Liryelpreis 10 Goldpfg.
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Hessische
Morgenzettuns
Fuldaer KsmsNM AWSissR fäe Rhön NN- BssäbeeD, Fußös- unè Haunetal
Die HcMchc Morgenzeitung" erscheint wöchentlich 8 mal. (außer Montags), Sonntags Anzeigen: Die 7gespaltene Milli-nctcrzeilc 8.04, auswärts N,v7Ncntenmaik. Die 92 mm
mit H.M. 3. im Bild. Bezugspreise: Durch die Post bezogen monatlich 1.50 Rentenm. güt die Volksgemeinschaft --- FÜk ÄSN. Ständefrieden breite Millimeter Rellamezeile lokal 0,30, auswärts 0.40 Nentenmart. Bei Wiederholung auslchliehlich Postgebühren. Bei Zuliellung durch unsere Träger monatlich 1.75 Rentenmark. ? Rabatt. Postscheckkonto Frankfurt a. M. L8Ül2. Fulda. Kanalstraste 44. Fernsprecher 113.
Rummr 5. ssmstso, den 6. Dezember 1924. 1. Kchrsms.
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5MNMMN vor Gerlcht!
Der erste Tag im KaarmMW-Mvzeß.
D.B. Hannover, 5. Dez. fEig.Meldg.) 5m weiteren Verlauf der Vernehmung Haarmanns am Mittwoch entwickelt sich zwischen dem Vorsitzenden und dem Angeklagten ein Dialog über die Verwendung der Zleischteile der Opfer. Bors.: Sie sollen die Zleischteile verkauft oder selbst gegessen haben. Haarmann bestreitet das entschieden. Vors.: Verkauften Sie Fleisch immer in kleinen Stücken ohne Knochen? Angekl.:
Es war Pserdesleisch, das nur ohne Knochen verkauft wird. Haarmann erzählt weiter aus Vesragen des Vorsitzenden wie er Sülze gehackt habe; dazu habe er nur Q-u-weiue- und Pserdesleisch genommen. Das von ihm verkaufte Zeit habe vom Pserd gestammt. Vors.: Was yaben Lie denn mit den Leichen getan? Haarmann schildert daraus, wie er die Leichen zerstückelt habe. Er will dazu ein kleines Messer benutzt haben. Es werden eine Anzahl von Messern vorgelegt, welche in Haarmanns Wohnung gesunden wurden und von denen er zu- gibt, daß er sie benutzt hat. Er bestre aber, bei der Lei- chenzerstückelung irgendeine Vesriedigung empsunden zu haben.
Danach wird Grans vernommen, der im Gegensatz zu Haarmann langsam, ruhig und wohluoerlegt spricht und seine Freund- schast mit Haarmann vom Beginn der Bekanntschaft 1919 bis jetzt schildert. 1922 habe er nicht meyr mit Haarmann zusammen gewohnt. Grans erklärt, er habe nichts davon gewußt, daß Haarmann junge Leute umgebracht habe, er habe niemals eine Leiche bei Haarmann gesehen und diesem auch niemals junge Leute zugesührt. Um 4 Uhr wurde die Verhandlung aus Freitag 9 Uhr vertagt.
- ■ Dez. abends teles. Die allgemeine Vernehmung der Angeklagten wurde mit der Feststellung beendet, daß Haarmann nur in wenigen Fällen und zwar von sich aus um sich Geld zu verdienen, der Polizei Mitteilungen über ihm bekannt gewordenen Strastaten bekannt machte, von der Polizei aber keine Entlohnung erhielt. 5m weiteren Verlaus der Vernehmung hat Haarmann auch die Lötung des Richard Gräs und Wilh. Erdner und des 13jährigen Rinkmann zugegeben, bestreitet aber die Lötung von Hermann Wolf. Die Verhandlungen über den Fall Hannapel werden später fortgesetzt.
Angerstein!
wb. Haiger, 5. Dez. Abends tels. Heute Rachmittag gegen 2 Uhr sand hier unter ungeheurer ^-leiligung die Beerdigung der Angersteinschen Opfer statt. Die aus Aiederschenn bezw. Dillenburg stammenden Opfer waren bereits in ihre Hei- matsorte überführt worden, fodaß in Haiger nur 6 von den Ermordeten ihre letzte Ruhe fanden. Die Leiche der 17- jährigen Schwägerin Angersteins war heute morgen aufs Reno beschlagnahmt worden und wurde erst freigegeben, als die übrigen Leicyen sich bereits auf dem Friedlose befanden. Sie wurde noch nachträglich freigegeben und auf den Friedhof nach- gebracht, fodaß sich die Lrauerzeremonien auf dem Friedhöfe um fast eine Stunde verzögerten. 5m Lrauerzuge waren die Särge zusammen auf einem Wagen untergebracht und mit Blumen und jungen Launengrüu geschmückt. Den Särgen folgten die Angehörigen der Loten, die Behörden und die Vereine mit ihren Zahnen und eine riesige Menschenmenge. Am Grabe hielt die katholische und evangelische Geistlichkeit Ansprachen, die in würdiger Weise der Opfer gedachte.
Das Neueste.
d^'c^E" über die Wirtschaftsbeziehungen mit italieu.
Rom, 5. Dez. (Lig. Meldg.) Der Lorriere dr 5ta- iia veröffentlicht eine Unterredung mit dem deutschen Wirt- Ichastsminlster Dr. Hamm über die schwebenden deutsch- ttuemschen Handelsvertragsverhandlungen. Unerläßlich sei fn™H aufzuheben, die in letzter Zeit,
' x r • ) ^"b 'n Betracht komme, bereits wesentlich ge- milberf seien Staken dürfe die deutschen Waren nicht anders behandeln, als die anderer Länder. Lin neuer Wirtschafts- impenahsmus oder nur eine wirksame bem^e Konkurrenz sei infolge ber verteuerten Produktion und der Lasten des Dawes- Planes jahrelang ausgeschlossen. Der Minister gab der Doffnung Ausdruck, daß die Verhandlungen in allen Punk- en eine befriedigende Verständigung ergeben werden.
A^A^ Gesandtschaft in München wird neu besetzt. Regierun^Ä^'-41 ^ (Ci* ^dg.) Die französische beruf, ina V ^ Vernehmen nach die nach der Abschaft in Dard verwaiste französische Sesandt- Itbaftsrnt x neu ?u besetzen. Der gegenwärtige Bot- '«^ ^ ®"’ "'O™* toll rum St- werben. b Ormasson war bis vor kurzem Bot-
fchaftsrat an der Gesandtschaft in Bern und die „Münchener Post" gibt der Ansicht Ausdruck, daß seine Versetzung nach München der Fortführung der französischen ‘Donaupolitik gel
te, der er von Regierung ist Agrements für
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Bern aus betrieben habe. Der bayerischen bis jetzt ein Ansuchen um die Erteilung des den neuen Gesandten nicht zugegangen.
Zweite Leipziger Snsurgentenprozeß.
D.B. Leipzig, 5. Dez. (Eig. Mewg.) Vor dem vierten Strafsenat bes Reichsgerichts begann am .„.drooch bie Verhandlung in dem zweiten Prozeß, der gegen Mitglieder des polnischen Verbandes der Oberschlessischen Ausständigen wegen Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens angestrengt worden ist. Es handelt fiep ^esmal um 33 Angeklagte, die sämtlich bie preußische Staatsangehörigkeit haben. Bis auf 7 im 5uü Entlassene befinden sich noch sämtliche Angeklagte in Haft. Die Verhandlung wurde nach Vernehmung der Angeklagten auf Freitag vertagt.
wb. London, 5. Dez. Nach einer Meldung des Dailg Telegraph hat die neue ägyptische Regierung beschlossen, das ägyptische Parlament aufzulösen.
wb. London, 5. Dez. Die Westminster Gazette bemerkt zu der Entrüstung in einem Teil der deutz^en Presse wegen der Meldung, daß die Räumung Kölns aller Wahrscheinlichkeit nach im 5anuar nicht stattfinde, sie habe nicht die Absicht, den Reaktionären in Deutschland zu helfen. D. Angriffe auf Alarx und Stresemann seien unfair. Die orage müsse von den Ulluerten entschieden werden. Es besteye Grund zu der Annahme, daß, wenn die Räumung verschoben würde, dies nicht lange sein werde und daß, wenn die Engländer Köln verlas- Jen mürben, die Franzosen ebenfalls ihre Truppen aus dem Luhrgebiet zurückziehen würden.
wb. London, 5. Dez. Aach dem ‘Daily Telegraph wird keine Antwort der britischen Regierung auf die letzte Note der Sowjetregierung bezüglich des Sinowjewbriefes erwartet.
. . â L^on, 5. Dez. Reuter emldet aus Washington, die britische Schuldenregelung werde dort als abgeschlossen be- trachtet. Ein Anlaß zu den Erörterungen über die Abänderung der Bedingungen bestehe nicht.
iijV°?T/ dez. Die Mitteilung der -Daily Mail über die Entdeckung eines Komplotts zur Ermordung Her- vorragender Mitglieder des britischen Kabinetts behauptet, es bekunden alle Anzeichen dafür, daß das Komplott das Ergebnis einer von der Wafd-Partei (b. i. die nationalistische Par- tei von öaglul -Pascha; eingeleiteten und geführten Propagan- bu se-. D,e Nachricht von der Entdeckung sei in einem von entboth sS f5°",9en Office gesandten Telegramm dieser Depesche sei sofort eine Sondersitz- ung des Kabinetts einberufen worden. Nach deren Schluß gab
^'"'st" bes innern Sohnson Hicks eine Mitteilung an eine besondere Abteilung von Scotland ^ard. infolgedessen is eiligst eine Konferenz der Polizeileiter einberufen und Be- e X worden, die bestehende Polizeicruppe und die privaten Detektive, die die Kabinettsmilglieder beschützen, zu ver mehren. Gewisse Kabinettsmitglieder werden Tag und Nacht von bewaffneten Geheimpolizisten beschützt. Die Scotland Aard Konferenz habe auch beschlossen, daß jedes Ministerium sofort eine besondere Wache von Polizeioffizieren erhalten soll Revolver seien sofort an alle Beamten auszugeben Die Behörden erhielten auch besondere praktische Anweisungen, wie
"holten sollen, wenn irgend ein Anschlag auf einen Minister, Beamten oder das Aegierungsgevaube unternommen werden sollte.
Krassins Einzug in Paris.
PB. Paris, 5 Dez. (Eig. Meldg.) Dem Einzug des ersten Sowjetbotschasters in Paris, Krassin, am Mittwoch vor- mittag, wohnte eine große Menschenmenge bei. Die Kommu- msten, hattenam Bahnhof eine große Kundgebung inszeniert und als Krassin die Halle durch den Ausgang für offizielle Persönlichkeiten verließ, ertönten Rufe: Ls lebe Krassin, Ls leben die Sowjets. Die internationale wurde angestimmt und Kras- sie ein Strauß roter Nelken überreicht. Nach der Abfahrt vom Bahnhof bildete sich ein Demonstrationszug, der, die internationale singend, durch die Straßen zog. Ueber seine Plä- ne erklärte Krassin, Rußland habe sein eigenes politisches System, bestreite aber keinem anderen Volke das Recht, sich die Regierung zu wählen, die ihm beliebe, iedem Beamten der Botschaft sei streng untersagt, sich an politischen Manifestationen in einem Lande zu beteiligen, das Gastfreundschaft gewähre- Die schwierige Frage der russischen Schulden und der Emigranten will Krassin erst studieren, ehe er zu ihnen Stellung nimmt.
mb. Belgrad, 5. Dez. Die Telefonlinie Belgrad—Bukarest ist gestern dem Verkehr übergeben worden.
Parteien und Nichtparteien.
24 Gruppen, die sich Parteien nennen, bewerben sich um die Stimmen der deutschen Wähler. Der „Temps" hat durchaus recht, wenn er im Hinblick auf Deutschland schreibt: Die Existenz allzu zahlreicher Parteien ijt immer ein Zeichen der Verwirrung, die in den Geistern herrscht, und der Unsicherheit der Bestrebungen eines Volkes. Lin Volk, das weiß, was es will, das klar die vorgezeichneten Ziele seines Handels unterscheidet, hat einfache und klare Gedanken. Ls bestimmt aus eigener Kraft große, freigezeichnete Linien." Was wir heute erleben, ist tatsächlich ein Zeichen der leider bereits mit einem müden Achselzucken als etwas Unabänderliches hingenommenen politischen Zerfahrenheit, wie sie sich immer wieder in der Geschichte unseres Volkes gezeigt hat und wie sie durch die Aachkriegsentwicklung geradezu zum Kennzeichen der Zeit gemacht worden ist. Die viel gerühmte Ueberlassung der Verantwortung an das deutsche Volk könnte von Gegnern des gegenwärtigen Systems in ihrem Mißerfolge als bündigste Widerlegung der Anwendungsmöglichkeit dieses Systems auf unser Volk angesehen werden.
Der Deutsche freut sich an der Arbeit des Lages, an der Sachleistung, an den Anregungen begrenzter Gemeinschaften wie der Familie, des Sreunbeskreifes, der Vereine. Der Staat aber und feine Leitung find dem Durchschnittsdeutschen Angelegenheiten, mit deren Regelung er im Einzelnen ermögl. zu schaffen haben will. Der Romane, der Pole, der Tscheche sind politische Völker — in dem Sinne, daß die Maße der einzelnen leidenschaftlichen Anteil an Staatsbingen nehmen kann. Der politische Kleinkampf, bas Agitieren und intrigieren liegt diesen Völkern im Blute. (Staatsbildnerische Zähigkeit im Großen ist dem Polen dagegen wiederum versagt). Richt nur die unglückselige Geschichtsentwicklung trägt öcbulb an der deutschen, der Politik abgespannten Geistesart. Der Deutsche hat Hieber Volksmasse seit jeher kein polnisches instinktorgan.
‘Der Begriff der Partei ist dem Deutschen nicht aufgegangen. So sehr man das heutige Parteiunwesen beklagen und verurteilen mag, man kommt nicht darum herum, daß es Parteien im eigentlichen Sinn, Gruppen gleicher Gesinnung und gleichen Willensweges, geben muß. Parteien sollen ein großes politisches Weltbild haben und die Uebertragung bie- fes Weltbildes in die Wirklichkeit anstreben. Die Mittel zur Verwirklichung dieses Weltbildes können sehr verschiedenartig fein. Die Partei als Gesinnungsgemeinschaft muß die ganze Gestaltungskraft ihrer Mitglieder auf das Ziel Hin- lenken. Der Deutsche sieht im Gegensatz hierzu die Partei als eine willkommene Gelegenheit zur Klüngelbildung, zur Verwirklichung irgend eines als Mittel aber niemals als Ziel zu erstrebenden Sonderzweckes an. Er greift aus der Fülle der Probleme irgend einen Einzelgedanken heraus, löst ihn möglichst aus den Zusammenhängen und pflanzt für ihn die Parteifahne auf, hinter der dann ein Grüppchen stolz her- marschiert und jede Gelegenheit benutzt, um das Nachbar- gruppcyen, das an sich in seinem Einzelziele durchaus nicht Unrecht zu haben braucht, anzurempeln. So haben mir denn eine JuHe von Sekten, hinter deren Zorderungen keine ge- hbloffene Gesinnung steht. Mieter sein ist ein zufälliger, häufig wechselnder Lebenszustand, Mieter sein ist aber eben-
. Weltanschauung wie Mittelständler sein? Als Parteien in oben angeführten Sinne, als Gruppen mit einem ausgeprägten Gesinnungs- und Programmgehalt bleiben von den 24 aufmarschierten Listen eigent-
Ubr‘x afs ^ in d" Vorkriegszeit gegeben hat. Solche Gruppen sind von links nach rechts die Kommunisten mit ihren irgendwo sonst vertretenen Forderungen, die Soüa-
~ Vertreter des demokratischen Staatsgedankens. Lertreter eines nationalen deutschen Liberalismus, die konfer-
Gruppe mit ihrer gefchichtlich-weltanschau- J? , Traoulon, und gegenwärtig der prägnante und f so?,ae Rationalismus, dessen ideen-Sehalt älter ist als die vor kurzem entstandene Parreigruppe. Das Zentrum ist als Parte, ein Problem für sich. Die Berechtigung dieser Partei, die so ziemlich alle übrigen Gesinnungsschattierungen Mb^h Ä !?/" * '!lt«l** I-d!g»ch ton- feßionell ab. Die selbst hier angeführten Gruppen haben reebtiauno™"^ ^- I"" ."^ Uebergangsformen eine ^e- bliehp9 S Ä ’ ""e es '" England verwirklicht ist, bliebe bie Nationalgesinnung als eine erziehungsmäßig att- mahlich zu erreichende Selbstverst^ anzusehe/ die
Rationale Rechte und die Rationale Linke, gleich in der Lr- sttebung des Endzieles, verschiedenartig in der Wahl der LLege. Vorher wurde entwicklungsmäßig eine Dreiteilung in Âinfervatioe, Liberale und Sozialisten einzusetzen sein. Ob bas teutsche Volk einmal in den Reichszustand hineinwächst, des- en Loraussetzung und Bestätigung Parteien als große Se- sinnungs- und Zielgemeinschaften sind, und der die Grün- oungen von ausgesprochenen Nichtparteien unmöglich macht, ist eine heute noch nicht zu beantwortende Frage.