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Religiöses Wochenblatt

für die katholischen Gemeinden Kassels.

Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A35 Ioldvseuniz 3 43 Ärldpsennlg(fcsibb) Redaktions» chluz Montag Anzetgen-Preise: Colonelgsile im Anzeigenteil 0,15 Goldmark, Colonslzeile im Reklimstell 0,63 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off.-Zsb. 6,10 Goldmark. Porto extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Aetirndruckerei in Fulda fein.

' Druck und Vsüag der Fuldas AcLiendru ?erel. Verlagssrt Fulda...- -

F0o Mkalender.

Zg-mtâg, 8. rov. 23. Sonntag nach Pfingsten. Ged der K i r cb n ei y -; vier gekrönte Brüder, Mart. Oktavtag von Alleibeilizen.

Montag, 9, N . Fest der Weihe der Erlöser-Basilika

zu Rom, yaupt- und Mutterkirche aller Kirchen des Erdkreises. Theodor, Soldat, Mart., f 303.

Dienstag, 10. Nov. Andreas Avellinus, aus dem Thea- tinerorden, f 1608. TrypLon, Respizius u. Nympha, Mart.

Mittwoch, 11. Nov. Martinus, Bischof von Tours, f 400

MennaS, Mart., f 304. ;

Donnerstag, 12. Nov. Oktavtag des Kirchweihfestes. Martinus, Papst, Start,, f 055.

Freitag, 13. Nov. Didakus, Bek., f 1403. Stanislaus Kostka, Jugendpatron, f 1563.

Samstag, 14. Nov. Josaphat, Erzbischof, Mart, in Ruhland, f 1623. j

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(Evangel. Matth. 9, 1826.)

In jener Zeit, da Jesus zu den Juden rebele, siehz. da rrat ein Vorsteher (Der Synagoge) herzu, betete ihn an. und sprach: Herr, meine Tochter ist jetzt ge­storben; aber komm, und lege dein Hand aus sie, so wird sie leben. Und Jesus stand auf, und folgte ihm samt seinen Jüngern. Und siehe, ein Weib, das zwölf Jahre lang am Blutflusse litt, trat von hinten hinzu und berührte den Saum seines Kleides; denn sie sprach bei sich selbst: Wenn ich nur sein Kleid berühre, so werde ich gesund. Jesu? aber wandte sich um, sah sie, und sprach: Tochter, sei getrost! dein Glaube hat dir geholfen. Und das Weib ward gesund von derselben Stunde an. Und als Jesus in "des Vorstehers H rus kam, und die Flötenspieler und das lärmende Volk sah, sprach er: Weichet; denn das Mägdlein ist nicht tot, sondern es schläft. Da verlachten sie ihn. Nach­dem aber das Volk hmausgeschasft war, ging er hinein, und nahm es bei der Hand. Und das Mägdlein stand auf. Und der Ruf davon ging aus in derselben ganzen Gegend.

Mit ehernem Mund. sine Tochter ist soeben gestorben, spricht im heutigen Evangelium der Vater zum göttlichen Heiland. Und als der Herr des Lebens eintrat in das Totenkämmerlein, ^ » da tönte ihm entgegen der Lärm der Klageweiber und der Trauerflöten. Es ist eben dem Meirichen ein Bedürfnis, dem Schmerz der Seele über den Verlust eines lieben Angehöri­gen einen sinnenfälligen Ausdruck zu geben.

In würdiger Weise trägt unsere hl. kath. Kirche diesem Bedürfnis Rechnung. Daher wird die Schsidegiocke" geläutet, sobald ein Christ die Au­gen geschlossen und der Tod seinen Lebensfaden abgeschnitten hat. Und es geschieht dies nicht bloß zum Zeichen der Traurigkeit und des öffentlichen Mitgefühls, sondern auch zu einer Mahnung, bes , frisch Verstorbenen im Fürbittgebet zu gedenken,!

wohlriechenden Kräutern, gesalbt mit hl. Oel. Kräf­tige, glaubensstarke Orationen werden dabei ver­richtet, aus denen ich wenigstens einen Abschnitt hersetzen will:

Allmächtiger Herrscher Christus, bei dessen Schlaf im Schifflein der Sturm tobte, bei dessen Er­wachen aber schwieg, komme den Nöten deines Volkes gnädig zu Hilfe; besprenge diese Glocke m't dem Tau des hl. Geistes, auf daß bei ihrem Klang immerdar fliehe der Feind alles Guten, daß ein« geladen werde zum Glauben das christliche Volk, daß in Schrecken gesetzt werde das Heer des Teufels, daß dein Volk, wenn es zusammengerufen ist, vom Herrn gestärkt werde, und daß vom Himmel nieder- steige der hl. Geist; die Gemeinde der Gläubigen möge das Himmelsheer beschützen, und Leib und Seele mögen ewige Hilfe erfahren." Außerdem werden bei der Glockenweihe nicht weniger als vier­zehn Psalmen gebetet, deren einer disKlimme Gokkss" preist mit folgenden Worten:

1. Wie herrlich tönet Gottes Stimme, Die donnert über vielen Wassern.

2. Die Stimme Gottes schallt gewaltig, Die Stimme Gottes majestätisch.

3. Die Simme Gottes bricht die Zedern, Des Libanons erhabne Zedern.

4. Zerschmettert sie wie schwache Lämmlein Und macht erzittern Bergesriesen.

5. Die Stimme Gottes sprühet Flammen, Läßt niederzucken Vlitzesstrahlen.

6. Die Stimme Gottes erschreckt die Wildnis, Erschüttert öde Wüsteneien.

7. Die Stimme Gottes knickt die Wälder, Und alles ruft: dem Herrn sei Ehre.

In diesem Psalm wird die Macht und Majestät und der Schrecken des Gewitters geschildert, gegen welches das Glockengeläute wirksamen Schutz bieten soll. Deshalb derWettersegen" mit Geläute.

Der Botenleser Vorsatz vom Feste der Kirchweihs möge sein: Achten wir nun fleißig auf die Glocken wie auf eine Stimme Gottes! Die Zeichen zum Gottesdienst wollen wir nicht überhören. Und da es zu den meisten Gottesdiensten zwei oder drei Zeichen gibt, so wollen wir uns danach einrichten und das beliebteZuspätkommen" sorgfältig meiden. Denn das Zuspätkommen ist ein Zeichen des Leichtsinns, der nach dem hl. Chrysostomus etwas Schauerliches" ist. Ist ja der Leichtsinn ein Beweis mangelnden Eifers und mangelnder Gottesliebe und eins Türe zu jeglichem Laster« Befleißigen wir uns der Pünktlichkeit, die ein Zei­chen der Gottesliebe ist. Haben wir Acht auf die Gebetszeichen und sprechen jeweils das Gebet zum leidenden Heiland und denEngel des Herrn. Und wenn du noch besonders erpicht bist auf Cr» werb von geistlichem Reichtum, so merke auf den Elockenlchlag und hole dabei aus zurguten Mei­nung" oder zu einem anderen Stoßgebet.

Der BurgpfarreL

dessen Seele nun vor dem Richterstuhle steht. Und wenn am dritten Tage der Leichnam zu Grabe ge­tragen wird, so verkünden es wiederum die Glocken mit ehernem Mund.

Von dem Dome schwer und bang Tönt die Glocke Grabgesang;

Ernst begleiten ihre Trauerschläge

Einen Wandrer auf dem letzten Wege."

Mit unseren Kirchen sind die Glocken, diese Lieb­linge des Volkes, unzertrennlich verbunden. Spie­len sie ja in unserem Leben eine große Rolle, wie der Dichter Schiller so schön es beschreibt:

Was in des Dammes tiefer Grube Dis Hand mit Feuers Hilfe baut, Hoch auf des Turmes Glockenstube, Da wird es von uns zeugen laut. Noch dauern wirds in späten Tagen Und rühren vieler Menschen Ohr Und wird mit dem Betrübten klagen Und stimmen zu der Andacht Chor. Was unten tief dem Erdensohne Das wechselnde Verhängnis bringt, Das schlägt an die metallne Krone, Die es erbaulich weiter klingt."

Ja, von der Wiege bis zum Grabe begleiten die Glocken den Erdenpilger. Er wird in der Taufe wiedergeboren zum ewigen Leben: die Glocke ver­kündet das frohe Ereignis. Der junge Christ geht zur ersten hl. Kommunion: die Glocken verkünden den festlichen Tag. Es zieht der Bischof ein zur hl. Firmung, die Glocken heißen ihn herzlich will­kommen. Der Christ schließt den Lebensbund in der Ehe: die Glocken feiern das folgenschwere Ge­schehnis. Wir unterbrechen die Werktage mit der Ruhepause der Sonn- und Feiertage: die Glocken verschaffen die nötige Feststimmung. Sie verkünden auch die Zeiten des Gebetes und Gottesdienstes, die Feier der hl. Messe, den Anfang, den Mittag, den Schluß des Tages; sie ermahnen zum Gsdäcku- nis des bitteren Leidens unseres Herrn, zum Ge­dächtnis feines blutigen Schweißes am Donnerstag Abend und seines schmerzlichen Todes am Freitag Mittag. Am beredtesten aber verkünden sie den Schmerz der Kirche an den drei letzten Tagen der Karwoche durch Schweigen. Dreimal des Tages erheben sie unser Herz zur Himmelsmutter durch dieDekglocke" oder dasAve". Denen, die zu Hause bleiben mußten, verkünden die Glocken das Evangelium und die Wandlung, damit sie wenig­stens im Geiste sich ins Gotteshaus versetzen. Die Glocken ertönen auch zum Te Dsum, zum Wetter­segen, zu Prozessionen. Endlich geben sie uns mit schmerzlichem Klange das Grabgeleite.

Wenn nun den Glocken eine solche Bedeutung zukoinmt in, Leben des Christen und im Rahmen unsrer hl. Religion, so ist es wahrlich kein Wunder, wenn untere Kfl-chs den Glocken große Ehre erweist durch eine feierliche Weihe. Da werden sie «m Freien aufgehängt, von den Geistlichen abgewaschen mit Weihwasser, incensiert mit Weihrauch und