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__ Hessische ^

Morsenzettuns

Fuldaer Kreisblatt, Anzeiger für Rhön und Vogelsberg, Fulda- und Haunetal

Die HeMIche Morgenzeitung" erscheint wöchentlich 8 mal. (nutzer montags), Sonntags Anzeigen: Die 7 gespaltene Millimcterzeile 8,84, auswärts 8,07 Renlenmark. Die 82 mm

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Klimmet 6. Sonntag, den 7. Dezember WM 1. Aabrgang.

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wb. Hannover, 6. De;. ön der heutigen Verhandlung wurden in erster Linie die Sachverständigen vernommen. Der Angeklagte Grans bestreitet gewußt zu haben, daß die Kleider von Getöteten stammten, und stimmt da mit dem was Haarmann aussagte nicht überein. Als Haarmann eines morgens nach Hause kam, will er einen Toten vorgefunden haben, der von anderer Seite umgebracht sein mußte. Dabei hätte ihn Trans zugerufen:das bist du gewesen und nicht ich". Den 19jähri- gen Sänger mit dem Haarmann im homosexuellen Verkehr stand, bestreitet er getötet zu haben.

Gr gibt jedoch zu einen 10jährigen Lungen getötet zu ha­ben. Ln der nach einer Pause am Nachmittag fortgesetzten Verhandlung kommt die Sprache auf die Meldungen franzö­sischer Blätter die besagten, daß Haarmann für Ostpreußen ge­worben habe. Dieses hat sich nicht bestätigt, wie auch eine politische Betätigung Haarmanns nicht erwiesen ist. ueber die Knochenfunde berichten die Kriminalsachverständigen, daß man in der Leine allein 200 rechte Schenkelknochen fand die von Lugendlichen männlichen Geschlechts stammten. An 5 Stellen wurden Schädel gefunden, was nicht mit der Aussage Haarmanns in Einklang zu bringen ist, der behauptete sämtliche Schädel zerschlagen und die Splitter in die Leine geworfen zu haben. Trotz eifrigen Nachsuchens hat man keine Splitter auffinden können. Haarmann bleibt bei feinen vorher gemach­ten Aeußerungen. Die Verhandlung wurde auf Montag 9 Uhr vertagt.

D. B. Hannover, 5. Dez. (Eig. Meldg.) Zu Beginn der he itigen Verhandlung im Haarmann-Prozeß richtet Staats­anwalt Dr. Wilde an Haarmann die Frage, es sei bekannt, daß er der hannoverschen Polizei Vigilantendienste geleistet habe. W^jMMte erkiäie«j ob er auch in politischen AngslösLnheUen be­schäftigt gewesen sei. Haarmann: Lch weiß garnicht was Politik heißt. Der Vorsitzende schließt aus dieser Aeußerung Haarmanns, damit sei erwiesen (I), daß Haarmann gar nicht politisch tätig sein konnte. Der Oberstaatsanwlt läßt fsststel- len, daß der Ausweis, den Haarmann bei seinen angeblichen Funktionen bei sich trug, von ihm selber geschrieben war, und daß der Mitinhaber des Detektivinstituts Lassa, das Haar­mann gründete, ein Kriminalkommissar a. D. Olfermann gewe­sen ist.

Haarmann wird nun nochmals vom Vorsitzenden gefragt, wohin er die Leichen geschafft hat und wie er den Transport bewerkstelligte. Haarmann: Die erste Leiche habe ich beerdigt, und die anderen habe ich dann in die Leine geworfen. Lch ha­be das Fleisch in eine Aktentasche gesteckt und so fortgetragen; ^e Knochen habe ich extra eingewickelt in die Leine geworfen Die Anzüge und die Wäsche habe ich zum Teil verbrannt, zum Teil auch verkauft und größtenteils verschenkt. Lch selbst habe nichts davongetragen, aber Grans hat die Kleider der Ermor­deten genommen und getragen. Haarmann gibt sodann eine 8 eingehende Darstellung, die zu seiner Verhaftung führte. Nun wird die gestern unterbrochene Vernehmung des Angeklagten

i Grans fortgesetzt. Haarmann springt sofort auf und wirft Grans vor, er habe nicht gearbeitet, sondern ihm das Geld aus der Tasche genommen. Er habe Haarmann zu Diebstäh­len anstlften wollen. Lch will nicht sagen, fährt er fort,daß er mich zum Mord getrieben hat, denn er hat mich zum Mord gar nicht treiben können. Das kam doch sowie so. Aber e s ist noch einer da, der mehr weiß, und wenn er nicht sagt, daß er von mir gelebt hat, dann werde ich sprechen". Vors:. Wer war denn der andere? Haarmann: Das wollen wir bis morgen lassen. Grans: Es ist nicht wahr, daß ich nur von Haarmann lebte. Es ist vielmehr richtig, daß ich indirekte Vorteile von ihm hatte. Vor.: Was hatte Haarmann eigentlich von Lhnen, daß er für Sie gesorgt hat? Grans: Es ist richtig, wenn Haarmann sagt, er hat versprochen, mich auszustatten, wenn ich heiraten wollte. Lch sollte dafür die Sorge für sein Alter übernehmen. Es ist nur Wohlwollen und Freundschaft gewesen, das uns zusammengehalten hat. Haar­mann: Grans muß die Leichen gesehen haben, als er bei mir war.

2lus dem weiteren Verhör mit Grans ergibt sich, daß er kaum vier Wochen im Lahre gearbeitet hat. Vors.: Haben sie gewußt, daß Haarmann junge Leute getötet hat? Angekl.: Nein. Vors.: Haben Sie einmal Leichenteile bei Haarmann liegen sehen? Grans: Nein. Damit wird das allgemeine Ver­hör des Angeklagten Grans beendet.

Der Oberstaatsanwalt stellt sodann noch fest, daß Haar­mann der Polizei nur in drei Fällen als Spitzel gedient habe; in zwei -anderen Fällen hat er sich lediglich als Privatdetektiv an die Polizei gewandt. Er habe auch niemals von der Po- lizei in Hannover eine Belohnung für seine Dienste bekommen. das Gericht tritt alsdann in die Erörterung der einzelnen Fälle ein, wobei die Öffentlichkeit ausgeschlossen wird. 2?acb Wiederherstellung der Öffentlichkeit gibt Haarmann nach langem hin und her zu, den Gastwirtssohn Friedel Ro- the als ersten ermordet zu haben. Haarmann bittet sodann den Vorsitzenden,die Frauen zum Verlassen des Zuschauerraumes

vor Gericht!

zu bewegen, da es ihm peinlich sei, in ihrer Gegenwart so ent­setzliche Dinge zu erörtern.

Eine neue Verhaftung im Haarmannprozeß.

D.B. Hannover, 6. Dez. (Lig. Meldg.) Der Haarmann­prozeß hat am Freitag insofern eine sensationelle Wendung an­genommen, als durch die Aussagen Haarmanns nunmehr noch eine dritte Person in diese gräßliche Mordaffäre verwickelt ist. Auf Grund der Aussagen Haarmanns wurde am Nachmittag der 21jährige Hugo Witkowski von der Polizei verhaftet und in das Untersuchungsgefängnis eingeliefert. Haarmann hatte Witkowski befchuldigt, daß dieser zusammen mit Grans den Arbeiter Adolf Hennies im Dezember 1925 ermordet habe und zwar in der Wohnung Haarmanns. Wie weit die Beschuldig­ungen Haarmanns tatsächlichen Hintergrund haben, müssen erst die weiteren Verhandlungen ergeben.

Das Neueste.

Wahlmanöver?

wb. Berlin, 6. Dez. Wie der Pariser Korrespondent der Vossischen Zeitung meldet, beschloß die französische Regierung gestern der deutschen Regierung dem französischen Botschafter in Berlin eine offizielle Einladung Deutschlands zur internatio­nalen Kunstausstellung in Paris im Lahre 1925 zu über­reichen. ' ' f

Untergang eines deutschen Dampfers.

wb. Hamburg, 6. Dez. Der Flensburger Dampfer Kanal Nr. 4 ist auf der Reise von Hamburg nach Flensburg in einem schweren Sturm in der Ostsee MMM; Dts Manns chc te von einem deutschen Torpedoboot gerettet werden.

Erhöhung der Kriegsrenten.

wb. Berlin, 6. Dez. Die für den Monat Lanuar 1925 fäl­ligen Versorgungsgebühren werden bereits am 27. statt am 29. Dezember ausgezahlt.

wb. Berlin, 6. Dez. Lm Zusammenhang mit der Erhöh­ung der Beamtengehälter find auch die Verstümmelungs-Zu­lagen und die den Hinterbliebenen von Berufsoffizieren oder Beamten an Stelle der Kriegsversorgung gewährten Zuschläge von Witwen- und Waisengeld, die bei den letzten Besoldungs- Verhandlungen unverändert geblieben waren, nunmehr mit Wirkung vom 1. Dezember 1924 um rund 25 Prozent erhöht worden.

Streik in Saarbrücken.

wb. Saarbrücken, 6. Dez. (abds. telef.) DieVolksstim­me" meldet daß gestern Nachmittag 400 Arbeiter des Llektro- Zweig-Werkes in der Velkinger Hütte wegen Nichteinhaltung der mit den Organisationen in den Verhandlungen getroffenen Vereinbarungen, die Arbeit niederlegten. Die Hütte weigerte sich die Akkordlöhne in der vereinbarten Höhe zu zahlen.

Das Urteil im 2. Lnsnrgentenprozeß.

D.B. Leipzig, 6. Dez. (Lig. Meldg.) Vor dem Reichs­gericht wurde am Freitag nach mehrstündiger Beratung das Urteil im 2. Prozeß gegen die oberschlesischen Lnsurgenten ver­kündet. Drei Angeklagte wurden freigesprochen, drei weitere wurden zu je vier Monaten Festungshaft und 100 Mark Geld­strafe verurteilt, die anderen 2 Angeklagten erhielten je sechs Monate Festungshaft und 200 Mark Geldstrafe. Die Unter­suchungshaft wurde^ überall angerechnet und sämtliche Ange­klagten auf freien Fuß gesetzt.

Verhaftung eines Spitzenkandidaten.

D.B. Schneidemühl, 5. Dez. (Lig. Meldg.) Heute vormit­tag wurde der Spitzenkandidat der Nationalsozialisten für den Wahlkreis Frankfurt-Oder Grenzmark, Stadtrat Köhler, wegen Vergehens gegen den § 175 des Strafgesetzbuches ver­haftet worden. Stabtrat Köhler war der Führer der deutsch­völkischen Bewegung in der Grenzmark und widmete sich be­sonders dem Aufbau der völkischen Lugendorganisationen.

Schwere Liseubahukalastrophe in Laliforuieu.

D.B. Paris, 5. Dez. (Lig. Meldg.) Lm Westn Siidamri- Kas sind einem Eisenbahnunglück zahlreiche Menschenleben zum Opfer gefallen. Ln Oakland in Kalifornien stießen zwei elek­trische Vorortzüge zusammen und wurden vollständig zer­trümmert. 25 Leichen sind bereits unter den Trümmern her- vorgezogen worden. Eine große Anzahl von Personen erlitt äußerst schwere Verletzungen.

Schwere Unterschlagungen bei der Eisenbahndirektion.

D.B. Berlin, 5. Dez. (Lig. Meldg.) Durch die Kri­minaldienststelle der Reichsbahndirektion Berlin wurden fünf Beamte der Eisenbahn verhaftet, die über 60000 Mk. amtliche Gelder unterschlagen haben. Die Verhafteten sind bis auf einen heute dem UntersuchungsrichlerzugefUhrt worden. Die Auf­deckung der Unterschlagungen gelang dadurch, daß heute von

Du hast zu wählen.

Ein doppelter Sinn liegt in dem Satz: Du hast zu wäh­len. Ein Lmpcrativ und eine Feststellung. Und in diesem zweifachen Sinne soll sich heute jeder Deutsche die Worte vor Augen halten: Du hast zu wählen! Die Ausübung des Wahl­rechts ist Pflicht, wie jede Teilnahme an den öffentlichen Din­gen Pflicht jür den ist, der einem Staate angehört, feinen f chvtz genießt und seine Einrichtungen benutzt. Eine besonde­re Wahlpflicht liegt noch für alle die vor, denen irgend etw"S an den heutigen Zuständen nicht gefällt und wem gefielen sie restlos? Ledenfalls wird keiner, der nicht gewählt hat, nach-

her des die die

b.-.i Mund au.tun dürfen, um zu räsonieren. Ln der Zeit konstitutionellen Systeme konnte man noch eher sagen Regierung tut doch, was sie will. Heute aber wähltst d u neue Regierung! Lst bas wirklich schon jedem klar?

Das Proportionalsgstem, so wie es jetz! bei uns einae-

führt ijt, hat manche Fehler. Aber das Eine muß man ihm lasse": es bringt jede Stimme zur Geltung. Wenigstens jede, b*e für eine der großen Parteien abgegeben wird. Wer so eigen ist, eine Liste von den sinnlos, kleinen Sekten anzu- kreuzen, dessen Votum fällt allerdings mit Recht in denpa- Picn orb. Die Stimmen für die wirklichen Parteien aber wer­den, soweit jie für die Wahl von Kandidaten in den Kreisen nicht mey" nötig sind, gesammelt in den Verbänden und dann bei den Reichs- oder Landeslistsn. Und so kann eine Stimme einen Abgeordneten mehr schaffen. Es gab auch Zeiten, wo die Mehrpeitsverhältnisse im Reichstag oder in den Landtagen sc jülc' waren, paß die Nichtbeteiligung eines Einzelnen a" der Wahl entsetz .ldbar scheinen konnte. Wie liegen aber Heu- *e die Dinge? Das Eharakteristikum der Gegenwart ist dis

Unsicherheit der Mehrheitsverhältnisse in allen Volksver­tretungen. Der Linkssturm ist vorüber; der Rechtsdruck war nicht so stark, daß er zu festen Mehrheiten der Rechten hätte führen können; die zusammengeschmolzene Mitts beginnt sich wieder auszudehuM. Die Unmöglichkeit eine starke oder zu- verläffige Regierungskoalition zu bilden, hat nicht nur den ätzten Reichstag, sondern auch manches Linzelparlament zu Fall gebracht. Und da kommt es meist auf ein paar Abgeord­nete an, die einer unsicheren Majorität fehlen, um die als ge- eigneie Basis für eine Regierungsbildung erscheinen zu lassen. So kannst d u mit deiner Stimme vielleicht nicht nur die Zahl für einen weiteren Vertreter deiner Partei voll machen, son­dern sogar dadurch eine andere Mehrheits- und Regierungs­bildung ermöglichen. Darum nochmals: D u hast zu wählen!

Wir sind schon hineingeraten in den anderen Sinn des Gotzes. Du hast zu wählen, was dir geschehen soll. Es wird nicht von einem unabwendbaren Schicksal auf dich herabge­sandt, sondern es ist in deine Hand gegeben. Willst du, daß im Rcny alles drunter und drüber gehe? Willst du, daß du von andern regiert wirft als von Leuten Deines Vertrauens?

Haft du Freude gehabt an der Zwangswiripyaft, am Verfall des Beamtentums, an Streiks in öffentlichen Betrieben? Glaubst du, mit deutschem Pazifismus die Rüstungen der Welt

ringsum zu überwinden? Aber selbst wenn du auf alle bie- Je Fragen mit nein antwortest, so hast du immer noch die Wahl

zwgcyen anveren Parteien, die ebenfalls das alles nicht wol­len Wirklich: du kannst dir wählen, was du für dein 75a- terlanb und für dich selbst dir wünschst! DieQual" der Ent­scheidung ist dann nicht mehr groß, wenn du über die Vorfra- gcn dir im Klaren bist. Du hast zu wählen zwijcyen Utopie und Wirklichkeit, du hast zu wählen zwischen Welt und Vater- 'a v, du hast zu wählen zwischen Wirrwarr uirb Aufstieg.

Du kannst wählen deshalb mußi du wählen!

einem Geldtransport der Rentenbank 60 000 Mark verloren gingen. Die Untersuchung führte dann zu der Feststellung, daß eine Reihe von Beamten auf einem Fuße lebten, zu dem das kleine Gehalt in keinem Verhältnis stand.

Das Urteil im Hammer-Prozeß.

D.B. Hamburg, 6. Dez. (Lig Meldg.) Ln dem Beleidig­ungsprozeß der Hamburger Bankiers Max Warburg und Karl Melchior gegen den Herausgeber desHammer" Theodor Fritsch wurde dem Hamburger Amtsgericht folgendes Ur­teil gefällt: Theodor Fritsch wird wegen Beleidigung der bei­den Kläger zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Das Ur­teil ist imHammer", in drei Hamburger und drei auswärti­gen Zeitungen zu publizieren.

Neue Zusammenstöße in Estland.

D.B. Riga, 6. Dez. (Eig. Meldg.) Ln der Nähe von Re­val spielte sich als Nachwirkung des kürzlich gemeldeten Put­sches eine neue Schießerei zwischen Polizisten und Kommunisten ab. Die Polizei umzingelte am Donnerstag abend ein Haus, in dem sich mehrere Kommunisten aufhielten und stürmte es im Pause des Freitag. Nach dem offiziellen Bericht wurden da­bei 3 Kommunisten getötet und drei Polizisten verwundet.

Tibetanische Priester in London. Ln England sind soeben sieben Lamas vom Fuße des Mount Everest angekommen. Es