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Morgenzertuns

Ful-aer Kreisblatt, Anzeiger für Rhon und Bogelsberv, Fulba- und Haunetal

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Summer ii. Somstne, den 11 Dezember 1924. 1. Megans.

Politische Wochenschau.

Entscheidungen steht. Die linken Flügelleute machen schon ge­gen den Block Mitte-Rechts mobil, und sie sind in den neuen Fraktionen des Reichstags wie des preußischen Landtags wieder stark vertreten. Oberwasser könnten sie gewinnen, wenn die Deutschnationalen ihre Ansprüche für die Teilnahme an den Regierungen zu hoch spannen. Man muß auf der Rechten bebenden, daß die Neuwahlen zwar die Möglichkeit des Linksblocks auch in Preußen beseitigt haben, aber nicht die Möglichkeit dergroßen Koalition" in beiden Parlamen­ten. Die Verhandlungen werden von allen Seiten mit gro­ßem Geschick geführt werden müssen und dürften am besten die preußischen und die Reichsangelegenheiteii zusammonfasson.

Die Auslandsstimmon über die deutschen Wahlen sind noch schwankend, da man ja nicht weiß, welche Reichsregierung herauskommen wird. Man plädiert für die Demokratie, würde aber vielleicht auch eine ausgesprochene Rochtsregier- ung ganz gerne sehen. Denn diese gäbe der Entente vielleicht den Vorwand, manches angekündigte Entgegenkommen zu- rückzuziehen, da man Besorgnis vorReoanche"-Plänen heucheln könnte. Und die Lage draußen ist doch so, daß man wieder einmal drauf und dran ist, sich auf deutsche Kosten zu einigen. Die Engländer haben zwar den Entwurf des Han- desvertrages mit Deutschland unterzeichnet, der einen Schritt zum wirtschaftlichen Frieden bedeutet, aber in der Frage der Räumung der Kölner Zone einen kraß antideutschen Stand­punkt eingenommen, um die Franzosen für die Behandlung der Orientangefegenheien günstig zu stimmen. 2hr Außenminister Ehamberloin hat die Parlamentseröffnung nebst der Thron­rede (bie in Einzelheiten manche Pikanterie enthält) versäumt und in Paris und Rom, wo der Völkerbundsrat tagt, das Mißtrauen gegen das konservative Kabinett Baldwin zu zer­streuen gesucht. Herriot macht dafür Front gegen den Kom­munismus, und ^eOukL jrznzsMs. MuldeuzahluuüLver- fpreebungen milde gestimmte Präsident Loolidge laßt erklä­ren, daß sich Amerika an den problematischen Abrüstungs­spielereien der Europäer beteiligen will. Unser Botschafter Wiedfeld verläßt Washington und wird durch den Baron v. Maltzan ersetzt; aber auch dieser erprobte Diplomat wird nichts daran ändern können, daß Deutschland zur Zeit an sei­nem Horizont wenig Rosenwölkchen sieht. Uns scheint, daß wir am besten durchkommen werden, wenn wir an einem au­ßenpolitischen Kurs festhalten, dem niemand Schwäche nach­sagen, aber auch niemand heuchlerisch vorwerfen kann, daß er provoziere und zu Vorsichtsmaßnahmen gegen Deutschland ' Anlaß gebe.

gaMBBaSMMWIittHWW IIHII III I Z&XS&Btt^ttl&GiWKi ümmimm so bedeutende Schwierigkeiten innerhalb der Parteien zu überwinden, daß in der weiteren Entwicklung noch viele Ge­sichtspunkte kommen und gehen werden.

Was diese Auffassung der Parteien anbelangt, so erfahren wir aus Zentrumskreisen, daß man einen grundsätzlichen Wi­derstand gegen eine Bürgerblockregiorung im Reiche nur von einer kleinen Minorität erwartet. Dagegen scheint die Neig­ung sehr gering, in Preußen ohne weiteres das gleiche System einzuführen wie im Reiche; die besonderen preußischen Ver­hältnisse erforderten vielmehr eine selbständige Lösung unter anderen Gesichtspunkten. Die Zustimmung für das Reich wird, das erscheint heute sicher, an eine Reihe von ziemlich weitgehenden Bedingungen geknüpft, deren Annahme durch die Deutschnationalen dem Zentrum unerläßlich erscheint.

Aus deutschnationalen Kreisen hören wir, daß ein Teil der Führung die früheren Bindungen als hinfällig angesehen wis­sen will, da durch die Wahlen eine völlig neue Situation ge­schaffen sei. Ueber ihre Forderungen sind sich die Deutsch- nationalen noch nicht klar und eine diesbezügliche Entscheidung wird auch nicht vor der Montagssitzung der Fraktion fallen. Dagegen würde man von deutschnationaler Seite nicht auf ei- i nem grundsätzlichen Ausschluß der Demokraten bestehen, wenn ' man im demokratischen Lager Einsicht genug besäß, den ver­stärkten Einfluß der Rechten anzuerkennen und sich selbst mit einer bescheideneren Rolle zu begnügen. Ein Verbleiben des Reichsministers Geßler z. B. würde auf keinen Widerstand stoßen.

Die Demokraten selbst lehnen eine Teilnahme an einer rein bürgerlichen Regierung weiterhin ganz entschieden ab und eine Revision dieses Standpunktes ist kaum zu erwarten. Die Demokraten glauben auch, daß Dr. Stresemann von der Loyalität der Deutschnationalen eine sehr optimistische Mei- ung hatte, als er sich durch den Beschluß auf Schaffung einer Bürgerblock-Regierung so weitgehend exponierte, immer­hin wird es bei den Demokraten und namentlich beim Zen- trum begrüßt, daß durch bie initiative Stresemanns schnell eine klare Lage geschaffen wurde, wenn man sich auch nicht verhehlt, daß die Deutschnationalen taktisch in eine sehr gute Position gelangten, die es ihnen ermöglicht, in aller Ruhe die Dinge an sich herankommen zu lassen und ihrerseits dann die Bedingungen und Forderungen zu stellen.

Das ReichskabineN hat am Mittwoch beschlossen, alsbald zurUckzutroteu. Die Ausführung blieb einer Vereinbarung mit dem Reichspräsidenten Vorbehalten. Den äußeren Anstoß zu dem Entschluß gab wohl die Erklärung des Außenministers Dr. Stresemann, daß die Deutsche Volkspartei daran feft- halte, den Eintritt der Deutschnationalen in die Reichsregior- ung zu erstreben. Aber auch ohne diese Mitteilung, die auf den Beratungen des volksparteilichen Parteivorstandes vom selben Tage basierte, wäre eine andere Lösung derKabi­nettsfrage" unmöglich gewesen. Nur eine Neubildung der Regierung kann die Konsequenz der Wahlen vom 7. Dezem­ber fein. 5h Preußen liegt es ebenso, nur daß hier das Ka­binett auf den neuen Landtag warten muß, der den Minister­präsidenten zu wählen hat.

Sa, der Wahlausfall war eine große Uoberraschung. Hat­te man den Zusammenbruch der Nationalsozialisten erwartet, und den Rückgang der Kommunisten sogar noch ausgiebiger geschätzt, so hatte man nicht an ein solches Anwachsen der So­zialdemokratie und am allerwenigsten an ein so festes Sich- behaupten der Deutschnationalen geglaubt. Fhre Zunahme um fünf Mandate entspricht ziemlich genau der Erhöhung der allgemeinen Wahlbeteiligung. Wie ist dieses Resultat zu deuten? Man wird sagen dürfen, daß unser Volk die Revo­lutionsreste immer mehr verdaut hat. Es kehrt zur Mitte zurück, wenn man darunter die Parteien versteht, die positiv und verfassungsmäßig mitarbeiten wollen, bevorzugt aber in­nerhalb dieser Mitte die Flügolparteien. öft das der Beginn eines Zweipartoisgstems? Wohl kaum. Die sehr äußerliche Zuspitzung des Wahlkampfes auf die Flaggenfrage ist den ra­dikaleren Teilen der beiden Gruppen überraschend bekommen.

So geringfügig auch, von weitem betrachtet, die Ver­schiebung in den Stärkeverhältnissen der großen Parteien er-

Aenderung ein« getreten, daß jetzt nicht nur die Koalition Mitte-Links, son­dern auch die Koalition Mitte-Rechts auf sicheren Süßen ste­hen kann, wenn die Bagern und die Wirtschaftler mitmachen. Da aber alle Gründe fortbestehen, die im Herbst die Volks­partei und sämtliche Kabinettsmitglieder außer Marx für die Hereinnahme der Deutschnationalen eintreten ließen, da zu­dem jetzt die Finanz- u. Wirtschaftsfragen ganz in den Vor­dergrund treten, so ist die Tendenz zur Regierungserweiterung nach rechts wesentlich verstärkt.. Es liegen bisher vor un­zweideutige Zustimmungserklärungen der D. V. P. und eine womöglich noch entscheidendere Absage der Demokraten. 2n Schweigen hüllt sich noch das Zentrum, das vor sehr schweren

Größere Wahrscheinlichkeit für den Biirgerblock.

D.B. Berlin, 11. Dez. (Lig. Meldg.) Nach der Rück­sprache des Reichspräsidenten ist das Kabinett am Donners- tag nachmittag erneut zusammengetreten, um den Termin sei­ner Demission festzusotzon. Die Entscheidung dürfte, in Ue- Mrelnslimmung mit dem vom Reichspräsidenten geäußerten Äunsche, so fallen, daß die Demission an einem Tage der näch­sten Woche gegeben wird, an dem die Verhandlungen mit den Parteiführern wegen Neubildung sofort beginnen können und an dem auch die Haltung der einzelnen Fraktionen klar ist, zeitraubende Rückfragen der Führer sich also erübrigen. Schon in der gestrigen Kabinettssitzung wurde von einer Seite vorgeschlagen, daß eine Unterbrechung der politischen Arbeit des Reichskabinetts dadurch vermieden werden soll, daß das Kabinett erst Anfang Sanuar zurücktritt und zwar möglichst erst an dem Tage, an dem die Verhandlungen über die Bil­dung des neuen Kabinetts bereits abgeschlossen sind. Die de­mokratischen Mitglieder des Kabinetts wandten sich ebenso wie die des Zentrums gegen den Vorschlag, um die Verantwor­tung für die kommenden wichtigen Entscheidungen nicht einem GeschäftskabineU, sondern einer neuen vollverantwortlichen Regierung zu überlassen.

2m Verlaufe des morgigen Vormittags will Dr. Marx die Führer der Regierungsparteien empfangen und es ist damit }u «ebnen, daß mit dem Beginn der neuen Woche dann die i igen loen Regierungsverhandlungen beginnen werden.

Die Einstellung der Parteien zur Frage der Regierungs- bik uug ist naturgemäß jetzt vor den Fraktionssitzungen Anfang iei kommenden Woche eine mehr gefühlsmäßige und berechtigt caher noch nicht zu festen Rückschlüssen auf die kommende Entwicklung. Immerhin hat der gestrige Vorstandsbeschluß der Deutschen Volkspartei die erste Klärung gebracht. Von volksparteilicher Seite scheint man nach unseren Informatio­nen Wert darauf zu legen, einer bürgerlichen Regierung Dr. Marx als Kanzler und Stresemann als Außenminister zu er­halten. ön der Vorstandssitzung der Volkspartei kam auch ziemlich einhellig zum Ausdruck, daß der größte Wort auf bie gradlinige Fortführung der bisherigen Außenpolitik gelegt roirb. Als Kanzler einer bürgerlichen Regierung wird da­gegen neuerdings in erster Linie der frühere bayerische Mini- ster Präsident Graf Lorchenfeld genannt. Bevor man sich aller- ings über die Person des Kanzlers einigen kann, sind noch

Das Neueste.

D. V. P. für Biirgerblock!

wbt. Berlin, 12. Dez. abends 10 Uhr telef. Der Reichs­kanzler empfing um 11 Uhr die Führer der Koalitionsparteien. Es waren von der Deutschen Volkspartei: Scholz, S ch a r p , Eurti us, vom Zentrum: Siegerwald, Spahn, Becker, Arnsbero, von den Demokraten: Koch und E r ck e l e. r erschienen. Um 4 Uhr wird der Kanz­ler die Deutschnationalen empfangen, darunter Graf West­arp und morgen die Sozialdemokraten. Am Montag und Dienstag werden die Fraktionen zusammentreten, das Zen­trum wohl erst am Mittwoch.

wbt. Berlin, 12. Dez. abends 10 Uhr telef. Bei der Be­sprechung des Reichskanzlers mit den Führern der Koalitions­parteien legte der Kanzler eingehend die Gründe dar, wa­rum er für seine Person die Bildung einer Bürgerblockre- gierung ablehne. Er machte bann den Parteiführern die Mit­teilung über die bisherige Verhandlung- des Kabinetts, die zu dem bekannten Rücktritt führte, in der Ansprache legten bie Demokraten die Beteiligung an der Rechtsregierung ein­deutig ab. Der volksparteiliche Abgeordnete S ch u l ? teilte noch einmal die Entscheidung des Vorstandes seiner Fraktion mit, daß sich seine Partei nur an einer Regierungsbildung auf breitbürgerlicher Grundlage beteiligen wer­be. Die Zentrumsführer konnten noch keinerlei Erklärungen für ihre Fraktion abgehen, da die Fraktion erst am Mittwoch nächster Woche zufammentreten wird.

Der Berliner Aktion-Schwindel.

wbt. Berlin, 12. Dez. abends 10 Uhr telef. Die weite­ren Ermittlungen der Kriminalpolizei ergaben, daß der Aktien- fälscher Hoegcyer, gegen den bereits mehrere Strafverfahren schwebten, Hand in Hand mit iner und Viergut gearbei- - I tet hat. in allen Prozessen, die Hoelscher im Laufe des iah- führen patte, trat Viergut. immer als Entlastungs- ;euge für Hoelscher auf. Unter anderem steht Hoelscher unter dem dringenden Verdacht Komplizen dazu verleitet zu haben als oeuge in der Aktion-Diebstahls-Affäre aufzutreten, um sich selbst zu entlasten und einen Unschuldigen zur Verurteilung zu bringen.

wb. Stuttgart, 12. Dez. Heute vormittag 8 Uhr 20 Mi- nufen wurde hier ein ziemlich heftiger aber nur kurzer Erd­stoß verspürt.

wb. Heidelberg, 12. Dez. Das Seismographischo institut der Erdbebenwarte auf dem Königsstuhl teilt zu den gestern inid heute vormittag hier und in der Umgebung verspürten Erdstößen folgendes mit: Sestern abend registierte der Seis­mograph ein Nahbeben mit einer Herdentfernung von zirka 125 Kilometer. Der erste Einsatz erfolgte um 5 Uhr 33 Minu­ten 22 Sekunden und endete um 5 Uhr 42 Min. 30. Sek. bauerte also 9 Minuten. Der Erdstoß war in Heidelberg selbst nur schwach zu verspüren. Heute morgen 4 Uhr 47 Sek regi- ftrierte der Apparat einen zweiten Erdstoß mit einer etwas größeren Herdontfernung, die zirka 650 Kilometer betrug. Das Beben endet um 4 Uhr- 45 Min., hatte also eine Dauer von 16 Minuten, in Heidelberg wurde davon nichts verspürt. Der dritte Erdstoß erfolgte heute früh um 8 Uhr 21 Min. 2 Sek. und endete um 8,50 Uhr, hatte also eine Dauer von zirka 9 Min. Die Herdentfernung betrug zirka 125 Kilo- meter und das Beben machte sich auch in Heidelberg bemerk­bar, jedoch schwächer.

wb. Saarbrücken, 12. Dez. Der Parteiausschuß der Saarländischen Zentrumspartei, hat am 10. Dezember eine Entschließung gefaßt, in der zum Ausdruck gebracht wird, daß der Leiter der Saarländischen Schulabteilung, Geistlicher Rat Ministerialdirektor Prof. Notton, wegen seiner Stellungnah- nie ir^ der irage der französischen Schule im Saargebiet und bes Verbleibens des Saargebiets bei den Diözesen Trier und Speyer, die der klaren deutschen Stellungnahme der Zen­trumspartei zuwiderloufen, nicht in der Zentrumspartei ge- bulbet werden könne, und sich selbst aus der Partei ausge- fflossen habe. Prof. Notton hat wogen der oben angeführ­ten Vorwürfe bekanntlich selbst gegen sich die Eröffnung des Disziplinarverfahrens beantragt.

Spaniens Sorgenkind.

wbt. Madrid, 12. Dez. abends 10. Uhr telef. Auf dem Rückmarsch von Sauen befindlichen Truppen räumen die Stel­lung von Zoeoelarbaa unter Ueberwindung heftigen Wider­standes in bei Aarafch-Zone wurden nach verlustreicyen Käm­pfen weitere Stellungen geräumt.

Semper talis!---

wbt. Rom, 12. Dez. abends 10 Uhr telf. Ehamber- 1 a i n ist heute Mittag nach London abgereist. Vor seiner Abreise sprach er in einer Botschaft an das italienische Volk der Regierung und der Bevölkerung seinen Dank für den herzlichen Empfang aus und erklärte weiter, daß das Ver­trauen bozgl. der weiteren Entwicklung des gegenseitigen Ein­vernehmens unter Auslassung von Streitpunkten zwischen den brei Rationen zwecks Aufrechterhaltung des Friedens, der Freundschaft und des gegenseitigen Verständmstes nach den Aussprachen mit Herriot und Mussolini sehr gestiegen jei.