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Morgenzeituns

Ful-aer Kreisblatt, Anzeiger für Rhön un- Vogelsberg, Fulda- und Haunetal

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Nummer L Samstag, den 1 Aaauar 1SB.L Fahrgang.

WiMe Wochenschau.

Die böse Politik kennt keine Feiertage. Diesmal sind uns die Weihnatsfreuden und die Neujahrshoffnungen aber noch besonders verdorben worden durch den nahen kritischen Tag erster Ordnung, den 10. Fanuar. Das ist der Termin, an dem nach dem Versailler Diktat sowohl die Besetzung der ersten Zone als auch der uns aufoktroyierte Wirtschafts-Zwangs- zustand aushören soll. Den Franzosen ist es schon schmerzhaft genug, daß sie den Handelsvertrag uns nicht wieder diktieren können, daß sie vielmehr darüber mit Deutschland wie mit ei­nem Gleichberechtigten verhandeln müssen. Unsere Vertreter sind wieder in Paris eingetroffen, werden aber keinen beson­deren Eifer an den Tag legen dürfen, solange die Gegenseite sich nicht zu wirklichem Entgegenkommen entschließt.

Die ganze Atmosphäre ist ja mit Feindseligkeit geladen, seitdem der bürgerlich kranke und politisch schwache Herriot in der Räumungsfrage das Vertragsrecht mißachtet und den Diktatsstandpunkt einnimmt. Die öffentliche Schmach, die da­rin liegt, wird nicht nur in denneutralen Ländern und in Amerika, sondern auch in England deutlich erkannt, doch Jeut man sich hier, das politische Geschäft mit den Franzosen zu ver­derben, und möchte die politische Vernunft aus Washington und Rom importieren. So ist nach dem einstimmigen Be­schluß der Botschafterkonferen; auf Nichträumung ein auf­fälliges Schwanken' in die Ententegesellschaft gekommen, da man nur über den Rechtsbruch, aber nicht über seine Begrün­dung und Ausführung ist. Dieprovisorische" Note wird verschleppt, und der unerhörte Zustand, daß man Deutschland verurteilt, ohne es gehört zu haben und ohne ihm die Gründe mitzuteilen, dauert immer länger an. Der schwache Versuch Rollets, den' rechtswidrigen Gewaltakt mit den Wittenauer Gtahlstäben zu begründen, war wirklich ein Versuch mit un- ttntgttcben Mittteln. Es ist empörend, daß der französische Kriegsminister es wagt, eine öffentliche Erklärung des Reichs­wehrministers vollkommen zu ignorieren. Aber schon beginnt

Ein böser Anfang.

Die vielen Reujahrswllnsche haben dem deutschen Volk wenig genützt. Das Fahr 1925 fängt böse an. Nach^. dem Scstvesterbeschluß der Pariser Botschafterkonferen; werden die Ententebotschafter in Berlin gerade zum «Zusammentritt des neuen Reichstages der Reichsregierung die Note über­reichen, die nach Havas die Nichträumung der Kölner Zone mit der Nichterfüllung der Entwaffnungsbestimmung für Deutschland begründen soll. Danach würde man muß den Wortlaut abwarten wieder einmal die französische Auf­fassung über die englische gesiegt haben. Erfreulich ist der kräf­tige Protest der Gewerkschaften aller Richtungen aus dem be­setzten Gebiet gegen den neuen Vertragsbruch - aber die Demokratien" des Westens kümmern sich ja um Arbeiter­kundgebungen am wenigsten. Trübe ist der Fahresanfang auch im Hinblick auf den sich immer weiter ausdehnenden Ber­liner Finanzskandal. Das Hineingreifen der Staatsanwalt­schaft in das Barmat-Wespennest wird nun auch der Sozial­demokratie sehr peinlich, die bisher auf dem moralischen hohen Rosse saß.

Amerikanischer Druck.

D.B.London, 31. Dez. (Eig. Meldg.) ön eingeweihten Kreisen macht man kein Gheeimnis mehr daraus, daß die ame­rikanische Diplomatie inoffiziell mit Hochdruck daran arbeitet, um eine schwere politische Krise zum 10. Fanuar zu vermeiden. Dieser Tätigkeit ist es auch zuzuschreiben, daß die englische Presse bei Erörterung der Verlängerung der Okkupation sich neuerdings stärkste Zurückhaltung auferlegt.

Diese Rücksicht auf Amerika wird aller Wahrscheinlichkeit nach auch dazu führen, daß die Alliierten den Vereinigten Staaten von dem Text der vorläufigen Mitteilung an Deutsch- lam vor uren Absendung Kenntnis geben. Daneben wünscht I man in Lonbon aber auch, den Fnhalt der gestern abend in Ber angekünbigte Demarche der deutschen Botschafter abzu­warten. Danach hat es den Anjcyein, als ob die Rote frü- bestens Freitag morgen, vielleicht erst Sonnabend in Berlin überreicht werden wird.

' Amerika will den Kredit sperren.

D.B.Aowgork, 31. Dez. (Lig. Meldg.) ön dem Kongreß nahestehenden Kreisen wird erklärt, wenn Frankreich auf Meinem alten Standpunkt in der Schuldenfrage beharre, werde èdem Kongreß in einigen Tagen eine Entschließung vorgelogt ©werben, nach der den europäischen Schuldnern keine Anleihe mehr gewährt werden solle, bis diese nicht die Bereitwiliig- eit bewiesen hätten, ihren alten Verpflichtungen nachzukom- men. Ein derartiger Beschluß binde allerdings Morgan und

sich ein gewisses Fnteresse bei den amerikanischen und den eng­lischen Geldgebern dafür zu zeigen, daß nicht durch neueSank­tionen" Europa beunruhigt und Deutschlands Wirtschaft ge­stört werde. Wenn wir nur fest genug bleiben, dürfen sich die Franzosen doch am Ende zu Verhandlungen auch über die Räumungsfrage entschließen und das Diktieren satt bekom­men.

Reichskanzler Marx ist von seinem kurzen Erholungsur­laub nach Berlin zurückgekehrt. Der Reichstag und der preu­ßische Landtag sind zum 5. öanuar einberufen. Die ersten Tage der Parlamente gehen ja mit Konstituierung und Präsi­dentenwahlen hin; dann aber wird, zumal im Reich, die große Politik gebieterisch ihr Recht fordern. Schleunigste Ent­scheidung über die Neubildung des Kabinetts ist dringend ge­boten. Die außenpolitische Lage würde eigentlich wieder den Gedanken der Volksgemeinschaft, eines Großblocks der na­tionalen Abwehr nahelegen. Da aber die deutschen Parteien dazu unfähig sind, solange nicht die äußerste Not sie zusammen- j^weißt, sollte man endlich den Block Mitte-rechts fertig­bringen, der jetzt zweifellos am meisten der Volksstimmung ent­spräche. Auch Dr. Stresemann ist in einem vielbeachteten Ar­tikel wieder für diese Lösung eingetreten. Fhr darf derFall Ebert" nicht im Wege stehen. DerFall Staatsbank, der sich immer breiter entwickelt, spricht dagegen entschieden für eine Regierungserweiterung nach rechts, in Preußen wie im Reiche. Die Erschütterung der Beamtenmoral hat schon im Kriege begonnen, ist aber durch die Revolution und ihre Fol­gen naturgemäß noch verstärkt worden. Nicht als ob die Ehrlichkeit mit der Parteizugehörigkeit irgend etwas zu tun hätte. Aber das feste Gefüge des homogenen Beamtenkör­pers ist gelockert, der einheitliche GeistJ?at gelitten. Einzelne grobe Mißgriffe von Außenseitern kamen hinzu. Die alte strenge Zucht kann nur zurückkehren, wenn die Tradition wieder zu ihrem Rechte kommt.

die anderen Privatbanken nicht, aber gleichzeitig wird darauf hingewiesen, daß Privatbanken bisher dem Ausland mit Ge­nehmigung der Regierung Anleihen gewährten.

Neue sen Wendung in der Kulister-Asfüre,

D.B.Berli», 31. Dez. (Eig. Meldg.) Die Affäre Kutis- ker-Preußische Staatsbank mit all ihren unangenehmen Be­gleiterscheinungen, hat heute eine neue Ausdehnung erfahren, die fast sensationell wirkte. ön überraschender Weise hat die Staatsanwaltschaft heute vormittag nunmehr auch die önbaber des großen Barmatkonzerns, drei Brüder, öulius, Salomon und Hermann Barmat, sowie den Sohn von öulius Barmat festgenommen. Der vierte der Brüder Barmat wurde in sei­ner Wohnung nicht vorgefunden. Der Generalstaatsanwatt hatte weiterhin durch Oberregierungsrat Hoppe vom Poli­zeipräsidium veranlaßt, daß den Leitern der Einzelbetriebe des Barmal-Konzerns es handelt sich um rund 32 keineswegs unbedeutende önbuftrieunternebmungen die Anweisung zu ging, daß irgendwelche geschäftliche Maßnahmen bis zum Ab­schluß der Untersuchung zu inhibieren seien und daß Anweisun­gen der Leiter des Konzerns vor der Hand nicht ausgeführt werden dürfen. Die Verhaftung hat sich als notwendig er­wiesen, weil die Staatsanwaltschaft mit der fortschreitenden Untersuchung gegen Kutisker sehr enge Zusammenhänge zwi­schen diesem und den Brüdern Barmat feststellte. Die Brüder Barmat haben, wie auch in dem amtlichen Bericht der Staats­bank zugegeben werden mußte, von der Staatsbank Kredite erhalten, die sogar noch über die Kutiskerschen Kredite hin­ausgingen, für bie allerdings auch weit bessere Sicherheiten ge­geben waren. Nach der bisherigen Untersuchung ergibt sich, daß die Seehandlung an Kutisker über 10 Millionen, an Mi­chael vierzig Millionen und an den Barmal-Konzern fünfzig Millionen geliehen hat und daß nicht lange nach der Abwick­lung dieser Darlehnsgeschäfte der Barmat-Konzern den bei der Staatsbank gewesenen Finanzrat Hellwig engagiert hat.

Um diese Massenverhaftungen durchzufUhren und die sämt­lichen Betriebe des Barmat-Konzerns ausreichend kontrol­lieren zu können, sowie alle Bankverbindungen des Konzerns fostzustellen, requirierte die Staatsanwattschaft in der vergan­genen Nacht nicht weniger als 300 Mann der Kriminalpolizei, die unter Leitung des Kommissars Herrmann und Assistenz mehrerer anderer Kommissare die umfangreiche Aktion durch­führten.

Was im einzelnen den Brüdern Barmal vorgeworfen wird, ist von der Staatsanwaltschaft der Oeffenllichkett noch nicht mitgeteilt worden. Auffällig ist jedenfalls, daß Varmat, der sich durch seineBeziehungen" in Deutschland ein Riesenver­mögen erwach, eine große Reihe von Betrieben ins Leben rief, die größtenteils Zuschußbetriebe waren. Es ergibt sich

also die wichtige Frage, wer diese Zuschüsse geleistet hat. Die näheren Zusammenhänge zwischen Kutisker und Barmat wer­den sich erst aus den weiteren Veröffentlichungen der Staats­anwaltschaft geben. Dringender scheint augenblicklich die Frage, wie sich verhindern läßt, daß öffentliche Gelder für der­artige sicherlich weder im öntereffe der Staats- noch der Pri­vatwirtschaft gelegenen Unternehmungen gegeben werden.

Reue Verhaftungen in der Barmat- Angetegenheit.

D.B. Berlin, 2. öan. (Eig. Meldg.) ön der Barmat- Affäre sind von der Staatsanwaltschaft eine Reihe neuer Verhaftungen erfolgt. Gestern vormittag wurde Geheimrat Hellwig verhaftet, den man mit einem Flugzeug aus Lasse! ge­holt hat. Hellwig befand sich bis vor wenigen Monaten in leitender Stellung in der Staatsbank. Die Untersuchung för­derte schwer belastendes Material gegen ihn zutage. Ferner wurden festgenommen Ministerialrat a. D. Kautz, der eine lei­tende Stellung im Barmat-Konzern bekleidete. Zu den bisher verhafteten Direktoren der Merkurbank Scheffer und Lichtenstein kamen heute noch hinzu: Direktor Klentzke von der Amaxina A.-G., Direktor Cerny von der Merkurbank, von der Roth A.-G. Prokurist Wolff, Rechtsanwalt Rabi­nowitz, Alfred Staub, weiter Max Thieme-Merkurbank, Fo- hannes Gericke, Siegmund Schäfer, öm ganzen wurden bisher in der Untersuchung gegen den Barmat-Konzern 15 Perso­nen verhaftet.

Neujahrsempsang beim Reichs­präsidenten.

D.B. Berlin, 2. öan. (Eig. Meldg.) Reichspräsident Eb? t empfing am Neujahrslage in der üblichen Weise die Ehofs der hiesigen fremden viplomatischen Vertretungen. Die Glückwünsche des diplomatischen Korps brachte der apostoli­sche Nuntius Monsignore Pacelli als Dogen mit folgender An­sprache zum Ausdruck:

2Us ich mich in den verflossenen Fahren des ehrenvollen Auftrags entledigte, Fhnen die Glückwünsche des diplomati­schen Korps darzubieten, habe ich mich zum Dolmetsch der tie­fen und peinlichen Sorgen der Stunde machen müssen und ha­be zugleich dem Wunsche Ausdruck gegeben, nach einer bes­seren, nach einer von Nächstenliebe, Gerechtigkeit und Frieden erfüllten Zukunft, ein Wunsry, der von allen meinen hervor­ragenden Kollegen im Herzen getragen wurde.

Ungeachtet der unablässig wieder auftauchenden Schwierig­keiten und Hindernden scheint es, als ob dieser Wunsch sich zu erfüllen begonnen habe. Wir sind glücklich, die Morgenröte dieses neuen Sahres zu begrüßen, als eine Morgenröte des Wiederaufbaues und des Fortschritts. ön dem Fahre, das soeben zur Neige gegangen ist, sind sehr ernste und schwierige internationale Probleme ihrer Lösung näher gebracht worden. Mit neuer Kraft haben die Völker an die Arbeit gehen kön­nen, die für die gesittete Welt ruhmvollen Glanz und berech­tigten Stolz bedeuten und in der gerade die Nation, deren Amt Sie, Herr Reichspräsident, ausüben, sich hervorragend aus­gezeichnet. So dehnt der Mensch, Erde, Wasser und Lüfte meisternd, die friedlichen Errungenschaften der Wissenschaft und die wunderbaren Fortschritte der Technik auf alle Se- bwte der Natur aus, die herrlichen Luftfahrzeuge der ver­schiedenen Länder erheben sich ohne Furcht in den Weltenraum, es schwindet die Entfernung zwischen den fernsten Völkern und Ländern.^ Alöchten mit Hilfe der Vorsehung diese hervorra­genden Erfolge das Unterpfanb bilden für einen engeren Zu­sammenhalt, für eine innigere und herzliche Brüderlichkeit zwi­schen den Völkern, möchten sie das Wahrzeichen eines mäch­tigeren Emporsteigens der Seelen sein zu den höheren Regio­nen der Wahrheit, Gerechtigkeit und Güte.

Von diesen Gedanken erfüllt, entbietet das vereinigte di­plomatische Korps Fhrer Person und dem deutschen Volke die wärmsten Wünsche für Gedeihen und Glück".

Der Reichspräsident antwortete mit folgenden Worten: Nehmen Sie meinen aufrichtigsten Dank entgegen für die Gluck- und Segenswünsche, die Sie im Namen des diplomati- lchen Korps dem deutschen Volke und mir auszusprechen die Gute hatten.

lst ,?ir eine lebhafte Befriedigung, mit Fhnen feft- teilen zu können, daß im vergangenen Fahre an der Be- banblung schwerwiegender, internationaler Fragen in einem Oeifte gearbeitet worden ist, der die Hoffnung auf eine Lösung un önine der Versöhnung und Verständigung neu belebt hat. «möge der Wille zur Gerechtigkeit und der Geist des Friedens auch im kommenden Fahre die Regierungen bei den noch der Lösung harrenden Entscheidungen beseelen, und möge so das, was im vergangenen Fahrs erfolgreich begangen wurde, auch im kommenden Fahre glücklich weitergeführt werden. Auch die Fragen, deren Regelung noch offen steht und deren Lösung der nächsten Zeit vorbehalten ist, sind von schwerwiegender