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Fuldaer Kreisblatt, Anzeiger für Rhön und Begelsberg, Fulda- und Haunetal

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Nummer 8. Sonntag, den 11. Januar 1925. 2. Fahrgang.

Mwürdige Protestkundgebung des Preuß. Landtages gegen die RichtrSumung der Kölner Zone.

Lebensnotwendigkeiten anderer Länder entsprechen und daß man sich zur Rot auch ohne Edelweine, echten Eointreau, Ro- quefortkäse, Parfüms von Houbigant, Pariser Roben und Hüte durchhelfen kann. Sollten die Franzosen es zum Zollkrieg kommen lassen, so werden sie dabei mehr verlieren alsDeutsch" land.

D.B. Berlin, 9. Fan. (Sig. Meldg.) Auf der Lagesord- nung der stark besuchten Sitzung des heutigen Landtags steht als einziger Punkt eine

Kundgebung des Landtags gegen die rechtswidrige Verlängerung der Besetzung der ersten Zone des alt­besetzten Gebietes im Westen .

Die gespannten politischen Verhältnisse in Preußen haben es mit sich gebracht, daß sogar diese Kundgebung einen Verlauf nahm, der alles andere denn würdig war. Präsident Bar­tels eröffnet die Sitzung mit der Verlesung einer Protester­klärung gegen die Nichträumung der Kölner Zone. Die Ab­geordneten, mit Ausnahme der Kommunisten hören die Er­klärung stehend an. Die Kommunisten unterbrechen schon die ersten Sätze mit lauten Rufen:Heraus mit den politischen Gefangenen".Fhr verschachert uns an die Ententeka-pitali- Jten! ön der Erklärung, die wiederholt mit Beifallskundge­bungen begleitet wird, heißt es:Die Alliierten haben mit ih­rem Beschluß dem Empfinden des deutschen Bölkes einen starken Schlag versetzt und seine Hoffnung, jetzt endlich zu ei­ner Konsolidierung der Verhältnisse zu kommen, erschüttert. Der preußische Landtag schließt sich am Vorabend des Tages, der ganz Deutschland mit Trauer erfüllt, dem Protest der Reichsregierung vollinhaltlich an. (Beifall bei der Mehrheit; Lärm bei den Kommunisten.)

Als hierauf der Ministerpräsident Braun das Wort er­hält, verlassen die Abgeordneten der Deutschnationalen und der Deutschen Volkspartei mit wenigen Ausnahmen, darunter Dr. Wiemer und Richter, unter -stürmischem Pfui-Rufen der Sozialdemokraten den Saal. Ministerpräsident Braun er­klärt:

Die Preußische Staatsregierung schließt sich den Erklär­

Jie Finanzverhandlungen der Alliierten.

Es ist den Vereinigten Staaten durch unmißverständliche Kundgebungen gelungen, den Aufgabenkreis der interalliierten Finanzkonferenz, die zur Zeit in Paris verhandelt, auf die eigentliche Reparationsfrage zu beschränken und die von Frankreich und England angestrebte Einbeziehung der inter­alliierten Schuldenfrage zu verhindern. So werden die Ver­treter der in Paris zusammen gekommenen interalliierten und assoziierten Mächte sich denn lediglich über die Verteilung der Ergebnisse des Dawes-Planes und der Ruhrbesetzung unter­halten. Die Reihenfolge der Prioritäten spielt dabei ebenso wie die Höhe der belgischen Prozentsätze an den Einkünften sowie die Festsetzung der amerikanischen Anteile eine große Rolle. Auch die Feststellung des Wertes der Sachlieferungen gehört zu den nicht ganz einfach zu lösenden Fragen. Nicht un- bedeutende Unstimmigkeiten sind anscheinend über die Berech­nung der Besatzungskosten entstanden. Die französlsche-belgi- sche Buchführung wird von den englischen und italienischen Sachverständigen einer eingehenden Kritik unterzogen. Die Franzosen haben bezeichnenderweise bereits zugeben müssen, daß in der Buchführungörrtümer vorhanden sind. Kenn­zeichnend für das Wesen der Pariser Schuldenkonferenz ist es, daß die Gläubiger völlig unter sich sind, während der Schuld­ner Deutschlands keine Möglichkeit hat, beratend und aus­kunstgebend sich an der Regelung von Forderungen zu be­teiligen, für die er aufzukommen hat. Bisher ist es immer Jo gewesen, daß die deutschen Leistungen seitens der alliierten Kontrollbehörden nur zu einem Bruchteile des wirklichen Wer­tes gebucht worden sind. Es ist nicht anzunehmen, daß sie in der Rolle der fordernden und des Schiedsrichters zugleich auf­tretenden Alliierten den deutschen Leistungen hinsichtlich ihres Wertes Gerechtigkeit wiederfahren lassen.

Moralische Sanierung.

Als in Frankreich seinerzeit das WortPanama" ge- wurde, da handelte es sich Beträge von etwa 4 bis 6 Millionen Franken. Heute werden, wohl gemerkt, in dem oer- armten und ausgesogenen Deutschland, in Verbindung mit den Geschäften östlicher Dunkelmänner Summen genannt, die ins- gejamt anscheinend in die Hunderte von Millionen Soldmark gehen. Wochenlang bereits hat man in eingeweihten politi- scheu und wirtschaftlichen Kreisen sich die fast unglaublich an- mutenden Tatsachen erzählt, die jetzt durch die Wirklichkeit anscheinend noch überboten werden. Wie im Einzelnen die Untersuchungen ausfallen werden, in wieweit hohe und höchste Beamte des Reiches tatsächlich persönlich an den dunkeln Vor gangen dieser Tage interessiert sind, das wird hoffentlich ein hin rücksichtsloses Vorgehen der Staatsan- n n 5ejt steht heute schon, daß öffentL Gelder Sitharho-f^0 6 Ehrenmänner zu einer Zeit ohne genügende Sicherheiten vergeben worden find, in welcher solideste und alt­

ungen des Herrn Landtagspräsidenten, hinter denen die über­große Mehrheit des Hauses steht, vollinhaltlich an. Auch Jie ist der Ansicht, der schon die Reichsregierung Ausdruck gege­ben hat, daß allgemein gehaltene Angaben und unsubstanti­ierte Beschuldigungen nicht genügen, um eine Maßnahme von solcher Tragweite zu rechtfertigen, wie sie die Hinauszögerung der Räumung der ersten Kölner Zone darstellt . . .

Die Preußische Staatsregierung ist sicher, daß auch diese neue schwere Prüfung, die wir noch nicht als unabänderlich hinnehmen können und wollen, von den Rheinländern mutig und standhaft ertragen werden wird . . Die Preußische Re­gierung wird, das ist eine Selbstverständlichkeit, die kaum noch der Erwähnung bedarf, alles, was in ihren Kräften steht, tun, um das Los der betroffenen Bevölkerung zu erleichtern. Sie wird bestrebt Jein, die Reichsregierung mit allem Nachdruck in dem Bemühen zu unterstützen, im Wege der Verhandlungen die baldige Räumung der ersten Zone und mit ihr auch des widerrechtlich besetzten Ruhrgebietes zu erwirken.

Während nach dem Schluß der Rede des Ministerpräsi­denten die Abgeordneten der Rechten wieder im Saale er­schienen, nimmt der nationalsozialistische Abg. Körner das Wort, ön dem allgemeinen Lärm bleiben seine Ausführungen im einzelnen auf den Tribünen unverständlich. Er protestiert, wie aus einzelnen Sätzen hervorgeht, dagegen, daß Minister­präsident Braun im Namen des preußischen Volkes spreche, obwohl er nicht neu gewählt sei. Zwischen den Abgeordneten der Rechten und Linken werden Schmährufe gewechselt, der Lärm steigert sich immer mehr. Ein Kommunist ruft:Da habt ihr ja eine feine Kundgebung". Als dann der Kommu­nist Kerff in einer Erklärung die Freilassung der politischen Gefangenen fordert, hält die Unruhe an.

eingesessene deutsche Wirtschaftskrise vergeblich um Kreditge­währung gebeten haben. Wenn naturgemäß auch die Kriegs­und Reoolutionserscheinungen in moralischer Beziehung zer­setzend gewirkt haben, so läßt sich doch nicht leugnen, daß ge­rade die viel gerühmten staatlich-politischenErrungenschaften" der Revolution den günstigsten Nährboden für das üppige Wachstum des Fäulnispilzes abgegeben haben. Thomas Mann hat einmal festgestellt, daß es zum Wesen der parlamentarischen Demokratie gehöre, in jedem öabre einen Skandal zu haben. Wir haben deren in einem Monat mehrere.

Die chinesische Mauer.

Pariser Brief.

(Von unserem Korrespondenten.)

Paris, den 7. Öanuar.

Daß würden, hat vor

bie Franzosen in Zolltarifverhandlungen kleinlich sein war vorauszusehen. Einer der belgischen Delegierten einigen Tagen in einem Brüsseler Blatt geklagt, Frankreich wolle sich mit einer unübersteiglichen Mauer um- gurten. Kein Land öffnet sich so schwer dem Gedanken des Freihandels wie Frankreich. Das pängt mit der Rentnerna- tur des Franzosen, mit seiner Bangigkeit im Riskieren vor allem und mit einem dritten Umstand zusammen. Dieser drit­te Umstand ist die Tatsache, daß Frankreichs Ausfuhr größten­teils Erzeugnisse umfaßt, die ohne Wettbewerb in der Welt dastehen: edelste Weine und Liköre, Primeurs. feinste Kon­serven, Parfums, Pariser Mode- und Kunsterzeugnisse - Dinge, die noch dazu den Vorzug haben, hohen Geldwert mit geringem Gewicht und Laderaum zu vereinigen

g«t, glauben die

m ? Ä^ 'brer Erzeugnisse im Ausland unter h r ^er zu sem daß sie ihre Fndustrie nur mit

A t J ^ )U ""'geben brauchen, um dann in die W rtscha slage zu kommen, die sie sich als die herrlichste aus- malen: alle Welt kauft französische Waren zu den höchsten Preisen, Frankreich aber kauft von der übrigen Welt so we- nig als möglich. Die französische Fndustrie, so glauben sie, ist bZh V 8" ^en wegen Anschaffung neuer Maschinen befreit, kann vom inländischen Konsumenten auch für weniger L 7?° Ä »i« I°rd.rn, und der »$ Konsument kann sie zahlen, weil ja die gesicherte Ausfuhr und ^^.^^^verkehr mit seinen riesigen Einkäufen von Luxus­artikeln dauernd Sold ins Land pumpen. ön keinem Land Kat man einen so abergläubischen und kritiklosen Respekt vor der Handelsbilanz wie hier. Da regiert noch ganz der alte mer­kantilistische Gedanke: je schlechtere Geschäfte die Nachbarn machen, um so bessere machen wir.

Anders läßt sich der Geisteszustand der französischen Sach­verständigen bei den Wirtschaftsverhandlungen mit Deutsch - anb und Belgien nicht erklären. Aber die Franzosen über- Jeben, daß viele ihrer Ausfuhrartikel nicht den unbedingten

Nun ist ein Zollkrieg gewiß nicht wünschenswert, und es hat ja auch den Anschein, als setzten die beiderseitigen Delegationen alles daran, um am 10. öanuar wenigstens ein Notdach fertig zu haben, unter dem französische und deutsche Fndustrie unter- kriechön und ihren Austausch fortsetzen können. Richtig und geschickt ist es, daß man von deutscher Seite den Gedanken zurUckweist, das Stocken und die Schwierigkeiten könnten mit ben politischen Ereignissen an Ruhr und Rhein Zusammenhän­gen. Wenn man Einfluß auf die öffentliche Meinung gewinnen will und es wird sich nicht nur um Einfluß auf die Gedan­kenwelt Frankreichs, sondern auch Belgiens, Englands, Ame­rikas, ja der ganzen Welt handeln dann muß man von Deutschland aus immer wieder betonen, daß wir uns in diesen Verhandlungen nicht von politischen, sondern von rein wirt­schaftlichen öbeen, leiten lassen. Wohlgemerkt: von öbeen, nicht von Interessen.

Man fühlt es hier draußen sehr gut, wie stark die Wirk­ung ist, wenn eine öbee von Deutschland kommt und nicht bloß von Ziffern geredt wird. Daß Deutschlands öbeen seinen Interessen entsprechen müssen, ist eben Aufgabe der nationalen Realpolitik, ön Deutschlands Realpolitik müssen heute zwei Gedanken Aufnahme finden: der Freihandel und die Wieder­herstellung der internationalen Freizügigkeit. Daß nur ein Deutschland, dem die Durcharbeitung und Durchführung die­ser beiden Gedanken gelingt, in die Lage kommt, die ungeheu­ren Leistungen zu vollbringen, die der Plan des Generals Dawes ihm auferlegt, wird kaum bestritten werden, ön den sechziger Öabren des vorigen Jahrhunderts kam der Freihan­delsgedanke von England und es gelang ihm damals, die chi­nesische Mauer um Frankreich zu durchbrechen und den eng­lisch-französischen Handelsvertrag zustande zu bringen. Es war für damalige Zeit ein Triumph. Setzt wird es Deutschlands Sache sein, sich der Freihandelsidee anzunehmen und eine gei­stige Atmosphäre zu schaffen, die in die französischen Gehirne dringt und sie darüber aufklärt, daß die Weltwirtschaft eine Ungelegenheit aller Lander und der Nutzen des einen auch der Nutzen des anderen ist.

Nieder ein Schandurteil.

wb. Paris, 10. Öan. Havas berichtet aus Lüttich, das Kriegsgericht für die Provinzen Lüttich und Luxemburg habe gestern den deutschen General von der Esch in Abwesenheit rum Lode verurteilt. Von der Esch wird beschuldigt, Wohn- hauser in Arlon (Provinz Luxemburg) angezündet zu haben und auf seinen Befehl seien 64 Gebäude zerstört worden. Er habe zum Nachteil der Kommunalverwaltung der Stadt Arlon 100 000 Franken erpreßt und auch einen Offizier mit Namen Lempereur getötet.

Um deutsches Eigentum.

Loudon, 101 ^an. DieMorning Post" meldet aus Washington, in amtlichen Kreisen werde mitgeteilt, daß die Regierung bereit sei, zuzugeben, daß der Wert desLevia- than und anderer früherer deutscher Schiffe, die von der amenkaniUben Regierung nach der Kriegserklärung übernom­men und jetzt unter der Kontrolle des Schiffahrtsamtes stehen, von dem Betrag der anderen Ansprüche an Deutschland abge- jogen werden sollen. Diese Schiffe seien niemals unter die Kontrolle des Verwalters des beschlagnahmten feindlichen Ei­gentums gekommen, fonbern direkt in die Hände der Regier- uiig. Das übrige beschlagnahmte Eigentum befinde sich in Verwahrung des amtlichen Verwalters und, wenn auch die amerikanische Regierung nicht einverstanden sei, daß das Ei­gentum dazu benutzt werde, die Forderungen von Privatper- fonen gegen Deutschland zu bezahlen, so sei sie doch bereit, wenn oeit kommen sollte, in der die gegenwärtige Politik abae- aichert werden sollte, zuzugeben, daß irgendwelche auf diese Weise gewonnenen Summen unter die Gesamtsumme der Re- parationsansprUche gebracht werden sollen. Doch komme dies bei ben jetzigen Verhandlungen nicht in Frage, da die Washina toner Regierung fest auf dem Standpunkt verharre, daß die amerikanischen Forderungen durch den Anteil an den Annui- taten des Dawesplanes getilgt werden sollten und nicht aus anderer Quelle.

Geburtenrückgang in England.

wb. London, 10. öan. Die Blätter berichten über ein dauerndes Fallen der Geburtenziffern in England. Das Fahr 1923 weise die niedrigste Geburtenziffer dieses Fahrhunderts auf, ausgenommen die anormale Kriegsperiode.