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Ful-aer Krelsölatt, Anzeiger für Rhön und Vogelsberg, Fulba und Haunetal
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Freitag, den 5. Dezember 1M
1. Zahrgang.
Haarmann
wb. Hannover, 4. Dez5 <âk deck èchw^râ'erlcht Hannover begannn heute Vormittag der Prozeß gegen den Massenmörder Haarmann und dem Mitangeklagten Grans. Den Vorsitz führte der Londgeriryisdirektor Böckelmann. Die Anklage wird vertreten durch den Oberstaatsanwalt Dr. Wilde und Ltaatsanwaltschaftsrat Dr. W a g e n s ch i e f e r. An den Verhandlungen nahmen Vertreter des Hannoverschen Polizeipräsidiums der Behörde und der preu„.,^en Ltaatsregier- ung teil. Die Anklageschrift beschuldigt Haarmann des Mordes in 27 Fällen. Gran s der Anstiftung in Fällen. Die Zeugenvernehmung beginnt erst Montag. Der Vorsitzende rechnet mit einer Verhandlungsdauer von 14 Lagen. Haarmann ruft: „Das ist ja doch nicht nötig“, dann wurde die Vernehmung Haarmanns angetreten. Haarmann spricht sehr abgehackt und stockend und zeigt sich bei seiner Vernehmung sehr nervös. Ex ist wegen Körperverletzung und anderer Vergehen 15 mal vorbestraft. Grans, dessen Personalien darauf feftgeejtllt werden, hat wegen Diebstahls und Hehlerei meh rere Vorstrafen erhalten
wb. Detoril, 4. Dez. An einer Straßenkreuzung stieß ein Lisenbahnzug mit einem Lastwagenzug, der mit Terpentin be
laden war, zusammen.
Das Terpentin fing Feuer. Vier
Frauen sind verbrannt. 10 Personen erlitten schwere Brandwunden. ,
wb. Haiger, 4. Dez. Aach dem von A u g e r st e i« abgelegten umfaßenden Geständnis hat er in der Nacht zwischen 4 nah 5 Uhr seine Frau ermordet und später die übrigen Haus genossen, jeden in einem anderen Zimmer. Angerstein gibt an, seine Frau sei sehr krank gewesen, da auch er schwer krank sei habe er den Plan gefaßt mit seiner Frau, die er angeblich sehr lieb gehabt hat, aus dem Leben zu scheiden. Mitbestimmend sei auch die Befürchtung gewesen, durch die Unterschlagungen seine Stellung und seine Wohnung zu verliere^ Lerner er- klärt er, daß er, als er aus der Stadt zurückgekehrt sei und gesehen habe, daß das Hans noch nicht brannte, erneut Feuer angelegt habe. Die von Angerstein angegebenen Beweggründe zu der Tat sind recht unklar. Aus allen übrigen Feststellungen geht jedenfalls hervor, daß er kaltblütig und mit Ueberleg- ung gehandelt hat. Die Beerdigung der Opfer Angersteins findet am Freitag Mittag statt.
wb. Berlin, 4. Dez. Der Massenmörder Angerstein ist gestern Nacht von Haiger nach Siegen gebracht worden, weil sich die Wut der Einwohnerschaft gegen den im hiesigen Krankenhaus behandelten Mörder zu richten drohte. Angerstein verstand es, wie die Vossische Zeitung meldet, nach außenhin jahrelang, den Anschein eines bescheidenen und frommen Mannes zu erwecken, der nicht nur für seine Familie sondern auch für andere ein Herz hatte, während er insgeheim Fälschungen und Unterschlagungen beging. Das Geständnis im Haiger Krankenhaus legte er iu Gegenwart seines Bruders ab, der von Düsseldorf nach Haiger gekommen ist. Der Mörder hat jede Einzelheit der Tat genau überlegt und bei der Ausführung keine Vorsichtsmaßregeln außer Acht gelassen.
wb. Köln, 4. Dez. ön der heutigen Versammlung der Vereinigten Stahlwerke van den Zgten und Blüchener-Wissen Eisenhütten A.-G. in Köln-Deutz gedachte der Vorsitzende mit Bedauern der Bluttat in Haiger. Anger st ein der nicht Direktor, sondern nur Buchhalter der Gesellschaft seit 1918 gehörenden Kalkwerke in Haiger ist, habe sich bis vor 3 Wochen nichts z u Schulden kommen lassen. Lrst seit dieser Zeit hat man Unterschlagungen von insgesamt nicht mehr als Mk. 4.100. festgestellt.
Der Ablauf der Mordtat.
wtb. Hagen, 4. Dez. (Sei.) Wie nunmehr festgestellt ist, hat Angerstein die grauenvolle Mordtat seit langer Zeit planmäßig vorbereitet, um Veruntreuungen, die er als Geschäftsführer der Kalkwerke van den Zg- teu begangen hafte, zu verdecken. Seine krank im Bett liegende Ehefrau brachte er, schon am Sonntag abend, also 24 Stunden vor Bekanntwerden des Verbrechens durch eine große Anzahl Messerstiche um, darauf seine im Nebenzimmer wohnende Schwiegermütter. Die Schwester seiner Frau, die erst spät in der Nacht von einem Ausfluo zurückkehrte, erschlug er unmittelbar nach ihrer Ankunft hinterrücks mit einem Veil.
Als am folgenden Morgen gegen 7 Uhr der verheiratete Buchhalter Dityärdt und der 48jährige BLroaugestellte Harrg Piel zur Arbeit im Büro erschienen, rief Angerstein sie u a ch - einander in sein Zimmer, schloß dieses ab und schlug die Opfer durch Veilhiebe zu Boden. Diese grauenhafte Mordtat wiederholte er im Laufe des Vormittags an dem Sohn des Kupstgärtners S. Darr und dem Hilfsgärtner, die beide auf dem Angersteinschen Grunopuck mit Gartenarbeiten beschäftigt waren. Die LeichedesDienft- Mädchens wurde auf dem Boden in einer unansge- bauten Ecke a u f g e f u n d e n. Die Beine waren vom Rumpf getrennt. Es ist noch nicht festgestellt ob der Mörder das Mädchen vorher schon auf ähnlich grausame Weise umgebracht
vor Gericht!
hat, wie die übrigen Opfer, oder ob es in dem rasch um sich greifenden Feuer ums Leben gekommen ist. Die bisher vermißte 10jährige Nichte Angersteins, die sich kurze Zeit in Haiger zu Besuch aufhielt, ist wie festgestellt ist, am Tage vor dem Verbreche» bereits iu die Heimat zurück- gekehrt. Die Verwundung Angersteins hat sich inzwischen als weniger jcywer herausgestellt. Gestern abend wurde er unter polizeilichen Schutz nach Siege» abtrausportiert, wo er vorläufig in das dortige Gerichtsgefängnis eingeliefert wurde. Augerf^eiu hat die Tat nach langem hartnäk- kigen Leugnen erst unter der Wu^c der fchwer wiegenden Beweise singestaude«.
Das Neueste.
P.B. Stockholm, 3: De?. (Lig Meldg.) Sn Grimeton an der schwedischen Westküste wurde gestern eine Radiostation für den direkten Dienst zwischen Schweden und den Vereinigten Staaten eröffnet. Die Funkstation ist in der Lage, täglich über 200 Telegramme nach jeder Richtung ?» senden.
wb. Paris, 4. Dez. Der Botschafter der Sowjetregierung in Paris Krassin ist heute Mittag in Paris angekommen. Er wurde am Aordbahnhof von einem Vertreter des Ministeriums des Aeußeren begrüßt.
wb. London, 4. Dez. (Abd. Sei.) Wie Reuter erfährt, ist die britische Regierung bisher noch zu keiner Entscheidung übe^ das Datum der Räumung der Kölner Zone gelangt. Da die Frage international sei, müsse dies endg„/..g durch eine Besprechung der Alliierten Groß-Britaniens geregelt werden. Nachdem der Bericht der öntèralliierten Militär Kontroll- Kommission überreicht sei.
An unsere Leser!
_ Gs wurde von verschiedenen Seiten angefragt, ob wir die Frankfurter Nachrichten" noch weiter unseren Lesern liefern.
Wir erklären nochmals:
Unsere Leser erhalten von uns die „Frankfurter Nachrichten" nicht mehr, sondern die neuerschieuene bodenständige Fuldaer
„Mische Morgenreituug"
Wenn von Angestellten der hiesigen Geschäftsstelle der „Frankfurter Nachrichten" behauptet wird, daß unsere Leser die „Frankfurter Nachrichten" bestellt hätten und daher auch bezahlen müßten, so ist dies ein Srrtnm. Unsere Leser wurden von uns 2 Monate lang mit dem „Kreisblatt" beliefert und wir waren Abonnent der „Frankfurter Nachrichten" nicht unsere Leser. Unsere Leser haben keinerlei Verpflichtungen die „Frankfurter Nachrichten" zu bezahlen, es sei denn, daß sie diese ausdrücklich für diesen Monat bestellten.
________Die Volksgemeinschaft e. G. b. H.
Schwieriger Selbstmord.
wb. Berlin, 4. Dez. Ein fünfzigjähriger Ingenieur verübte gestern ein Selbstmordversuch in dem er sich einen Revol- Vorschuß in die rechte Schläfe und in den Arm beibrachte. Nach einiger Zeit gelangte er wieder zur Besinnung. Alsdann stieß er sich mit einem Dolch in die Brust und in den Bauch, auch diese Stiche führten nicht zum Tode. Der SelbftmoröKanbibat begab sich vielmehr mit schweren Verletzungen am Abend nach dem Polizei-Revier wo er um Aufnahme ins Krankenhaus bat Al« Grund der Lat gibt er an, daß er gesellschaftlich kompro- mitiert wurde.
wb. Beuchen, 5. Dez. Sestern abend entgleiste bei der Einfahrt in den Bahnhof Klein-Kottorz der letzte Teil eines Personenzuges. Lin Reifender wurde getötet. 5 Personen wurden schwer, 6 leicht verletzt. Die Verletzten fanden bis auf 2, die ihre Wohnungen aufsuchen konnten, Ausnahme im im Oppelner Krankenhaus.
Rußlands Anteil am Rivaler Putsch.
D.B. Riga, 4. Dez. (Lig. Meldg.) Nach Revaler Meldungen steht die führende Beteiligung Rußlands am Rivaler Putsch fest. Der Leiter der Bewegung war kurz vor dem Putsch aus Rußland zurückgekehrt und ist nach dem Mißlingen des Aufruhrs im Flugzeug nach Rußland entflohen. Andere Führer wurden beim Versuch, die russische Grenze zu überschreiten, verhaftet. Unter den Verhafteten befindet sich einer, der mit einem russischen Kurierpaß versehen ist. An der ostländischen Küste soll sogar ein russisches Geschwader gekreuzt haben. Die Ruhe ist in den letzten Lagen nicht wieder gestört worden.
WitiM AdomWNrackluni.
Starker Toback. Die Krauzschleife. Berliw und Potsdam. Die Grünen und die Blaue». Bgzanz. Aus dem
Seisterreich. -
öm Laufe der öabre haben wir mancherlei erlebt. Kürzlich kam die Nachricht, die Deutsche Regierung beabsichtige aus freiem Ermessen einen gefangenen französischen Staatsangehörigen zu begnadigen. Zwei Tage später wurde dieses Telegramm dementiert. Es wäre auch starker „Toback" gewesen, wenn die Deutsche Regierung die Freilassung des Generals von Nathusius mit einem solchen überflüssigen Gnadenakt vergolten hätte. Bezeichnend für den Tiefstand nationaler Würde bei einem Teile unserer Volksgenossen ist es, daß verschiedene deutsche Zeitungen die erstere Nachricht ohne jedes Kommentar veröffentlichten. Oder hat das Gesetz zum Schutze der Republik jede Kritik über unsere auswärtige Politik bereits erwürgt? — Am 28. November hielt Dr. Eckener, der verdienstvolle Führer des Z. R. 3 im Berliner „Zoo" einen Vortrag. Gan; Berlin, von Herrn Ebert abwärts war zugegen; nur Herr Marx fehlte. Zum Schluß gab es einen großen Lorbeer-Kranz, die Schleife in den Schleswig-Holsteinischen Farben. Eine sinnige Aufmerksamkeit für den Flensburger Eckener, der mit der Schwarz-Weiß-Noten Fahne über New- york erschien, bemerkt der „Tag" hierzu. Die Farbenfrage der Schleife scheint ven Spendern viel Kopfzerbrechen verursacht zu Haven: Ausgerechnet"'. . . l Man konnte hier anecken und dort anetken! Salomo hätte keine bessere Lösung aus diesem Farben-Dilemma finden können. —
ön der Weimarschen Verfassung steht geschrieben: „Der Reichspräsident wird vom Deutschen Volke gewählt"! Ein schöner, fundamentaler Satz! Leider ist es noch nicht dazu gekommen, diesen Satz in die Wirklichkeit zu übertragen. Bekanntlich hat der auf die Nationalversammlung folgende Reichstag diesen Paragraph bis Öuni 1925 „etwas" abgeändert. Man sieht, Verfassungs-Paragraphen lassen sich mit einer willigen zweidrittel Mehrheit abändern. Was soll man das suveräne „Volk" so oft in Anspruch nehmen. Wenns die Wahl hat, hats die Qual. Der Volkswille ist ja längst bekannt. Herr Ebert wurde doch schon im November 1918 „Volksbeauftragter". Vom Reich nach Preußen sind es in Berlin nur wenige Schritte. Dort herrscht Herr Severing, der preußische Polizeiminister. Beinahe hätte ich aus alter Gewohnheit vor das "preußische" das Wörrcyen „königlicher" gesetzt. Wäre dem Sinne nach vielleicht gar nichi so falsch gewesen. Mancher waschechte Genosse wird sich vor dem Kriege in seinen schweren Träumen einen „königlich" preußischen Polizeiminister so ähnlich vorgestellt haben: fest und unnachgiebig gegenüber allen Forderungen der beschränkten Bürger, energisch im Zupacken, wenn es gilt einen gefährlichen Gegner der Republik matt zu setzen und nachgiebig und milde gegen „Kinder", auch wenn sie mal unartiger sind wie gewöhnlich. Er hat entschieden etwas „Zritzisches" an sich. Erteilt Rügen an das unbotmäßige „Postdämliche" Stadlober- Haupt und verschreibt sich wie König Friedrich nach Potsdam einen französischen Hofnarren, der in echter Narrenart den „Gewaltigen" seinen „Kameraden" nennt. Voltaire— Basch. Ueberbaupt Potsdam. Semper tali! DasSeschlecht des „Müllers von Sanssouci" ist nocy nicht ausgestorben. Die Stadtverordneten mucken auf! Ob die Nachfahren sich wieder an das „Preußische Kammergericyl wenden? — Viele hatten geglaubt, der Versailler-Vertrag hätte dem militanten Ge- pränge in Potsdam endgültig den Garaus gemacht. Der 26. Oktober 1924 konnte sie eines anderen belehren. Ein Wald von Fahnen bewegte sich durch die Straßen der alten Residenz. Battaillon auf Bataillon, allerdings in sehr schwacher Friedensstärke, marschiert mit militärischer Musik vorüber. „Siegreich wollen wir Frankreich schlagen". Schnell riß der Potsdamer das Fenster auf und guckte interessiert hinaus, aber ebenso schnell schlug er es wieder zu. „Det sind ja die andern?" Wat wollen denn die mit die Melodie?! — Ein rückständiges Nest, dieses Potsdam. Nicht eine einzige Schwarz-rot-goldene Fahne grüßte von den Dächern.
Da wären wir bei der Tagesfrage.
Schwarz-rot-gold oder Schwarz-weiß-rot. „Aha"! Setzt kommts, denkt der Leser. Nur ruhig! Es wird halb so schlimm: das „suvernäne" Volk hat sich in Weimar eine Ver- faffung gegeben, das souveräne Volk kann diese Verfassung auch eines Tages ändern. Man braucht deswegen nicht wieder in Weimar zu tagen. Der Bürokrat wird den entsprechenden „Vorgang" unter den Akten der Republik sich eines Sages verfassungsmäßig mit zweidrittel Reichstagsmehrheit in d'e „schwarz-weiß-rote" Republik verwandelt? Gibts dann große Keilerei zwischen den beiderseitigen Flaggenanbetern, oder streicht Schwarz-rot-gold in Demut vor dem Willen des souveränen Volkes seine Flagge, so wie es seit 1919 von Schwarz-weiß-rot verlangt wird? Und General von Deimling? setzt er die alte preußische „Pickelhaube" wieder auf sein graues Haupt oder zieht er sich grollend als neuer Toriolan