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Hessische , Morsenzettuns

Aul-are Kerisblatt, Anzeiger für Rhön und Bogelsberg, Ful-a un- Haunetal

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Summer s.

Mttwoch, den 10. IWMber 1924.

1. Mrsang.

EiegMiem rechts vnd links.

Das Erstaunlichste an dieser Adventswahl ist, daß sich alle eigentlichen, nämlich die parlamentarischen Parteien über die Geschenke freuen, die ihnen Nikolaus gebracht hat. Nur den antiparlamentarischen gab er die Nute zu spuren. 2hre Ge­schenke wurden unter die anderen Kinder verteilt die sich nun damit vergnügen, sie sich gegenseitig vorzuhalten und zu sa­gen:Etsch, ich habe doch am meisten gekriegt". Mit ande­ren Worten: links und rechts feiert man Siegesfeiern" die So­zialdemokraten triumphieren, aber die Deutschnationalen auch. Aeußerlich betrachtet haben jene mehr Recht dazu, weil ihre Zahl sich erheblich vermehrt, der Verlust der radikalen Nach­barpartei ihnen also stärker zugute gekommen ist als den Deutschnationalen der Verlust derFreiheitsbewegung". Diese aber dürfen für sich in Anspruch nehmen, daß ihr Sieg inner­lich der größere ist, weil er unter den allerungünstigsten Um­ständen erfochten wurde und zweifellos die stärkste oder wohl die einzige Ueberraschung des 7. Dezember darstellt.

Die Zunahme der Sozialdemokratie ist kaum allein auf den Rückgang der Kommunisten zurückzuführen, der nicht ganz so stark ist, wie manche prophezeit hatten, sondern es müssen auch aus den Mittel- und Rechtsparteien gewisse Schichten ? (wohl Angestellte und kleinere Beamte) nach links abgerutscht sein. Das erklärt sich aus dem Ueberwiegen der finanziellen und sozialen Fragen in der Gegenwart und nächsten Zukunft; die Sozialdemokratie, die an der Reichsregierung nicht teil hatte, konnte hier den Mund sehr voll nehmen. Allerdings wird infolgedessen auch ihre praktische Betätigung im neuen Reichstag umso schwieriger sein. Serner hat dasReichs­banner" wahrscheinlich einen gewissen Sinfluß auf die Mas­sen ausgeübt. Die Demokraten haben sich dabei recht selbst­los gezeigt,indem sie weit weniger Gewinne aus dem schwarz- rot-goldenen Kampf gegen das Bürgerblock-Gespenst zogen als die Sozialdemokraten. Die demokratische Fraktion hat mit ihrem Nein bei den letzten Regierungs-Bildungsversuchen im bisherigen Reichstag offenbar gewissen Leuten imponiert, aber die Linksbewegung, die sie dabei machte, und der Verlust an stärker national eingestellten Köpfen dürfte sich doch rächen, da die Partei unter diesen Umständen immer abhängiger von dem großen sozialdemokratischen Bruder werden wird. 2hre klei­ne Zunahme ist vielleicht ein Pgrrhus-Sieg. Die Deutsche Volkspartei hat ein stärkeres Anwachsen zu verzeichnen, doch g durfte man eigentlich noch mehr für sie erwarten. Sie stand ; freilich im Trommelfeuer von links und rechts. Besonders interessant ist die Frage, ob ihre Parolegeradeaus" d. h. des Nichtfestlegen nach einer Seite der DVP. in manchen Kreisen ' geschadet hat. Man könnte glauben, baß ein Teil der Wäh- . lerschaft, auch wenn es für das Mitregieren und insofern für die Mitte ist, sich doch am liebsten nach einer festen Parole orientiert: rechts oder links antisozialistisch oder sozialistisch. Das ist bequemer, während die wahre Mittelpolitik wohl die meiste politische Schulung erfordert.

So wird in erster Linie die Behauptung der Deutschnatio- nalen zst erklären sein, wenn es auch allen politisch Erfahre­nen zunächst ein Rätsel ist, baß die Spaltung der Fraktion in der Abstimmung über die Dawes-Gesetze nicht einen stärkeren Einfluß auf die Wählerschaft ausgeübt hat. Der Rechten kommt gewiß die Disziplin der hinter ihnen stehenden Bevöl­kerungsschichten zugute, daneben muß aber auch mitgesprochen haben, baß in manchen Landesteilen die Deutschnationalen ent- L schieden für die Politik ihres rechten Flügels kämpften, in an- 2 deren dagegen für die Politik Hergts. Es wird sich daher erst Herausstellen müssen, wie die neue Fraktion sich zusammensetzt unb auf welchen politischen Weg sie sich führen läßt. Ent­scheidend werden dabei die Verhandlungen über die Bildung der neuen Regierung sein, die schon am Ende dieser Woche beginnen dürften. Jedenfalls hat die starke Wahlbeteiligung gezeigt, baß die Deutschen sich ihrer Verantwortung gegenüber dem Staat immer mehr bewußt werben und baß sie immer ern- Ä ^s zu dem Ziel der praktischen Zusammenarbeit hinstreben. I Stärker als bei den Maiwahlen zeigt sich, baß wir die Revo­lution nunmehr endgültig zu überwinden im. Begriffe sind.

Monroedoktrirrarismus.

Präsident Eoolidge hat in seiner Antrittsbotschaft bereits unzweideutig zu verstehen gegeben, baß die Prinzipe der Nicht­einmischung in europäische Angelegenheiten durch die lediglich finanzpolitisch aufzufassende Ausarbeitung des Dawes-Gut­achtens nicht beeinflußt werden soll. An die Spitze des Se- natsausschusses für auswärtige Angelegenheiten ist nun ein Wann getreten, dem das Monroe-PrinzipAmerika den Amerikanern" in der Anwendung Europa den Europäern" innerste politische Glaubensempfindung ist. Er hat sich aus biejem Grunde auch aufs schärfste gege.. den Eintritt Ameri­kas in den Weltschiedsgerichtshof im Haag erklärt und zwar aus dem nicht von der Hand zu weisenden weil unbestreitbar

Das Neueste.

wb. Berlin, 9. Dez. Vorläufiger amtlicher Ergebnis der Reichstagswahlen. Nach den bis 11 Uhr mittags beim Reichs­wahlleiter eingegangenen Meldungen wurden an Stimmen für die einzelnen Parteien abgegeben: Sozialdemokraten 7 859 435 (Sitze 131), Dentfchnationale Volkspartei 6 180 281 (Sitze 103) Zentrum 4 117 481 (Sitze 69), Kommunisten 2 698 956 (Sitze 45), Deutsche Volkspartei 3 046 493 (Sitze 51), Aationalfoz. Freiheitsbewegung 901 601 (Sitz 14), Demokraten 1 915 187 (Sitze 3 2), Bäuerische Vpt. 1 120 752 (Sitze 19), Wirtschafts­pakte! und Vag. Bauernbund 999 703 (Sitze 17), Landbund 498 003 (Sitze 8), Deutsch-Hannoveraner 262 569 (Sitze 4), Häußerbnnd 10168, Unabh. Soz. 98 533, Starkbund 193, Deutsche Aufwertungs- und Aufbaupartei 92 556, Freiwirt- scyaftsbund 39 162, Deutsch-Soziale Partei 157 835, Ehristlich Soziale Volksgemeinschaft 41 375, Nationale Minderheiten 92 565, Deutsch-Vöèk. Reichspartei 5 585, Aufwertgs- und Wiederaufbaupartei 22 281, Mieterpartei 285, Partei für Volkswohlfahrt 52 256, Deutfch-Ehristl. Vpt. 4 542. Sum­me der abgegebenen gültigen Stimmen 50 195 569.

wb. München, 9. Dez. Zum Ergebnis der Reichstagswah- leu schreibt der Bayerische Kurier u. a.: Das wesentliche Kennzeichen der Wahlen in Bagern ist der vollkommene Zu­sammenbruch der Völkischen Partei. Die Bayerische Volks­partei hat die jüngst erlittene Scharte ausgewetzt. Sämtliche Regierungsparleien haben im Vergleich zum Ergebnis der letz­ten Landtagswahlen stark zugenommen. Die Neue Freie Volkszeitung sagt, wie vorauszusehen gewesen sei habe die Po­litik der Völkischen Schiffbruch erlitten. Der Politiker Lu­dendorff sei auf der Wahlstatt geblieben, selbst wenn er auch als Sp^zenkandidat gewählt sei.

wb. Freiburg, 9. Dez. <3n Zöhrenbach i. Schwarzwald wur­de der Gendarmeriebeamte Eichhorn und seine Frau in der Wohnung des Ehepaares erschossen aufgefunden. Neben den Leichen spielte das zwei Fahre alte Kind. Eichhorn hat an­scheinend seine Frau und sich mit seiner Dienstpistole erschossen. Der Grund zu der Tat ist noch nicht aufgeklärt.

wb. Wien, 9. Dez. Das Ergebnis der Reichstagswahlen findet in der hiesigen Presse eine durchaus günstige Beurteil­ung. Die Blätter stellen mit Genugtuung fest, baß sich das deutsche Volk durch seine entschiedene Abkehr von den radi­kalen Parteien rechts und links und durch den ruhigen Ver­lauf der Wahlen für eine Politik des Friedens ausgesprochen habe, fügen aber hinzu, baß die Regierungsbnoung dennoch recht große Schwierigkeiten machen werde, da sich im Ver­hältnis der Stimmenzahl der großen maßgebenden Parteien zueinander keine durchgreifende Veränderung vollzogen habe.

Ausländische Zeitungen;ur Wahl.

Die Morning Post führt aus: Die Wahlen zeigen, daß Deutschland in Ordnung kommt. Fnsofern, als sie die Zer­störung der bolschewistischen Hoffnungen bedeuten, wird ihr Ergebnis in England begrüßt werden. Bedeuten sie auch ei­nen ehrlichen Versuch der Erfüllungspolitik? So groß auch unsere Bewunderung für die politische Geschmeidigkeit Strese­manns ist, die erfolgreiche Ausführung des Dawesplanes wird unseres Erachtens nicht von der Taktik irgendeines deutschen Politikers abhängen, sondern von der Solidarität zwischen Großbritannien und Frankreich.

Dailg Mail erklärt; das Ergebnis der Wahlen sei enttäu­schend. Die Lage bleibe die alte.

3m Dailg Expreß heißt es: Die amerikanischen ebenso wie die britischen Wahlen haben die umstürzlerischen und zerstören­den politischen Tendenzen gebannt und dem Handel und der Fn- dustrie die Sicherheit gegeben, daß für lange Zeit auf gutes Wetter zu rechnen ist. Die deutschen Wahlen haben gezeigt, daß das deutsche Volk sich ber gleichen Auffassung nicht ver­schließt.

Die Financial Times meint: Das Wahlergebnis ist ein hoffnungsvolles Zeichen für die Wiederherstellung Europas. Deutschlands Aussichten werden vertrauensvoller beurteilt wer- ben als zuvor und dies wird feiner inneren Lage zugute kom­men und das Vertrauen der Kapitalisten des Auslandes steigern.

Das Arbeiterblatt Dailg Herold schreibt: Die Deutschen beweisen ihren gesunden Sinn. Das deutsche Volk, die deut­schen Sozialdemokraten und Europa müssen zu dem Ergebnis beglückwünscht werden.

Paris, 9. Dez. Das belgische Justizministerium hat bie Ausweisung der in Frankreich unliebsam gewordenen kom­munistischen Elemente über die belgische Grenze, wohin sich be­sonders die Italiener hatten begeben wollen, telegraphisch zu» rückgewiesen und ihre Grenzpolizei dahin angewiesen, den Kommunisten den Uebertritt auf belgisches Gebiet zu verwehren.

wb. Paris, 9. Dez. Wie dasEcho be Paris" zu wissen glaubt, wird zu Beginn der heutigen Kammersitzung der Abg. Klotz Ministerpräsident Herriot eine Frage über die Ausführ­ung des Dawesplanes stellen, die angesichts des Ausfalls der deutschen Wahlen ein ganz besonderes Fnteresse hervorrufen wird.

Zahlen und ihre Lehren.

Reich und Preußen.

Die wilde Erregung des Wahlkampfes ist vorüber, an die Stelle der Leidenschaften tritt wieder die ruhige Ueberlegung, an die Stelle der großen Worte die nüchterne Zahl. Da jetzt die Frage der Regierungsbildung im Reich und in Preußen die bringende ist und für ihre Lösung die richtige Erfassung der Wahlergebnisse von ausschlaggebender Bedeutung sein wird, geben wir zunächst einmal eine Uebersicht über die Ver­änderungen in den Stimmenzahlen und den Mandaten. Zwar kann sich einiges an den bisher mitgeteilten Ziffern noch ver­schieben, aber im wesentlichen genügen diese doch schon als Grundlagen der Berechnung.

Jm Reich haben die Deutschnationalen zusammen mit dem Landbund ihre Stimmen um rund 330 000 vermehrt. Die Nationalsozialisten haben eine Abnahme der Stimmen um mehr als 1032 000 zu verzeichnen; die Komunisten eine solche um mehr als 1 067 000. Die Sozialdemokratie hat aber rund 1,78 Mil. Stirn, mehr erhalten als Mai, so daß sie beträcht­lich über den kommunistischen Verlust hinaus angewachsen ist, während die Deutschnationalen fast 700 000 Stimmen nicht er­halten haben, die den Völkischen verloren gegangen sind. So­zialdemokraten und Kommunisten zusammen haben im Dezem­ber etwa 700 000 Stimmen mehr erhalten als im Mai. Die für einen Block der nichtsozialistischen Parteien in Betracht kommenden Gruppen (also ohne die Demokraten) haben rund 12,9 Millionen Stimmen erhalten; die Sozialdemokraten und Demokraten zusammen rund 9,7 Millionen Stimmen. Zählt man ihnen noch die Hälfte der vier Millionen Zentrumsstim­men hinzu, so würde sich also für dasReichsbanner" eine Zahl von 11,6 Millionen ergeben gegenüber 12.9 Millionen fürschwarz-weiß-rot". Das ganze Zentrum kann man ja selbst nach den Erklärungen des Herrn Marx, keinesfalls zum Reichsbanner" zählen, womit natürlich die Verfassungstreue des rechten Flügels nicht bezweifelt werden soll. Zählt man Kommunisten, Sozialdemokraten und Demokraten zur Linken, so hätten diese Parteien zusammen etwa 12,4 Millionen gegen­über 12,9 Millionen der größeren Rechten, und dazwischen stände das Zentrum mit seinen vier Millionen.

Die Mandatszahlen im neuen Reichstag lassen sich folgen­dermaßen gruppieren. Der Linksblock (Soz., Dem. und Z.) ist von 193 auf 230 angewachsen, erreicht also noch nicht die 245, die zur Mehrheitsbildung nötig sind. Diegroße Koa­lition" hat statt 237 jetzt 280 Mandate, also 35 mehr als die Hälfte. Die Parteien von Hergt bis Marx, die bisher mit 246 Mandaten nur 10 über die Hälfte besassen, haben nun­mehr 268 Mandate, also 23 über die Hälfte. Man kann also jetzt von einer vor Ueberraschungen sicheren Mehrheit der an­tisozialistischen Parteien sprechen; dem Zentrum ist die Aus­rede, daß eine solche nicht vorhanden sei, nunmehr genommen. Die Konsequenzen liegen auf der Hand. Die drei Regier­ungsparteien allein verfügen jetzt über 158 Stimmen statt bis­her 147; es fehlen ihnen also immer noch 87 Stimmen an der knappsten Mehrheit.

Auch in Preußen, wo die Sozialdemokraten im Landtag von 137 auf 116 Sitze zurückgingen, ist ein Linksblock der im alten Landtag für die Volkspartei den Hauptgrund zum Eintritt in diegroße Koalition" gab, durch die Neuwahl be­seitigt. Soz, Dem. und Zentrum hatten 241 Mandate, also 30 über die Hälfte, jetzt aber haben sie 221 Mandate, also 8 unter der Hälfte. Diegroße Koalition" ist von 298 auf 271 Mandate heruntergegangen. Der Block der Antisozialisten, der bisher 220 Mandate zählte, ist auf 255 gestiegen; er ver­fügt also über 26 Mandate mehr, als zur knappsten Majori- tätsbilbung nötig wären. Die Parallelität mit dem Reiche ist auffallend: dort 23, hier 26.

Mandate über die absolute Mehrheit, also in beiden Par­lamenten sind genügend für eine Regierungsbildung. Zu beacht, ist wohl noch, daß die DVP., die im Reich fünf Mandate ge­wonnen hat, in Preußen sieben verlor. Man wird das der Abneigung in immerhin erheblichen Wählerschichten gegen die große Koalition" zuschreiben dürfen.

richtigen Grunde, daß der Völkerbund, mit dem der Haager Gerichtshof ja in enger Verbindung steht, alles andere als ei­ne unparteiische Einrichtung sei. Nachdem also Amerika durch seinen unseeligen Präsidenten, dessen Name ja das Unfriedens­werk und den Völkerbund im besonderen kennzeichnet, Europa in ein Ehaos gestoßen hat und nachdem es mit Hilfe des Da­wes-Planes feiner Hochfinanz noch die Nutznießung aus diesem Zersetzungszustand zugeschanft hat, hält es sich vornehm ab­seits. Solange natürlich bis die Durchberechnung der umge­kehrten Monroedoktrin wieder einmal politische Vorteile oder gute Geschäfte einbringt.

Europas übertünchte Höflichkeit" verbietet es, den Em­pfindungen Ausdruck zu geben, die das Verhalten Amerikas in jedem denkenden Menschen erwecken muß.