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FuS-aee Kreisblatt, Anzeiger für Rhen uns Vogelsberg, Aul-a und Haunetal

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Nummer 22.

Sonntag, den 28. Nezemder 1M.

1. Zahrgang.

Politische Wochenschau.

DieKimes beklagt sich, daß die bösen Deutschen der po^ iliischej^Welt keine Weihnachtsruhe gönnten; mit ihrer De­marche an Sachen Kölner Zone hätten sie den Zestfrieden ge­stört. Man ersieht hieraus wieder einmal, wie die Denkart des Latten sich von der des Hungernden unterscheidet. Was die Engländer als eine Aebenfrage ansehen, die ihnen den Aachmittagsschlaf nicht stört, das geht uns an Herz und Nie­ren. Vielleicht hätte die Reichsregierung schon etwas früher mit Darlegungen des Sachverhalts und mit kräftigen Protesten vor die Oeffentlichkeit treten und die von der Entente beab­sichtigte Verletzung des Versailler Vertrages brandmarken sollen. Statt dessen hat sie den offiziellen Anlaß abgewartet, den die Oberhausrede des Lord Lurzon bot, und ist erst dann vorgegangen,- dann allerdings mit allem Nachdruck, wie die Pressestimmen aus Paris und London zeigen. Und das hin­terhergesandte Kanzlerinterview gibt auch dem großen Publi­kum Europas und Amerikas ^Gelegenheit, den Kern der Streitfrage zu erfassen. Wie nichtssagend wirkt daneben die Meldung über Herriots Gründe, die Räumung zu verzögern! Ls ist in der Tat für deutsches Empfinden tief verletzend, eins solche Art der Behandlung deutscher Angelegenheiten zu er­fahren, die ist, wie wir glauben rm-lteu, garnicht sehr böse, garnicht sehr feindselig gemeint. Sie ist nur non-chalant, so völlig gleichgültig gegen das Recht eines Landes, das sich ja nicht wehren kann. Und man scheint draußen nicht zu begreifen, daß dies gerade die größte Beleidigung ist. Sie wirkt so un­gemein aufreizend, daß sie auch auf die Kabinettsbildung in Deutschland Einfluß gewinnen könnte. Ls wird sehr viele Deutsche geben auch solche, die sich bisher dagegen ge­sträubt haben, die nun als allein mögliche Antwort den Ein­tritt der Deutschnationalen in die Regierung fordern werden.

Recht hinderlich ist einer Einigung der Mitte mit der Rechten leider im Augenblick des Streites um den Reichsprä­sidenten Ebert geworden. Man erkennt von neuem, wie schwer eine ruhige und sachliche Politik zu machen ist, wenn in der Parteiagitation Äußerlichkeiten und Personenfragen die Hauptrolle spielen. So bestand von den Deutschnationalen bis ?um Zentrum wahrscheinlich nicht die mindeste Meinungsver-/ schiedenheit darüber, daß es unter den heutigen Verhält­nissen nicht angezeigt ist, wieder einen Sozialisten zum Reichs­präsidenten zu wählen. Ls gibt der Gründe genug dafür, und man brauchte nicht, um sie zu vermehren, die persönliche oder politische Ehrenhaftigkeit des Herrn Ebert anzugreifen. Der ist unbedingt einer der Besten in seiner Partei. Die Teil-

Beginn des Keiiigen Achres.

, Ser Papst öffnet die Porta samta.

D.B. Rom, 25. Dez. Am Heiligen Abend fand zur Lejperstunde die Eröffnungszeremonie des Heiligen iahres ! oit. Der Papst wurde, eine Kerze in der Hand tragend, in

S-ra9Mel in den Porticus der Peter-Kirche getragen, W en von Kardinal-Poenitentiars den Goldenen Hammer üblirk T !"^. drm Doppelschlägen gegen die Tür. Aach den aeränmt^1^^ rourbe die zerschlagene Kürfüllung fort- x.,n ' ?^^ Verlesung des Gebetes, das die jüdische Grün- stellt den christlichen Zweck des iubeljahres dar- die W>^V^ ^- ^0-^ ""d betrat durch das Heilige Kor läutet Lmit Èmem befolge, in diesem Augenblick ocken Roms, und das Fubeljahr war eröffnet.

DarhM1^ De?. (Kig. Meldg.) Die deutschsozi^se geordnet wachsen, hat gegen die Wahl der Ab- ben Mir 1 ?.âd5tag vom 7. Dezember Einspruch èrho- felben v ^""d""g des Einspruchs führt die Partei die- gebradv von der Aufwertungspartei bereits vor- öie .cn ^"d. Vor allem protestiert sie dagegen, daß dert h M ,rc?leilltl9 kurz vor der Wahl die Wähler aufgefor- k Kandidaten der extremen Splitterparteien zu wählen.

Parteien und der

ensk^n?' ^'" 2.5 De?- (Lig. Meldg.)

. unogebungen für den Reichspräsidenten Heilige der Reichsregierung der initiative parteilichen Minister Dr. Faires und Dr.

wrang. Sie wurde einstimmig gefaßt, also auch mit Zustim- mung des deutschnationalen Ernährungsministers Graf Kanitz.

Zu den Vertrau- wird bekannt, daß der beiden volks- Stresemann dnt-

Das Zentrumsblatt, dieS e r m a n i a " beschäftigt sich W einemPolitischen Weihnachtsgedanken", überschriebenen Artikel, mit der parlamentarischen Einstellung des Zentrums. Das Blatt betont, ein Ausgleich der im deutschen Volke be- stehenden Gegensätze könne nur in einer Politik der Mitte gefunden werden. Gleichzeitig geht das Zentrumsorgan noch­mals auf den Magdeburger Prozeß ein und meint in diesem Zusammenhang, während die allgemeine Moral sich wieder allmählich gehoben habe, wandele die politische noch stark in

nahme an der Leitung des Munitionsarbeiterstreiks war ein höchst gewagtes und wohl überflüssiges Experiment, das aber in guter Absicht unternommen schien. Am 14. Dezember hat das der Exsozialist August Winnig in derNationalliberalen" Berliner Börsen-Zeitung so kräftig bezeugt, daß kein Zweifel daran aufkommen kann. Das Reichskabinett mit Einschluß seiner volksparteilichen Minister hat nun dasselbe Bekenntnis abgelegt, und das Preußenkabinett ist ihm gefolgt. Wollen die Parteien sich darüber in die Haare geraten und die einzig vernünftige Politik daran scheitern lassen? Das wäre ein Schildbürgerstreich schlimmster Sorte.

Die Blätter der Rechten sehen in dem Beschluß der französischen Regierung den Bankrott der deutschen ErfUl- lungspolitik. DieDeutsche Tageszeitung" meint, das franzö­sische Memorindum sei nichts anderes als die logische Folge des zwischen Frankreich und England längst vereinbarten Ver­tragsbruches, hinter dem als treibendes Motiv in dulden, stehe. Aus dem flagranten Bruch des Versailler Vertrages und den nichtigsten Vorwänden würden wir die Folgerungen zu ziehen haben. Der Gegner habe damit den Verständigungskurs vom letzten Sommer aufgegeben und in seine Stelle eine Neuauf­lage der alten Unterdrückungspolitik gefetzt. DieAuffindung großer Waffenlager" ist, hebt derLokal-Anzeiger" hervor, eine der frechsten Lügen, die jemals ausgesprochen worden ist.

Während man in deutschnationalen Kreisen erklärt, die Nichträumung von Köln fei durch die französische Politik ver- . ursacht, ist die Sozialdemokratie der Ansicht, daß England hierbei die treibende Kraft sei. DerVorwärts" schreibt, durch den Regierungswechsel in England habe die außenpoli­tische Lage Deutschlands eine Verschlechterung erfahren. Seit dem Regierungswechsel sei in der englischen auswärtigen Politik ein regelrechter Umschwung eingetreten. England brauche freie Hand in Kleinasien und Aeggpten, eventuell auch gegen Sowjelrußland und es wolle sich diese Aktionsfreiheit nicht nur dadurch erkaufen, daß es Frankreich Konzessionen am Rhein macht, sondern sogar dadurch, daß es bis zu einem ge­wissen Grade Frankreich gegen Deutschland aufreize. Immer­hin kann das sozialdemokratische Organ nicht umhin, festzu­stellen, daß Deutschland im wesentlichen den Abrüstungsbe­dingungen entsprochen habe und aus diesem Grunde wäre es eine Heuchelei, wollte man die Besetzung der Kölner Zone auf Grund des Berichtes der interalliierten Militärkontrollkom­mission verlängern. Die Blätter der Mittelparteien enthalten sich vorerst noch jeglichen Kommentars.

den alten Tiefen. in der Politik halten es viele sonst anstän­digen Menschen für durchaus richtig und erlaubt, den politi­schen Gegner, sobald man ihn sachlich mit Erfolg zu bekäm­pfen nicht in der Lage ist, persönlich zu verunglimpfen. Frü­her wenigstens achtete man den Menschen im politischen Geg­ner. Man müsse sich neuerdings mit den Worten trösten: Wer schimpft hat Unrecht."

Saarlouis.

Man weiß noch nicht, ob die Gerüchte, auf die sichdie Stabtoäter von Saarlouis bei ihren heißen Protesten gegen ein schmählichesKompromiß" in der Saarfrage berufen, ei­nen realen Untergrund haben, in Berlin erklären die Amts- steilen, nichts derartiges gehört zu haben. Aber ob nun auch solche Pläne nur an obskuren Stellen gehegt werden oder ob sie wirklich schon in den Bereich Herriots gedrungen sind: jedenfalls wird jedes deutsche Her? ergriffen von der Leiden­schaftlichkeit, mit der sich die Bewohner von Saarlouis zu ih­rer Nationalität und ihrem Vaterlande bekennen. Niemand lebt in Deutschland, der nicht von Herzen erwioert: Kreue um Lreue!

Wra*M und Londoner Patt.

Berlin. Angesichts der Nichträumung der Kölner Zone und von der Gegenseite damit begangenen Vertragsbruches per» fängt der Vorstand der Deutschen industriellen-Vereinigung in einer Kundgebung von der Regierung sowohl wie von jenen Kreisen der deutschen industrie, die sich in die Linie der Re­gierungspolitik stellen, daß sie das Unrecht von Köln wieder gutmachen einmal durch eine feierliche Absage gegenüber den unausführbaren Gesetzen des Londoner Protokolls, zum ande­ren durch sofortigen Abbruch der Handelsvertragsverhand­lungen mit den Vertragsbrüchigen Staaten. Die Kassierung des Londoner Paktes fei umso notwendiger, als sich if jedem Kag mehr herausstelle, daß die Gesetze des Dawes-Planes wirtschaftslähmend wirkten und jede deutsche Selbstbestimmung auf dem Gebiete des staatlichen und des wirtschaftlichen Lebens vernichteten.

Der neue Vertragsbruch.

D.B.Berlin, 25. Dez. Eig. Meldg.) Die französische Regierung hat am Heiligen Abend eine für Deutschland höchst unangenehme Weihnachtsbotschaft beschlossen, die einen fla­granten Bruch des Versailler Vertrages darstellt. Ein unter Vorsitz des Ministerpräsidenten Herriot tagender Mlnisterrat hat einstimmig beschlossen, die Besetzung der Kölner Zone weiter aufrechtzuerhalten. in dieser Litzung machte Herriot von einer Note Mitteilung, die er von der britischen Regier­ung am 22. Dezember bezüglich der Aufrechterhaltung der Be­setzung der Kölner Zone erhalten hat. Die aus Deutschland vorliegenden Mitteilungen bewiesen zur Genüge, daß es un­möglich sei, am 10. ianuar, dem Versailler Zricdensvertrag entsprechend, die Räumung vorzunehmen. Die interalliierte Kontrollkommission habe in Deutschland neue Waffenlager entdeckt, die die Haltung der französischen Regierung nur be­kräftigen könne. Wie es weiter heißt, wird die Botschafter­konferenz am Lonnabend über die Räumung von Köln be­raten. England denke an einen vermittelnden Vorschlag. Man erwäge, französischen Blättermeldungen zufolge werde ein Kompromiß erwogen dahingehend, die Räumung des Ruhr- gebietes etwas zu beschleunigen und dafür die Freigabe des Kölner Gebietes aufzufchieben.

Der Beschluß der französischen Regierung und weiter die Begründung für diesen Vertragsbruch löst in allen Parteila­gern die hellste Empörung aus, welche in den Kommentaren der Blätter zum Ausdruck kommt. Der einzige Grund, der den Alliierten das Recht gibt, die Räumungstermine hinauszu- schiebon, ist im Artikel 429 des Versailler Diktates niederge­legt. Dort heißt es klar und eindeutig:Erachten zu diesem Zeitpunkt die alliierten und assoziierten Regierungen die Si­cherheit gegen einen nicht heransgesorderten Angriff Deutsch­lands nicht als hinreichend, so darf die Zurückziehung der Be­satzungstruppen in dem zur Erlangung der genannten Sicher­heit für nötig gehaltenen Maße aufgefchoben werden". Die französische Regierung geht in ihrer Begründung des Ver­tragsbruches über Lord Lurzon hinaus, der die Ueberfebreitung der Termine mit der Verzögerung des Kontrollberichtes durch die deutscheObstruktion" verteidigen wollte. Daß dieses Argument im Versailler Vertrag in keiner Weise ein Stütze findet, hat selbst die Gegenseite erkannt. So zieht sich Her­riot zurück auf diegeheimen Waffenlager", die gefunden sei­en. Daß auch diese Motivierung durchaus nicht stichhaltig ist, geht daraus hervor, daß die von der Militärkommission ent­decktengeheimen Waffenlager" in vierzig Karabinern und ein paar Sätteln bestehen, die in einer Dresdner Kaserne ge­funden wurden, oder aber, mißt das französische Kabinett den paar tausend Hufeisen, über die die Reichswehr zu viel ver­füge, ausschlaggebende Bedeutung bei?

Bemerkenswerte Enthüllungen über die koloniale Echulblüge

bringt Heft I der reich illustrierten ZeitschriftDes Deutschen Vaterland", des neuen Bundesorgans der Nationalen Ein­heitsfront e. V. Fn einem AufsatzHeraus mit den Kolo­nien" erzählt Rudolf Wagner Einzelheiten aus einem lang­jährigen Briefwechsel mit dem ehemaligen Gouverneur von Madagaskar. General Gallieni, der im ersten Fahr des Weltkrieges französischer Kriegsminister war. U. a. habe ihn Gallieni, der fließend deutsch sprach und schrieb, in einem seiner Briefe gegen Ende des großen südwestafrikanifchen Aufstan­des gebeten, im önfereffe der kolonialen Gemeinbürgschaft und als Gegengewicht gegen die englische Vorherrschaft in Afrika die öffentliche Meinung in Deutschland dahin zu bearbeiten, daß Deutschland eine Kolonialarmee farbiger Truppen in Af­rika schaffe, geführt von weißen Offizieren und Unteroffizieren. Auch habe Gallieni in seinen Briefen stets mit großer Ach­tung von den kulturellen Leistungen der Deutschen in Afrika gesprochen und nur diezu milde Eingeborenenpolitik" bean­standet. Wie stimmt das mit der Ausschließung Deutsch­lands von aller kolonialen Betätigung durch den Friedens­vertrag von Versailles zusammen, die damit begründet wird, daß Deutschland feine Kolonien militarisiert und sich durch rücksichtslose Vehandlung der Eingeborenen unwürdig und un- ^.hig erliefen habe, Kolonien zu besitzen? Der Verfasser, der außerdem einige wichtige englische Zeugnisse aus seiner Lr- inneiungsmappe anführt, wirft diese Frage mit Recht auf und [teil meiere Seroeife gegen die koloniale Schuldlüge in Aus­sicht, iveilt zugleich auch darauf hin, daß nach diesen-und ande­ren Aeußerungen eines hervorragenden französischen Offiziers und .Kolonialmannes zu schließen, Frankreich offenbar ur­sprünglich gar nicht daran gedacht habe, den Krieg nach Afrika zu tragen, sondern von Lngland dazu gedrängt worden sei.