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Fuldaer Kreisblatt, Anzrivee Br Rhön und Vogelsbrrs, Fulda- und Haunetal

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Nummer S. Dvnmrstag, den 11. Dezember 1924. 1. Mrgang.

Bayern und die deuWe Rechte.

(Von unserem Münchener Korrespondenten.)

Die bayerische Regierung und die hinter ihr stehende Bayerische Volkspartei haben sich von den Folgen der Ka­tastrophenpolitik, die jahrelang die bayerischen Verhältnisse bis zum Grund erschütterte, langsam wieder erholt und bereiten sich vor, aufs neue aktiv in die gesamte «xeichspolitik einzu­greifen. ön das völkische Erbe teilen sich in Bagern ziemluo gleichmäßig die D e u 1 s ch n a t i o n a 1 e n und die Baye­rische V o l k s p a r 1 e i. Das Verschwinden der Völki­schen hat auch die Bahn frei gemacht für den Zusammen­schluß der Rechtsparteien zu einem Bügerblock, dem sich je- MD^doch die bayerischenDemokraten bei den letzten Gememdewah- Dn mit wenigen Ausnahmen ferngehalten ^aben.

Die Bayerische Volkspartei und die Deutsch- nationalen sind sich sozusagen auf halbem Wege begegnet. Sie haben beträchtliche innerpolityiye öntereyen gemeinsam, und was sie trennt, sind lediglich einige Fragen konfessionel­len Charakter s, über die man jedoch im allgemeinen nicht spricht und, wo sie, wie bei den Konkorvatsverhandlungen, doch berührt werden mu^en, auf beiden Seiten einander ent­gegenkommt. Aber viel wichtiger als diese ...einen Differen­zen ist doch das Bestreben, einen Bundesgenossen zu haben, der innerhalb und außèrha^ oes Parlaments die eigenen Ten­denzen fördern hilft und gegen die feindlichen Flügel einen Rückhalt bietet. Da ist vor allem die monar^^e ödee, die sich besonders angesichts der bevorstehenden Reichspräsidenten- wahl wieder stärker in den Vordergrund drängt als jemals seit der Aooemberrevolution. Verfassungsrevision das ist das Hauptsacylichste Schlagwort, unter dessen ^ayen sich die Geister gefunden haben. Bekammicy hac die bayerijcpe Re- gierung jepon vor längerer Feit dem zteuyskabineit eine Denkschrift überreicht, in der zahlreiche Wünsche auf Revision der Verfassung in partikuläristlfchsm Sinne dargMgt mürben. Auch drängen die besonders rechts gerichteten Gruppen der Bayerischen Volkspartei darauf, nun endlich Ernst zu machen, mit der Einrichtung der bayerischen Sfaatspräfibenterfchaft, die ja nur die letzte Vorbereitung für die Wiedererrichtung des bayerischen Königstums bedeuten soll. Bisher hatKönig" Rupprecht sich noch nicht entschließen können, den Absprung zu wagen und Ministerpräsident Held hat ihn immer wieder in dem Entschluß bestärkt, den Feitpunkt abzuwarten, wo der Uebergang von der offiziösen zur offiziellen Monarchie sich ohne besondere Reibungen und Sensationen vollziehen könnte Aber die Entwicklung in Bagern könnte den Drahtziehern doch ei­nes Tages aus den Händen gleiten. Man kann sich scyließlich nicht jahrelang fast allwöchentlich bei irgendeiner festlichen Veranstaltung als König feiern lassen und die Hoffnungen und Erwa^tunge» seiner Getreuen immer wieder enttäusch u und mit Vertrös ungen auf eine nahe (Zukunft abspeisen. D^s un­geduldigerängen der temperamentvolleren Monarchisten hai in derb <n (Zeit einen so bedrohlichen Umfang angenommen, daß es schließlich der Regierung auf die Nerven fiel, und der Minil -Präsident imRegensburger Anzeiger" selbst das

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Were Relchsmariue.

Der erste neue Kreuzer.

Nach dem Versailler Friedensvertrage darf Deutschland nur sechs Linienschiffe derDeutschland"- oderLothringen"- Klasse, 6 kleine Kreuzer, 12 (Zerstörer und 12 Torpedoboote neben einigen wenigen Vermessungsschiffen und Tendern in Dienst halten. Da die Linienschiffe und Kreuzer wegen ihres Alters die Kreuzer stammen aus den Fahren um 1900 in anderen Feiten schon längst zum alten Eisen geworfen wor­den wären, ist es besonders auch für den Auslandsdienst zu begrüßen, daß der erste Neubau unserer so kleinen Reichsma- rine seiner Vollendung entgegengeht. Es ist der kleine Kreu- ?erA (der spätere Name steht noch nicht fest), der unter den Depiacementsbesrhränkungen des Versailler Vertrages ent- woi fon wurde. Da die Größe für die Ersatzbauten unserer in Dienst bejmdlichen Kreuzer auf 6000 Tonnen festgesetzt ist, bleiben wir in der Wasserverdrängung etwa auf die letzten im Kriege erbauten Schiffe derErfatz-Leipzig"-Klasse beschränkt. Zufolge Ausnutzung der neuesten Fortschritte der Technik stellt dieser kleine Kreuzer einen erheblich verbesserten Tgp dar, be­sonders da bei seinem Bau sämtliche Erfahrungen des letzten Krieges verwendet worden sind. Die erste Rate zum Bau des Schiffes wurde bereits im Fahre 1920 bewilligt; feine Fer­tigstellung wurde besonders dadurch verzögert, daß die im Ruhrgebiets bestellten größeren Baustoffmengen nicht gelie­fert werden konnten. Der Schiffskörper ist auf der Helling bis ?um Oberdeck in seinen Hauptteilen fertiggestellt. Die Ressel und Turbinen werden bis zum Ende dieses Fahre ge- wjeit, Jo daß man hofft, es im Frühjahr nächsten Fahrer von Stapel zu lassen. Fm Herbst 1925 rechnet man, wie dieMa­

Wort ergreifen mußte, um zu besänftigen und zur Bejonnen- Heit zu mahmen. Aber die bayerische Regierung hat doch die Lehre daraus genommen, daß sie für ihre Wamer nun bald ein­mal etwas tun müsse, und sie glaubt auch die Verhältnisse in­zwischen wieder soweit konsolidiert, daß ein großangelegter Vorstoß sich gefahrlos bewerkstelligen läßt.

Hier fängt nun das Einverständnis mit den Deutsch nationalen an, wertvoll zu werden. ^ie Deutschnationalen brauchen ebenfalls neue Histe und einen neuen Stützpunkt. Die Eroberung Preußens kann, wie jie einsehen, doch nur allmählich und etappenweise erfolgen, ön tünchen ist der Boden vorbereitet und sie haben es beque­mer, wenn sie mit der bayerischen Regierung Hand in Hand arbeiten. So wird denn von beu.jumationaler Seite die alte Parole wieder hervorgeholt, daß von Bagern aus die natio­nale Wiedergeburt Dem, Biands erfolgen müsse. Fm nächsten Reichstage wird die Verfassungsfrage von der Bäuerischen Volkspartei und den Deuqchnationaien in großer Aufmach­ung aufgerollt werden. Die Bäuerische volkspartei kann sich der Unterstützung ihrer förderalistischen Wünsche durch die Deutzcynationalen versichert halten was sie als Gegenleistung bietet, ist vorläufig noch in den Büros der Par­teileitungen verborgen. Nicht umsonst kandidierte gerade Tir- pitz außer auf der Reichs.,e auch in Bagern, er der gefch.-^te Vermittler, der noch (Zukunft zu haben glauoi. Die Reichs- Präsidentenwahl wird aller Voraussicht nach eine weitere Ge­legenheit bieten, das Einvernehmen wirksam werden zu las­sen und mit aller Macht dem monarchischen ^.^l entgegenzu- arbeiten. Hier sind allerdings bei der Kano.^aienfrage noch große Schwierigkeiten zu überwinden, aber mit einigem guten Willen wird man auch darüber hinwegkommen.

Bei dieser Lage der Dinge muß damit gerechnet werden. W Bagern von neuem eine beträchtliche- Rolle M der kmer-m und äußeren Politik des Deutschen Reiches spielen und dem zukünftigen Reichskabinett noch manche harte Nuß zu knak- ken aufgeben wird. ön diesem (Zusammenhang gewinnt nun auch das Verhältnis der bayerischen Volkspartei zum (Zen­trum besonderes Fnteresse. Die Wiederannäher- ungsbestrebungen haben bisher dazu geführt, daß das (Zentrum innerhalb Bagerns bei den Reichstagswahlen von der Aufstellung eigener Kandidaten Abstand nahm. Der rechte Flügel des (Zentrums und die Kreise um Stegerwald arbeiten eifrig daran, im künftigen Reichstag eine Art Arbeitsgemein­schaft zustandszubringen, der später eventuell die völlige Ver­schmelzung beider Fraktionen folgen sollte. Es bedarf keiner weiteren Erörterung, welche ungeheure Verstärkung die r o ch t s g e r i ch t e t e n F e n t r u m s k r e i s e dadurch erhalten würden. Aber das liegt noch im weiten Felde, denn die Parteileitung des (Zentrums wird gerade in diesem Punkte außerordentlich vorsichtig operieren und erst fixere Ga­rantien einholen, bevor sie sich auf Bedingungen einläßt, die das (Zentrum weit von seinem vorgezeuyneten Wege abführen könnte. Dr. B. M. R.

rine-Rundschau" mitteilt, mit feiner öndienststellung. Die Bewaffnung des neuen Kreuzers soll aus acht 13 Fentimeter- Schiffs-Kanonen bestehen, die alle mittschiffs ausgestellt wer­den sollen, damit alle Geschütze breitsseits schießen können. Gleichzeitig hofft man dadurch ein besseres Bug- und Heck- feuer zu erzielen. Die Torpedorohre werden nicht mehr wie früher als Unterwasserrohre gefahren, sondern stehen als Doppelrohre auf dem Oberdecke. Als Antriebskraft erhält das Schiff Turbinen mit Rädergetriebe, um einerseits wirt­schaftliches zu arbeiten und andererseits eine günstigere Tei­lung der Turbinenräume zu erreichen. Auf eine Oelfeuerung hat man bei dem Kreuzer verzichtet, denn er würde bei seinen Auslandsfahrten zum großen Teil auf Kohlen angewiesen sein. Die Feuerung ist also gemischt. Die erhöhte Leistung der Oel- kefsel läßt das Schiff bei seiner Länge von 150 Meter die Ge­schwindigkeit von 29 Seemeilen erreichen. Ferner ist es von Wert, daß der Fahrbereich des Schiffes gegenüber denEr­satz-Leipzig" Schiffen auf etwa 6500 Seemeilen (1 See- meile gleich 1,852 Kilometer) erweitert wird. Die Seefähig- keit des Schiffes wird durch eine lange geschloffene Back und durch eine erhöhte Kommandobrücke verbesfert. An Stelle des früher üblichen Vordermastes erhält der Neubau einen Sofechtsmast mit Artillerieleitstand. Der größte Teil der Boote wird durch zwei Ladebäume ausgesetzt, die auch bei Uebernahme jcgwerer Lasten Verwendung finden können. Für die Unterbringung der Besatzung steht wogen der Vergröße­rung des Vorschiffes, der Verkleinerung der Kohlenbunker und infolge der Verminderung der Besatzung, die durch Oel- feuerung bedingt wird, ein wesentlich größerer Raum zur Verfügung. Dadurch ist es möglich geworden, größere Kleider­spinden zu verwenden, bessere Wasch- und Badeeinrichtungen einzubauen und besondere Loseräume für Unteroffiziere und Mannschaften zu schaffen.

Aas Neueste.

Fentrum und bürgerblock.

D.B. Berlin, 9. Dez. (Lig. Meldg.) Am kommenden Montag werden die Mitglieder der neuen Fontrumsfraktion in Berlin zusammentreten, um zu dem Ergebnis der Wahlen Stellung zu nehmen. Der Sitzung kommt insofern besondere Bedeutung zu, als beim Fentrum nach Ansicht aller politischen Kreise die Entscheidung darüber liegt, ob die Regierungsbil­dung auf der Grundlage des Bürgerblocks vorgenommen, okr dem Reichskanzler völlig freie Hand in der Auswahl seiner Mitarbeiter und der Gewinnung einer parlamentari­schen Mehrheit gelassen werden soll. Reichskanzler Marx wird voraussichtlich in der Lage sein, auf Grund eingehender Besprechungen mit den Parteiführern über die Absichten na­mentlich der Deutschen Volkspartei zu berichten. Beim Zen­trum besteht der Wunsch, über die Richtlinien dos künftigen Regierungsprogramms möglichst gemeinsam mit den übrigen Parteien zu verhandeln, um die Deutschnationalen auf jeden Fall dazu zu bringen, den außenpolitischen Forderungen der Re­gierungsparteien Rechnung zu tragen. Fn maßgebenden Zon- trumskreisen will man die önitiatioe zunächst den anderen Parteien überlassen, um selbst die Entscheidung zu treffen, wenn sich zuverlässig übersehen läßt, welche Möglichkeiten sich für die Regierungsbildung bieten.

wbt.Verlin, 10. Dez. abends 10 Uhr. telef. DerLokal- Anzeiger" meldet: Heute Vormittag ist der Parteivorstand der Deutschen Volkspartei zusammengetreten um über die Neu­bildung der Reichsregierung zu beraten. Die Besprechungen sind vertraulich. Das Blatt glaubt jedoch auf Grund von Fn- formationen aus volksparteilichen Kreisen, daß der Parteivor­stand der Deutschen Vockspartei der Auffassung sein werde, der einzig mögliche Weg für die Neubildung der Regierung sei in der Errichtung einer Rechtsregierung zu suchen. Fn Preußen werden die Parteien ihre Haltung von der Entwick- iutiy M Reiche abhängig machen.

Aktienschwindel.

wbt. Berlin, 10. Dez. abends 10 Uhr telef. Die Krimi­nalpolizei hat einen neuen Aktienschwindel, der sich auf das Ausland erstreckt, aufgedeckt. Es handelt sich um einen ge­wissen Dr. Hoelscher der selbst Aktiengesellschaften und G. m. b. H. gegründet und Fnterimsscheine auch noch nicht her- gestellte Aktien und Anteilscheine zu feinen Gunsten in den Ver kehr brachte. Fn einem Falle hat er auch mehr Aktien an- ftrtigen lassen und verkauft, als der Aufsichtsrat beschlossen hatte. Hoelscher wurde wegen Betrug und Urkundenfälsch­ung, ferner wegen dringenden Verdachts des Meineids und Verleitung zum Meineid verhaftet und der Staatsanwaltschaft übergeben.

Die Beratung des bayerischen Konkordats.

D.B. München, 9. Dez. (Lig. Meldg.) Der Verfaffungs- ausfchuß des Landtages ist heute in die Beratung des Kon­kordats eingetreten. Die Erörterung dreht sich vor allem um die Frage, ob der Gesetzentwurf verfasfungsändernden Cha­rakter habe, also zweidrittel Mehrheit erfordere. Die Re­gierung und die Koalitionsparteien verneinen dies. Dringen die Parteien mit dieser Ansicht durch wird das Gesetz weiter- bin, wie geplant, als Ganzes behandelt, so besteht begründete Aussicht auf Annahme.

wbt. Mönchen, 10. Dez. abends 10 Uhr telef. Fn der Atzung des Verfasfungsausschuffes in der die Konkordats- Borlage weiter beraten wurde, sprachen zunächst die Redner der Oppositionen. Die sozialistischen und kommunistischen Red­ner lehnten die Vorlage ab. Dabei kündigte der sozialistische Redner an, daß man später die Gegenanträge der soziali'sti- Iwen Partei begründen werde. Um die Mittagsstunde wur­de mitgeteilt, daß die Plenarsitzung am Freitag, in der das Konkordat endgültig verabschiedet werden sollte,^wieder abge­setzt wurde. Fn parteipolitischen Kreisen gehen Gerüchte, daß die Möglichkeit der Nichtannahme des Konkordats bestehe. Sein Schicksal hänge davon ab, ob die Deutschnationalen für die Vorlage stimmen.

mbt. Hamburg, 10. Dez. abends 10 Uhr telef. Der eng- lifche Dampfer Colyma der mit Gummi und Tee von Eng- .and naa) Leningrad unterwegs war, ist in der Kieler Föhrde gestrandet. Ein Hamburger und ein Kieler Schlepper sind zur ojilfeleijiung ausgelaufen.

wb. Hamburg, 10. Dez. Mit dem Dampfer des Nord- c eut)eben UoybTrier" ist in der vergangenen Nacht der elf öabre im fernen Osten verschollen gewesene deutsche Etno- graph Oskar Fden-Zeller in Hamburg eingetroffen. Zeller trat im November 1913 eine wissenschaftliche Expedition in ue Gegend des Baikalfees und Lena an. Nach Ausbruch des Krieges begannen die Fähre des Mißgeschicks. Große Ver- c lenste erwarb sich der Forscher durch Vertretung der deutschen Kriegsgefangenen, als deren Delegierter er zuletzt in Wladi- wostock^weilte. Nach dem Abtransport der letzten Gefangenen weilte Zeller in Kamtschatka, wo er Handelsstationen gründete.