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Kassel, den P November 1(928.

Nr. 47

38. Zahrg,

Religiöses Wochenblatt

für die katholischen Gemeinden Kassels.

Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 ».-Pfennig B 45 ».-Pfennig (Zustellgebühr extraj. Redaktionsschluß Montag. Anzeigen-Preise: Colonelzeile im Anzeigenteil 0,15 Goldmark, Colonelzeile im Reklameteil 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunst und Off.-Geb. 0,10 Goldmark. Porto extra Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Artiendruckerel in Fulda sen.

......... Druck und Betlag bet Fulda» Lctiendrucker» Bertagsort Sulin. -

Wochenkalender.

Sonntag, 18. Nov. 25. Sonntag nach Pfingsten. Ein­weihung der Kirchen St. Peter und Paul zu Rom.

Montag, 19. Nov. Elisabeth von Thüringen. Pontianus, Papst, Mart., t 235.

Dienstag, 20. Nov. Felix von Valais, Bek., i 1212.

Mittwoch, 21. Nov. Opferung M a r i ä im Tem­pel. Gedenktag für die Gefallenen des Weltkrieges.

Donnerstag, 22. Nov. Cäcilia, Jgfr., Mart., t 230.

Freitag 23. Nov. Clemens T., Mart., Papst, + 10'). . Felicitas, Märtyrin im 2. Jhrh.

Gamstag, 24. Nov. Johannes vom Kreuze, Lek. f 1591, Chrysogonus, Mart., f um 300.

25. Sonntag nach Pfingsten.

Epistel 1. Thessalonicher 1, 210.

Wir danken Gott allezeit für euch alle, wenn wir in unserem Gebete euer gedenken. Denn wir haben vor Gott unserm Vater euren werktätigen Glauben, eine opferwillige Liebe und eure standhafte Hoffnung auf unsern Herrn Jesus Christus in steter Erinnerung. Wir wissen, gottgeliebte Brüder, ihr seid auserwühlt. Denn unsere Heilsbotschaft erging an euch nicht bloß in Wor­ten, sondern auch in der Kraft und im Heiligen Gerste und in reicher Fülle. Ihr mißt ja, wie wir um euret­willen unter euch ausgetreten sind. Ihr wurdet unser, indes Herrn Nachfolger, indem ihr trotz vieler Bedraag- nis das Wort mit der Freude im Heiligen Geiste ange­nommen habt. So seid ihr ein Vorbild für alle Gläubi- Sen in Mazedonien und Achaja geworden. Denn von Mch aus hat sich das Wort des Herrri weiter verbreitet, hnd nicht bloß in Mazedonien und Achaja, sondern überall ist euer Glaube an Gott kund geworden. Wir brauchen gar nichts davon zu jagen; die Leute selbst cr- Wen von der Ausnahme, die wir bei euch gefunden hae haben, und wie ihr euch von den Götzen zu Gott be­ehrt habt, um dem lebendigen und wahren Gott zu d:c- ,n und seinen Sohn vom Himmel her tu erwarten, den von den Toten ausermeckt hat, Jesus, unfern Netter w dem kommenden Zorngericht.

Evangelium: Matth. 13, 3135.

DerGenosse" Paulus.

Mitglieder der Partei, die

der sich

roten Fahne folgen, nennen

gernGenossen". In der Tat eine schöne, verlockende, sinnreiche Tilu- iotur, die so viel unerfahrenes utld

'* unüberlegtes Volk in die Falle der es ein Entrinnen selten gibt. lind

tu ein mummen leucu h,vu --z- taiidjeGenossen" halten diesen Ausdruck für È,r V'in9e^ Fortschritt, für eine Erfindung Ni^^ialdemokratie und des Kommunismus, "cht im geringsten will ich in Abrede stellen, daß m .® bdlè Menschen gibt, die den Ehrennamen «« -OH""" vollauf verdienen. Aber solche edle Cw:^" ^"den sich nicht bloß in den Reihen der Lao», ^'swkratie, sondern auch imbürgerlichen

I ''^- Und wir Christen sollten eigentlich alle

zusammen nicht bloßGenossen", sondern sogar Brüder" sein. SolcheBruderschaft", solcheGe­nossenschaft" ist aber nicht neu, sondern uralt und hat mit deni Christentum ihren Anfang genom­men und wurde von unserm Heiland zur Pflicht erhoben mit den Worten:Das ist mein Gebot, daß ihr einander liebt."

Als einen der ersten und vollkommenstenGe­nossen" möchte ich euch heute den hl. Apostel Pau­lus vorstellen. Ausdrücklich nennt er sich selber Genosse" im zweiten Abschnitt seines Briefes an Philemon, für den ich heute euer Interesse in An­spruch nehmen möchte.

Philemon war bekanntlich ein angesehener, be­güterter Bürger der Stadt Kolossü. Ihm war ein Sklave, Onesimus mit Namen, unter Mitnahme gestohlenen Gutes entlaufen. In Rom suchte er nun den hl. Paulus auf, der ihm Unterricht und Taufe spendet und ihn dann mit einem Empfehlungs­schreiben an seinen Herrn zurücksendet. Geben wir nun dein lst. Paulus selber das Wort:

Gerne hätte ich den Sklaven bei mir behalten, damit er mir in meiner Gefangenschaft an deiner Statt Dienste leiste. - Allein ohne dein Einverständ­nis möchte ich nichts tun, damit nicht das Gute, das du tust, gezwungen, sondern freiwillig ge­schehe. Vielleicht trennte er sich gerade deshalb auf eine Zeit von dir, damit du ihn auf ewig von mir zurückerhieltest, und Zwar nicht mehr als Skla­ven, sondern als geliebten Bruder. Mir ist er das bereits in hohem Maße: wie viel mehr wird er es dir fein, dem er sowohl leibeigen als auch im

Herrn anqshört.

Wenn du mich nunals Genosten" betrachtest, so nimm ibn auf wie mich selbst. Hat er dir aber einen Schaden zugefügt, oder ist er dir etwas schul­dig, so schreibe es auf meine Rechnung: ich Paulus gebe es dir schriftlich, mit eigenhändiger Unter­schrift: ich will eg bezahlen. Ich könnte auch sa­gen: schreibe es dir auf Rechnung: denn du bist dich selbst mir schuldig. Ja, mein Prüder: ich möchte von dir im Herrn Nutzen haben: bereite meinem Herzen eine Freude in Christus. Im Vertrauen auf deine Bereitwilligkeit schreibe ich dir. Ich weiß, du wirst noch mehr tun, als ich verlange. Zu­gleich bereite mir eine Herberge: denn ich hoste daß es durch eure Gebete möglich sein wird, euch nochmals. Zu besuchen. .

Es grüßt dich Epaphras, mein Mitgefangener in Christus, ferner Markus, Aristarchus, Demas und Lukas, meine Mitarbeiter. Die Gnade des Herrn Jesus Christus sei mit eurem Gerste, oftnen."*

Betrachte nun und bedenke, mein Christ, wo« Paulus alles für einen entlaufenen Sklaven tut. der in der Heidenzeit einem Hunde glelchgsachtet war Paulus hat nicht gesagt: was geht mich dre­ier Sklave an? Ich habe mich um andere D-nge m bekümmern. Die Stadt ist groß und bietet mir & unermeßliches Arbeitsfeld. Das Lokal, das die Chrfft-n als Versammlungsort mir zur Verfügung

I gestellt haben, ist gesteckt voll mit Heilsbegierigeu Seelen, und darunter aus den höchsten Gesell­schaftskreisen. Wozu soll ich mich also um einen einzelnen Menschen bekümmern? Und gar um einen durchgebrannten Sklaven?

Nein, so hat Paulus weder gedacht noch gehan­delt. Er hat ihn als gleichberechtigt und eben­bürtig betrachtet, als Kind Gottes und Erben des Himmels. Einen Edelstein hat er in ihm erkannt, der im Schmutze lag. Er hat sich zu ihm herab­gebeugt, ihn aufgehoben, vom Schinutze gereinigt und in Hellem Glanz erstrahlen lassen. Er hat dem Sklaven Unterricht gegeben und ihn zum Bruder angenommen.

Indessen war Paulus weit entfernt, ein Unrecht zu begehen oder zu erlauben. Er hat dem Skla­ven seine Betrügereien und seine Treulosigkeit vor. gehalten. Er hat auch die Rechte des Onesimus nicht in Frage gestellt. Der Herr sollte wieder zu seinem Sklaven und zu seinem Eigentum kommen. Noch weiter ist Paulus gegangen. Da der Sklave seinen Diebstahl wohl schon längst verjubelt oder verbraucht hatte und zum Rückersatz unfähig war, so hat Paulus die Schuld auf sein persönliches Konto genommen. Dem Sklaven selbst hat er den gemessenen Auftrag erteilt, schnurstracks zu seinem Herrn zurückzukehren.

Aber das Verhältnis zwischen dem Herrn und seinem Sklaven sollte auf eine andere Basis ge­stellt werden. Es sollte ein Verhältnis von Mensch zu Mensch, von Bruder zu Bruder sein. Philemon soll dem Sklaven den Leichtsinn vergessen und ihm jegliche Strafe erlassen. Er darf ihm nichts nach­tragen, darf ihn nicht verachten, nicht mißhandeln: er soll ihn hallen wie einen Sohn oder Bruder: er soll mit den Familienangehörigen auf gleicher Stufe stehen. Umgekehrt soll aber Onesimus sei­nem Herrn nützlich werden, ihm nach wie vor Dienste leisten, bessere als zuvor: nicht wegen dec Peitschenhiebe uüd der Hungerration, sondern aus Gewissen und aus Liebe zu Christus. Paulus fei- her aber wollte beider Genosse und Freund fein und bleiben.

Siehe, mein Christ, das ist der Weg zu der all­gemeinen Bruderschaft undGenossenschaft": nicht Gewalt, nicht Blutvergießen, nicht Auflehnung und Revolution, sondern freiwilliges gegenseitiges Dienen aufgrund unserer gemeinsamen Abstam­mung für den Himmel. Dann sind wir nicht mehr weit vom irdischen Paradies.

Der Burgpfarrer.

Thüringens Landgräfin Elisabeth.

Von Maria Grote.

Groß und leuchtend stand ein Tag da im Jahre 1209, an dem Elisabeth, des Königs Andreas H. Tochter, das Licht der Welt erblickte. Vom Augen­blick ihres Erdendaseins an war sie eine Blume, reiner und weißer als die schönste Lilie, bestimmt, der damaligen Welt und der Nachwelt als vräck>-