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Nummer 3. SenneMW, den 4. Dezember IM. t. Zabrgang.

Das Neueste.

Angerstein geständig!

Aufklärung der Mordaffäre in Haiger.

Dillenburg. 5. Dezember abends. Die Dill.-Feitung erfährt von offizieller Leite über die Mordtat in Haiger, baß die Voruntersuchung das Dunkel aufgehellt hat. Der Proku­rist Angerstein ist des Mordes an feiner Ehefrau und den üb­rigen 7Opfern überführt und hat im Krankenhaus bereits ein umfassendes Lchuldgeständnis abgelegt.

Angerstein geständig!

H a i g c r. Gegen Angerstein ist Haftbefehl er- laffen worden, doch bleibt er zunächst im Krankenhaus zu Haiger als Untersuchungsgefangener.

Berlin. Ueber die Art wie der Massenmörder Anger­stein das Geständnis ablegte teilte das 8 Uhr Abendblatt folgendes mit:Anfänglich leugnete Angerstein hartnäckig die Tat begangen zu haben, als aber der Uulersuchungs- führende Oberstaatsanwalt ihn in ein scharfes Kreuzverhör nahm, verwickelte er sich fortwährend in Wi verspräche, be­quemte sich aber immer noch zu einem Geständnis. Aach dem Abschluß der Sektion der Leichen sagte ihm der Oberstaats­anwalt auf den Kopf zu:" Der Sektionsbefund habe er­geben, daß er der Mörder fei. Angerstein blieb weiter ver­stockt. Erst als der Oberstaatsanwalt ihm eindringlich ins Gewissen redete, feine Lage durch ein offenes Geständnis zu er­leichtern, brach Angerstein vollkommen zusammen und gab Kränen zu, daß er die in seiner Villa umgekommenen 8 Per­sonen vorsetzlich mit Ueberlegung getötet habe. Wie das Blatt weiter meldet, soll die Urfache der furchtbaren Tat Augersteins infolge verfehlter Spekulation sein. Die unter­schlagenen Gelder soll Angerstein für Grundstücks-Spekula­tionen verbraucht haben. Außerdem soll Angerstein Paralu- W sein.

Das Scheusal Saarmann vor Gericht.

Zäheres siehe 3. Leite)

Berlin. Gasvergiftung. Stas einem Guts bei Schwerin wurde gestern morgen in einer Scheune 7 Schnitter besin­nungslos und ein 8 jähriges Mädchen tot aufgefunden. Wahr­scheinlich handelt es sich um Vergiftung durch Kohlenoxid, das dem von den Schnitter selbst hergestellten Ofen entströmt ist. 4 der vergifteten Schnitter mußten ins Krankenhaus gebracht werden.

Kairo. 113 Abgeordnete fordern in einer Königs Zuad überreichten Petition die sofortige Einberufung der Kammer. Der Senat wird einen gleichen Schritt unternehmen.

Warschau. Der polnisch, schwedische Handelsvertrag wurde gestern unterzeichnet.

München. Wie die Blätter melden haben sich die Gegen­sätze innerhalb der Fraktion des völkischen Blockes weiter verschärft, sodaß der Austritt des Abgeordneten Pöhner und zweier feiner Zraktionskollegen nicht mehr zu verhindern sei. Die Ausfcheidenden würden sich den Deutschnationalen angliedern.

Dolsnia zrrebenta.

Als kürzlich in Genf ein paar bedeutungslose Worte über den polnischen Korridor fielen, die nach der Lage der Dinge nur theoretischen Wert haben konnten, da brauste ganz Polen in wildem Protestgeschrei auf. ön Thorn, Rawisch und anderen Orten wurden Protestversammlungen gegen Deutsch­land veranstaltet, die mit den wildesten bluttriefenden Schmäh­ungen Deutschlands angefUlli waren. Nun hat es Polen für richtig gehalten, einen Tag der unerlösten Gebiete zu veran­stalten. Fwei Millionen Polen sind durch rücksichtslosen und kauernden Terror der chauvinistischen deutschen Kampforgani­sationen der Entnationalisierung preisgegeben heißt es in einem Aufruf, der u. a. von dem vor einigen Tagen zum Minister des Fnnern ernannten Posener Stadtprr,, Menten Ratajski unter­zeichnet ist. Mit den unerlösten Gebieten ist Ostpreußen ge­meint, dessen Bevölkerung sich mit überwältigender Mehr­heit in der Abstimmung zu Deutschland bekannt hat, und West- oberschlesiien. Es ist begreiflich, daß die deutsche Reichsre- gierung gegen derartige aggresive Tendenzen Einspruch er­hoben hat. Nebenbei bemerkt handeltes sich auch nicht um zwei Millionen Polen. Bei den letzten Reichstagswohien find bekanntlich nur 125 000 polnische Stimmen abgegeben worden. Hinzu kommt, daß die in Deutschland ansässigen Po- !en in Keiner Weise in ihren kulturellen, wirtschaftlichen und - politischen Rechten beschränkt sind, wie es bei den Deutschen ; in Polen der Fall ist.

AuHWpslMsKe Wendepunkte.

(dt.) Die erste Dezemberwocho ist nicht nur wegen des letz­ten Stadiums des Wahlkampfes wichtig, vielmehr beginnen Jiiv auch die Umrisse außenpolitischer Entscheidungen deutlich abzuzeichnen, die in den nächsten Tagen das Roichskabinelt voraussichtlich in mehreren Sitzungen beschäftigen werden. Es ist nicht ganz einfach, die vielfach verschlungenen wirtschaftsi- chen und politischen Zusammenhänge, um die es hier geht, auf klare und eindeutige Formeln zu bringen. Aber man kann zusammenfassend sagen, daß Deutschlands Stellung zu den drei Mächten England, Frankreich und ötalien wesentlich von den Ergebnissen der Verhandlungen abhängt, die zur Feit offiziell und inoffiziell in den Metropolen jener drei Länder geführt werden und den ganzen Komplex wirtschaftlicher und politi­scher Probleme zum Gegenstand haben, für die eine Lösung binnen kurzem gefunden werden muß.

Was zunächst die Wirtschaftsverhandlungen anlangt, die in Paris und London ihrem Abschluß entgegen» sehen, so lag die Hauptschwierigkeil nicht bei den eigentlichen Follfragen, sondern vielmehr bei der Lbprozentigen Ausfuhr­abgabe, die Frankreich und England, nach unserer Ansicht wi­derrechtlich, erheben und von der sie nicht abgehen möchten, ön London ist vorgeschlagen worden, die jedesmalige Erheb­ung durch die Fahlung einer einmaligen Pauschalsumme zu er­setzen; jedoch hat das Reichsfinanzministerium Bedenken er­hoben und wird die Angelegenheit in der nächsten Kabinetts­sitzung zur Sprache bringen. Ueber den Stand der Verhand­lungen sollen die deutschen Botschafter in Paris und London demnächst gehört werden, wobei sie zugleich weitere Instruktio­nen erhalten dürften für die anschließenden Beratungen mehr politischen Eharakters. Was Frankreich anlangt, so dürfte erst der Schiedsspruch des Transfer-Komitees die Entscheid­ung über oie Berechrigung e.r Ausfuhrabgade bringen. Das ganze Reparationsproblem das zurzeit in Paris in Anwesen­heit des Generalagenten Gilbert von der Neparationskommis­sion erörtert wird, erfährt jedoch eine erhebliche Verschlep­pung durch das Eingreifen Amerikas, das bei der Verteilung der deutschen Reparationszahlungen neuerdings ebenfalls An­sprüche erhebt, wogegen aus englischen Wirtschaftskreisen be­reits heftiger Widerspruch laut geworden ist.

ön r e in p o l i t i s ch e r Hinsicht stehen im Vordergrund der Diskussion die Fragen der R u h r r L u m u n g, der Militärkontrolle und des Eintrittes Deutsch­lands in den Völkerbund. Der abschließende Bericht der Militärkontrollkommission wird für Mitte Dezember er­wartet und dürfte wesentliche Beanstandungen der deutschen Abrüstung kaum ergeben. Sowohl in Paris wie in London wird jedoch von gewissen nationalistischen Kreisen bereits hef­tig gegen Deutschland Stimmung gemacht mit erlogenen und entstellten Berichten über Ausbildung und Dienstvorschriften der Reichswehr, und es tauchen unkontrollierbare Behauptun­gen auf, daß von französischer Seite grundlegende Aenderun­gen in bezug auf die Reichswehr verlangt werden sollen, bevor man die Kontrolle für beendet erklärt und sie gemäß dem Ver­

S«mülseld«MsÄall von Rmkensen.

(Fu seinem 75. Geburtstage, am 6. Dezember).

Sicherlich bedurfte es nicht erst des rein äußerlichen An­lasses seines Geburtstages, uns ins Bewußtsein zu senken, was wir dem ruhmgekrönten Generalfeldmarschall verdanken, dafür sprechen seine Taten laut genug. Ein Aufstieg ohne Beispiel ist es, der seinem Lebensgange das Gepräge giebt. Fhm hatte das Schicksal keinerlei Glücksgüter in die Wiege gelegt, und sein Elternhaus entbehrte gänzlich der Verbindun­gen und Beziehungen, die schon so mancher Laufbahn Ver­heißungsvoll waren.

Der Vater war Sutsinspektor, der es durch feinen Fleiß zum Rittergutsbesitzer und Amtsrat brachte, und die Mutter eine schlichte Forstmeisterstochter. August sollte, wie seine Eltern und Großeltern, Landwirt werden, nachdem die sorg­samen Eltern ihm eine gediegene Erziehung und wissenschaft­liche Ausbildung in Torgau und an der Universität Halle hat­ten zuteil werden lassen. Aber der Krieg 1870=71 machte ei­nen Strich durch die elterliche Rechnung.

Der junge Mann hatte gerade als Einjährig-Freiwilliger bei den 2. Leibhusaren gedient. Voll Begeisterung zog er hinaus, um später mit dem Eisernen Kreuze auf der schwarz­weißen Attilla zurückzukehren. Fm Reserveverhältnis blieb er während er die landwirtschaftliche Hochschule besuchte, bis zum Fahre 1873, wo es ihm gelegentlich einer Uebung ge­lang dem väterlichen Widerwillen gegen den Stand des Be- lufsreiteroffiziers zu überwinden: er trat mit seinem alten Pa- ; tonte als Leutnant in das stehende Heer über.

Schon 1876 wurde er zur Dienstleistung im Großen Gene- ralftabe kommandiert, dem er endgültig von 1882 bis 1893 an­gehörte nur mit einer kurzen Unterbrechung, die er als Rittmeister und Schwadronschef im 9. Dragonerregimente zu- |

sailler Vertrage bem Völkerbundrat überträgt, der sich dann nur bei besonderen Anlässen durch die Entsendung internatio- ler Kommissionen von der Durchführung der deutschen Ab­rüstung zu überzeugen hätte. Von denselben nationalistischen Propagandastellen wird im Fusammenhang damit auch gleich Sturm gelaufen gegen eine korrekte und vertragsgemäße Räumung der ersten Fone des besetzten Gebietes, die wir am 10. öanuar zu beanspruchen haben. Pariser Blätter wol­len sogar wissen, daß bereits ein englisch-französisches Kom­promiß vorliege, wonach die gemeinsame Räumung des gan­zen Ruhrgebietes mitsamt der ersten Fone erst im Funi näch­sten Fahres erfolgen solle. Wenn dabei behauptet wird, daß Deutschland im Grunde mit einer solchen Regelung einver­standen sei und nur formell Protest erheben werde, so ist das natürlich eine nichtswürdige, durch keinerlei Tatsachen be­gründete Unterstellung. Deutschland wird und muß unter al­len Umständen auf der genauen Innehaltung der im Versail­ler Vertrag vorgesehenen Fristen bestehen.

Was schließlich die Völkerfrage anlangt, so wird viel davon abhängen, welche Vorschläge Italien in seiner demnächst zu erwartenden Anwortnote auf das deutsche Völkerbund­memorandum machen wird. Man erwartet, daß Mussolini noch vorheriger Fühlungnahme mit London und Paris eine Kompromißformel ausarbeitet die den deutschen Vorbe­dingungen gerecht wird und Deutschland die offizielle Ein­reichung des Fulassungsantrages ermöglicht. Weiterhin wird sich dann der Völkerbundrat, der demnächst in Rom zu­sammentritt, mit dem Genfer Protokoll über die Durch­führung der Schiedsgerichtsbarkeit und der allgemeinen Ab­rüstung zu beschäftigen haben. Von den Beschlüssen, die da­bei gefaßt werden, hängen -auch die deutschen Entschließungen nicht unwesentlich ab. Denn Deutschlands Bedenken be­standen ja vor allem daran, daß wir nicht in der Lage sind, bei unserer völligen Wehrlosigkeit uns für Sanktionsmaß- nahmen zur Verfügung zu stellen, die vom Völkerbünde gegen unbotmäßige Friedensstörer evtl. beschlossen werden. Die Gewährung eines Sitzes im Völkerbundsrat an Deutsch­land scheint inzwischen von allen Seiten zugestanden zu sein, ön dem Augenblick, wo Deutschland Mitglied des Völker­bundes wäre, würde natürlich auch die Fukunft der Militär­kontrolle und der Räumung des besetzten Gebietes ein ganz anderes Gesicht bekommen. Aber als selbstverständlich müßte vorausgesetzt werden, daß weder ein erneutes Schuldbekennt­nis noch auch die aktive Beteiligung an Sanktionen und Strafexpeditionen von uns verlangt wird.

All diese Probleme kann das jetzige Kabinett wohl ihrer Lösung näher führen, aber es kann nicht mehr die letzte Ent­scheidung treffen. Denn erst eine Reichsregierung, die nach den Reichstogswahlen sich einer festen Mehrheit versichert hat, wird imstande sein, mit derjenigen Autorität und Selbst­sicherheit aufzutreten, wie sie in parlamentarisch regierten Staaten nur durch das unzweifelhafte Vertrauen des Volkes und feiner Vertretung gewährleistet wird.

brachte. U. a. war er eine Feitlang erster Adjutant des Se- . neralstabschefs Grafen Schliffen. 1894 erhielt er das Kom­mondo des Leibhusarenregiments Nr. 1. Am 27. öanuar 1896 wurde er zum dienstduenden Flügeladjutanten des Kai­sers ernannt. Am 27. Öanuar 1899 wurde er geadelt.

öm Fahre 1900 schied er unter Ernennung zum diensttuen­den General a la suite des Kaisers zum Generalmajor aus. 1903 erhielt er die Führung der 36. Division in Danzig als Generalleutnant und gleichzeitig Generaladjutant des Kaisers und wurde im Fahre 1908 kommandierender General des 17. Armeekorps. Als Regimentskommandeur unterstand ihm der Konprinz. Mackensen ist auch schriftstellerisch hervorge­treten. So entstammt seiner Feder eine zweibändige Geschich­te derSchwarzen Husaren".

Unerbittliche Selbstzucht und ein gewaltiges Maß von Fleiß und Hingabe an das einmal gesteckte Fiel kennzeichnete den Werdegang des späteren Heerführers neben ungeheueren Befähigung und ersetzten ihm, wie uns seine glänzende Lauf­bahn zeigt, vollkommen den Vorsprung, den früher Geburts­adel und Beziehungen gaben.

Schon von Anbeginn dos Krieges an war Mackensen einer der meistgenannten Heerführer. Am 4. November .1914 war es, als er sich in Fenstochau zur Ueberführung der ihm we­nige Tage vorher anvertrauten Armee nach Hohensalza rüste­te, von wo aus er in die rechte Flanke des auf Posen und Schlesien angesetzten russischen Massenheeres den entscheiden­den Stoß ansetzte und so dieRussenwalze" nicht nur zum Stehen brachte, sondern auch zur verlustreichen Umkehr zwang. "Nach seinen glänzenden Siegen bei Kutno, Lodz und Lowicz er­hielt er vom Kaiser den Orden Pour le merite. Wenige Wo­chen später erfolgte seine Beförderung zum Generalobersten. Am 2. Mai begann mit der großen Durchbruchsschlacht bei Torlice und Tarnow ein neuer, fünfmonatelang mit kurzen