt, daß sie nui reelle Ware liefern wollen.
Ist es nicht» eine schöne Sache, für Hostien uni Meßwein etwas beizutragen? Im Opferkörbchen fand ich kürzlich einen Papierschein von einer halben Million mit einem Zettel dabei, worauf geschrieben war: für Hostien. Vielfach haben die Rebbauern sich zusammengetan und dem Pfarrer den Meßwein umsonst zur Verfügung gestellt. Sieh, das sind verständige, opferwillige Seelen.
Ich wiederhole, daß der Rest der ungebrauchten Opfergaben früher der Geistlichkeit und den Kirchendienern überlassen wurde als Beitrag zum Lebensunterhalt. Denn „wer dem Altar dient, soll auch vom Altare leben*. Dieser Brauch hat dem heutigen Meßstipendium, der heutigen Meßgebühr Platz gemacht. Wer dem Priester ein Meßstipendium übergeben hat, bekommt das Recht, daß ihm Die Früchte der hl. Messe in besonderer Weise zu- gewendet werden. Die Größe und Art des Stipendiums festzusetzen, ist Sache des Bischofs. Mehr zu geben, ist Sache der Freiwilligkeit und des Edelmutes. Nachdem das Geld keinen wertbeständigen Gradmesser mehr abgibt, sind viele Bischöfe und Geistliche dazu übergegangen, das Stipendium in Naturalien zu erbitten. Dem Ermessen der Gläubigen bleibt es dann überlassen, entweder die Naturalien selbst zu übergeben oder die jeweils entsprechende Geldsumme. Durch Bestellung einer hl. Messe erhältst du Anteil an all ihren Früchten, die das Büchlein von der Nachfolge Christi mit folgenden Worten beschreibt: „Wenn der Priester die hl. Messe feiert, ehrt er Gott, erfreut die Engel, erbaut die Kirche, kommt den Lebenden zu Hilfe, verschafft den Abgestorbenen Ruhe und macht sich selbst aller Güter teilhaft." Der Burgpfarrer
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ML Herlündsaugen.
..Als Jesus die Volksscharen sah, hatte er Mitleid mit ihnen, denn sie waren geplagt und lagen zerstreut wie Schafe, Die keinen Hirten haben." So schreibt der hl. Evangelist Matthäus. O, daß doch auch unsere Augen sich öffneten und hinsähen auf die Volksscharen, auf die vielen Millionen, die wie zerstreute Schafe keinen Hirten haben!
Vor uns liegt das unglückliche Europa. 478 Millionen Menschen bewohnen es. 478 Millionen