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Mittwoch, den X Sezember 1924.

1. Sahrgnng.

Das Neueste.

Boljchewisten-Puijch in Estland.

Die Lowjetregierung kämpft eifervoll und hartnäckig um ihre Hoffähigkeit. Bei Herriot hat sie es geschafft, in England nur beinahe. Das Kabinett Baldwin hat den russischen Macht­habern einen schweren Schlag versetzt, da es sich auf die feinen Unterscheidungen zwischen Sowjetregierung und 3. Internatio­nale oder Parteileitung nicht einlief?, sondern etwa erklärte: Bolschewisten sind für uns Bolschewisten. Diese Auffassung wird stärksten Anklang in der ganzen Welt finden, seitdem der Putsch in Reval wieder einmal gezeigt hat, daß die Bolschewi­sten noch nicht harmlos geworden sind, wie manche Leute es schon glaubten, sondern daß sie eher wieder zur "Propaganda" der Tat übergehen. Die mehr europäisch denkenden Elemente werden weiter zurückgedrängt, so neuerdings auch Trotzki, und die extremste Richtung gewinnt vollkommen die Oberhand. Noch fehlen nähere Mitteilungen über die Veranstalter des Revaler Bolschewisten-Putsches, aber es liegt wohl auf der Hand, daß dies ein Ausbruch der Wut war, den die Enttäuschung über die vielen Mißerfolge der Sowjetisten ausgelöst hat. Der Putsch kommt zur rechten Zeit, um auch den letzten deutschen Wähler noch vor der Stimmabgabe für eine Partei zu warnen, die unter dem Oberbefehl der russischen Gewaltmenschen steht.

WEB. Berlin, 2. Dez. Aus allen Teilen Preußens wird, wie dem preußischen Pressedienst aus dem preußischen Wohl- fahrtsministerium mitgeteilt wird, in der letzten Zeit überein­stimmend eine steigende Zunahme der Bautätigkeit gemeldet. Fn den meisten Städten ist das Baugewerbe durch Aufträge für den Wohnungsbau bis zu 100 Prozent beschäftigt. Einzelne Zweige des Baugewerbes find durch Neubauten und Fnstand- fetzungsarbeiten sogar schon überbeschäftigt, sodaß sich bereits ein empfindlicher Mangel an gelernten Zacharbeitern bemerk­bar zu machen beginnt.

WTB. Berlin, 2. Dez. Der amtliche Preußische Presse­dienst teilt zur Festnahme der neben des grauenhaften Raub­mordes in H a i g e r mit: Es wurde sofort ein größeres Kom­mando der Siegener Schutzpolizei, sowie der Kriminalpolizei da­runter auch solche aus Frankfurt eingesetzt. Ein besonderes Mordkommando der Polizei ist tätig, das in der Nacht zum Dienstag die Mordstelle und die Spuren mit 10 Polizeihunden abgesucht hat.

WEB. Berlin, 2. Dez. Die Reichspostverwaltung teilt mit, daß die Sperrstunden vom 7. bis 13. Dezember aufgehoben sind. Dringende Pressegespräche können also zugelassen werden. Auch die Börsengesprächstellen werden, wie schon bekannt ge­geben, als öffentliche Sprechstellen behandelt.

Verbot einer Versammlung.

WEB. Königsberg, 2. Dez. Die von der Kommunistischen Partei für heute Abend nach der Börse einberufene interna­tionale Klassenkundgebung, in der laut Ankündigung mehrere Ausländer sprechen sollten, von der Polizei verboten worden.

WEB. London, 2. Dez. Reuter meldet aus Peking: Fn rhi nesischen Beamtenkreisen wird versichert, daß Euan Ehijui und Eschang-Eso-Lin die allgemeine Lage als genügend sicher an« sehen, um die Rückkehr von Ehinjui nach der Mandschurei be­werkstelligen zu knönen. Wenn die Abreise aus Peking ge­heim gehalten wurde, war dies nur Vorsichtsmaßregel gegen persönliche Gefahren.

Ruhe in Reval.

WEB. Reval, 2. Dez. Zu dem kommunistischen Versuch wird weiter gemeldet: 20 Aufständische seien von dem Feldge­richt zum Eode verurteilt und er schossen worden. Völlige Ru­he herrsche überall, auch an den Grenzen und an der Küste.

Disziplinarverfahren gegen Schühingcr.

D. B. Dresden, 2. Dez. Gegen den vielgenannten sozialde­mokratischen Polizeioberpen Schiitzinger in Dresden, der vor einem Fahr vom Reichswehrkommando seines Posten enthoben wurde, ist jetzt aus noch unbekannten Gründen ein Disziplinar­verfahren eingeleitet worden. Seit längerer Zeit bemicht sich die sozialdemokratische Partei, ihm wieder ein Amt innerhalb her Polize-verwaltung zu verschaffen, bisher jedoch vergebens.

Bahntechnische Besprechungen mit den Vesatzungsbehördeu.

D. B. Berlin, 2. Dez. Wie wir erfahren, werden am Diens tag in Mainz zwischen der Reichsbahn A.-G. und den Besatz­ungsbehörden Besprechungen über die Verrechnung der Eisen­bahntransporte für die Besatzungsbehörden und die Truppen­teile stattfinden. Nach den Londoner Abkommen hat die Reichs bahn bekantl. das Recht erhalten, für Leistungen, die ihnen zu gute kommen, auch eine angemessene Entschädigung zu verlan­gen. 3n den Mainzer Besprechungen, bei denen die Reichsbahn A.-G. durch die zuständigen Dezernenten vertreten sein wird, soll die Höhe dwser Entschädigungen festgesetzt werden.

Frankreichs Forderungen bei den Schuldenverhandlungen.

Zuternationale Wsttschastskomenttatton.

Es läßt sich nicht verkennen, daß zur Zeit von den verschie­densten Ausgangsunkten her und auch in den verschiedensten Ländern das oeftreben pcy geltend macht, eine breite über alle Grenzen hinweg reichende horizontale Plattform zu schaffen, auf welcher der durch Krieg und Nachkriegszeit böse zugerichtete Wirtschaftsapparat der verschiedenen Völker wieder aufgebaut und durch Transmissionen verbunden werden kann. Diese wirtschaftlichen Bestrebungen lassen augenblicklich die vorwie­gend politische Betrachtungsweise der Ereignisse etwas ver­blassen. Anlaß zu dieser Entwicklung ist das Zusammentref­fen der Annahme des Dawes-Planes mit dem Wegfall der friedensvertraglichen Bindungen durch die Deutschland fünf Fahre hindurch seiner Bewegungsfreiheit entkleidet worden war. Deutschland kämpft überall, wo es in Handelsvertrags- Verhandlungen eingetreten ist, dafür, der rein wirtschaftlichen, auf Zweckmäßigkeitsgründen beruhenden Betrachtungsweise gegenüber denjenigen Bestrebungen zum Siege zu verhelfen, die von machtpolitischen Vorteilen ausgehend eine Aufrechter­haltung eben dieser politisch gefärbten Geschichtspunkte wün­schen. Nachdem Frankreich sich in der Recovergfrage unnach­giebig gezeigt hat, ist es zunächst erreicht worden, daß England wenigstens in der Form der Begleichung dieser Dinge einige Zugeständnisse gemacht hat, über deren Einzelheiten allerdings in der Öffentlichkeit noch nichts bekannt geworden ist. Es besteht anscheinend die Hoffnung, ob sie sich erfüllen wird, ist allerdings zweifelhaft daß das englische Vorbild auch Frank- " reich zu einem größeren Entgegenkommen veranlassen wird. Die Aufschiebung der interalliierten Finanzministerkonferen; dürfte nicht nur mit der Frage der interallierton Schulden Zu­sammenhängen. Auch die 26prozentige Abgabe bildet in ihren Konsequenzen) Gegenstand gewisser Sorgen und Bedenken. Die Aufschiebung der Konferenz versetzt den Generalagenten in eine eigenartige Lage. Er verfügt über die aus Dawes-Abkommen und Ruhrabgabe sich ergebenden Einnahmen und kann vor­läufig, da die Alliierten noch keinen Beschluß über die Ver­teilung und Verwendung gefaßt haben, keine ' Entscheidung treffen. Das allerdings aus den Einnahmen die Sachlieferungen und die aus der Recovergabgabe sich ergebenden Verpflich­

Verbot der TageszeitungDer .Zungdeutsche".

Der Amtliche Preußische Pressedienst teilt mit:

Der Preußische Minister des Fnner hat die Zeitschrift Der Fun gdeutsche", die in Lasse! als Offizielles Organ des Fungdeutfchen Ordens erscheint, für die Zeit vom 2. bis 15. Dezember einschließlich verboten. Die Zeitschrift hat in ihrer Ausgabe vom 25. November einen Wahlaufruf des Fungdeut- fchen Ordens, unterzeichnet von dem Hochmeister Mahraun ge­bracht, der besonders verletzende Beschimpfungen und Ver- dächtigungon der verfassungsmäßig festgestellten republikanischen Staatsform enthält. (Ob man gerade d a d u r ch denGeist" totschlägt? D. Red.)

Strafverfahren gegen rechtsradikale Preffeverleumdung.

Die in Staßfurt erscheinendeMitteldeutsche Presse" hat in zwei Artikeln wüste Beschimpfungen gegen die republikanische Staatsform und gegen den Preußischen Innenminister gerichtet. Vom Staatsgerichtshof wurde nie anders als von einerre­publikanischen Mistgeburt" gesprochen und vom Preußischen Fnnenminister im Zusammenhang mit dem Reichsbanner 5chwar-Rot-Gold nur als demVater einer Mörderbande".

Der Oberpräsident der Provinz Sachsen hat, wie der Amtli- Prcssedieust mitteilt, gegen den Schriftleiter des Blat­tes die Einleitung eines Strafverfahrens wegen Verleumdung und Beschimpfung republikanischer Staats einrichtungen veranlaßt. Der Schriftleiter des Blattes ist übrigens schon mehrfach wegen seiner jedes Maß übersteigen­den Schimpfartikel gerichtlich zu hohen Strafen verurteilt worden.

v. Mücke Spitzenkandidat. Wie uns von der Ortsgruppe Fulda der Nat.-Soz.-Zreiheitsbewegung Großdeutschlands mit­geteilt wird, kandidiert der bekannte Kapitänleutnant a. D. v. Mücke als Spitzenkandidat der Nationalsozialistischen (Deutsch- völkischen) Freiheitsbewegung Großdeutschlands im Wahlkrei­se Sachsen-Ost.

Wahlpriigeleien.

D. B. Berlin, 1. Dez. (Eig. Meldg.) Die großen Wahl­kundgebungen am letzten Sonntag vor den Wahlen haben in Berlin und auch in verschiedenen Städten des Reiches größere oder kleinere Zusammenstöße gebracht. Ernsthafterer Natur scheint ein solcher Zusammenstoß in Stuttgart gewesen zu sein, wo Kommunisten einen sozialdemokratischen Redner am Spre­chen zu verhindern suchten. Durch das Eingreifen von Reichs- bannerleuten kam es zu Prügeleien, bei bei denen die Kommu­nisten den Kürzeren zogen. Diese rächten sich aber später und ein Versammlungsteilnehmer wurde von einem Kommunisten auf

tungen gedeckt werden, ist eine den Bestimmungen und Ver­pflichtungen entsprechende Selbstverständlichkeit.

Parallel zu den handelspolitischen Abmachungen und Problemen laufen Verhandlungen der Schwerindustrie, die eine Art von internationalem Fndustriekartell zum Ziele haben. Das derartige Pläne verwirklicht werden, ist bei der Ent­wicklung der letzten Monate und auch angesichts der politisch herrschenden Tendenzen naheliegend. Dr. Bögler hat soeben auf der Tagung des Vereins deutscher Eisenhüttenwerke sehr deutlich auf diese Bestrebungen hingewiesen und erklärt, daß die wirtschaftlichen Kräfte über den nationalen Rahmen hinaus zu gemeinsamer Arbeit zusammengefaßt werden müßten. Wie es heißt, sind die in Paris aufgenommenen Verhandlungen be­reits schon sehr weit fortgeschritten. Ob die Form Sines Kar­tells oder eine losere Bindung gewählt werden wird, steht noch dahin. Fn Gewerkschaftskreisen hat man diese Verhandlungen mit einem gewissen Mißtrauen verfolgt und zum Ausdruck ge­bracht, daß vor endgültigem Abschluß auch Gewerkschaftsver­treter der verschiedenen Richtungen hinzugegezogen werden sollen. Diese Forderung ist durchaus nicht unberechtigt. Aller­dings dürften Kartelloereinbarungen die den Wettbewerb auf den internationalen Märkten verringern und eine zweckent­sprechende Produktionsverteilung regeln, auch der Arbeiter­schaft zugute kommen, da ja ein Unterbieten mit Schleuder­preisen stets Rückwirkungen auf die Lohnverhältnisse zu haben pflegt. Günstigere Einkommens- und Lohnverhältnisse wür­den dann wiederum die Kaufkraft des inneren Marktes be­leben. Mit Recht hat Dr. Bögler darauf hingewiefen, daß eine Gesundung im oben angedeutenten Sinne wirklich nur dann möglich ist, wenn Deutschland nicht handelspolitisch und wirtschaftspolitisch zu einseitiger Abrüstung gezwungen wird. Bisher hat insbesondere Frankreich es immer wieder ver­standen, wirtschaftliche Konzentrationsbestrebungen nicht zu einer produktiven Auswirkung kommen zu lassen sondern poli­tische Machtmittel zur Erringung einseitiger Vorteile einzu­setzen. Mit dieser Methode muß endgültig Schluß gemacht werden.

dem Heimwege in den Rücken gestochen, ein anderer von 30 Kommunisten angefallen und niedergeschlagen. Beim Abmarsch selbst verhinderte die Polizei größere Prügeleien. Bei einer Versammlung der Deutschnationalen in Treptow a. Toll kam es zu einem Zusammenstoß zwischen Kommunisten und Völki­schen, in dessen Verlauf einem 19jährigen Arbeiter beide Au­gen ausgestochen wurden. Während des Tumults gingen etwa 60 Stühle und zahlreiche Fensterscheiben in Trümmer.

D. B. Eisleben. Fn einer Wahlkundgebung der Demokra­ten in Weißenfels sprach Georg Bernhard. Ein Mitglied des Stahlhelms ging zur Redner-Tribüne, nannte Bernhard einen Verleumder und versetzte ihm eine Ohrfeige. Die Schutzpoli­zei griff ein und löste die Versammlung auf. Bernhard wurde unter polizeilichem Schutz nach seinem Hotel gebracht. Nach j der Auflösung hielten, die Vaterländischen Verbände im glei­chen Versammlungslokal eine Versammlung ab.

Das Bürgerblockgespenst.

DasVürgerblock"-Gespenst. Fn der Wahlpropaganda der Linken spielt noch immer das unselige WortBllrgerblock" eine große Rolle, und auch Professor Delbrück hat sich wieder ein­mal angestrengt, um ausführlich zu beweisen, was für ein Un­fug es wäre, das Bürgertum in einen politischen Gegensatz zu der Arbeiterschaft zu stellen. Ls scheint, daß alle diese Herr­schaften ein paar Monate geschlafen haben. Das WortBllr­gerblock" war von Anfang an nur eine Bequemlichkeitsschöpf- ung. Es war abgeleitet von der (wider üblich gewordenen, Be­zeichnungbürgerliche Parteien" für die nichtsozialistischen Par teien selbst große Massen von Arbeitern: die christlichen, die nationalen, die Hirsch-Dunkerschen enthalten. Die Wahl- statistik beweist, daß nicht die Hälfte der Arbeiterschaftmar­xistisch" wählt. Zum Ueberfluß haben denn auch alle Parteien das Wort Bürgerblock abgelehnt und den Gedanken eines Kampfes gegendis Arbeiterschaft" weit von sich gewiesen. Aber wer kann Gespenster töten? Sie haben ein entsetzlich zähes Leben. Man kann nur die Furcht vor ihnen abschwächen durch gründliche Aufklärung. Und so muß man sagen: der ist ein abergläubischer Narr, der sich heute noch vorreden läßt, daß Arbeiterschaft gleich Sozialdemokratie sei und daß man dieser deshalb nicht ihre vielfachen Sünden ankreiden bürste, weil sonst ein unheilbarerRiß" durch das Volk gehen würde.

Ltadtverordnelenwahlen in Mecklenburg.

D. B. Rostock, 1. Dez. (Lig. Meldg.) Fn Rostock, War- nemllnde und Wismar fanden gestern Stadtoerordnetenwahlen statt, die das Bild früherer Wahlen bestätigten und Kommu­nisten und Völkischen einen katastrophalen Rückgang brachten. Die Völkischen haben in Rostock 4000 Stimmen, d. h. mehr als 50 Prozent verloren, die Verluste der Kommunisten erreichen