Hessische ,
Morsenzeituns
Ful-aer Kreisblatt, Anzeiger für Rhön und Vogelsberg, Ful-a un- Haunetal
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Nummer 14.
Mittwoch, dm 17. Dezember 1924
1. Jahrgang.
82
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Die bsWewWMn Minierlirdeiten in den DMaten.
Die revolutionären Ereignisse in Estland haben dazu beigetragen, Bündnispläne zu beschleunigen, an deren Verwirklichung seit langem gearbeitet wird. Der Bund der Bollenstaaten scheint nun tatsächlich Wirklichkeit zu werden. Ob es allerdings möglich ist, angesichts der sehr starken Gegensatze, die sich aus der Wilnafrage ergeben, auch Polen in diesen Bund einzubeziehen, in welchem Litauen vertreten ist, erscheint vorläufig noch zweifelhaft. immerhin läßt sich nicht leugnen, daß in die Frontrichtung dieses Bundes, die ausgesprochen nach Rußland gekehrt ist, Polen wie kaum ein anderes Land hineinpaßt. Von der Stärke des russischen Druckes, von dem Grade der Bedrohung hängt es ab, ob Litauen sich wenigstens der Form nach mit den in Wilna geschaffenen Verhältnißen einverstanden entart und dadurch die Brücke von Kowno nach Warschau baut.
Die Schaffung und Ausdehnung aller neugegründeten bezw. erweiterte Staaten Osteuropas beengt das nach Westen blickende und drängende Rußland außerordentlich. Es ist daher objektiv betrachtet kein Zunder, daß Rußland keinen lebhafteren Wunzcy empfindet, als sich entlang seiner gesamten Westgrenze Luft zu schaffen. Daß Rußland mit den ihm naheliegenden revolutionär propagandistischen Methoden arbeitet, ist jedenfalls nicht erstaunlich. Besonders gefährlich wird dis ‘^skauet Kampfe^weise durch die Verguicknnz mit dem Nationalitätenproblom. 3n den baltischen Randstaten tritt der Nationalcharakter der Propaganda zurück. Dort wird im Wesentlichen nur der ^lajsenkampf gegen die „bour- goisen"-Ropubliken organisiert. Die tatsächlich festgestellte
und von. dec- rnMchcn ^râBuch^âebeue _Be.r,eiM^ und Verschlagenheit führte und der inzwischen als Gesandter in roter Truppen in der Feit des Revaler Putsches läßt erken- '' ' ' ~.......
nen, wie ernst es Moskau mit diesem Vorgehen war. Das verhältnismäßig schwächste Vorwerk des Westens sollte zuerst fallen. Die unterirdische Arbeit, erstreckt sich natürlich auch bereits auf Lettland und Litauen. Verhältnis- mäßig am gesündesten hat sich Finnland mit seinem dem Heere an gegliederten Frsiwilligensgstem erwiesen.
Am eifrigsten arbeitet Rußland in Polen. Seit Monaten schon wird in den weißrussischen Gebieten der polnischen Ostgrenzen ein erbitte 'N er Bandenfeldzug geführt. Die Anthe- nen in Ostgalizien genießen ebenfalls ausgiebigste Unterstützung seitens der benachbarten Sowjet-Ukrainer. Hier ist V.e national-bolschewistische Organisation in ihrer typischen Aus
Potsdam gegen Severing.
Eine Verfügung des Bunenministers.
Berlin, 15. Dez. Der preußische Minister des Innern bat den Regierungspräsidenten von Potsdam angewiesen, den Beschluß der Potsdamer Stadtverordnetenversammlung vom 12. Dezember, in dem diese ihre Befugnisse überschritten habe, zu beanstanden. Die Stadtverordnetenversammlung hatte dem Oberbürgermeister Rauscher ihr volles Vertrauen ausgesprochen, und sich in einer Entschließung aufs schärfste gegen die Rüge gewandt die der Innenminister vem Oberbürgermeister erteilt hatte.
Sehr treffend bemerkt der „Berliner Lokalanzeiger": „Wir können uns nicht entsinnen, daß jemals unter dem alten R egime in dieser Weise gegen die geschlossene Witlensmein- ung der Bürgerschaft einer Stadt anregiert worden wäre, so können wir uns dessen entsinnen, daß bei den bescheidensten Versuchen des alten „Obrigkeitsstaates", die Selbstverwaltung irgendwie zu beschränken, ein ungeheures Geschrei in der gesamten Linkspresse losgegangen ist, die jetzt Herrn Soering bei eftwilligst Hnfssto.'lung bei seinem Kampfe gegen die Pots- bamer Selbstverwaltung gibt. Es ist ein Segen, daß aus den Feitqy des alten Staates her noch Sicherungen der Selbst- veiwa ung bestehen, wie sie der neue sozialdemokratische aas .zweifelhaft niemals aufgebaut hätte, und daß es da- her mit der Beifügung des preußischen Innenministers nicht sein Bewenden haben wird. Letzten Endes wird das Oberverwaltungsgericht über den auf Geheiß des Herrn Severing eingelegten Einspruch gegen den Beschluß der Potsdamer Stadtverordnetenversammlung und seine Rechtsgültigkeit zu entscheiden haben".
Sir Abrüitlms SetMlauds.
^'C^erIin’ ,6‘ de?- (Sig. Meldg.) Da in nationalisti- . aen greifen Frankreichs sich weiterhin ein lebhaftes Miß- hom.X9e9enilber eventuellen Angriffsabsichten Deutschland; «phS0* Ausführungen, die das „Berliner Ta-
, 'n diesem Zusammenhang macht, von besonderer Be- 91 ^vrin wird darauf hingewiesen, daß nach Abschaf
prägung geschaffen. Das im September des Wahres auf den Staatspräsidenten Wojciechowski verübte Attentat hat sich neuerdings als Werk der Ukrainischen Jugendorganisation herausgestellt, nachdem man es anfangs einem jüdischen Studenten zugeschoben hatte. Die ukrainisch-kommunistische Organisation ist über ganz Polen verbreitet. Das Attentat in der Warschauer Fitadelle und der Anschlag auf das Lemberger Pulvermagazin geht ebenfalls von dieser Verbindung aus. Mitglieder dieser Sugendorganisaiion besuchen die terroristische Schule in Petersburg.
Ein besonders beliebter Arbeitsboden ist aus den verschis- " densten naheliegenden Gründen der Balkan. Die Belgrader Regierung hat in letzter Feit wohl unwiderleglich fest- gestellt, daß Moskau mit allen Mitteln an der Fersetzung des jugoslawischen Staates arbeitet. Die mazedonischen Organisationen in Bulgarien und die irregulären albanesischen Frei- schärler-Truppen yaben ,.ch ebenfalls der Förderung Moskaus zu erfreuen. Die öolge dieser Umtriebe ist eine kürzlich von Belgrad an Moskau abgegangene Protestnote, die an gewisse Erklärungen Raditschs anknüpft. Richt ohne Bedeutung ist es in diesem Fusammenhang, daß für den Gesandtenposten in Wien nach Mitieilung der „Reichspost", einer der aktiven Sowjetpropagandisten, der im Reiche ja auch uns längst bekannte Herr Foffe verufen werden soll. Dieser gewandte Vertreter der bolschewistischen Sache soll anscheinend die kürzlich formell aufgelöste bolschewistische Balkan-Fen-
trale in <vien ersetzen. Das oeug dazu hat er, der seinerzeit die polnisch-russischen oriedensverhandlungen mit Fähigkeit
Peking und als Bevollmächtigter bei dem englisch-russischen Vertrag seine Fähigkeiten noch weiter entwickelt haben dürfte. Eine zweite Frage ist es allerdings, ob Oesterreich und die Ent-
onte sich bipfen Mann auf den wichtigen Wiener Posten werden gefallen lassen. Die um die bessarabische Frage sich bewegende Minierarbeit in R u m ä n i e n ist im allgemeinen bekannter noch als Oie Umtriebe in den übrigen Balkanstaaten. Ueberall läßt sich also das gleiche Bestreben feststellen. Rußland benutzt alle vorhandenen Schwierigkeiten sozialer und na- tionalpoütifcber Natur, um den Ring zu sprengen, den die Friedensverträge um seine Westgrenzen gelegt haben. Vorübergehende Mißerfolge wie der Fehlschlag in Reval bedeuten gegenüber der zielbewußten Fähigkeit der Gesamtarbeft wenig.
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fung der allgemeinen Wehrpflicht Deutschland etwa im Fahre 1930 lediglich über 11^5 000 ausgebildete Soldaten verfügen wird, da von diesem Zeitpunkt ab die früheren Kriegsteilnehmer infolge ihres Lebensalters für einen Kampf in der Sront nj hi mehr in Frage kommen Schon in den nächsten oahron ist nach Lage der Dinge ein Reserveoffizierkorps und ein Beurlaubtenstand nicht mehr vorhanden. Diese Tatsache, gemessen an der gewaltigen französischen Armee, die ständig 780 000 Mann unter den Fahnen hält, würde allein genügen, um die vollständige Wehrlosmachung Deutschlands zu dokumentieren. Abgesehen davon, daß die große deutsche Flotte ausgeliefert ist, wurden nach Mitteilungen von unterrichteter Seite unter Aufsicht der interalliierten Kontrollkommission fol- genbe ^Waffen- und Muniuonsbestände abgeliefert und zerstört: Gewehre und Karamner fast 6 000 000, Maschinengewehre 105 163, Minenwerfer und Rohre 23 469, Eeschütze und Aohre 54 887, geladene Artilleriegeschosse u. Minen 38 750000 Scharfe Hand-, Gewehr- und Wurfgranaten 16 550 000 Handwaffenmunition 472 200 000, Pulver 36 600 Tonnen' Flugzeuge 14 014, Flugzeugmotore 27 757. Zu berücksichtigen ist weiter, daß Deutsa-.and Militärflugzeuge, Tanks, schwere Artillerie und Gas, vier unerläßliche Faktoren für eine mo- berne Kriegführung, nicht mehr herstellt. Die Vernichtung der deutschen Rüstungsindustrie iy vollzogene Tatsache. Es handel sich hierbei um runo 10 000 Fabriken. Durch die Tätigkeit der Kontrollkommission konnten in den Waffen- und Munitionsfabriken nicht einmal die geringen Soubestände für die Reichswehr angefertigt werden. Sm Verlaufe der General- infpektwn sind in den letzten Monaten nochmals 1700 Kon- trollbesuche durchgeführtl
Frankreich baut sein Welttunknetz aus.
Die französischen Funkverbindungen mit den westafrika- nijcben Kolonien und Madagaskar, die bisher nur einseitig (in der Richtung nach Afrika) betrieben werden konnten, we5- ben jetzt zum Wochselverkehr ausgebaut. Es handelt sich damit um die Schaffung je einer unmittelbaren Funkverbindung Paris—Bamako und Paris—Antananarivo. Diese beiden neuen Funkwege wurden Ende November im Beisein des Kolonialministors und des Unterftaatsjekretärs für dasPost- unb Telegraphenwesen feierlich eröffnet. Man erkennt neuer
dings in Frankreich ein ängstliches Bestreben, auf biete des Funkverkehrs das Heft in der Hand zu Bezeichnend ist daß die französische Regierung im zu anderen Ländern dem Weltrundfunk sehr
dem Ge- behalten. Gegensatz skeptisch
gegenübersteht. Es sind ernsthafte und ausgedehnte Maßnahmen zur Ueberwachung des Rundfunks geplant, die damit begründet werden, daß bei der ständig zunehmenden Fahl von Empfangsstellen auch die Gefahren politischer Falschmeldungen und Verhetzungen wachsen, und daß man nicht voraussehen könne, welchen Einfluß die bewußte Ausbreitung gewisser ausländischer Meldungen auf die Stabilität des Franken nach sich ziehen würde.
Das Neueste.
wbt. Berlin, 16. Dez. abends 10 Uhr telef. Wie aus parlamentarischen Kreisen verlautet, hat der Abgeordnete Koch in der heutigen Besprechung dem Reichspräsidenten erneut erklärt, daß die demokratische Partei die Bildung der großen Koalition anstrebe.
wbt. Berlin, 16. Dez. abends 10 Uhr telef. Auf eine Eingabe des Außenhandelsverbandes, in der sofortiger Abbau der die Verbilligung der deutschen Produktion hemmenden Steuern gefordert worden war, hat der Aeichsfinanzminister» laut dem Lokal-Anzeiger, eingehend geantwortet. Dr. Luther weist in seinem Schreiben auf die bereits durchgeführte Steuerermäßigung hin und versichert, daß der Abbau weiter fortgesetzt werden soll. Die Gerüchte über eine günstige Finanzlage der öffentlichen Körperschaften bezeichnet Dr. Luther als stark übertrieben. 3m übrigen seien bereits neue Vorlagen zur Einschränkung der Zahlungstermine in Vorbereitung.
wbt. Berlin, 16. Dez. abends 10 Uhr telef. Wie aus parlamentarischen Kreisen verlautet, hat die Deutschnationale ReichstagsfrakUo» heute nachmittag die Abgeordneten Graf Westarp, Ehile, Behrend und Winkler als Unterhändler für die Regierungsbildung bestimmt. 3m Laufe des Abends werde der Reichspräsident noch einmal den Abgeordneten Thile empfangen.
wbt. Berlin, 16. Dez. abends 10 Uhr telef. Das preu- Kifche Ltaatsmiuisterium hat in der Dienstag-Sitzung, dem amtlichen preußischen Pressedienst zufolge, von dem Beschluß des Reichskaocnetts iu der Frage der landwirtschaftlichen Kredite der Rentsnbank resp zur Errichtung einer Renten- bankkreditanstalt Kenntnis genommen und mir ihm im große» und ganzen einverstanden erklärt.
wbt. oerlitt, 16. Dez. abends 10 Uhr telef. Dera mtliche Preußische Pressedienst teilt mit: Das preußiscye Staatsmini- iterium hat beschlossen die erste Sitzung des preußischen Landtags auf den 5. 3anuar anzusetzen.
wbt. Moskau, 16. Dez. abends 10 Uhr telef. Russische ^elegrapyenagentur. Die von einigen Eelegraphenagenturen verbreiteten Nachrichten über angebliche Unruhen in der ^orojef-ilnion u. a. in Moskau anläßlich der angeblichen Abreise Trotzkis aus Moskau sind von Anfang bis Ende er-- funden.
wbt. Darmstadt, 16. Dez. 10 Uhr abends telef. Vom 6 ^ d" deutsche Hochschultag slattsinden, zu dem jede Hochschul; 3 Vertreter entsenden wird.
wbt. Mainz, 16. Dezember- abends 10 Uhr telef. Die von den Besatznngstruppen beschlagnahmte hiesige Oberrealscyule in deren Raume die Dienststellen der Eisenbahnregie, teils scyulklasssn untergebracht w ren, wird, wie wir erfahren, ge- werd?n ^' ^ Monats den Rutschen Behörden zurückgegeben
wbt. Baden-? «den- 16. Dez. abends 10 Uhr seif. Ge-
Oa* kürzer N ankheit im 71. Lebensjahr Prinz âßel'tl von Sachsen-Weimar, Herzog von Sachsen. Er war seit 1883 mit Gertha, Prinzessin zu Menburg und Büdingen vermählt und lebte seit 1921 in Baden-Baden.
c d ^ d-rttn, 15. Dez. (Lig. Meldg.) Beim Verschrotten von Alteisen wurde auf einem Lichtenberger Lagerplatz ein drbener von einer explodierenden Granate zerrissen.
Um die Verteilung der Rentenbankkrebite. .^Berliu, 15 Dez. ^ig. Meldg.) Neben der politischen Lage beriet das Reichskabinett in seiner heutigen Sitz- ung eine Steche laufender Angelegenyeusn von großer Trag- Reichsministers für Ernährung und -andwirl^aft beschloß das Kabinett, daß die bereiten Mittel er eu jcien oentenbank für eine Uebergangs?eit bis zum 1. November 1925 durch Vermittlung einer Treuhandstelle an Lnbroirtjiba.thche Kreditinstuute überwiesen werden. Um die- ,e Mittel bis zur gesetzlichen Errichtung einer landwirtschaftli- ^“.r den dringenden KreT. bedarf der Land- wirtjchaft, wie dies im Rentonbank-Liquidierungsgesetz vorge- ^hen ist, nutzbar zu machen. — Die Verteilung " der Kredite