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Morgenzeituns
Ful-aer Kreisölatt, Anzeiger für Rhön und Vogelsberg- Ful-a- unö Haunetal
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Kummer 12.
Sonntag, den 14. Dezember 1924.
1. Fahrgang.
Politische Wochenschau.
Politische Sonntagsplauderei
Uebertriebene Keuschheit.
Die Frage, ob im Privatleben die Keuschheit übertrieben werden kann, gehört unter den Strich. Aber im politischen Leben gibt es so etwas. Man sehe sich einmal in diesem Augenblick die Parteien an, auf die es bei der Neubildung der Regierungen des Reichs und Preußens ankommt. Fast alle, die sich sonst doch offen und laut genug auf den Markt stel
len, fielen sich jetzt scheu in ihre Kämmerlein zurück.
Und
„warten ab." Nur die D. V. P. hat deutlich gesagt, was lie will. Reichskanzler Marx spricht in dem interview mit dem Hamburger Fremdenblatt nur für seine Person. Das Zentrum aber wie die Deutschnationalen hüllen sich in den Mantel der Schweigens, und von den Bagern und den Mit- telparteilern hört man erst recht nichts. Vorgestern und gestern war das gereift noch erklärlich. Man muß die Parteivorstände und die neuen Fraktionen hören. Und die Vorbereitungen dazu sind in vollem Gange. Aber es hat sehr den Anschein, als ob auch nachher die Taktik der Keuschheit fortgesetzt werden soll: „ich habe von mir aus nichts zu sagen, sondern warte, bis einer mich fragen kommt". Und das könnte dann eine langwierige Ziererei werden. Ls ist deshalb der Beschluß des Reichskabinetts zu begrüften, zu Beginn der nächsten Woche die Demission zu vollziehen.
Auf die Frage eines mit der Kabinettbildung Beauftragten müssen die Parteien ja schließlich Rede und Antwort stehen. Weshalb zu diesem Beschlutz die Mitwirkung des Reichspräsidenten in Anspruch genommen wurde, ist nicht ersichtlich.
Was wird das Zentrum tuen? Die „Germania" wiederholt, daß eine Koalition Mitte-Rechts nicht unter Zentrums- führung stehen könne, und macht von neuem Stimmung für die linke Seite. Aber die Mehrheitsverhältnisse der beiden Zen- trumsfraktionen, die mit anerkennenswerter Schnelligkeit einberufen sind, schweben noch im Dunkeln. Das erste wird ja auch das politische Programm sein, auf das sich Mitte und Rechte einigen müssen, und erst das zweite dann die Machtverteilung. Die Deutschnationalen brauchen jetzt wohl weniger Besorgnis als im Herbst davor zu haben, daß ihnen politische Nachgiebigkeit abgeliftet werden solle ohne die ernste Absicht, dann auch die praktischen Konsequenzen folgen zu las- sen. immerhin dürfen sie vom Zentrum die grundsätzliche Erklärung verlangen: „Wir sind zu der Koalition bereit, falls sich Einigung über die politischen Ziele und die Machtverteilung erzielen läßt". Soroeit muß das Zentrum tatsächlich voran gehen.
Allzu scharf macht schartig.
Ls ist schon seit einiger Zeit ersichtlich, daß man von französischer und auch von englischer Seite versucht, die rechtzeitige Räumung der Kölner Zone am 10. Januar dadurch zu verhindern, daß man den Bericht der <3. M. K. K. über die Ge- neralinfpektion in Deutschland verzögert und als ungünstig hinstellt. Tatsächlich! Handhaben hat freilich das Ergebnis der mehr als 1600 Kontrollbesuche bisher nicht gegeben. Aber wer schikanieren will, findet ja schließlich immer einen Grund. “Kur so plump darf man es nicht anstellen, wie es neuerdings tue Londoner „Daily Mail" und das Pariser „iournal" versuchen. Da wird von einer Sabotage der Generalinspektion durch die deutschen Militärbehörden gesprochen, von einer Kriegsbereitschaft Deutschland gefabelt usw. Das Journal wärmt sogar die unglaubhafte Behauptung wieder auf, daß man die Abschaffung des deutschen Ehefs der Heeresleitung verlangen werde. Ob es damit dem sogenannten Memoran- dum Herriots mehr Glaubwürdigkeit verleihen will und was das Pariser Blatt hierbei für eine Absicht verfolgt, ist völlig unklar. Vielleicht will es die Deutschen so reizen, daß sie doch noch Unvorsichtigkeiten gegenüber der J. M. K. K. begehen, ie Unia ft zu einem Aufschub der Entscheidung geben könnten, oenen Kreisen ist offenbar der im ganzen so ruhige Verlauf der Generalinspektion höchst unlieb gewesen. Aber mit dicken Lü- gen, die so kurze Beine haben, kann man eine schlechte Sache nicht verbessern. Die Generalinspektion ist absolut günstig für Deutschland verlaufen, und die Gründe für den Aufschub der Räumung von Köln wird man anderswo suchen müssen.
Ein seltsames Dementi.
Der Matin hat sich von einer „besonders autorisierten Persönlichkeit“ ein Dementi gegenüber den Hetzphantasien des oournal und der Daily Mail in Sachsen Generalinspektion ver- ichafft. Das ist nützlich. Höchst merkwürdig sind aber die nun folgenden eigenen Informationen des Malin. Denn auch A^.w'rd an der unwahren Darstellung festgehalten, daß Te rö^Ä Willen gezeigt habe. Zum Beweise wird behauptet, daß die Fabrikation von Waffen fortgesetzt
worden sei; und dann das Hauptargument: „Die Vereinigung der Reichswehr mit der bewaffneten Polizei unter einem Kommando ist eine Umgebung des Vertrages. Die Ueberwach- ungskommission hat oft die Scheidung beider Organisationen verlangt, aber leider erfolglos.“ Das erste ist erfunden, das zweite ist vollkommener Blödsinn. Niemals haben Reichswehr und Polizei unter einem Kommando gestanden, niemals ist das von der Gegenseite behauptet worden. Ls hat sich immer nur darum gehandelt, daß die Polizei selbst nicht zu größeren Einheiten zusammengefaßt werden soll, damit sie nicht etwa militärisch verwandt werden könne. Von deutscher Seite war dem entgegen zu halten, daß größere Unruhen nur durch Zusammenfassung mehrerer lokaler Polizeigruppen unterdrückt werden könnten, da die Reichswehr möglichst ganz von politischem Eingreifen ferngehalten werden muß. Die Verhandlungen über die Organisation, Ausrüstung und Bekleidung der Polizei werden auch in aller Sachlichkeit auf diplomatischem Wege fortgeführt werden, und es liegt kein Anlaß vor, zu befürchten, datz man nicht zu einer Einigkeit gelangen könnte.
Aufrollung
der Reichspräsidentenwahl.
D.B. Berlin, 12. Dez. (Lig. Meldg.) Aus parlamentarischen Kreisen erfahren wir, datz die Frage der Präsidentenwahl unmittelbar nach Beendigung des schwebenden Magdeburger Prozesses energisch aufgerollt wird. Dabei handelt es sich zunächst aber mehr um einen Vorstoß gegen den Reichspräsidenten seitens der Deutschnationalen, die der Auffassung sind, daß in dem Magdeburger Prozeß, gleichgültig ob der angeklagte Redakteur aus formellen Gründen bestraft wird oder nicht, soviel belastendes Material gegen den ‘Präsidenten Ebert zutage gefördert sei, daß sein weiteres Verbleiben im Amte eine Unmöglichkeit darstelle. Die Deutschnationalen beabsichtigen daher, unmittelbar nach Zusammentritt des Reichstages einen parlamentarischen Vorstoß zu unternehmen. Allerdings scheint, hierbei nur daran gedacht zu sein, daß die Deutschnationalen als Opposition in den Reichstag zurllckkeh- ren, da sie als Regierungspartei kaum in aller Form gegen den Präsidenten vorgehen könnten, aus dessen Hand sie ihre Portefeuilles entgegengenommen haben.
Sür die Neuwahl des Präsidenten zu dem ordnungsmäßigen Termin hat man neuerdings den bisherigen Reichspräsidenten Wallraff in Aussicht genommen, man will sich jedoch nicht auf eine bestimmte Persönlichkeit festlegen, um die Mög- rechts-
zustim-
lichkeit offen zu lassen, evtl. auch der Kandidatur eines stehenden öentrumsmannes oder eines Volksparteilers men zu können.
Trotzkis Verbannung.
Zum zweiten Mal ist der Mann aus dem politischen Leben Sowjetrußlands zwangsweise von dem herrschenden Trium- pftirat ausgeschaltet worden, der neben dem verstorbenen Le- nln wohl die bedeutsamste Persönlichkeit Aeurutzlands ist und der im besonderen das scharfe und wirksame Instrument der roten Armee geschaffen hat. Ursache des neuen ZerwUrf- n.ijfes war ein Erinnerungsbuch Trotzkis, in welches er feinen kommunistischen Mitregenten sehr unangenehme Dinge aus der Vergangenheit vorhielt. Zu schärfsten persönlichen Auseinandersetzungen ist es unter den Machthabern gekommen. Der Bruch scheint erfolgt zu sein, nachdem Trotzki noch mit weiteren Enthüllungen gedroht hat. Von entscheidender Bedeutung für die Weiterentwicklung dieses Zwistes dürfte die Haltung der roten Armee sein. Segen den Willen der geschlossenen Aimee können natürlich die Gegner Trotzkis nicht das qe- ringste ausrichten, da sie ihr Regiment ja nicht auf den Volks- roillen sondern nur auf Macht gestellt haben.
Militärkontrolle.
D.B. Paris, 12. Dez. (Lig. Meldg.) Die gestrigen ülelbungen der „Dailg Mail" und des „iournals" über die angeblichen Vorschläge der Militärkontrollkommission werden bereits heute von amtlicher Seite als nicht den Tatsachen entsprechend entschieden dementiert. <3n Wirklichkeit ist er heute ein erster Bericht der interalliierten Militärkommission eingegangen, wobei es sich aber nicht um das endgültige Dokument, sondern nur um eine Art Vorbericht handelt. Der „Ma- tln" hat denn auch auf Erkundigungen an allen maßgebenden alliierten Stellen die Antwort erhalten, daß die angeblichen Feststellungen über neue Angriffsvorbereitungen Deutschland mit den Tatsachen in schroffstem Widerspruch stehen und daß alle großen Bestände an Kriegsmaterialien entsprechend den Bestimmungen des Friedensvertrages vernichtet wurden. Das
Reich besitze weder eine Luftflotte noch eine Artillerie, beide aber könne man nicht improvisieren, besonders wenn man überwacht werde. Deutschland habe seine Verpflichtungen zwar nicht vollkommen erfüllt, aoer seine militärische Beschaffenheit rechtfertige auch nicht den Schatten einer Beunruhigung. — Die der Regierung nahestehenden Kreise glauben, daß es sich bei den Veröffentlichungen der beiden Hetzorgane um ein politisches Manöver handelte.
Das Neueste.
wb. Berlin, 13. Dez. Der Reichskanzler empfing heute
Vormittag 11 Uhr die Mitglieder der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion Herrmann Knüller, Wels, Dittmann und Hilferding. Diese erklärten, wie die Blätter erfahren, der Ausfall der Reichstagswahlen bedeute nach ihrer Meinung eine Bestätigung und Billigung der bisherigen Politik der Reichsregierung, insbesondere ihrer Außenpolitik, welche auch von der Sozialdemokratie unterstützt worden sei. ihrer Meinung nach könne nur eine Linksregierung in Frage kommen. Einer Rechtsrogierung würden sie schärfste Opposition mit allen Mitteln entgegensetzen.
rotb. Berlin, 13. Dez. Abends 10 Uhr telef. Mehrere Blätter melden, daß der Reichsminister des Aeußeren, Dr. Stresemann, sich zu einem etwa Stägigen Aufenthalt in ein außerhalb Berlins gelegenes Sanatorium begeben habe. Stresemann will dort von einer Grippe Erholung finden, an der er während der letzten Tage des Wahlkampfes erkrankt sei.
Jn den letzten Tagen sind in der elektrischen Stromzufuhr Berlins, insbesondere SW., größere Störungen infolge schadhaft gewordenen Kabelleitungen aufgetreten, sodaß die mit elektrisch betriebenen Maschinen ausgerüsteten Fabriken teilweise ihren Betrieb einstellen mußten. Heute sind, laut Berliner Tageblatt, infolgedessen mehrere Tausend Arbeiter entlassen worden.
wtb. Berlin, 13. Dez. abends 10 Uhr telef. Auf der Ehaujsee Drossen-Frankfurt a. O. geriet gestern nachmittag ein Automobil ins Schleudern und rannte in voller Fahrt gegen einen Baum. Der inhaber des Wagens, ein Herr aus Frank- furt a. O., der den Wagen steuerte, wurde sofort getötet. Die beiden Mitfahrenden mußten schwerverletzt ins Krankenhaus gebracht werden.
wtb. Berlin, 13. Dez. abends 10 Uhr telef. Heute morgen wurde im Zentrum Berlins 8 Grad, und in den Außenbe- Urken der Stadt 10 Grad Kälte gemessen. — Die „Vossische Zeitung" meldet: Außer den bereits kursierenden Ein- und Dreimarkstücken sollen Münzen über 2 und 5 Mark baldmöglichst in den Verkehr gegeben werden. Auch die Ausgabe eines neuen 1000 Markscheines dürfte in ungefähr 14 Tagen erfolgen.
rob. Bad Dürkheim, 13. Dez. Wie das Oberbürgermei- [teiamt mitteilt, wird ab 15. Dezember die Delegation der interalliierten Rheinlandkkommission für den Bezirk Bad Dürkheim aufgelöst und dem Bezirk Neustadt angegliedert werben. Für Paßangelegenheilen und sämtliche Erledigungen mit der ^heinlandkommission ist in Zukunft die Delegation in Neustadt zuständig.
Brand in einer Pulverfabrik.
rotb. Goslar, 13. Dez. 10 Uhr abends telef. in der Pulverfabrik und Eisenhüttenwerk Konstanze brach gestern Feuer aus, so daß das Gebäude vollständig ausbrannte. Drei Arbeiter trugen schwere Branntwunden davon, an denen sie in der Nacht noch starben.
wtb. Würzburg, 13. Dez. 10 Uhr abends telf. Der Senat der philosophischen Fakultät der Universität hat im Staatsministerium seine begründeten Bedenken gegen den neuen Konkordaisentwurf unterbreitet.
rotb. Cottbus, 13. Dez. 10 Uhr abends telf. in Helschau, Riederlausitz, ist gestern Abend die Spinnerei und das Kesselhaus der Textilfabrik Blüthen und Söhne niedergebrannt. Diè Weberei und das Maschinenhaus konnte gerettet werden. Jn- folge des Brandes wird die Belegschaft von 230 Mann oor- laufig beschäftigungslos. Die Hälfte wird nach dem Wiederaufbau des Kesselhauses in einigen Wochen wieder arbeiten können. Man vermutet Brandstiftung. Personen kamen nicht zu Schaden.
...wtb.eoudou, 13. Dezember. abds. 10 Uhr telef. Der französische Botschafter Saint Aulaire, der seinen Botschafterposten verlaßt, ist heute morgen in Begleitung seiner Gattin nach Frankreich abgereist. Beim Abschied auf dem Bahnhöfe waren zahlreiche Mitglieder der Diplomatie anwesend.
wb. London, 13. Dez. Einer Reutermeldung aus Kairo zufolgescheint die politische Lage einer Entspannung zuzustre- ben. Die ägyptischen Juristen haben anstelle zweier Anhänger Zaghuls zum Präsidenten bezw. Vizepräsidenten der ägypti- kben iuristenoereinigung 2 Gemäßigte, nämlich Achmed Luftg und Salib Samy, gewählt.