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Ful-aev Krets-latt, Anzeiger für Rhön und Vogelsberg, Ful-a und Haunetal
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Som Zentrum zerschlagen.
Die Reichstagsfraktion bes Zentrums hat gleich auf Anhieb die Möglichkeit eines Blockes Mitte-rechts verschlagen. Das widersprach den Erwartungen der meisten und auch den Traditionen der Zentrumspartei, die sonst möglichst lange eine vorsichtige Zurückhaltung ?u üben pflegt. immerhin müßte man den schnellen Entschluß im Interesse der baldigen Lösung der Regierungskrise loben, wenn nicht anzunehmen wäre, daß er ab irato gefaßt sein. Sehr stark scheint noch die Erregung des Wahlkampfes nachgewirkt zu haben. Der Zorn aber ist kein guter Berater, und eine Politik, die an die Wahlleidenschaft anknüpft, ist keine gute Politik. Jn den Kreisen der
Jas Mell lmßaamannPrvzeß
Hannover. Haarmann ist wegen Mordes in 24 Zöllen ;um Tode, Grans wegen Anstiftung ?um Morde in einem Zalle zum Tode, und wegen Beihilfe zum Morde zu 12 Zähren Zuchthaus verurteilt worden.
Bolkspartei dürfte es nun wieder als unfreundlicher Akt empfunden worden sein, daß sich das Zentrum nicht Zeit genommen hat, wenigstens Verhandlungen zu führen und Vorschläge anzuhören, nachdem schon bekannt geworden war, daß die D. V. P. den Versuch einer Kabinettsbildung auf der Grundlage Mitte-rechts machen wollte. Solche Unhöflichkeiten und die daraus folgenden Verstimmungen pflegen noch eine ganze Weile nachzuwirken. Andererseits könnten die Deutschnationalen vom rein parteitaktischen Standpunkt aus dem Zentrum dankbar dafür sein, daß es ihnen Erklärungen zu einem Regierungsprogramm erspart hat. Die Opposition wird ihnen dadurch erleichtert, wenn sie auch vor den wirtschaftlichen Fragen Halt machen dürfte, bei denen ja das Zentrum aus den Armen der Sozialisten in die der Deutschnationalen flüchten muß.
Der Block Mitte-rechts ist also gescheitert, und zwar, wie man annehmen muß, „vorläufig endgültig". Das soll heißen: :m Verlauf dieser Regierungskrise wird der Plan nicht wieder ausgenommen werden. An eine Minderheitsregierung $cr JDt- Aal. und D. V. P. (unter übelwollender „Neutralität" des Zentrums) haben nur einige besonders boshaft veranlagte Leute der Linken gedacht. Wollte die Volkspartei diese Bosheit erwidern, so würde sie jetzt den Linksblock vor- schlagen und ihm auch Neutralität versprechen. Es gibt ja Fanatiker links, die davon entzückt sein würden; aber die Praktiker bekreuzigen sich davor. Bei den Sozialdemokraten soll nur wenig Neigung herrschen, sich mit einer Teilnahme an der Reichsregierung zu belasten. Die haben Geschmack an Preußen gefunden und wollen offenbar dort ihre Position bis aufs Messer verteidigen. Wenn die Landtagsfraktionen der Sozialdemokraten, der Demokraten und des Zentrums ihre ersten Sitzungen erst im Januar abzuhalten gedenken, so sieht das ganz nach Sabotage einer gründlichen Regierungsneubildung aus. Wir halten eine solche Taktik für recht kurz- stchtig, da sie die Opposition stärken muß. Aber das haben die Parteien mit sich auszumachen. Wie nun zunächst im AMt> die Dinge weiterlaufen werden, ist noch nicht zu übersehen. Einfach und schnell dürfte sich der Knoten nicht mehr losen lassen.
. $aß äie Volkspartei nach dem Verhalten des Zentrums der „großen Koalition" zustimmen könnte, glauben wir nicht; und das Fortbestehen der alten Minderheitsregierung wäre
^'^ äußerst dürftiger Notbehelf. Das Regieren mit wech- J 1 en ehrhetten also die Rückkehr zum konstitutionellen Sgstem — als Folge dieser Reichstagsauflösung: das wäre echte Tragikomik.
Das Neueste
Die „Freunde" am Pacific.
wb. Washington, 19. Dez. Jn einer Erklärung über die Ernennung Matsudairas zum japanischen Botschafter in Washington weist Staatssekretär Hughes darauf hin, daß zwischen 6-okio und Washington tatsächlich keine schwierigen Fra- gen schweben und drückt die Ueberzeugung aus, daß Amerika ichsten Beziehungen mit Japan entgegensehen könne, durch die Entsendung Matsudairas erheblich erleichtert.
»Alttische WschensWu.
Durch die „Well" wird ein Aufatmen der Erleichterung gehen: die „Gefahr" enter mehr rechtsgerichteten Regierung in Deutschland ist abgewandt. Das Zentrum hat sich mit ei nem entschlossenen Ruck ganz auf die linke Seite geworfen. Und wenn auch zum Teil dabei Verärgerungen aus dem Wahlkampf mitgesprochen haben, so läßt sich doch nicht bestreiten, daß die EinschUchterungstaktik der ausländischen Presse mitgoholsen hat, da sie nicht nur von der deutschen Linkspresse lebhaft unterstützt wurde, sondern offenbar auch auf den Reichskanzler Marx Eindruck machte. Ob wir Deutschen also Grund haben, uns über den Applaus des Auslandes in diesem Falle zu freuen, ist mehr als fraglich. Es muß doch einigermaßen auffallen, daß über die Wirkung auf die „Welt" so viele Leute besser orientiert zu sein glauben als der Außenminister, der von rechtswegen „der Nächste dazu" sein sollte. Dr. Stresemann wird zwar als Optimist gescholten, aber er ist doch kein Phantast und steht nun schon seit fünfviertel Fahren im engsten Konnex mit dem Berliner diplomatischen Korps, empfängt die Berichte aller deutschen Auslandsvertreter. JJt es denkbar, daß er sich über die Wirkung einer Teilnahme der Deutschnationalen an der Reichsregierung so getäuscht haben sollte? Oder gar, daß er außenpolitische Bedenken zugunsten der Parteipolitik zurückgestellt hätte? Niemand wird das im Ernst glauben. Viel einfacher scheint uns die Erklärung: daß der Lärm draußen nur das Echo des Geschreis in der deutschen Linkspresse gegen den Block Mitterechts war. Und Angst vor dem eigenen Echo zu haben, ist nicht gerade ein Zeichen großer Lourage.
Stresemann wollte vornehmlich wegen der erwähnten persönlichen Beziehungen zur Diplomatie der Welt, die sich ein neuer Minister erst langsam wieder erwerben muß, gerne das Auswärtige behalten und nicht Reichskanzler werden. Beide Aemter zu vereinigen ist auch für den physisch Stärksten auf die Dauer zu schwer. Wenn er Malice genug besitzt, dann sagt Dr. Stresemann nach dem brüsken Beschluß des Zentrums jetzt: bitte, macht Eure Außenpolitik alleine — zeigt einmal, was für Erfolge eine Linksregierung einzuheimfen vermag! Denn die Gier nach Lorbeeren hält ihn sicher nicht auf dem Posten des Außenministers fest. Die Kränze, die in nächster Zeit zu holen sein werden, sind Dornenkränze. Das Ausland kümmert sich den Teufel darum, wer in Deutschland regiert; es lobt den milden Marx und — schneidet aus seiner Haut
Men die Räumung -er Kölner Zone.
wtb. London, 19. Dez. abends 10 Uhr telef. Die „Times" meldet: die britische und französische Regierung hätten die Frage der Räumung der Kölner Zone erörtert. Da aber die interalliierte Militärkoulrollkommission bisher nicht in der Lage gewesen sei ihren vollen Bericht zu unterbreiten, sei von den in Betracht kommenden Regierungen bisher kein Entschluß erzielt worden. Die Annahme des Dawesplanes durch die Alliierten und Deutschland beseitige jede Frage, die sich auf den Verzug bei der Bezahlung der Reparationen beziehe. Anders aber sei die Lage hinsichtlich der Entwaffnungsfrage. Wenn die deutsche Regierung aufrecht erhalte, daß die Kölner Zone am 10. Januar geräumt werden müsse, so sei die Antwort der alliierten Regierungen klar. Von den Deutschen selbst sei der Vollendung der entgültigen Jnfpektion durch die Mi- litärkoutrollkommission so zahlreiche Hindernisse in den Weg gelegt worden, daß es unmöglich geworden sei, sie zu beenden.
wb. Tokio, 19. Aez. Der neue japanische Botschafter für Washington, Matsudairas, erklärte aufgrund seiner Erfahrungen aus uer Washingtoner Konferenz, es erscheine ihm klar, daß beide Nationen dazu bestimmt seien, zusammenzustehen, um den Frieden im Stillen Ozean zu wahren und durch Zusammenarbeit einen großen Beitrag für die allgemeine Wohlfahrt der Welt zu leisten.
wb. Tokio, 19. Dez. (Funkspruch). Der japanische Ministerpräsident Kato erklärte auf einem Essen der Seiyukaipartei, bie amerikan. Regierung habe ihm, um die Besorgnisse in bestimmten Kreisen des japanischen Volkes zu zerstreuen, die Absicht kundgegeben, nach den im nächsten Jahre in den haroai- H tpen Gewässern stattfindenden A.anövern die amerikanische Flotte nach Yokohama zu entsenden. Die japanische Regierung lehnte jedoch dieses Angebot mit Dank ab, da Amerika in enigegenkommender ^eise die Beweggründe der geplanten Manöver dargelegt habe.
Albanien u. Marokko.
rob. Rom, 19. Dez. Bezüglich der Nachrichten aus Belgrad betreffend die angeblichen Fortschritte der Rebellen in Albanien und die Flucht des Präsidenten der albanischen Regierung bemerkt der „Messagero", daß diese Nachrichten mit Vorsicht ausgenommen werden müssen und noch der Bestätigung bedürfen.
Riemen. Die „Generalinspektion" der J. M. K. K. wird munter fortgesetzt und der Schlußbericht verschleppt, damit man eine Handhabe zur Verzögerung der Räumung von Köln habe. Welch ein schneidender Gegensatz: man heuchelt Besorgnis vorder Möglichkeit einer deutschen Revanche und behandelt dabei Deutschland als rechtlos, weil völlig kriegsunfähig!
Von dem konservativen Kabinett in England haben wir natürlich nur noch etwas mehr Kälte zu erwarten als von dem Macdonalds. Nahm dieser sozusagen gefühlsmäßig Rücksicht auf die Position Herriots, so nutzt Ehamberlain kühler dessen Schwäche zugunsten Englands aus. Er ist von seiner Paris- Rom-Reife, auf der er viel gehört und nichts Bindendes (nur „Verbindliches") gesagt hat, nach London zurückgekehrt und hat im Unterhause viel Beifall gefunden. Den Bolschewisten gab er mit der Erklärung über die Echtheit dos Sinowjew-Briefes eines auf die Nase. Herr Tschitscherin hat seine Wut in einer Drohnote an Amerika ausgelassen, die zu dem lächerlich geringen Anlaß in gar keinem Verhältnis steht. Die Freude an Herriot ist ja den Sowjetleuten auch vergällt, seitdem sich Frankreich so entschieden der bolschewistischen Eindringlinge erwehrt. Scheint auch Herriots Krankheit nicht so schlimm zu sein, wie man anfangs glaubte, so bleibt die politische Gesundheit des französischen Premiers dauernd erschüttert, da zu viel Rücksicht auf den Windzug von rechts genommen werden muß. Und was hülfe auch aller theoretische Pazifismus, wenn sich in Marokko so heiße Kämpfe abspielen, an denen die Franzosen doch so sehr — natürlich „indirekt" — interessiert sind. Den Spaniern geht es dort schlecht; die Konsequenzen für den Diktator de Rivera sind noch nicht abzusehen.
Jn Deutschland dagegen sind die Zeitungen, soweit sie nicht von der Regierungskrise und dem im Schlamm versinkenden Prozeß Haarmann in Anspruch genommen werden, voll von Berichten aus Magdeburg. Wir wollen ein abschließendes Urteil über diese hochpolitische Schöffengerichtsverhandlung aufschieben, bis der Spruch und seine Begründung vorliegen. Aber der Prozeß selbst dürfte hier nicht unerwähnt bleiben und auch nicht die Tatsache, daß selbst in deutschnationalen Kreisen immer stärkere Bedenken gegen die Art auftau- eben, wie dort die Reichspräsidenten Wahlkampagne eingeleitet und mit anrUhrigen Zeugen operiert wurde. Es ist nicht wahr, daß der Zweck die Mittel heiligt.
wb. Paris, 19. Dez. Wie dem „Petit Parisien" aus Belgrad gemeldet wird, haben die albanischen Aufständischen unter Führung von Tzenabec die Stadt PrichKopea und den ganzen Kruna-Bezirk besetzt und die Regierungstruppen zu e-nem ungeordneten Rückzug über den Drin-Fluß gezwungen. Die neuesten, aus Belgrad eingetroffenen Nachrichten besagen, daß der Regierungschef Fan Noli geflüchtet sei. Sollte sich diese Nachricht bestätigen, so habe der Aufstand sein Ziel erreicht.
wb. London, 19. Dez. Wie die „Dailg Mail" aus Tanger meldet, waren infolge heftiger Kämpfe bei Regaia die spani- schen Posten außerhalb des Gebietes von Tanger verhindert, mit Kraftwagen die Straße nach Tetuan zu benutzen. Die Eisenbahnverbindung zwischen Ceuta und Tetuan soll unterbrochen sein.
wb. Paris, 19. Dez. Der Madrider Korrespondent des „Journal“ berichtet: die Ueberroachung der französischen und der portugiesischen Grenze sei verstärkt worden. Zu diesem Zwecke seien vier Bataillone Gebirgsjäger aufgestellt worden. Weitere Bataillone lägen in Madrid bereit, um schnellstens an die Grenze transportiert werden zu können, wenn ihre Anwesenheit sich als notwendig erweisen sollte.
wb. Paris, 19. Dez. Haoas meldet aus Hendage, daß der Sitz des Oberkommissars in Marokko von Tetuan nach Na- rasch verlegt worden sei.
Richtet nicht . . .
wb.Paris, 19. Dez. Das Kriegsgericht in Lille hat wiederum zwei Urteile gegen deutsche Offiziere ergehen lassen. Nach dem „Gaulois" wurde der Kommandeur der 23. Pio- niore, Hubert, in Abwesenheit zu 2 Fahren Gefängnis und 200 Flanken Geldstrafe verurteilt, weil er angeblich im Juni 1915 junge Franzosen zu Arbeiten gezwungen haben und als sie sich weigerten auf sie habe anlegen lassen.
Zu zwei wahren Gefängnis wurde ferner in Abwesenheit oerurteilt bei deutsche Major Schmitt, der Gouverneur von Alaubeuge, der angeblich zahlreiche Franzosen nach Deutschland transportiert und Zivilarbeiter requiriert haben soll.
Zusammentritt des Reichstages am 5. Januar.
rotb. Berlin, 19. Dez. abends 10 Uhr telef. Die erste Sitzung des Reichstages ist von dem bisherigen Reichstagsprä- sidenten nunmehr bestimmt auf den 5. Januar 1925 nachmittags 3 Uhr anberauml worden.