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Hessische

Morgenzeitung

FuS-aev Kreisblatt, Anzeiger BZ Rhön M- Vogelsberg, Fulba- und Haunetal

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RMmer io.

Freitag, den 1L Sezember IM.

1. Fahrglmg.

Großbritannische Politik.

Das Neueste.

Mord.

Während die Reden und Gesten Mac Donalds die durch seine Parteianschauung bedingte Färbung weltenbeglückenden und Gegensätze überbrückenden Willens aufwicsen, spricht aus der vom Kabinett Baldwin aufgesetzten Thronrede ebenso wie aus dem ersten außenpolitischen Regierungshandlungen der et­was wertechter anmutende Klang des großbritannischen -Im­perialismus. Mac Donald hat das Gefüge des britischen Reiches durch Handlungen und Unterlassungen gelockert. Holl- politische Anschauungshemmungen haben ihn daran gehindert, den Vorschlag Australiens und Lanadas anzunehmen, sich un­tereinander und mit dem Mutterlande Vorzugstarife zuzu- üchern. Die Folge war ein selbständiger Handelsvertrag zwi- scheu diesen beiden Dominien. Die neue Regierung ist nun wieder bestrebt, die Linheit des britischen Rechtsgebietes poli­tisch und wirtschaftlich aufs stärkste zu sichern. Deutschlands wirtschaftliche Stellung gegenüber einem geschlossenen groß­britischen Kreise ist natürlich durch die Einstellung der neuen Regierung erheblich erschwert. Zwar hat die englische Re­gierung in Aussicht gestellt, daß sie ihren Dominien ebenfalls Annahme ^>es deutsch-englischen Handelsvertrages in der vor­legenden Fassung empfehlen will. Sobald aber Mutterland, Kronländer und Kolonien sich untereinander Vorzugsbehand­lung zugestanden haben, dürfte die einfache Uebertragung des Handelsvertrages nicht mehr möglich fein und die Linzeloer- handlungeu mit den verschiedenen Ländern würden sich recht schwierig gestalten.

Ebenfalls aus Gründen der politischen Glaubenslehre hat Mac Donald seinerzeit den von der vorhergehenden Regier­ung vorbereiteten Plan fallen lassen, Singapore zum starken, neuzeitlichen Kriegshafen und zum Flottenstützpunkt ausbauen zu lassen. Der Einspruch Australiens gegen das Fallenlafsen dieses 'Mtanes ist nicht beachtet worden, was auch nicht ge­rade zur Besserung der Stimmung dort beitrug.

Besonders schwer ist cnduch ein Opfer empfunden worden, das Mac Donald auf dem Altare der Genfer Verständigung gebracht hat. öapan drang damals darauf daß der Völker­bund auch für Fragen zuständig sein sollte, die von Austra­lien sowohl wie dem Standpunkte nach auch von den Verei­nigten Staaten als durchausinnerpolitisch" angesehen werden sollten, d. h. für die Sperrung der Einwanderung. Hier ver-

Der Prozeß

D.B. Hannover, 10. Dez. (Lig. Meldg.) Der Haar- mann-Prozeß bringt heute die Vernehmung der Eheleute En­gel, der Wirtsleute Haarmanns. Sie ergibt nichts wesontli- "ches. Frau Engel, die sich auf der Polizei nach Haarmann vor Vermietung der Dachkammer erkundigte, erhielt dort die Antwort,das sind Amtsgeheimnisse, das können wir Fhnen Hiebt jagen. Dann werden Frauen vernommen, die zu Grans in Beziehungen standen, wobei der Vorsitzende den Ausschluß der Oeffentlichkeit ablehnt mit der Bemerkung, wenn je­mand fürchte, an feiner Sittlichkeit Schaden zu nehmen, so könne er ja hinausgehen. Nur die Presse wird um maßvolle Berichterstattung ersucht. Der in den letzten Lagen schon mehrfach genannte Wunowski soll nunmehr wegen dringen­den Alordverdachts verhaftet werden. Ein Haftbefehl des Staatsanwalts ist bereits ausgefertigt.

Der Votschafterwechsel in Washington.

Dr. Wiedfeldt gedenkt nun endgültig, wie schon seit langem vorgesehen, von seinem Posten in Washington zurückzutreten, um die Leitung der Krupp-Werke wieder zu übernehmen. Sei­ne Tätigkeit in den Vereinigten Staaten hat in Amerika so­wohl wie in Deutschland einen durchaus günstigen Eindruck hinterlassen. Mit Takt und kluger Zurückhaltung hat es Dr. Wiedfeldt verstanden, als erster Aachkriegsbotschafter wieder Fühlung mit den maßgebenden Stellen zu gewinnen, nachdem längere Zeit der Washingtoner Posten nur mit einem Ge- jt) affst raget besetzt war. Er hat den Handelsvertrag, die Kriegsgefangenenfreilassung, die Frage des deutschen Ei­gentums, um nur das wichtigste herauszugreifen, befriedigend gestaltet. Sein Nachfolger, Freiherr von Maltzahn, hat zwar wegen der sehr scharf betonten Sondernote in seiner Ostein­stellung sehr viel Gegner, es läßt sich jedoch nicht bestreiten, daß er einer der fähigsten deutschen Diplomaten ist. Seine Versetzung nach Washington gibt ihm das ersehnte Außen- fold der Betätigung und hebt ihn, vielleicht nicht zum Scha­den der deutschen Ostpolitik, aus dem Bannkreise seiner bis­herigen Wirksamkeit heraus. Von Vorteil ist es, daß er im besten Einvernehmen zum Staatssekretär Hughes sowie zu Amerikas diplomatischer Vertretung in Berlin steht.

Herriot-Stresemann.

Nach einigen Monaten erst hat sich der Poincarist Klotz, ehedem Fmanzm.nistèr, auf eine Erklärung Dr. Stresemanns

steht Australien keinen Spaß. Auch Eanada fühlte sich be­droht. Mac Donald ging über diese Einwände hinweg, da anderenfalls das mühevoll zustande gebrachte Werk des Gen­fer Protokolls in sich zusammengebrochen wäre. Nun obliegt der Regierung Baldwin die Annahme dieses heiklen Erbes.

Lhamberlain hat in Rom auf der Völkerbundstagung im Namen feiner Regierung Aufschub der Protokollannahme be­antragt. Er hat dabei ausdrücklich betont, daß seine Regier­ung die ungeh. Bedeutung dieses Protokolls anerkenne. Die Vertagung solle nur einer eingehenden und gründlichen Prüf­ung dienen und keinesfalls eine spätere v.ellungnabme vor­wegnehmen. Daß Männer wie Baldwin und Lhamberlain tatsächlich erst dieses Protokoll studieren und prüfen müssen, dessen Hustandekommen sie, wenn auch in der Opposition, in allen Einzelheiten miterlebt haben, ist natürlich nur eine Ver­schleierung der sich jetzt entspinnenden Ausgleichsverhandlun­gen zwischen England und Frankreich.

Briand, ein begeisterter Verfechter der Protokollgedanken, hat erstaunlich schnell in den englischen Vertagungsantrag ein­gewilligt. Die ganze Komödie ist natürlich von Lhamberlain bereits mit Herriot in Paris besprochen worden. Entweder wird das Protokoll im nächsten März erheblich anders aus- jehen und in einzelnen Punkten wird das sicherlich der Fall sein oder auf anderen strittigen Gebieten wird der übliche Fnterefsenaustausch stattfinden. Auf jeden Fall gehen hier Lr- eignitze vor sich, deren Bedeutung und Lntwicklungsrichtung gerade von Deutschland aus mit der größten Aufmerksamkeit verfolgt werden müssen. Daß eine Art Abrüstungskonferenz zustande kommt und daß auch die Vereinigten Staaten sich durch Entsendung von Vertretern an dieser Konferenz beteili­gen werden, erscheint als ziemlich sicher. Wie dieseAbrüst­ung" im einzelnen aussehen wird, in wie weit deutsche Lebens- intereffen wieder einmal zu Ausgleichsobjekten bei diesem in­ternationalen Handel gemacht werden, das i ftdie zur Heit wohl bedeutsamste Frage der außenpolitischen Blickrichtung. Die Regierungsneubildung im Reiche fordert für die wichtigen Posten gerade jetzt in ganz besonderem Maße Persönlichkei­ten. die staatsmännischen Blick mit zähem Nationalegoismus verbinden.

besonnen, wona^ das Londoner Abkommen nicht das Recht Deutschlands aufhebt, gemäß dem Versailler Vertrag eine Nachprüfung seiner Leistungsfähigkeit zu beantragen. Und Herr Herriot hat sich in der französischen Kammer beeilt, den groben Klotz zu streicheln und die deutsche These zu bestreiten. Aber die ist unbestreitbar. Wenn gerade nach französischer Auffassung das Versailler Diktat ein noli me tangere bleibt, dann gilt das natürlich auch für den Artikel 234, der eines her wenigen Rechte Deutschlands enthält. Hudem sieht auch der Dawes-Plan in Eeil 1, 8a eine Anpassung der deutschen Leistungen an die effektive Fähigkeit dazu vor, und ebenso gehört es zu den Aufgaben des Generalagenten, dafür zu sor­gen, daß die deutsche Währung nicht durch übermäßige Höh­lungen ins Wanken gerate. Von einer absolut starren Fest­legung der deutschen Leistungen durch das Londoner Abkoni-- men kann also keinesfalls die Rede sein.

Herriots Stellung gesichert.

Das Vertrauensvotum für Herriot, das >ie Kammer nach Abschluß der großen Kommunistendebatte mit 319 gegen 29 Stimmen, bei Stimmenthaltung der gesamten Opposition faßte bat die vorher bestehende starke Nervosität beseitigt. Die Stellung des Kabinetts Herriot gilt nun auch innerpolitisch wieder als durchaus gefestigt, umsomehr als es auch im Se- iiat nicht gelang, die Regierungsparteien zu einer Einheits­front gegen die Kommunisten, die sich in diesem Falle gegen die Regierung gerichtet hätte, zu veranlassen.

Schwere Zuchthausstrafe im ungarischen Bestechungsprozeß.

D.B. Budapest, 10. Dez. (Lig. Meldg.) Sm Bestech­ungsprozeß Eskütt, des Sekretärs des verstorbenen Ackerbau- nister Szabo fei vom Ministerpräsidenten Bethlen und von Szenen im Parlament und zu einer schweren politischen Kri- sc' gab, ist vom Staatsgericytshof das Urteil gefällt worden. Eskütt wurde wegen Annahme von Bestechungsgeldern für Ausfuhrbewilligungen zu fünf wahren Huchthaus " verurteilt. Die Mitangeklagten, die bei den Ausfuhrgeschäften die Rolle von Agenten spielten, wurden zu 2 bis 12 Monaten verurteilt, ön der Begründung des Urteils heißt es, der Ackerbaumi- nister Stabo fei vom Ministerpräsidenten Bethlen und von vielen anderen Politikern auf die Mißbräuche EskUtts auf­merksam gemacht worden. Er habe aber dennoch bis zum letzten Augenblick an seinem Sekretär festgehalten. Hier­aus seien sehr ungünstige Schlüffe auf Szabo zu ziehen.

wb. Hamburg, I. Dez. Gestern abend wurde hier der 40- jährige in Smyrna geborene Kaufmann Fritz Westfeld verhaf­tet. West cld halte in einem im Knickweg 8 gelegenen Grün- wareugcschäft eine Frau Heinemann, ihre 21 Sahre alte Toch­ter Herriot und ihren l 4jährigen Sohn durch Bauchschüsse schwer ver, tzt. Die Tochter ist bereits im Krankenhaus ge­storben, während der Hustand von Mutter und Sohn besorg­niserregend ist. Per Täter erklärte den Polizeibeamten, daß er seine Pflicht getan habe. Sn seiner Wohnung liege ein ge- wiffer Däiska, dem er den Schädel eingeschlagen und durch Messerstiche den Rest gegeben habe. Kriminalbeamte fanden in einem Hinter zimmer der Wohnung Westfelds den Z7jäh- rigen, in Serres geborenen Thomas Daliska ermordet auf. Die Leiche wies tiefe Schnittwunden am Hals auf und in der Brust stecut" en. Dolchmeffer. Westfeld hatte Daliska am Vorrn'-tag ernio d't. Er verschloß dann sämtliche Türen und begab sich in das Gcünwarengeschäft. Westfeld stand mit der Familie Heinemann in Geschäftsverbindung. Der Ermordete war der Bräunoam der ermordeten Harriet. Der Mörder fp: O fJne Befriedigung darüber aus, daß ihm seine Rache gelungen Ui.

Erdbeben in Süddeutschland nnd der Schweiz.

wbt. Freiburg, 11. Dez. abends 10 Uhr telef. Um 5,34 Uhr nachmittags wurde hier ein kurzer Erdstoß .verspürt. Man beobachtete ein Klirren der Fenster und ein Rütteln der Türen. Die gleiche Beobachtung wurde auch in der näheren Umgebung Freiburgs gemacht, sowie, so weit bis jetzt festge- ftellt werden konnte, auch auf dem Hochschwarzwald, auf der Pinie Neustadt, Fürth, Wangen, Flemmingen, Wingen noch Stuttgart hin. Auch die Erdbeben-Warte in Heidelberg hat dèn kurzen aber kräftigen Erdstoß für die Heit von 5 Uhr 34 bis 5 Uhr 35 nachmittags verzeichnet.

wbt. Zürich, 11. Dez. abends 10 Uhr telef. Heute abend 5 Uhr 33 wurde in einem großen Teil der Schweiz von Vier- waldstädter- bis zum Bodensee ein ziemlich starkes Erdbeben verspürt, das auch von der Erdbeben-Warte in Hiirich regi- )triert wurde. Nach weiteren Meldungen aus Frauenfeld, batte der erste Stoß, der von ziemlicher Heftigkeit war, eine Sichtung von Ost nach West, während der zweite noch stärker war.

Deutschland kann nicht.

wbt. Berlin, 11. Dez. abends 10 Uhr telef. Die Vossi- W Heilung meldet: Das Reichskabinett beschäftigte sich ge­stern mit der Einladung der französischen Regierung zur Teil­nahme Deutschlands an der Pariser internationalen Kunst- gewerbe-Ausstellung. Nach eingehender Beratung hat das Kabinett beschlossen von der Annahme der Einladung abzu- jebeu, da erstens, die vorgeschrittene Heit eine ausreichende Vorbereitung für ein so bedeutungsvolles Unternehmen, wie sie die Beteiligung an der Kunstgewerbeausstellung darstellt, unmöglich mache, zweitens der erforderliche Aufwand von et­wa 5 Millionen Mark, die dabei verausgabt werden müßten, einem Staate mit so gewaltigen Schuldenlasten wie Deutsch­land, nicht anstehen würde.

wbt. Berlin, 11. Dez. abends 10 Uhr telef. Der Reichs­kanzler hat heute Vormittag den Regierungspräsidenten aus­gesucht und ihm über den Verlauf der gestrigen Kabinett-Gitz- ung Bericht erstattet. Das Kabinett wird sich heute Nach­mittag in einer weiteren Sitzung über den Heitpunkt des Rück­trittes schlüssig werden.

wbt. Berlin, 11. Dez. abends 10 Uhr telef. Die einzelnen Fraktionen des preußischen Landtags werden sich in dieser und nächsten Woche mit der politischen Lage beschäftigen und dabei auch die Frage _ber Regierungsneubildung in Preußen be­sprechen. Das Hentrum wird am morgigen Freitag in den Vormittagsstunden eine Sitzung abhalten. Nachmittags soll eine gemeinschaftliche Sitzung der Fraktionen des Landtages und des Reichstages stattfinden. Die Deutschnationale Frak­tion will am Mittwoch eine Sitzung abhalten. Die deutsche Volkspartei am Freitag und die Sozialdemokraten voraus­sichtlich am Donnerstag. Die Demokraten haben noch keinen Beschluß gefaßt ob ihre Landtagsfraktion noch- vor Weih­nachten zusammentreten soll.

wbt. Berlin, 11. Dez. abends 10 Uhr telef. Der preußi- Staatsrat hat sich nach Abschluß der Beratung bis 20. 1. vertagt.

wbt. Berlin, 11. Dez. abends 10 Uhr telef. Das Reichs- Kabinett hat in seiner heutigen Sitzung beschlossen dem Reichs­präsidenten zu Beginn der nächsten Woche das Rücktrittsge­such zu unterbreiten.

wbt. Dresden, 11. Dez. abends 10 Uhr telef. Der säch­sische Landtag genehmigte auf Ansuchen des Oberreichsanwalts die sofortige Verhandlung der kommunistischen Abgeordneten