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Morgenzeituns

Fuldaer Krrisdlatt- Anzeiger für Rhön und Bogelsbers, Fulda- und Haunetal

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Für die Volksgemeinschaft Für den Ständefrieden

EH

Nummer 16.

Freitag, den 19. Dezember 1924.

1. Fahrgang.

Die Fraktionell.

Bis zur ersten Sitzung des Reichstags sind es noch zwei­einhalb Wochen; denn es dauert immer' eine geraume Zeit, bis die Wahlstatistik auf das genaueste nachgerechnet ist und jeder Abgeordnete das Volksurteil amtlich zugestellt bekom­men und bestätigt hat. Nichtsdestoweniger herrscht aber im Neichstagsgebäude bereits Hochbetrieb. Die Lösung der Re­gierungskrise erfordert die Anwesenheit der Fraktionen, und diese brauchen sich nicht so ängstlich an die amtliche Approba­tion zu halten. Kommt es auch vor, daß auf Grund der letzten Nachprüfung noch ein Spätling erscheint oder daß ein für ge­wählt Erklärter sich hinterher als durchgefallen herausstellt, s^ind das doch Ausnahmefälle, die an dem Ergebnis der jetzt gleich zu leistenden Arbeit nichts ändern können. Der Diens­tag war nur ein Vorläufer, aber der Mittwoch war schon ein großer Tag. Denn so wenig man auf die Beschlüsse der Deutschnationalen und der Demokraten neugierig zu sein brauchte, so sehr war man es auf die Stellungnahme des Zen- trums und der Volkspartei.

Das Trommelfeuer mit dem die demokratische Presse und die ihr verbündeteGer­mania" die Zentrumsfraktion im Sinne der Ablehnung der Koalition nach rechts bearbeitet hatte, wäre nicht so wirkungs­voll gewesen, wenn sich der Parteiführer Marx nicht ebenfalls daran beteiligt hätte. So aber war eine rein sachliche Stellung­nahme keinesfalls mehr zu erwarten. Man braucht nur wieder einmal die Aase in die Parlamentsluft hineinzustecken, um trotz jahrelanger Abhärtung zuriickznprallen vor diesem Klein- leulegoruch, der da entsteht aus kleinlichster Parteitaktik, aus persönlicher Ranküne, aus Rachsucht und Schadenfreude ge­genüber der anderen Partei.

Darüber werden die großen Linien der Politik ganz ver­gessen. Und noch ein anderer Gedächtnismangel ist auffallend: Es scheint so, als ob viele Leute noch garnicht die Tatsache er­faßt haben, daß wir vom Konstituionellen zum parlamentari­schen System übergegangen sind. All die herzzerreißenden Klagen und Anklagen über dieAusschaltung" einer Partei oder Klasse von der Regierung gehörten in die kaiserliche Zeit passen aber nicht mehr in die heutige hinein. Das parlamen­tarische System bringt es mit sich, daß bald die eine, bald die andere Seite regiert; u. es ist unsinnig, deshalb von einem Riß durch das Volk zu sprechen. Die Sozialdemokratie die sich als Klasfenpartei der Arbeiter bezeichnet, hat nun doch lange genug offiziell oder inoffiziell regiert. Wer es für nützlich hält, jetzt einmal die Rechte zur Verantwortung kommen zu lassen, braucht nicht ihr Freund und nicht der Seinb der Sozialdemo­kratie oder gar der Arbeiterschaft zu sein. Stellt sich die Re­gierung mit der Rechten als schlecht heraus, so gewinnt ja dadurch die Linke neuen Zuzug und beste Aussicht, bald wieder zur Herrschaft zu kommen. Das ist die leidenschaftslose Auf­fassung, die allein dem parlamentarischen System entspricht. Einzelne Mitglieder der Linken huldigen ihr auch. Das Gros unserer Republikaner aber steckt noch ganz in den Anschauun­gen der wilhelminischen Aera. Und das ist der Humor davon.

Die Rot als AgttaftonWlfe.

Mit welcher Unehrlichkeit soziale Fragen als reine Agi- tationsmittel benutzt werden, zeigt in aller Deutlichkeit ein Vorfall im WUrttembergischen Landtag. Hier fragte vor einiger Zeit der bekannte sozialistische Reichs- und Landtags­abgeordnete Keil im Namen seiner Fraktion die Regierung, wie sich eigentlich zu der Frage der Ratifizierung des Was­hingtoner Abkommens stelle; eine ablehnende Antwort der bürgerlichen Rechtsrogierung mußte nämlich den Genossen er­wünschten Agitationsstoff gegen dieSozialreaktion der Scharfmacher" geben. Staatspräsident Bazille laß darauf aus einer Instruktion der Regierung folgende Sätze vor.

Dem;chland befindet sich infolge der Wirkung des Frio- densvertrags in einer durchaus anderen Lage als weitaus dis meisten übrigen dem internationalen Verband der Arbeit an- goschlossünon Länder. Seine Belastung durch die mit diesem 23ertrag übernommenen Verpflichtungen hat, die Grenze des Möglichen wohl schon überschritten. Eine weitere freiwillige Beratung könnte ihm daher nur zugemulet und von ihm auch nur verantwortet werden, wenn ihm dabei die Möglichkeit gegeben würde, sich das zum Schutz seiner aufs äußerste be­drohten Wirtschaft unbedingt erforderliche Maß von Be­wegungsfreiheit zu sichern, so daß eine weitere Verschlechte­rung seiner wirtschaftlichen Lage und seiner Wettbewerbs­fähigkeit auf dem Weltmarkt nicht erwachsen kann. Das ist nach der vorliegenden Fassung der Uebereinkommen nicht der Fall."

Die Freude der zuhörenden Genossen wuchs bei jedem ^ort des Ministerpräsidenten; da hatten sie ja das, was sie, wie etwa die Kontrollkommission einen Mord, zum Beweise ihrer Daseinsberechtigung brauchten: die finsterste Reaktion einer Kapitalistenregierung, die verabscheuenswUrdigste Ar­beiterknechtung. Welche gerechte Empörung konnten sie her­vor ufen, wenn sie mit diesem Produkt des verfaulten Bürger­

tums vor die ausgebeuteten Arbeiter treten würden! Wie furchtbar war aber bald die Entäuschung, als Herr Bazille fortfuhr:Diese Instruktion hat der Herr Arbeitsminister Keil noch erteilt. Inzwischen hat sich auch nichts an der Sachlage geändert und die jetzige Regierung hat deshalb gar keine Veranlassung, von der trefflichen Instruktion des Herrn Arbeitsministers Keil abzuweichen.

Gerade das Gebiet der Arbeitszeit ist ja ein vortrefflicher Tummelplatz für die sozialistischen Agitationspferde. Das stellt u. a. auch der Reichsarbeitsminister Brauns in seiner kleinen BroschüreWirtschaftskrisis und Sozialpolitik" fest. Dr. Brauns legte im Frühjahr nach Einreichung einer sozial­demokratischen interpellation die berechtigte Frage vor, wa-

Marr redivivus?

wbt. Berlin, 18. Dez. abends 10 Uhr telef. Die Blätter betonen, daß Reichskanzler Dr. Marx, der es angenommen durch Verhandlungen mit den Parteiführern festzustellen, welche Möglichkeiten für eine parlamentarische Regierungsbildung vorhanden sind, völlig freie Hand habe. Man nimmt an, daß seine Bemühungen entsprechend dem gestrigen Zentrumsbe­schluß auf die Bildung einer Regierung der Mitte abzielen werden, wenn sich die große Koalition, wie vorauszusehen sei, als im Augenblick nicht verwirklichtbar erweisen würde. Dr. Marx empfing im Reichstag nacheinander die Führer der Sozialdemokraten, des Zentrums, der deutschen Volks­partei und der bagorischen Volkspartei. Der Führer der So­zialdemokratie, Herrmann Müller, erklärte, daß die Stel­lung der Sozialdemokraten sich nicht geändert habe. Sie sei nach wie vor für die große Koalition und scheine willens zu sein, wie schon im letzten Reichstag ein Kabinett der Mitte unter bestimmten Voraussetzungen zu unterstützen. Die Ver­treter der deutschen Volkspartei blieben bei ihrer Erklärung, daß sie nur eine bürgerliche Mehrheitsregierung mit Einschluß der Deutschnationalen als Lösung anuehmen könnten. Sie glauben nicht, daß man bereits heute ein abschließendes Er­gebnis der Bemühungen des Kanzlers erwarten darf.

*

Kur; skizziert liegt die Angelegenheit so: Das Zentrum will mit den Deutschnationalen nicht, die Volkspartei will ohne die Deutschnätionalen nicht. Bleiben beide fest, dann muß das Zentrum mit Demokraten und Sozialdemokraten allein ge­hen. Aber wie sagt doch Goethe in seinen Genien?Mit Liebe nicht, nur mit Respekt werden wir uns mit dir vereinen".

rum die Sozialdemokratie ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt auf sofortige Ratifizierung des Washingtoner Abkommens drängte. Wie viele Regierungen mit sozialdemokratischer Spitze oder wenigstens mit sozialdemokratischen Ministern haben wir unterdessen erlebt, an welche diese Forderung nicht gestellt wurde?"Eins ist klar ersichtlich: Die Haltung der Sozialdemokratie war eine wesentlich andere, als sie noch die Verantwortung der Regierung mittrug, im Gegensatz zu ihrer Haltung nachher, da sie in der Opposition steht.

Agitation, und nichts als Agitation ist heute für diese Partei die deutsche Not und die deutsche Sozialpolitik, die unter dem Zwange dieser Not steht! ön seinen Betrachtungen zum Austritt aus der Reichsregierung imVolksfreund" vom 8. November 1923 (Karlsruhe) gab das auch der sozialistische badische Arbeitsminster Dr. Engler offen zu:Die Mehr­heit (der S. P. D.) wollte den Austritt. Entscheidend be­einflußt war diese Mehrheit dabei von der bevorstehenden Beratung des Arbeitszeitgesetzes. Es gibt keinen Reichstags­abgeordneten, der nicht innerlich überzeugt wäre, daß wir bei unseren jetzigen Arbeitsmethoden zu Grunde gehen. Da aber Beamtenabbau, Berufsumstellung und wenigstens vorüber­gehende Arbeitszeitverlängerungen sehr unpopulär sind, so will man lieber nicht dabei sein und die anderen machen lassen."

Das deutsche Volk und vor allem die Arbeiterschaft weiß, was es von densozialpolitischen" Versprechungen und Programmen der Sozialdemokratie zu halten hat, die, wenn es ernst wird,lieber nicht dabei sein und die andern machen lassen will."

Deutsche Schulen als Enweutschungsmittel.

Tausende von Schulen und Schulklassen bat man den Deut­schen in den Vasallenstaaten Frankreichs zerschlagen. Ein sehr beträchtlicher Prozentsatz deutscher Kinder muß in der Tsche­choslowakei und in Polen in fremdnationale Schulen gehen, vor dem Völkerbünde paraoiereu diese Staaten, besonders Po­len, aber immer noch mit den Schulen, die man alsdeutsch" bisher noch verschont hat. ön Wirklichkeit wird zwar in den deutsch" Schulen zum Teil noch in deutscher Sprache unter­richtet. Der Geist dieser Schulen aber ist ebenso polnisch wie

die Zusammensetzung des Lehrerkollegiums. So werden gerade die angeblich deutschen Schulen Werkzeuge der Entdeutschung. Ein Beispiel nur für Viele, ön Granden; besteht ein Seminar das deutsche Lehrkräfte ausbilden soll, also eine Erftehungs- anstalt von besonderer Bedeutung. Dort ist der Rektor ein indifferenter Kaschubo polnischen Herkommens. Außerdem unterrichten an dieser Anstalt bVollpolen, 3 Lehrkräfte, die polnisch orientiert oder mit Polen verheiratet sind, ein weiterer Kaschube, ein Lehrer unbestimmter Nationalität. Der Reli­gionslehrer, der aus Galiften stammt, ist wohl der im deutschen Sinne ;uverlässigste Lehrer. Durch solche Lehrkräfte sollen deutsche Lehrer zu deutscher Bildung geführt werden. Ein neuer Beitrag zum Selbstbestimmungsschwindel von Versailles.

Sie Arbeitsvolittk der Arbeitgeberschaft.

Ein Hauptschlagwort des Wahlkampfes war es, daß die deutsche Arbeitgeberschaft grundsätzlich den Achtstundentag ob- lehne. Demgegenüber ist festzustellen, daß die deutsche Arbeitgeberschaft weder den Achtstundentag grund­sätzlich bekämpft noch grundsätzlich einen schematischen Zehn­stundentag verlangt. Sie verlangt lediglich eine Regelung der Arbeitszeit in den einzelnen Fachgruppen und Betrieben, durch tie die Höchstleistung unserer derzeitigen Wirtschaftsanlagen völlig erreicht wird. Die allgemeinen Anhalttspunkte dafür werden in der Vorkriegsarbeitszeit gefunden werden können, da schon damals die Entwicklung der deutschen Arbeitszeitre­gelung in der Richtung des Achtstundentages als letztem Ziel ging. Entscheidend war aber, daß früher Arbeitszeitverkür­zungen niemals auf Kosten der Produktivität der Betriebe durchgeführt worden sind. Der Verlust des Betriebskapitals und der Sparrejeroen durch die Inflation hat es der deutschen Industrie unmöglich gemacht, durch intensivere Betriebsgestal­tung den eintretenden Produktionsausfall wieder hereinzu­bringen. Dies ist auch von sehr weit linksstehenden Vertre­tern der Wissenschaft wie ;. B. Brentano offen zugege­ben. Die Arbeitszeitpolitik der deutschen Industrie stellt sich deshalb vor allem darauf ein, keine Möglichkeit der Produk­tionssteigerung durch Arbeitszeitverlängerung unausgenutzt zu lassen. Dabei wird auch von der deutschen Arbeitgeberschast der Achtstundentag als Kulturideal und Ziel gesunder Wirt­schaftsentwicklung vollauf gewürdigt. Sm Rahmen einer ge­sunden, auf das Wohl der Allgemeinheit bedachten Wirtschafts entwicklung werden deshalb die Arbeitgeber die Erreichung dieses Kulturideals gewiß nicht hemmen. Heute jedoch sind die Voraussetzungen hierfür nicht gegeben und werden durch die Ratifikation des Washingtoner Achtstundentag-Abkommens nicht gegeben werden können. Denn wenn das Ausland uns zu dieser Ratifikation zwingen will, dann geschieht dies nicht im Sinne einer Steigerung der deutschen Produktion, sondern mit dem Ziel, die deutsche Konkurrenzfähigkeit, die trotz des Ver- Versailler Diktats und trotz des Wirtfchastsverfalls der In­flationszeit immer noch geflüchtet wird, mit allen Mitteln in­ternationaler Kontrolle niederzudrücken. Ein Deutschland, das politisch schwach ist, würde gegen eine internationale Kon­trolle seiner Arbeitsbedingungen sich im Falle der Ratifika­tion nio)t wehren können und deshalb immer einseitig belastet sein. LS kann auch nicht oft genug auf den unlösbaren Wi­derspruch yingewiescn werden, der das ganze Reparationspro­blem beherrscht, daß nämlich Deutschland auf der einen Seite durch höchste Sortierung seines Exports Reparationen zahle und auf der andern Seite der deutsche Export durch interna­tionale Bindungen und unberechtigte Antidumpingmaßnahmen der ausländischen Konkurrenz bis zur Konkurrenzunfähigkeit gedrosselt werden soll.

Aas ReaZA.

wbt. Berlin, 18. Dez. abends 10 Uhr telef. Wie das Reichsverkehrsministorium mitteilt, wird der deutsch-englische Luftverkehr auf der Strecke Berlin-London ab 31. Dezember bis auf Weiteres eingestellt.

wb. Paris, 18. Dez. Die türkische Regierung hat den holländischen Ingenieur M. E. Roode, der auch den Hafen von Amsterdam ausgebaut hat, beauftragt, die Häfen von Konstantionopel, Mersina und Trapezunt zu modernisieren.

wb. London, 18. Dez. Wie dieTimes" aus Peking mel­det, ist unter den Truppen in Kalgan in der Provinz Tschili etwa 100 Meilen nordwestlich von Peking, eine Meuterei aus- gebrochen. Es wird behauptet, daß die Hälfte der Stabt durch Seuer zerstört ist.

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Die Handelsvertragsvorhandlungen.

wb. Paris, 18. Dez. Havas meldet aus Washington: Der Handelsvertragsentwurf mit Deutschland ist innerhalb der 5e- natskommission für auswärtige Angelegenheiten auf eine so starke Opposition gestoßen, daß man eine Untorkommission eingesetzt hat, um mit Staatssekretär Hughes über gewisse Ab­änderungen in diesem Vertragsentwurf zu verhandeln.