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Aulöaer Keeèsblatt, Anzeiger für Rhön und Vogelsberg, Fulda und Haunetal

DieHessische Morgmzeitung" erscheint wöchentlich 6 mal, sautzer Montags), Sonntags . Anzeigen: Die 7gespaltene Millimeterzeile 0,84, auswärts 0,07 Kentenmart. Tie 92 mm

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NumMr 18. Sonntag, den 21. Sezember 1921. 1. Sahrgang.

neue lranrösische MverMmthett.

rotb. Saarlouis, 20. Dez. Sämtliche Stadtverordneten der Stadt Saarlouis haben heute au den Reichskanzler Dr. Marx eine Eingabe gerichtet, in der es heißt:

2n diesen Lagen erhielten wir die Bestätigung der Richtigkeit eines seit Monaten umlausenden Gerüchts wo­nach der französische Ministerpräsident Herriot den Ver­zicht Frankreichs aus das Ruhrgebiet und die Laargruben ausgesprochen hat, wenn die Stadt Saarlouis mit sieben Bürgermeistereien ohne Abstimmung an Frankreich fällt. Wir halten es für unsere heiligste Pflicht, gegen diese be­absichtigte Vergewaltigung eines treudeutschen Volksteiles einmütig vor der ganzen zivilisierten Welt den allerschärfsteu Einspruch zu erheben. Wir waren gute Deutsche, wir sind gute Deutsche und wir wollen gute Deutsche bleiben. Die Abstimmung in zehn wahren wird, davon sind wir felsenfest überzeugt, eine glänzende Rechtfertigung des Lrengelöbnisses aller Saaländer zum Deutschtum bringen. Wir Bewohner der Stadt Saarlouis wollen hierbei mit an erster Stelle ste­hen, denn wir haben für die Zukunft keinen brennenderen Wunsch als den der Wiedervereinigung mit unseren deut­schen Brüdern.

An den Völkerbund und den an französischen Ministerprä­sidenten wurde eine Eingabe gerichtet, in der gesagt wird:

Wir bitten dringend um ihre Mithilfe, damit den ihr Deutschtum treu bekennenden Bewohnern der Stadt Saar­louis die Möglichkeit belassen bleibt, ihre Rationalität selbst bestimmen zu können. Noch zehn Sahre wird dieser Zu­stand dauern. Nur die Hoffnung auf die Abstimmung und damit auf die sehnsüchtig herbeigewünschte Freiheit macht

Amnestie in Bayern.

Amtlich wird mitgeteilt: Das oberste Landesgericht hat die Beschwerde der Staatsanwaltschaft vom 29. September gegen den Beschluß des Landgerichts 1, durch den Hitler und Kriebel Bewährungsfrist bewilligt worden ist, verworfen. Es erhalten also Hitler und Kriebel für den Nest der Strafe Bewährungsfrist. Dagegen wurde vom Obersten Landesge­richt der Beschwerde des Staatsanwalts gegen die Bewillig­ung einer Bewährungsfrist für Dr. Weber stattgegeben.

Vom Staatsministerium der Susti? wurde jetzt unter Min­derung der Strafen die Strafvollstreckung gegen Mühsam, Sauber, Karpf und Olsch ew isky unterbrochen und ihnen für den Rest der Strafe Bewährungsfrist bewilligt. Es sind dies die letzten Festungsgefangenen der Räterepublik, die seit 1919 sich ununterbrochen in Festungshaft befinden.

Ferner ist Zechenbach, Sargas und Lembke Be­währungsfrist für den Rest ihrer gleichzeitig verminderten Strafe bewilligt worden. Bei dieser Begnadigung ging das Justizministerium von dem Standpunkt aus, daß die Schuld der drei Verurteilten nach dem Gutachten des Obersten Lan­desgerichts feststeht, daß es aber angezeigt fei, die Strafen dem vom Reichsgericht in ähnlichen Fällen angewandten Straf­maß anzupaffen.

Wie die Blätter aus München melden, wurden die begna­digten politischen Gefangenen heute mittag freigelassen. Fe- chenbach ist mit seinen Eltern nach Würzburg gereist. Dem Lageblatt zufolge wird er zur Wiederherstellung seiner politi­schen und persönlichen Ehre die Wiederaufnahme seines Pro­zesses anstreben. Während Zechenbach seine 2jährige Zucht- Habsstrafe ungebrochen geistig überstand, ist sein zu 10 wahren verurteilter Leidensgenosse, der Redakteur Lembke, geistig und körperlich so gebrochen, daß der Leiter des Erbacher Zucht­hauses von seiner Freilassung nur in schonenster Form Kennt­nis geben konnte. Der dritte von dem Münchener Volksge-

, ^urteilte Dr. Gargas, der polurzcyer Staatsangehöriger ist, begibt sich zunächst nach Berlin.

Zer Ebertprozeß.

. Die Urteilsverkündung im Röthardt Prozeß erfolgt am Dienstag vormittag 10 Uhr.

wtb. Berlin, 20. Dez. abends 10 Uhr lelef. Bor dem Gioß-Lichterfelder Amtsgericht hatte sich heute der Ehauffeur - \ ( $ ," ? â) o ld zu verantworten, der im Oktober auf der Zohleiicorfer Ehaussee den Gymnasiasten Wechsler, 4 er Sohn ces Berliner Universitätsprofessors übersahen un o t 1 o verletzt hatte. Der Ehauffeur wurde I r e i g e s p r o ch e n.

UNS diese Zeit erträglich. 2n ihrer großen Besorgnis rich­ten die berufenen Bertreter der Stadt Saarlouis an den ho­hen Völkerbund, dem das Saargebiet aufgrund des Frie­densvertrages zu treuen Händen anvertraut ist, die Bitte diesen unseren Darlegungen seine Aufmerksamkeit zuwen- deu zu wollen. Wir geben uns der Erwartung hin, daß er von der Gerechtigkeit unserer Lache Überzeugt, niemals ein Gebiet mit rein deutscher Bevölkerung, die den sehnlichen Wunsch hat, zu Deutschland zurückzukehren, ohne Abstim­mung Frankreich übergeben kann.

3n einer dritten Eingabe au Herriot wird gesagt:

Herr Präsident! Sie haben ein Angebot Frankreichs ausgesprochen, wonach Frankreich auf das Laargebiet und auf die Gruben verzichtet, wenn die Stabt Saarlouis mit sie­ben Bürgermeistereien an Frankreich fällt. Wir Bürger der Ltadt Saarlouis, die wir die gewählte Ltadtvertretung bilden, können nicht annehmen, daß Sie, Herr Präsident, über die Stimmung der Bevölkerung im Saargebiet, be­sonders in Saarlouis, richtig unterrichtet sind, weil Lie sonst diesen Gedanken sicher nicht ausgesprochen hätten. Gestat­ten Lie uns deshalb zunächst darauf hinzuweisen, daß der seinerzeit dem Präpoenten Wilson unterbreiteten Erzählung von 150000 Laarfranzosen eine Beweisführung nicht bei- znmeffen ist, da sie durch Machenschaften einiger Persön- _,v «teilen zustande kam, die Lie, Herr Präsident, ohne Zwei­fel nicht billigen würden. Gestatten Sie uns ferner, Zhnen die Versicherung zu geben, daß das Saatgebiet und nicht zum mindesten Saarlouis deutsch war, deutsch ist und oeutsch bleiben wird. Wir können Zhuen die feste Versicherung

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Dementi der Moskauer Unruhen.

Die Presiestelle der Botschaft der Sowjetrepublik teilt mit: Das Mittagsblatt bringt eine Meldung aus Bukarest über angebliche Unruhen und Lruppenmeutereien in Moskau. Aehn- liche Meldungen wurden bereits von den in Moskau weilen­den deutschen Berichterstattern dementiert. Die Meldungen, die schon durch Bukarest als Quelle genügend gekennzeich­net sind, sind glattwegerfunden. 3m ganzen Gebiet der Sowjetunion herrscht vollständige Ruhe.

Ehrliche Makler?

rotb. London, 20. Dez. Die ZeitschriftThe Nation" schreibt: Die Reparationsoerpslichtungen werden von Deutsch­land pünktlich erfüllt. Was feine Entwaffnung betrifft, so hat die Haltung der verschiedenen britischen Regierungen we­nig Zweifel daran gelassen, daß nach Ansicht der britischen Be­hörden Deutschlands Verpflichtungen bei vernünftiger Aus­legung im wesentlichen erfüllt sind. Zweifellos würden daher schon Vorbereitungen getroffen sein, Köln am 10. 3anuar zu räumen, wenn es nicht sicher wäre, daß die Franzosen es zur Sicherung ihrer Verbindung mit der Ruhr sofort besetzen wür­den. Ls^wird gemeldet, daß Ehamberlain zugestimmt habe, daß die Engländer in Köln bis zur Räumung der Ruhr, also wahrscheinlich bis Mai, bleiben. 3n diesem Fall ist es drin­gend nötig, daß der modus vivendi unberührt läßt 1) die Tat­sache, daß die ersten fünf Fähre der Besetzung vorbei find, 2) daß die Bedingungen des Vertrages ehrlich ausgeführt werden. Wenn nicht in diefen zwei Beziehungen eine unzwei­deutige Grundlage gefchaffen wird, fo besteht keine Sicherheit daß der Auffchub der Räumung im Falle der ersten Zone nicht seinerzeit als Berufungsfall angeführt wird, wenn die Zeit für die Räumung der zweiten Zone kommt. Das würde verhäng­nisvolle Folgen für die Politik der europäischen Befreiung haben.

Englische Pfiffe und Kniffe.

Durch die Rede Lord Eurzons im Oberhaus wird die Po­sition Englands in der Frage der Räumung der Kölner Zone moialifrh nur noch herabgesetzt. Baldwin hat schon zur Zeit seiner vorigen Ministerpräsidentschaft im Unterhaus erklär» en lassen, daß Deutschland entwaffnet sei und alle militärischen Forderungen loyal erfüllt habe. Wenn während desRuhr- Krieges die 3. M. K .K. pausieren mußte, so hat sie jetzt in über 1700 Kontrollbesuchen das Versäumte reichlich nachholen können. Bon einer Obstruktion der deutschen militärischen Stellen zu reden, ist absurd. Es müßten doch Beschwerden da­gegen erhoben sein wo sind sie? 3m übrigen schreibt auch der Versailler Vertrag vor, daß die Räumung nur dann ver- feboben werden kann, wenn ein Angriff Deutschlands zu be­fürchten wäre. Man wage es doch, diese Besorgnis auszu­sprechen! Ein Hohngelächter der ganzen Welt wäre die Ant­

geben, daß die Bevölkerung der Stadt Saarlouis, hart an der Grenze Frankreichs, in Frieden und Eintracht mit nu­ferem Grenznachbar leben will. Als gute Deutsche bekäm­pfen wir jedes Bestreben, uns von Deutschland loszureißen, weil wir unlösbar verknüpft sind mit unserer deutsch. Heimat u. weil wir eine Lostrennung wie ein Dolchstich, wie eine Er­drosselung auf das Wirtschaftsleben wirken müßte. Seden Versuch der Trennung müßten wir als eine in unser deutsches Hans geworfene Brandfackel betrachten, die Mann, Weib und Kind selbst mit ihrem Herzblut ersticken würden. Ge­rade die Not Deutschland, das zu erfüllen, was es ver­sprach, ob es noch so schwor und hart wird, kittet uns mit unroibet)iv«>..u>er Kraft an unser teures Vaterland, dem wir helfen wollen wieder frei zu werden. Nichts in der Welt, keine materiell noch so glückliche Zukunft, können uns un­sere Liebe zu Deutschland aus dem Herzen reißen. Wenn wir deshalb unserem Nachbar der blau-weiß-roten Grenz- pfähle in tiefster Sorge nm unsere Zukunft zurufen: Be­sinnt Euch und verachtet nicht, was 2hr so hoch gepriesen habt! So -as ein Hilferuf der Stadt Saarlouis an die Herzen aller, die guten Willens find, die verhüten wollen, daß Zanck und Streit weiterleben zwischen zwei Völkern, die auf ein gut nachbarliches Verhältnis zu einander ange­wiesen sind.

Herr Präsident! Wir nehmen ohne weiteres an, daß Sie, nachdem wir 2hnen unsere Ansicht unzweideutig klargelegt haben, sich mit aller Kraft dafür einsetzen werden, daß we­nigstens der uns im Friedensvertrag von Versailles gewähr­leisteten freien Abstimmung kein Hindernis in den Weg ge­legt wird.

roorf. Rein, man will durchaus unter irgendwelchen Vor­wänden die Sache fo deichseln, daß die Räumung der Kölner Zone und des Ruhrgebiets zusammenfallen. DerPetit Pa- risien" nennt jetzt als Termin dafür den Mai. Aber glaubt benn Herr Baldwin, f o lange die künstlichen Differenzen über die Militärkontrolle hinziehen zu können?

Das wäre doch ein ungeheuerlicherBetrug, statt mit solchen beschämenden Kniffen und Pfiffen zu arbeiten, sollte man lieber die Tatsache offen ? ugeben und mit der Reichsregierung verhandeln. Das empörendste an dem jetzigen Verfahren ist ja der Versuch, das unzweifelhafte Recht des Schwachen zu ignorieren und eine schäbig maskierte Gewaltpolitik an seine Stelle zu setzen.

Englands Ausgaben für Marine.

wtb. London, 20. Dez. Reuter meldet aus Washington: Das Mitglied des Marineausschusses des Repräsentantenhau­ses Britten hat eine Vorlage eingebracht, in der die Bewil- ligung von 101400 000 Dollars für weitere Marinebauten gefordert wird. Die angeforderte Summe soll u. a. die Kosten für den Bau von vier leichten Kreuzern, von denen jeder 11 Millionen Dollar kosten soll, und für ein schwimmendes Trok- kenbock im Betrage von 7 einhalb Millionen decken.

wtb. London, 20. Dez. Der Rheinlandberichterstatter der Times" hebt in einem Telegramm aus Köln hervor, daß die deutschen Blätter aller Richtungen und die politischen Führer Lord Eurzons Erklärung stark kritisierten. Eine so ernste Kritik Großbritanniens wie die augenblickliche sei seit Be­ginn der Besetzung noch nie wahrgenommen worden. Die Morningpost" meldet aus Berlin, die republikanischen Par­teien seien sicher enttäuscht, denn sie hätten hart für ein bes- feres Verhältnis mit den Alliierten gearbeitet. Eurzons Er­klärung errege bei ihnen die Befürchtung, daß ihre Bemüh­ungen umsonst gewesen seien.

Deutschlands Freiheit in der Lust.

D.B.London, 19. Dez. (Eig. Meldg.) Die englische Luft­verkehrsgesellschaft gibt bekannt, daß sie vom 1. 3anuar 25 an im Flugverkehr mit Berlin nicht mehr die großen Flug­zeuge mit einem Motor von 450 Ps., sondern kleinere Flug­zeuge mit Motoren v. 240 Ps. benutzen wird. Diese kleineren Flugzeuge erfüllen die Bedingungen, die die alliert. Regierun- gen den deutschen Flugzeuggesellschaften für die Verwendung von Flugzeugen zu Handelszwecken auferlegt haben. Bon vem Beschluß der Botschafterkonferenz, wieweit die Deutsch­land auferlegten Baubeschränkungen erweitert werden kön­nen, wird es ober erst abhängen, ob der internationale Luft­verkehr im kommenden Fahre von den ihm bisher angelegten Feffeln frei sein wird.