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Ful-aer Kreisblatt, Anzeiger für Rhön und Bogelsberv, Fulöa und Haunetal
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Nummer 21.
Nienstag, den M. Dezember 1924.
1. gabrgano.
Pariser Brief.
(Von unserem Korrespondenten.)
Paris, den 26. Dezember.
Ls geht etwas unruhig zu in Frankreich und dem fremden Zuschauer verwirren sich etwas die Zusammenhänge. Alle gegen Alle, möchte man beinahe die gegenwärtige Situation nennen, denn der Pressekrieg dehnt sich immer mehr aus. Lines der gelesenften Abendblätter, die „Liberte" .gefällt sich seit einiger Zeit darin, wahre Hiobsposten Abend für Abend zu bringen. Wenn man ihr glauben wollte, steht Attila vor den Toren von Paris. Mit der Eröffnung der ersten Sowietbot- schaft in Frankreich ist der große Kommunistenschreck über Frankreich gekommen. Die „Liberte" sieht schon — und sie veröffentlicht Schreckbilder aus der ungarischen Sowietzeit — die braven Bourgeois geköpft, gehängt und womöglich gefoltert. Man könnte das Gruseln bekommen, wenn man die Bulletins dieses Blattes liest, und in Frankreich, wo der Besitz so etwas wie ein Heiligtum ist und wo man nicht, wie wir in Deutschland, durch die große Prüfungszeit der Inflation gegangen ist, die die Vergänglichkeit aller Dinge uns gelehrt hat, hier gilt jeder Angriff auf den Besitz als ein Sakrileg. Es ist ohne Zweifel, daß solche Artikel in Lausende von Gemütern Schrecknisse ganz neuer Art tragen, und es ist ohne weiteres verständlich, daß die Regierung Herriot soeben versucht, gegen diese Art der Aufhetzung und Erregung energisch vorzugehen. Die „Liberte" sieht einem Prozeß entgegen.
Damit aber nicht genug. Dasselbe Blatt liegt in einer heftigen Fehde mit dem „Quotidien", einer offiziösen Morgenzeitung, die oft radikaler als die Regierung selbst ist. Diesem Blatt wird vorgeworfen, mit Geldern der Sowiets die Wahlkampagne im Mai dieses Sahres geführt zu haben, und die besonders von ihm erhobene Forderung nach Abdankung Millerands wird gerade in diesem Zusammenhang von neuem untersucht. Das Groteske der Lage aber ist, daß dieses angeblich von den Sowiets gespeiste Blatt, im selben Augenblick von den Kommunisten und ihrem Organ, der „Humanite" als öffentlicher Verleumder attackiert wird, weil es eine aufgefangene Instruktion der kommunistischen Partei veröffentlicht hat, die der „Humanite" zufolge nichts als eine leicht erkennbare plumpe Fälschung ist. Das dritte Faktum aber ist, daß der „Quotidien" im Kampfe gegen seine beiden Gegner der „Liberte" den Vorwurf der Korruption zurückgibt und sie verdächtigt, von dem „großen Korrupteur", dem Senator Billiet bestochen worden zu sein. Damit sind wir in „medias res" gekommen. ~
Die Frage, die die gesamte Linkspresse aufregt, ist die Frage der Wahlfonds, die Opposition, die der Regierung Herriot einen Streich spielen wollte, hat angebliche Enthüllungen über illoyale Handlungen jetziger Minister gebracht, die ehemals vor dem Diner, vor dem Ausfall der Maiwahlen anders geredet hatten als jetzt. Es wurde gezeigt, daß der jetzige Handels-
Der rote Diten.
Mögen Ossendowskis Bilder aus dem dunklen Osten immerhin fantastisch sein, mögen sie hier und da zu grell getönt : sein, sie geben trotzdem ein Anschauungsbild von den seelischpolitischen Hintergründen der gewaltigen Erschütterungen, in denen sich der ferne Osten windet. Sowjetrußland, im Westen ; überall zurUckgeschlagen, sucht im Osten mit allen Kräften Boden zu gewinnen. Die Mongolei ist von jeher Kampfgegen- stand gewesen. Der Versuch des tollen Reitergenerals von Ungern-Sternberg, hier auf der Grundlage der Waffenmacht â und der buddhistischen Lehre ein antibolschewistisches Reich zu schaffen, i stirkit der Ermordung dieser rätselhaft interessanten : Gestalt gescheitert. Nun scheint es Moskau gelungen zu sein, ’“ der Aeußeren Mongolei staatliche Verhältnisse zu schaffen, f die nach Moskauer Meldungen auf den „Eroberungen der Revolution" aufgebaut sind. Die Aufrechterhaltung dieser Zu- E stände ist natürlich allein durch die rohe Gewalt der Waffen bedingt, Uher^ die anscheinend die Parteigänger Moskaus M verfügen. ön Ehma versucht Sunyatfen die Fäden in die Hand M A bekommen und den Bolschewismus für den chinesischen I canonalgedanken einzuspannen. Ein roter Osten dämmert Mois eine Gefahr für die. Völker Europas herauf. Aber die Weuropäijchen Machtstaaten find nach wie vor damit beschäf- I '9t, den Leib ihres eigenen Erdteiles zu zerstückeln und die I der europäischen Kultur zu ermorden.
; 8m die Kölner Zone.
- I wb. London, 29. Dez. Der Beschluß der Alliierten, Köln 6- 8 am 10. 1. nicht zu räumen, steht weiterhin im Mittelkunkt der er I PwJJeerorterungen. Die Blätter veröffentlichen Lelegram- hr . ?us Berlin über die Entrüstung der deutschen öffentlichen llr WMeinung. Der Berliner Berichterstatter des Dailg Lele- ch> Wraph schreibt, seit dem Einmarsch der Franzosen und Belgier
minister Ragnaldg von demselben Billiet einen Ehek auf l0 000 Franken erhalten hatte. Wer ist Billiet? Das ist der Geschäftsführer einer seit Fahren bestehenden wirtschaftlichen Vereinigung, die — den Sozialisten zufolge — von den großen Banken, Versicherungs-, Schiffahrts-, Lisenbahngesellschaften etc. dotiert wird und die zum Zwecke der Wiederwahl des nationalen Blocks die Wahlpropaganda ihr ergebener Kandidaten finanziert hatte. Die Linke hat den gegen sie gerichteten Angriff in eine Attacke gegen die Rechte verwandelt und hat, dank ihrer Majorität in der Kammer, eine Kommission eingesetzt, die überhaupt die ganze Frage der Wahlfonds prüfen soll. Der Ausschuß hat sich konstituiert und als ersten Zeugen eben diesen Billiet vorgeladen. Sofort größte Sensation: Billiet hat die Eidesleistung verweigert und im übrigen erklärt, überhaupt keinen Namen der von ihm unterstützten Personen aus „Loyalität“ nennen zu wollen. Die Verweigerung der Eidesleistung, die nach dem Gesetz strafrechtlich verfolgt werden kann, hat ihm eine Anklage zugezogen. Schon aber erhebt sich die Frage, ob ihr stattgegeben werden kann, solange er als Senator die parlamentarische Immunität genießt. Der Kampf geht, wie in einem Film, hin und her. Die „Liberte", dem Beispiel ihrer Gegner folgend, hat den Vorsitzenden der Kommission, den Sozialisten Renaudel, als unmöglich denunziert, weil er gerade diejenigen Voraussetzungen erfüllt habe, die nach dem Lode cicil einen Richter als befangen gelten lassen, daß er nämlich Partei und Richter zu gleicher Zeit sei, daß er in finanzieller Verbindung — Renaudel ist politischer Direktor des „Quotidien" — mit der von ihm vertretenen Partei stehe etc. Schon aber erhebt sich auch hier wieder eine juristische Streitfrage. Die Bestimmung des Lode civil bezieht sich auf ordentliche Gerichte. <3ft aber ein parlamentarischer Untersuchungsausschuß ein ordentliches Gericht?
So geht es hin und her, und die Zeiten sind für den unbeteiligten Zuschauer dramatisch und abwechslungsreich. Nur nicht für Frankreich selbst, dessen Bevölkerung durch alle diese Dinge, durch die immer heftigere klerikale Propaganda, durch die. Aktion der neuen und alten nationalistischen Parteien und durch ungezählte Plakate verwirrt und erregt wird.
Man muß eine Versammlung der Uebernationalisten miterlebt haben, man muß den Radau, das Huhurufen, die Pfiffe, das Lrampeln gehört haben, um zu begreifen, welche Wandlung den sonst so ruhigen Franzosen ergriffen hat. Am liebsten hätte die Opposition aus der Krankheit Herriots eine Kabinettskrise gemacht. Dabei liegen sich auf der extremen rechten Seite die einzelnen Parteien in den Haaren, indem die Leute der „Action Zrancaise" die neue Millerändliga als eine rein persönliche Angelegenheit Millerands ansehen, der nichts anderes wollte, als wieder zur Macht zu gelangen.
in das Ruhrgebiet habe kein derartiger Geist nationaler Bitterkeit alle Teile der Bevölkerung und alle Schattierungen der politischen Meinung in Deutschland bewegt.
‘Daily Graphic hebt hervor, daß der Stolz Deutschlands mit der Befreiung des Rheinlandes verknüpft fei. Den Beschluß über den im Zriedensvertrag festgesetzten Zeitpunkt hinaus in Köln zu bleiben, habe man in Deutschland als die Rückkehr zur These Poincares, für die auch Marschall Zoch sein soll, nämlich, daß die für die Rheinlandbesetzung festgesetzten Fristen überhaupt noch nicht zu laufen begonnen haben, ausgelegt. So weit aber England in Betracht komme, sei das keineswegs gerechtfertigt. Die Engländer feien nur allzu bestrebt, ihre Truppen zu entfernen, vorausgesetzt, daß Deutschland seinerseits seine Vertragsverpflichtungen erfüllt hat.
<Daily News schreibt, daß Deutschland jetzt fähig sei oder in absehbarer «jeit fähig sein werde, Krieg gegen irgendeine andere europäische Macht zu führen, sei nicht ernst zu nehmen Wenn Frankreich von Deutschland sowohl die moralische wie technische Abrüstung verlange, werde es für Deutschland leicht fein ju antworten, daß die Haltung Frankreichs seit dem Kriege die moralische Abrüstung unmöglich gemacht habe.
ttie deutschen Staatsmänner würden jedoch klüger sein sich vor Augen zu führen, daß die Annahme des Dawesplans curch Frankreich die Lage umgeftaltet habe. Das Blatt fährt fort, aus verschiedenen offenkundigen Gründen müsse de.r Be- schluh, die britischen Truppen in Köln zu belassen, bedauert werden. Dieser könne den Erfolg des Dawesplanes, der bereits Wunder gewirkt habe, gefährden. Er würde auch eine schlechte Wirkung in Amerika haben, das die Fähigkeit Europas, sich selbst zu helfen, zu glauben begonnen habe. Die Dailg News glaubt, daß die britische Regierung bestrebt sei, zum frühest möglichen Zeitpunkte Köln zu räumen, aber jeder vernünftige Deutsche wisse, daß, wenn die Engländer ihr Gebiet räumten, es sofort von den Franzosen besetzt würde.
Die Einigkeit im Vertragsbruch.
Man hatte ja nichts anderes mehr erwartet. Aber wenn man nun lieft, daß auf der Pariser Botschafterkonferenz die Regierungen Frankreichs, Belgiens, Großbritanniens, Italiens und Japans in voller Uebereinstimmung beschlossen haben, den Vertrag von Versailles zu brechen und die Kölner Zone am 10. Januar nicht zu räumen, dann steigt doch eine ungeheure Bitterkeit und ein Gefühl ohnmächtiger Wut in jedem Deutschen auf. Selbst der Vorwärts, der sonst in diesen Fragen eine ungemein schwächliche Haltung einnimmt, sieht sich nun genötigt, festzustellen, daß es ein schwerer Fehler sei, Deutschland eine Strafe zu diktieren, ehe man den Deutschen gesagt habe, wofür sie eigentlich bestraft werden sollen. Und im Berliner Tageblatt beklagt man in wehmütigem Ton die nicht mehr zu bestreitende Tatsache, daß ihr vielgefeierter Friedensheld Herriot ganz in die Hände der französischen Militärs geraten und ein zweiter Poincare geworden sei. Wäre der „Rechtsblock" schon zustande gekommen, dann hätte man so schön ihm die Verantwortung für diesen Zusammenbruch des internationalen Rechts zuschieben können; aber das Zentrum hat doch so tapfer Widerstand geleistet — und trotzdem diese schallende Ohrfeige für Deutschland! Noch immer wissen wir nicht, welche Verfehlungen uns nun eigentlich vorgeworfen werden, unter welchen Vorwänden die Alliierten das Recht beugen. Der Reichswehrminister Dr. Geßler hat noch einmal in einer Unterredung die „Waffenfunde" zusammengestellt, die den deutschen Amtsstellen bekannt sind. Jmmer unfaßbarer, immer lächerlicher wird danach die Behauptung, daß Deutschland rüste. Aber das alles nützt uns ja nicht binen Deut. Selbst die Stellungnahme der amerikanischen Regierung wird von den europäischen „Siegerftaaten“ achtlos beiseite geschoben, die barbarischste Brutalität siegt über den Rechtsgedanken.
Herriots Schwenkung.
D.B.Verlin, 27. Dez. (Sig. Meldg.) Jn politischen Kreisen erregt die plötzliche Schwenkung des französischen Ministerpräsidenten Herriot außerordentliches Befremden und tiefste Erregung. Selbst der französischen Regierung nahestehende Blätter ergehen sich plötzlich wie auf Kommando in abfälligen Aeußerungen gegenüber Deutschland und verbreiten Schauermärchen über angebliche Rüstungen Deutschlands, die selbst von der nationalistischen französischen Presse kaum überboten werden. So schreibt der „Quotidien", man habe in Berlin in verborgenen Schränken einer Fabrik zehntausend Rohgüsse für schwere Maschinengewehre vorgefunden, doch sei dies nicht der einzige Fund dieser Art. Das „Echo de Paris" erhöht die Zahl der Rohgüsse bereits auf 100 000. Das Blatt behauptet dann weiter, bei Krupp fei man Munition für 27 000 Gewehre und Maschinengewehre auf die Spur gekommen. — Gegenüber diesen Rüstungslegenden wird von unterrichteter Seite erneut darauf hingewiesen, daß bei den fast 1800 Kontrollbesuchen, die auf Grund der letzten Generalinspektion erfolgt sind, niemals überzählige und unzulässige Waffen, sei es bei der Reichswehr, sei es bei der Polizei, gefunden worden sind.
Der Kampf um die Slmimiin«*
Man könnte auch die Ueberfcbrift setzen: „!'» beibet nicht", oder: „Ehrlich währt am lä stellt sich immer deutlicher heraus, daß * sich ja zweifelhaft aus einer Räu^nun der Ruhrräumung ergeben würde, ehrliches Manöver zu beseitige in Paris und London gebe ' doch nicht von ihrem Sta setzung vertragswidrig r sie auch den französischen wollen, doch nach i gegen Deutschland beabsst wollen nur aus formalen G.
M. K. K. noch nicht geprüft st kurze Zeit hinausschieben und m. sich dann auch mit der RuhrrLun riot dagegen, dem es wieder e' gen der heftigen nationalisst, nem Krankenbette ganz poincaristisch